Unser Leser Stefan ist ein Weltreisender in Sachen Fußball. Bereits des Öfteren haben wir auf sechzger.de über seine Trips rund um die Erdkugel berichtet. Im Jahr 2015 verschlug ihn sein Hobby Groundhopping nach Kolumbien – viel Spaß beim Lesen!

Der Traum von der Copa Libertadores

Bei meiner Reise durch Kolumbien im Frühjahr 2015 konnte ich mir endlich einen langersehnten Traum erfüllen: ein Spiel der Copa Libertadores, dem südamerikanischen Pendant zur Champions-League, sehen.

Ein Heimspiel des Clubs Atletico Nacional Medellin in Kolumbien sollte es sein. Die Grün-Weißen aus der Stadt von Drogenkönig Pablo Escobar sind einer der größten Vereine des Landes und konnten diesen Cup 1989 schon mal gewinnen. Anders als unsere Champions-League ist die Copa Libertadores finanziell nicht so auf Rosen gebettet. Das jedoch hat den positiven Nebeneffekt, dass nicht jedes Jahr die selben sechs Mannschaften den Titel unter sich ausmachen. Allein in den 15 Jahren von 2005 bis 2019 gab es 13 verschiedene Sieger.

Groundhopping Kolumbien

Im letzten Spiel der Gruppenphase traf Atletico Nacional auf den Club Libertad aus Paraguay. Beide Teams waren punktgleich auf den Plätzen eins und zwei, nur ein Punkt dahinter aber wartete La Plata aus Buenos Aires. Ein Sieg bedeutet also das sichere Weiterkommen in die Ausscheidungsspiele.

Das Estadio Atanasio Girardot ist eine riesige, teilüberdachte, typisch südamerikanische Schüssel für 53.000 Menschen mit zwei Rängen. Aus Paraguay kamen keine Gästefans angereist, sodass die etwa 43.000 Besucht allesamt für Nacional und dementsprechend auch in grün-weiß gekleidet waren.

Ich sollte nicht enttäuscht werden: Die Barra Brava hatten ein riesen Sortiment an Fahnen, Bannern, Trommeln und Liedern aufgeboten und zeigten zu Spielbeginn eine gute Choreo aus Luftballons.

Einheitliche Schwenkfahnen

Was mir überaus gut gefallen hat und was ich vorher noch nirgends gesehen habe: Im Fanblock waren überall die selben Fahnen zu sehen. Etwas größer als typische Fanshop-Fahnen, aber dennoch im einheitlichen Farbmuster mit Vereinslogo, wobei aber jeweils auch der Fanclubname, oder ein Ortsteil mit auf der Schwenkfahne stand. So verschwammen die einzelnen Fanclubs, die komplett hinter ihrem Verein standen, zu einem großen, einheitlichen Ganzen. Ein paar Wochen später habe ich zu Hause von dieser Idee erzählt und kurz darauf habe ich überall die Aufkleber der ML gesehen, garniert mit den unterschiedlichen Stadtvierteln. Ob es da einen Zusammenhang gab?

Spielerisch ließ Atletico nichts anbrennen und gewann sicher mit 4:0. Drei der Tore fielen in der zweiten Halbzeit. Und je mehr feststand, dass hier kein Ausscheiden mehr zu befürchten war, desto mehr sangen sich alle Zuschauer fast in einen Rausch. Überall wurden grünweiße Regenschirme, Luftballons und Trikots geschwenkt und typisch südamerikanisch gehüpft und gesprungen. Abgerundet wurde das tolle Bild noch mit den Lichtern der Favelas an den Hängen rund um das Stadion. Es war ein wunderbarer Abend, der natürlich im Anschluss noch mit ein paar “Club Colombia”-Bieren abgerundet wurde.

Große Geste gegenüber Chapecoense

Atletico Nacional qualifizierte sich also für die Ausscheidungsspiele, verlor dort aber schon in der ersten Runde gegen Emelec aus Ecuador. Für den Club ging jedoch das darauffolgende Jahr 2016 in die Geschichtsbücher ein, als die begehrte Trophäe zum ersten Mal seit 1989 wieder gewonnen wurde.

Auch beim zweithöchsten Turnier, der Copa Sudamericana, nahm Atletico teil und schaffte es bis ins Finale. Dieses jedoch wurde niemals ausgespielt, da das Flugzeug des Gegners Chapecoense im Landeanflug für das Hinspiel in Medellin am 28. November 2016 abstürzte und fast die gesamte Mannschaft der Brasilianer in den Tod riss.

Atletico Nacional verzichtete zugunsten Chapecoense auf den Titel und die Siegprämie. Obwohl das Finalspiel nicht stattfinden konnte, trafen sich dennoch 52.000 Anhänger von Nacional im Stadion, und sangen gemeinsam die Hymne von Chape. Die SZ schrieb dazu:

“Es waren 90 Minuten Fußballstimmung, ohne dass ein Ball rollte, vielleicht einer der größten Momente der jüngeren Sportgeschichte.”

Groundhopping Kolumbien
Im Estadio Atanasio Girardot von Atlético Nacional

Groundhopping auf sechzger.de

In den letzten Monaten erschienen bereits einige Groundhopping-Artikel auf sechzger.de. Hier eine kurze Übersicht:

Groundhopping Rumänien
Groundhopping Mazedonien bzw. Nordmazedonien
Groundhopping Armenien
Groundhopping Thailand
Groundhopping Ukraine
Groundhopping Kuba
Groundhopping Montenegro
Groundhopping Indien
Groundhopping Kirgisistan
Groundhopping Saudi-Arabien
Groundhopping Antarktis (Südgeorgien)

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ein sehr spannender Wettbewerb. ich schaue das immer gern.