Diese Woche wird es ernst für Anton Hiltmair. Der 40-Jährige stellt sich dem Verwaltungsrat für den Posten des Finanz-Geschäftsführers vor. Er wurde wie berichtet von der HAM-Seite gefordert, was ihn selbst überraschte, da er bisher transparente Gespräche sowohl mit dem e.V., wie auch mit HAM hatte.
Sechzger.de hat mit Hiltmair gesprochen und stellt ihn vor
Hiltmair kommt aus dem Münchner Osten, ist 40 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Er absolvierte die FOS und eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten, gefolgt von einem Auslandssemester in New York. Anschließend machte er seinen Betriebswirt an der Munich Business School und verbrachte ein Jahr an der Cass Business School City University in London und legte dort den Master für Finanzen ab. Heute betreibt er das Unternehmen „Wohnen und gut leben“ mit dem Schwerpunkt Immobilien-Verrentungen.
Hiltmair hat sich für den Posten des Geschäftsführers beworben, kam in die engere Auswahl und überzeugte in einer Gesprächsrunde mit dem Beirat.
Zu den Löwen kam Hiltmair als Sponsor, unterschrieb den damaligen Brandbrief, trat dem Bündnis Zukunft bei, um es nach Abschluss der inhaltlichen Themen wieder zu verlassen.
Wir haben mit dem 40-Jährigen gesprochen:
Anton Hiltmair über…
…seinen Weg zum TSV 1860 München
„seit dem 26.10.21 – dem Pokalspiel gegen Schalke, habe ich gewusst, dass sind genau die ehrlichen Emotionen, die ich gesucht habe und hier will ich mich engagieren. Ich bin dann zur kommenden Saison als Sponsor eingestiegen und habe schnell viele Problemstellungen der KGaA direkt mitbekommen.
Aus unserer Sicht wurden wir als Sponsor damals nicht wirklich gut betreut wurden, das war schade da wir sehr positiv an die Sache herangegangen sind. Pfeifer war gefühlt der Mann, der sich noch am meisten darum gekümmert hat, aber er hatte natürlich x andere Baustellen.
So kam ich auch mehr oder weniger zufällig zu diesem sogenannten ‚Sponsorenbrandbrief, den ich rein inhaltlich unterschrieben habe. Mir ging es darum, dass Pfeifer für uns der bemühteste Mitarbeiter für unser Sponsoring war, daher war er für uns in dieser Phase ein wichtiger Fixpunkt. Dass dieser Punkt dann so politisch wurde, war sicher nicht mein Ansinnen.
Aber über diese Sponsoren kam ich dann tatsächlich direkt zum Bündnis; wie beim Sponsorenbrandbrief ging es mir von Anfang an um inhaltliche Themen – übrigens war auch im Bündnis zur Gründung ein Wahlkampf nie ein Thema. Daher kam die Chance über das Bündnis viele relevanten Personen und Problemstellungen der KGAA kennenzulernen sehr gelegen.
Seither reizt mich die Aufgabe für 1860 tätig zu werden. Ich komme aus München, habe viele Kontakte zu potenziellen Sponsoren. Die Sponsoren brauchen jemanden im Verein, dem sie vertrauen. Pfeifer war sehr bemüht, aber er hatte keinen Münchner Touch. Es bringt aktuell aus meiner Sicht nichts, jemanden zu holen, der 1860 nicht kennt“
…seinen Rückzug vom Bündnis Zukunft
„Ich habe aus dem Bündnis gefühlt als einer von wenigen den Kontakt zu den Fans gesucht und das Bündnis für mich genutzt, um die Schwachstellen bei den Löwen herauszufinden. Der Mann der ausschließlich Vorstands-Vorsitzenden-Gespräche will bin ich nicht, ich gehe lieber mit den Leuten in eine Kneipe und diskutiere die Themen – gerne auch kontrovers. Inzwischen habe ich mir alle Seiten angehört und wollte von Anfang an eine inhaltliche Bereicherung sein und kein Streitobjekt im Wahlkampf.
Ich habe noch immer die Worte von Robert Reisinger im Ohr: Unternehmer gehören in aktive Posten der KGaA und nicht in den Verwaltungsrat.“
…seine eigene Firma
„Ich kann meine Firma guten Gewissens von heute auf morgen in die Hände meiner Kollegen geben.“
… sportliche Projekte in der Vergangenheit
„Wenn ich mich für etwas begeistere und mir ein Ziel gesetzt habe, dann ziehe ich das durch. So war es auch 2013, als wir Jayjay als ersten Togolesen zu einer Weltmeisterschaft geschickt haben. Er ist über 50 Kilometer Langlauf angetreten, war ein paar Wochen davor noch nie auf Skiern gestanden. Ich habe damals über 60.000 Euro Sponsorengelder akquiriert, alles organisiert und Togo erstmals zu einer Wintersport-WM gebracht. Seitdem sind sie immer dabei. Auch bei Olympia. Ein außergewöhnlich erfolgreiches Projekt.“
…seine Ziele mit den Löwen
„Wir müssen wieder eine Euphorie erzeugen. Ich schaue mir heute noch immer wieder das Video vom Pokalspiel gegen Schalke an, das war echte Euphorie. Ich habe die nötigen Kontakte im Münchner Mittelstand und Unternehmerbereich. Wir brauchen neue Kontakte und müssen das Vertrauen in der Stadt zurückgewinnen, das Image der Löwen aufbessern. Zudem ist es mein Ziel den Löwen wieder ein bayrisches Gesicht zu geben, hier denke ich an renommierte Ex-Löwen aber auch Ex-Löwen, die heute noch aktiv sind und durchaus willig sind ihre Karriere bei Sechzig ausklingen zu lassen. Hier habe ich erste positive Signale erhalten. “
…seine rote Vergangenheit
„Ich war tatsächlich Bayernfan, dies kann und will ich auch nicht leugnen. Ich war aber auch unfassbar oft bei den Spielen von 1860, schon zu Zeiten im Olympiastadion. Es gab viele Spielzeiten da war ich sicher öfter bei Sechzig als bei Bayern.
Sechzig und das Grünwalder haben mich immer schon fasziniert, so war ich zum Beispiel auch bei der damaligen Rückkehr ins Grünwalder gegen Bate Borisov im UI CUP sofort wieder im Stadion. Ich war nie ein Hardliner.
Ich habe den Bayern über die Jahre immer mehr abgeschworen. Der FC Bayern ist nur noch ein globaler Konzern ohne Herz und Seele. Das ist nicht mehr meine Welt.
Als Kind oder Jugendlicher tut man sich für so einen finalen Vereinswechsel sicherlich schwer, aber in einem gewissen Alter achtet man mehr auf seine eigenen Werte und hier kann ich ganz ehrlich sagen, da hat mich Sechzig nun seit einigen Jahren gewonnen.
Ich liebe es einfach mit der Tram von meiner Firma in Haidhausen nach Giesing zu fahren. Auch das Drumherum macht die Löwen zu etwas Besonderem, die Stimmung im und rund um das Grünwalder Stadion, damit kann ich mich identifizieren. Wie in meiner Firma lebe ich das Bayrische Lebensgefühl und brauche ehrliche Emotionen im Fußball. Es wäre ein Traum von mir, mit den Löwen am Marienplatz zu stehen und den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu feiern.“
…das Video mit dem Bayern-Schal
„Diese Fotos und Videos sind ja nun schon seit meinem Bündnis Eintritt im Umlauf und ich kenne sie natürlich, als ich mit meiner Frau – sie hat übrigens eigentlich gar keinen Bezug zum Fußball – zum Pokalfinale gefahren bin. Der “Danke Franz” Schal ist übrigens über 10 Jahre alt und nicht aus 2024. Mir ist klar, dass meine Bayern-Vergangenheit ein Makel ist, aber ich gehe offen damit um und würde mich freuen, wenn ich durch meine ehrliche Art auch eine faire Chance bekomme inhaltlich zu überzeugen.“
… das Spruchband in Sandhausen
„Wer mich nicht persönlich kennt und nun erstmal nur mit den Bildern konfrontiert wird, muss als Löwen Hardliner ja fast so reagieren, daher habe ich in der aktuellen aufgeheizten Phase dafür auch ein grundsätzliches Verständnis. Da ich meine Bewerbung vorab auch mit Personen, welche der Fanszene nahestehen besprochen habe, war mir schon zu Gründungszeiten des Bündnisses klar, dass die Bayernvergangenheit bekannt ist und auch unterschiedlich kritisch gesehen wird.
Mir wurde von den meisten Seiten mitgeteilt, im e.V. hast du damit nichts verloren, die KGaA ist anders zu bewerten, hier zählt die Arbeitsleistung, auf dieser Basis habe ich agiert.“
…wie geht es nun weiter
„Ich stehe für Transparenz und habe aus ehrlicher Überzeugung, dass ich aktuell helfen kann, meinen Namen in den Ring geworfen. Offen habe ich beide Gesellschafter kontaktiert und hatte bisher mit beiden Seiten einen sehr guten Austausch, dass sich HAM anscheinend bereits für mich entschieden hat, kann ich nicht beurteilen, aber da ich auch mit dem e.V. in einem guten und ehrlichen Austausch bin, hoffe ich natürlich auch hier auf die Zustimmung zu meiner Person und nicht aufgrund irgendwelcher Forderungen aus Verträgen.
Auch will ich final klar festhalten, dass ich den Job nur annehmen möchte, wenn sich der Verwaltungsrat und das Präsidium mit mir einen gemeinsamen Weg vorstellen können, es muss eine einstimmige Entscheidung im Beirat zu meiner Person geben.
Es sollen alle wieder an einem Strang ziehen, damit man gemeinsam den Wunsch nach einem bayrischen 1860 mit echten Löwen als Identifikationsfiguren an der Spitze des Vereins auch umsetzen kann.
Um auch zu zeigen, dass ich an meiner Arbeit gemessen werden will und auch für die Fanszene zu Kompromissen bereit bin, könnte ich mir vorstellen meine Anstellung bis zum Mai 2026 zu befristen. Da ich an mich selbst den Anspruch habe, bis dahin alle inhaltlichen Themen umgesetzt zu haben. Für diese Zeit würde ich mir dann die oben genannte Einigkeit wünschen, denn dann bin ich der Meinung, wäre Großes möglich. Dann hätte man heute eine gute Lösung für die KGaA gefunden. Ich stehe für einen neuen Weg, mit voller Überzeugung und Konzentration auf den Profifußball. Kommt auf mich zu, mit mir kann man über alles reden.“