In Pipinsried wurde am gestrigen Samstag wieder einmal der Platz gestürmt, als der TSV 1860 München in dem kleinen Ort im Landkreis Dachau zu einem Pflichtspiel antrat. Dieses Mal waren es allerdings nicht die Löwenfans, die voller Freude auf dem Platz jubeln durften. Die Gastgeber warfen die Löwen aus dem Toto-Pokal, das Erreichen des DFB-Pokals in der nächsten Saison dürfte damit kaum noch machbar sein. Es ist ein letzter Warnschuss – einen weiteren gab es davon in der vergangenen Woche auch abseits des Platzes.
Warnschuss Nummer 1: Pipinsried ringt die Löwen nieder
Nach dem Sieg gegen Saarbrücken wurde im Auswärtsblock bei einigen Löwenfans bereits über ein mögliches Halbfinale im Toto-Pokal diskutiert. Als Los wurde Pokalschreck Illertissen genannt, die zu diesem Zeitpunkt bereits als Teilnehmer an der Runde der letzten Vier feststanden. Darüber hinaus war der Slogan “Rekordpokalsiegerbesiegerbesieger” in aller Munde. Häme für den Lokalrivalen – nur um dann eine Woche später selber eine noch größere Blamage zu erleben.
Maurizio Jacobacci wählte im Vergleich zum Auswärtssieg in der Liga eine komplett andere Startaufstellung. In Pipinsried standen mit Michael Glück und Kilian Ludewig lediglich zwei Akteure von Beginn an auf dem Platz, die auch im Ludwigsparkstadion der ersten Elf angehört hatten. Das Ergebnis ist bekannt: der Bayernligist ging früh in Führung. Ein erster Warnschuss für den TSV 1860, der sich davon in der restlichen Spielzeit nicht mehr erholen konnte – trotz langer Überzahl und einem Elfmeter. Das Spielgeschehen dominierten die Löwen durchaus, doch die daraus resultierenden Chancen waren einfach zu wenig. Die Offensive präsentierte sich einmal mehr ideenlos, uninspiriert und vor allem viel zu harmlos.
Mannschaft mit enttäuschender Leistung
In der Pressekonferenz verteidigte Jacobacci seine Aufstellung, man könne nicht von einer B-Elf sprechen. Das mag in Anbetracht von Namen wie Marco Hiller, Albion Vrenezi oder oder Niklas Tarnat sogar stimmen, macht das Ganze aber eher noch schlimmer, als es eh schon ist. Die Diskussionen um die Trainer-Personalie wurden nach der Niederlage in Pipinsried deutlich lauter. Jacobacci reagierte auf der Pressekonferenz dünnhäutig, vor allem aber war er eines: ratlos. Das dürfte sich mit der Gefühlswelt der Löwenfans decken, die im Stadion oder vor dem Fernseher nach der gezeigten Leistung sprachlos waren.
Wer aber trägt nun die Hauptschuld am Ausscheiden im Viertelfinale? Ist es der Trainer, der die Aufstellung gewählt hat? Der im Sommer den Kader zusammenstellte ohne die Unterstützung eines Sportdirektors? Sicherlich kann man dem 60-Jährigen einiges ankreiden, auch die harschen Reaktionen auf die Fragen der Journalisten in der Pressekonferenz. Die aufgestellten Spieler hätten Potential so Jacobacci – und in diesem Punkt kann man ihm nicht widersprechen. Die Aufstellung liest sich nicht so, als hätte man den Bayernligisten auf die leichte Schulter genommen. Ist also die Mannschaft verantwortlich für den Auftritt in der 600-Seelengemeinde? War die Einstellung der Spieler nicht korrekt? Gestandene 3.Liga-Spieler sollten es durchaus im Kreuz haben, gegen den FC Pipinsried den einen oder anderen Treffer zu erzielen.
So oder so – eine Veränderung auf der Position des Trainers ist ohnehin nicht zu erwarten. Denn das lange befürchtete Machtvakuum kommt nun vollends zum Tragen. Geschäftsführer Pfeifer ist nicht in der Position, den 60-jährigen Italo-Schweizer momentan zu entlassen. Es käme aus Sicht des Mitgesellschafters in der aktuellen Konstellation einem Zugeständnis gleich. So wird man also an Jacobacci festhalten, ungeachtet der Ereignisse vom 18.November 2023.
Warnschuss Nummer 2: der Zustand des Nachwuchsleistungszentrums
Noch viel schlimmer – da zukunftsweisend – ist der Bericht von Fußball-Abteilungsleiter Thomas Bohlender auf der jährlichen Mitgliederversammlung am Dienstagabend einzuordnen. Das NLZ und vor allem die Plätze an der Grüwalder Straße 114 seien in einem bedrohlichen Zustand. Der vielgenutzte Kunstrasenplatz weise demnach an einigen Stellen bereits Bruchstellen auf. Das Verletzungsrisiko für die Spieler erhöhe sich dadurch massiv. Zudem müssen drei Rasenplätze dringend saniert werden. Die Kosten belaufen sich auf etwa 800.000€ – pro Platz. Geld, das die KGaA schlicht und ergreifend nicht hat.
Der DFB ist bereits auf die Zustände bei den Löwen aufmerksam geworden und hat dies in einem Schreiben auch kund getan. Es drohen Einscheidungen, deren Folgen zurzeit noch nicht in voller Gänze absehbar sind. Doch sie dürften dramatisch sein. Die Junglöwen sind – vollkommen zurecht – etwas, worauf jeder beim TSV 1860 München stolz sein darf. Mit den aktuellen Zuständen droht zunächst eine Kürzung der Fördergelder. Auch eine Herabstufung des Nachwuchsleistungszentrums könnte erfolgen. So oder so, die hohe Qualität der Ausbildung dürfte unter diesen Umständen nicht mehr lange möglich sein.
Die Fußballabteilung könnte bei den dringend benötigten Sanierungen selbst aktiv werden – wenn die Erbpachtregelung überarbeitet wird. Alle Verantwortlichen sind dazu aufgerufen, zumindest in diesem Punkt sämtliche Befindlichkeiten hinten anzustellen. Die Nachwuchsarbeit beim TSV 1860 München muss weiter auf dem bisherigen Niveau stattfinden können. Ansonsten drohen den Löwen noch düstere Zukunftsaussichten als ohnehin schon. Der Warnschuss ist abgegeben – es ist Zeit zu handeln!