Nach einem zähen Spiel gelingt es dem TSV 1860 München, einen Punkt aus Halle mitzunehmen. Was noch im September als unterirdische Leistung bezeichnet worden wäre, gibt nun vielleicht etwas Anlass zur Hoffnung. Damit stellt sich die Frage: Freier Fall bei den Löwen gestoppt?
Ein Punkt in einem zerfahrenen Spiel
Es war wahrlich kein Augenschmaus, was uns die Löwen und der HFC gestern im Jahn-Sportpark zu Halle boten. “Abstiegskampf pur” wäre eine passende Bezeichnung. Allerdings stehen die Löwen dafür in der Tabelle (noch) etwas zu weit oben. Nach zwei Minuten hatte Halle bereits zwei große Chancen auf der Habenseite, aber Marco Hiller konnte beide Male ein frühes Gegentor verhindern. In der 22. Minute konnte Morgalla in höchster Not mit einer artistischen Einlage erneut einen Gegentreffer verhindern. Danach berappelten sich die Löwen etwas und hielten besser dagegen. Aus dem Nichts hätte Marcel Bär nach einem Abwehrfehler der Hallenser 1860 in der 33. Minute in Führung bringen können. Doch Gebhart lenkte seinen Schuss noch um den Pfosten. In der 64. Minute hatte Bolyki dann das 1:0 für Halle auf dem Fuß, er setzte den Ball aber Gottseidank über den Kasten von Hiller. Bis zum Schlusspfiff passierte dann nichts Nennenswertes mehr und die Löwen holen den zweiten Punkt unter Günther Gorenzel.
Freier Fall gestoppt? Gründe, die dafür sprechen
Die Löwen haben sich seit zwei endlich mal nicht mehr komplett in ihr Schicksal ergeben. Es war so etwas wie Kampfeswille zu erkennen und nach der starken Hallenser Anfangsphase war das Schlimmste zu befürchten. Das hat die Mannschaft gestern verhindert. Ein Schritt nach vorne, meiner Meinung nach. Außerdem war die Mannschaft bis zum Schluss “wach”, hielt dagegen und hatte sogar zeitweise das Geschehen unter Kontrolle. Wobei das – beim allem Respekt gegenüber dem HFC – eigentlich das Mindeste ist, was man erwarten kann. Wer weiß, was dieser Sieg mental in der Mannschaft bewirkt. Die Verunsicherung war ihr über die kompletten 98 Minuten anzusehen, aber jetzt hat sie ein kleines Erfolgserlebnis und kann darauf aufbauen. Hoffentlich!
Freier Fall gestoppt? Gründe, die dagegen sprechen
Das Team wirkt nach wie vor komplett verunsichert. Im Spiel nach vorne fehlte es eigentlich an Allem. Abstimmung der Offensivspieler untereinander? Nicht vorhanden. Mal eine Chance selbst aus dem Spiel herausarbeiten? Fehlanzeige. Die Abwehr wirkte teilweise unsortiert und das Stellungsspiel einzelner Spieler war teilweise haarsträubend. Besonders bei Abwehrchef Jesper Verlaat, der bereits nach einer Spielminute drei eklatante Abwehrfehler zu Buche stehen hatte. Hinzu kommt die nach wie vor katastrophale Bilanz der Spiele nach der WM-Pause: 1-2-4. Darunter befinden sich die Spiele gegen die drei letztplatzierten Teams der Tabelle. Das ist nach wie vor besorgniserregend und die gestrige Leistung gegen einen Abstiegskandidaten macht nicht gerade Hofnung.
Schwere Wochen liegen vor uns
Ich prophezeihe, dass noch einige schwere Wochen vor uns liegen. Ich hoffe, dass der mentale Effekt des gestrigen Punktgewinns wirkt und der Mannschaft zu Selbstvertrauen verhilft. Aber das ist nicht mehr als eine Hoffnung. Die Mannschaft braucht aus meiner Sicht einen neuen Ansatz. Günther Gorenzel mit seiner vekopften Art kann sie offenbar nicht wirklich erreichen. Zwei Punkte aus vier Spielen sind einfach nicht genug. Besonders, wenn man sich die Tabellenplätze der Gegner anschaut: 18 (Oldenburg), 20 (Meppen), 11 (Verl) und 16 (Halle). Das macht nicht gerade Hoffnung für die nächsten Wochen…
Trainersuche scheint zu stocken
Nachdem Gorenzel ja zunächst verkündete, die “finalen Kriterien” zur Verpflichtung eines neuen Trainers zu kennen, spekulierte der kicker, dass diesem dann doch noch diverse Gremien zustimmen müssen. Falls das stimmt, sind das wohl einzigartig langsame Entscheidungsprozesse, die einen Verein komplett handlungsunfähig machen. Und man fragt sich natürlich, was eigentlich die Kompetenz eines Geschäftsführers ist. Und warum er ein Geschäfstführergehalt kassiert, wenn er doch nur Vorschläge in Gremien einbringen kann. Rund um das gestrige Spiel kursierte das Gerücht, dass Stefan Reisinger zum Cheftrainer befördert werden soll. Ich bin mir nicht sicher, ob das die Ideallösung ist. Zum Einen kann er als Teil des bisherigen Systems aus meiner Sicht nur schwer neue Impulse setzen. Zum Anderen kann ich mir kaum vorstellen, wie er das neben seiner Ausbildung zum Fußballlehrer stemmen soll. In der Praxis würde wahrscheinlich Gorenzel einen Großteil der Trainingseinheiten durchführen, wie es damals bei Daniel Bierofkas Ausbildung auch der Fall war. Welchen positiven Effekt diese Rochade dann haben soll, erschließt sich mir nicht vollends. Außer vielleicht, dass sie fast kein Geld kostet. Das ist wahrscheinlich der entscheidende.
Und auch der Dauerstreit zwischen Anthony Power und der Fanszene dürfte mit der gestrigen Enthüllung der dem Merchandising-Chef gewidmeten Fahne in weitere spannende Runden gehen. Eins ist also sicher: Langweilig wird’s nicht werden beim TSV 1860 München…
















