Wenn ich zur Zeit über den TSV 1860 München nachdenke, kommt mir oft ein Lied namens “Wasted Years” von Iron Maiden in den Sinn.
Verkauf an einen unbekannten Geschäftsmann
Seit sage und schreibe zwölf Jahren ist Hasan Ismaik nun Mehrheitsaktionär bei der TSV 1860 München KGaA. Durch seinen Einstieg konnte anno 2011 die Insolvenz abgewendet werden. Die damalige Vereinsführung befürchtete nach einem wahrscheinlichen Neustart in der 5. Liga den Fall in die Bedeutungslosigkeit. Daher entschieden sie sich, Anteile an der KGaA an den mysteriösen Geschäftsmann Hasan Ismaik aus Abu Dhabi zu verkaufen. Wie der ehemalige Aufsichtsrat Otto Steiner nun in einem Interview mit der SZ erklärt, erschien es der damaligen Führung als das kleinere Übel, sich mit Haut und Haaren einem “Investor” auszuliefern, über den so gut wie nichts bekannt war.
Verkauf an Ismaik rückblickend eine Fehlentscheidung
Mittlerweile ordnet Steiner seine damalige Entscheidung als Fehler ein. Besonders die Kommunikation mit Hasan Ismaik und seinen Statthaltern stellte sich als mehr als problematisch dar. Steiner beschreibt sie mit einem schönen Bonmot: “Der Dialog [mit Ismaik] ist daran gescheitert, dass es nie einen gab.” Desaströser kann man eine Geschäftsbeziehung wohl nicht auf den Punkt bringen. Möglicherweise liegt eine Ursache für das von Anfang zerrüttete Verhältnis zwischen den Gesellschaftern (an dem durchaus andere Präsidien als das aktuelle im Zeitverlauf beteiligt waren) im Nicht-Verstehen (oder Nicht-Akzeptieren?) der 50+1 Regel. Ismaiks Statthalter Power postete Entsprechendes im Verlauf der letzten Woche.
Zwölf verlorene Jahre für 1860
Zwölf Jahre dümpelt 1860 seit dem Anteilsverkauf nun schon ohne nennenswerte Fortschritte vor sich hin. Einzige Konstante sind mehr oder wenige große Finanznöte und mehr oder weniger scharf ausgetragene Streitigkeiten zwischen den Gesellschaftern auf offener Bühne. Die Hoffnung der Rockaholixs Buam und anderer Löwenfans auf ausgiebige Finanzspritzen des “Scheichs” erwiesen sich von Beginn an als Fata Morgana. Einzige Zäsur war der Doppelabstieg 2017, bei der Ismaik per SMS der Süddeutschen Zeitung (nicht etwa Vereinsvertetern als zweitem Gesellschafter oder dem DFB) mitteilte, dass er die geforderten Bürgschaften für einen Start in der dritten Liga nicht übernehmen wollte. Das führte uns zwar zurück ins Grünwalder Stadion und auch ein wenig zu uns selbst. Aber auch seit 2017 sind keinerlei langfristigen strategischen Entwicklungen zu erkennen, die den TSV 1860 irgendwie in eine gesunde Zukunft führen könnten. Es geht Jahr für Jahr drum, den Kopf finanziell über Wasser zu halten.
Finanziell steht der KGaA konstant das Wasser bis zum Hals
Die KGaA ist ein bilanziell überschuldetes Unternehmen, das ohne positive Fortführungsprognose Insolvenz anmelden muss. Die guten Ansätze wie “schwäbische Hausfrau” (nur noch ausgeben, was man einnimmt) und der bei vielen verhasste Konsolidierungskurs unter dem aktuellen Präsidium verliefen nach meiner Wahrnehmung im Sande und so haben wir eine KGaA, die bei weitem nicht kostendeckend arbeitet. Was man so hört, fehlen der KGaA pro Jahr etwa 2 Mio. €, um den Etat für ein konkurrenzfähiges Drittliga-Team beieinander zu haben. Diese 2 Mio. € muss Ismaik vereinfacht gesagt jedes Jahr in Form von Genussscheinen bereit stellen. Dass sich sein Spaß, das zu tun in Grenzen hält, kann ich sogar verstehen. Würde er das Kapital nicht bereit stellen, hätte 1860 wohl einen Kader, der schwer um den Klassenerhalt kämpfen müsste und ein Abstieg läge durchaus im Bereich des Möglichen.
Wasted Years werden weiter gehen
Was würde dann passieren? Auch im Falle eines Abstiegs würde Hasan Ismaik nicht enteignet und die Gesellschafter-Querelen würden eine Liga tiefer sicher verstärkt weiter gehen. Und auch die Finanzlöcher würden in der Regionalliga genauso wie in der dritten Liga weiter bestehen. Was heißt das? So lange Hasan Ismaik Gesellschafter bleibt und mit seinem Mitgesellschafter jede ernsthafte strategische Diskussion zum Wohle seines eigenen Investments verweigert und ausschließlich über Facebook kommunizieren will, werden wir am Status Quo keine Veränderung erwarten können. Die von Iron Maiden besungenen “Wasted Years” gehen also auf unbestimmte Zeit erstmal weiter. Es wird keine Perspektive geben und auch die hervorragende Jugendarbeit im NLZ ist letzen Endes für die Katz, weil wir unsere Talente nicht halten werden können.
Es muss eine Lösung gefunden werden
Ich denke, dass Hasan Ismaik ohne Aussicht auf jede Verbesserung daran kein Interesse hat, jedes Jahr etwa 2 Mio. € in die KGaA zu stecken. Tut er das nicht, wird der Wert seiner Investition aber weiter sinken. Eventuell könnte die KGaA sogar tatsächlich eine Insolvenz ereilen, wenn sie ihre Rechnungen ein Mal nicht bezahlen könnte. Was in diesem Falle passiert, ist schwer vorherzusagen. Angeblich enthält der Kooperationsvertrag für diesen Fall unvorteilhafte Klauseln aus Sicht des e.V. Am Ende verlieren in diesem Falle alle Beteiligten. Man kann als Löwenfan nur hoffen, dass sich die Gesellschafter einigen, diese perspektivlose Konstellation zu ändern. Tun sie das nicht, werden wir immer weiter in diese hoffnungslose Sackgasse ohne Wendemöglichkeit hineinfahren. Außerdem werden wir uns durch Gesellschafterstreitigkeiten sowie unsägliche Facebook-Postings weiterhin der Lächerlichkeit preisgeben. Um das zu beenden, liegt es an Hasan Ismaik sein Investment endlich wie ein seriöser Geschäftsmann zu behandeln und mit seinem Mitgesellschafter Lösungsoptionen zu diskutieren! Und zwar nicht via Facebook. Tut er das nicht, muss das Präsidium eine Strategie entwickeln, wie dieser Albtraum beendet werden kann. Vielleicht kommen ja dann die von Iron Maiden im Lied angesprochenen “Golden Years”.