Start Blog Seite 1078

Sechzig@18:60 – jede Menge News am Sonntag Abend!

0

von Thomas Enn

Morgen geht’s also los in die Saison 20/21! Trainingsstart beim TSV 1860. Für viele von uns und wahrscheinlich auch unserer Leser war das früher ein blau im Kalender angestrichener Tag. Ein Tag, an dem man den TSV 1860 immer als volksnahmen, greifbaren und fanorientierten Verein wahrnehmen konnte.

Das knapp einwöchige Trainingslager wird vom 26.- 31.08. in Windischgarsten (wie letztes Jahr) stattfinden, ansonsten wird in Giesing weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert.

Das Thema Zuschauerzulassung ist mittlerweile auch beim bayerischen Ministerpräsidenten angekommen, der in einem Interview der Bild am Sonntag Skepsis äußert, „dass wir im August weitere Lockerungen beschließen können. Daher bin ich auch als Fußballfan sehr skeptisch zum Start der Bundesliga. Geisterspiele ja, aber Stadien mit 25.000 Zuschauern halte ich für sehr schwer vorstellbar.”

Uns würden ja 15.000 schon reichen…

Aber vor dem Hintergrund der aktuell wieder steigenden Fallzahlen, erscheint ein Saisonstart mit Geisterspielen immer wahrscheinlicher. Hierzu gibt es am Dienstag nochmals eine Versammlung der DFL, auf der beschlossen werden soll, wie es für die oberen beiden Spielklassen weiter gehen soll. Erfahrungsgemäß werden diese Beschlüsse größtenteils auch eine Liga drunter zu Anwendung kommen.

Möglicherweise wartet die KGaA noch die Ergebnisse des Dienstags ab, um (endlich) den Dauerkartenverkauf starten zu lassen. Immer noch ist unklar, welche Modelle angeboten werden. Ein Blick zu anderen Vereinen zeigt, das Modell einer „Fixkarte“ (automatischer Verzicht auf Rückerstattung bei Geisterspielen, dafür Bevorzugung bei Spielen mit reduzierter Kapazität) und einer „Flexkarte“ (Rückerstattung oder Ticketgutscheine für Geisterspiele) relativ oft zu Einsatz kommt.

Wir sind gespannt, was uns bei den Löwen erwartet. Vielleicht hat die Crew des neuen GF Pfeifer noch eine Überraschung in petto, die Geld in die Kassen bringt.

Zum Thema Geld hat das Löwenmagazin einen lesenswerten Artikel rund um das Darlehen der Bayerischen und seine Rückzahlung, die insgesamt 6,3 Mio. abrufbaren Darlehen des sogenannten „nachhaltigen Finanzpakets“, das die Gesellschafter beschlossen haben, und die Hypothek für das Bürogebäude auf dem Trainingsgelände veröffentlicht:

https://loewenmagazin.de/rueckzahlung-oder-hypothek-das-darlehen-des-hauptsponsors-in-der-diskussion/

Selbst nach mehrmaliger Lektüre bleibt für uns weiter unklar, wieso das „nachhaltige Finanzpaket“, eine Erhöhung des Etats nicht zulässt. Einen ähnlichen Artikel gab es bereits am 17.07. in der SZ: https://www.sueddeutsche.de/sport/tsv-1860-muenchen-das-darlehens-paradoxon-1.4970364.

Wenn es Marc-Nicolai nun gelingen sollte, viele zusätzliche Sponsoring Millionen zu akquirieren, müssten es möglich sein, diese in den Kader zu investieren. Die 6,3 Mio sollten doch immer noch als „eiserne Reserve“ dienen. Vielleicht kann das ja nochmal jemand erklären?

Wie dem auch sei… Wir freuen uns auf den Trainingsstart morgen (dann wird hoffentlich wieder mehr über Fußball und weniger über Geld geredet) und wir werden Euch wie gewohnt in der Saisonvorbereitung über alles Wissenswerte informieren.

Testspieltermine bekannt / Trikot-Vorstellung verschoben

0
löwenstüberl

Sechzig informierte heute, dass folgende Testspiele aktuell terminiert sind:

Samstag, 15.08. SpVgg Bayreuth

Samstag, 22.08. Jahn Regensburg

Weitere Infos zu Anstoßzeit, Spielort etc. sind bisher nicht bekannt.

Wahrscheinlich hofft man, dass es doch noch irgendwie möglich sein wird, diese Spiele wenigstens vor einer kleinen Kulisse durchführen zu können. Das Spiel gegen Regensburg soll immerhin gestreamt werden und in diesem Rahmen, die eigentlich für morgen geplante Vorstellung des Heimtrikots stattfinden.

Sechzig um Sieben: Vor 29 Jahren – das erste Löwen-Heimspiel nach der Bayernliga gegen den VfB Leipzig / heute Löwenstüberl-Weißwurstfrühstück

0

Heute vor 29 Jahren – das erste Pflicht-Heimspiel in der 2. Bundesliga-Süd gegen den VfB-Leipzig, nachdem die Löwen zuvor 9 Jahre in der drittklassigen Bayernliga verbrachten. Im Youtube-Video sieht man ab Minute 06:30 die Einschätzung der Polizei über die Leipziger – und aufgebrachte Löwenfans, weil die Westkurve durch Zäune ab dieser Saison getrennt wurde (übrigens noch kein Zaun direkt unter der Anzeigetafel). Es war die erste Saison, in der Ost- und West-Vereine wieder gemeinsam in einer Bundesliga spielten.

[vc_video link=”https://www.youtube.com/watch?v=IbeKzlSLBog” title=”TSV 1860 – VfB Leipzig, 02.08.1991″]

+++

Heute gibt es wieder einen Frühschoppen im Löwenstüberl mit Live-Musik – Wirt Bene freut sich über euren Besuch.

📌📌Sonntag ist Frühschoppen📌📌 🎶 Live Musik mit De Wadlbeißer 🥘 Kesselfrische Weißwürscht Kommt ab 10h in unseren Wunderschönen Biergarten Mia Gfrein uns #löwenstüberl #elil #kultursommer

Gepostet von Löwenstüberl am Samstag, 1. August 2020

Heute vor drei Jahren: Geisterspiel gegen Nürnberg / heute: Sechzig@18:60 entfällt aus gutem Grund

0

Vor exakt drei Jahren fand das erste “Geisterspiel” einer 1860-Profimannschaft statt (bei den Amateuren gab es Jahre zuvor schon einmal eines) – als Reaktion auf Fehlverhalten der 1860-Fans in insgesamt 6 Spielen – das ausschlaggebende dürften vor allem die Vorkommnisse beim Relegationsspiel gegen Jahn Regensburg gewesen sein.

Zu diesem Spiel gab es einen schönen Artikel im Zeitspiel-Magazin – verfasst von Wolfgang Budack. Die Bilder im Beitrag sind ebenso wie die Bilder hier von den Groundhoppers 1860 -viel Spaß beim lesen!

++

Wenn es im Sommerloch nichts zu schreiben gibt, dann hat man zwei Möglichkeiten: Man malt die üblichen – wie jedes Jahr nicht eintreffenden – Untergansszenarien an die Wand, oder aber man lässt den lieben Gott nen guten Mann sein und vertraut in die Herren, die uns die letzten Jahre nicht enttäuscht  haben. Wir entscheiden uns – nicht nur heute – für letzteres.

Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: Das Transferfenster ist noch gute 2,5 Monate geöffnet.

[vc_media_grid grid_id=”vc_gid:1596294594674-4064ecfc-3e1a-5″ include=”2638,2639,2640″]

Sechzig um Sieben: Drei aus dem Nachwuchs für den Kader – Trainingsauftakt am Montag

0

Matthew Durrans, György Szekely und Ahanna Agbowo – das sind die neuesten drei Namen, die den Löwen-Kader für den Trainingsauftakt am Montag vorläufig komplettieren werden. Alle drei entstammen dem NLZ – Agbowo ist uns schon im Januar im Trainingslager in La Manga aufgefallen.

Für die Löwenfans ist der aktuell noch sehr junge Kader noch kein Grund in den Panikmodus zu verfallen – das Transferfenster ist vom 15. Juli bis zum 05. Oktober geöffnet.

++

Keine genauen Infos gibt es zum Trainingsauftakt – wir vermuten stark, dass am Montag erst einmal der Laktattest (die Jahre zuvor in der Sportschule Oberhaching) ansteht und das Training am Trainingsgelände ab Dienstag stattfindet – vermutlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Sechzig@18:60 – Reformen im Profifußball +++ Vertragslose Spieler +++ Schuldenschnitt bei Hansa

1

Bei uns standen die letzten beiden Tage ganz im Zeichen zweier Interviews mit Ex-Spielern der Löwen. Gestern kam Kristian Böhnlein zu Wort, heute folgte das ausführliche Interview mit Aaron Berzel – zwei ausgesprochen angenehme und sympathische Gesprächspartner, denen wir bei ihren neuen Vereinen nur das Beste wünschen.

Und natürlich versuchen wir auch weiterhin, Euch mit interessanten News aus dem Löwen-Kosmos zu versorgen.

+++

In Sachen Transfers gibt es leider auch heute nichts Neues von der Grünwalder Straße zu berichten. Während andernorts des Spielerkarussell fleißig an Fahrt aufnimmt, herrscht bei den Löwen mit Ausnahme von Erik Tallig weiterhin Stillstand. Die Ruhe vor dem Sturm? Wer weiß… Liga 3 Online listet die 50 interessantesten vertragslosen Spieler, die für die 3. Liga relevant sein könnten und wir finden, dass da durchaus ein paar tolle Kandidaten für uns dabei wären. Was haltet Ihr denn beispielsweise von Maurice Litka, Heinz Mörschel (beide ehem. Preußen Münster), Raphael Obermair, Julian Günther-Schmidt (beide ehem. CZ Jena), Marcel Titsch Rivero (ehem. SV Wehen Wiesbaden), Steffen Nkansah (ehem. Eintracht Braunschweig) oder Björn Jopek (ehem. Hallescher FC)?

+++

Schuldenschnitt bei Hansa Rostock? Um finanziell etwas flexibler zu werden, plant Hansa, ein neues Darlehen bei der Rostocker Ostseesparkasse aufzunehmen und einen Großteil davon an Investor Rolf Elgeti fließen zu lassen, der im Gegenzug einem Schuldenschnitt zustimmen soll. Interessante Variante! Dem TSV 1860 wäre sicher mit einem Schuldenschnitt seitens Hasan Ismaiks ebenfalls sehr geholfen, zumal der Hauptanteilseigner der KGaA an der Neuverschuldung (über 20 Mio. Euro) in der Saison 2016/17 nicht so ganz unbeteiligt war…

+++

Dass der (deutsche) Profi-Fußball dringend einiger Reformen bedarf, steht wohl außer Frage. Dies sollte jedoch nicht zu Lasten von 50+1 gehen (wie von mancher Seite gefordert), sondern vielmehr durch strukturelle Veränderungen innerhalb des bestehenden Systems erfolgen. Man mag vom FC St. Pauli und seiner Fanszene ja halten was man mag, in Sachen Ideenreichtum und Engagement nimmt der Hamburger Stadtteilverein jedoch eine Vorreiterstellung ein und überrascht immer wieder mit konstruktiven Vorschlägen. In einem gemeinsamen Positionspapier wird nun gefordert, einen fairen Wettbewerb und nachhaltiges Wirtschaften im deutschen Profifußball zu implementieren und ebenso zur Grundlage des gemeinsamen Handelns in der DFL zu machen wie auch eine transparente demokratische Kultur, die den Fans einen festen Platz am Tisch einräumt. Hier findet Ihr nähere Informationen dazu – die Lektüre lohnt sich!

Aaron Berzel – Interview – Teil III (letzter Teil)

1
Aaron-Berzel-TSV-1860-Trainingslager-La-Manga
Aaron Berzel im Trainingslager in La Manga mit dem TSV 1860 im Januar 2020

Aaron Berzel – das Interview Teil 1 findet ihr hier
Aaron Berzel – das Interview Teil 2 findet ihr hier

sechzger.de: Es gab ja von Günther Gorenzel den Ausspruch, Du wärst ein “nice to have”. Was sagst Du dazu?

Aaron Berzel: Da möchte ich gar nichts dazu sagen. Ich denke die Saison mit meinen Einsätzen hat gezeigt, dass ich nicht Spieler 15 oder 16 bin, wie da gesagt wurde, sondern eher ein Top-5-Spieler.

sechzger.de: Was bei Sechzig ja immer ein leidiges Thema ist, ist der Streit zwischen den Gesellschaftern. Bekommt ihr Spieler das mit? Beeinflusst das eure Leistung?

Aaron Berzel: Also, ich bin jetzt keiner, der alle Presseartikel rauf und runter liest, aber manches bekommt man ja auch von Freunden oder Verwandten zugeschickt und die fragen einen dann schon, was bei Sechzig eigentlich los ist. Man fragt sich, warum ist es eigentlich nicht möglich, dass beide Seiten aufeinander zugehen? Dann wäre so viel möglich bei 1860. Ich habe mir oft Gedanken gemacht und gedacht „zusammen seid ihr viel stärker“. Ich bin da neutral, für keine Seite – am Ende des Tages ist wichtig, was mit dem Verein passiert.

sechzger.de: Weniger schön war ja auch die Zeit in Münster: Du wurdest vom Training ausgeschlossen und hast dann darauf geklagt wieder daran teilnehmen zu dürfen. Was war da los?

Aaron Berzel: Das würde hier absolut den Rahmen sprengen. Das ging damals soweit, dass ich schon überlegt hatte mit Fußball aufzuhören. Zum Glück hab ich in der Zeit Carina kennengelernt, das war ein starker Rückhalt und in dieser Zeit sehr wichtig. Von Münster ging es dann weiter nach Elversberg und dann schon zu 1860.

sechzger.de: Würdest Du Dich rückwirkend wieder für den Weg Profi-Fußballer entscheiden? Wann war klar, dass Du Profi werden willst?

Aaron Berzel: Schon sehr früh, ich habe ja mit 3,5 Jahren schon bei uns im Verein angefangen und bin dann relativ früh nach Hoffenheim gewechselt. Klar, als Kind will jeder Profi werden, aber so richtig kam das dann mit 12 bis 13 Jahren. Mit 14, 15 Jahren geht dann der Druck schon so richtig los und ab der U17 ist es dann schon fast wie im Profigeschäft. Ich bin mit 17 dann ins Internat nach Wolfsburg. Das war eine super-geniale Zeit, immer gute Jungs um einen rum gehabt, immer lustig.

Vermutlich wurde ich mich wieder für diesen Weg entscheiden, weil die Liebe zum Fußball größer ist als alle unangenehmen Begleiterscheinungen.

sechzger.de: Was sind Deine Pläne für nach der Karriere? Was würdest Du machen, wenn Du nicht Fußball-Profi wärst?

Aaron Berzel: Ich hab ja mein Abitur gemacht, danach ein abgeschlossenes Fernstudium in Sportmanagement. Ich hab schon ein paar Ideen, aber noch nichts ganz Konkretes in der Schublade.

Plötzlich ist beim Interview einer der Vorsänger aus der Westkurve am Tisch – er ist zufällig bei einer anderen Veranstaltung im Giesinger Garten zugegen. Man tauscht ein paar Sätze aus – er kennt Aaron, Aaron kennt ihn. Da ist sie noch etwas spürbarer, die Verbundenheit von Aaron Berzel zum TSV 1860.

 

Sechzger.de: Aaron, man sieht, dass Du bei den Löwen-Fans sehr beliebt bist. Du hast ja nicht nur tausende Follower auf Instagram, sondern es gibt Sticker, Memes…

 Aaron Berzel: Es gibt Memes von mir? Aber ernsthaft: Mit das schlimmste für mich ist, dass ich mich von den Löwen-Fans nicht ordentlich verabschieden konnte. Das war letzte Saison schon so, als es auf der Kippe stand – da bin ich beim letzten Heimspiel vor der Kurve gestanden und dachte mir „das ist vielleicht das letzte Mal“ – da ist schon die eine oder andere Träne geflossen. Das hätte ich mir für dieses Jahr auch gewünscht.

sechzger.de: Wir gehen stark davon aus, dass Du, wenn Du mit TürkGücü kommst und Fans im Stadion zugelassen sind, Dir ein großer Applaus sicher sein wird.

Aaron Berzel: Das würde mich riesig freuen und ist mir viel, viel mehr wert als vieles andere – da merkst Du, dass Du einen Fußabdruck hinterlassen hast und nicht so verkehrt sein kannst.

Das Interview führten Benedikt Niedergünzel & Stephan Tempel.

PS: Das Bild wurde uns von einem Fan zur Verfügung gestellt, der die Löwen im Januar 2020 ins Trainingslager nach La Manga begleitet hatte. Dort startete sechzger.de nach fast 20-jähriger Pause wieder mit der Berichterstattung rund um den TSV 1860 München.

 

 

 

Aaron Berzel – Interview – Teil II

2
Aaron Berzel und junge 1860-Fans

Aaron Berzel im Interview – den ersten Teil haben wir heute morgen statt “Sechzig um Sieben” veröffentlicht – hier klicken.

sechzger.de: Wie sind die Reaktionen der Löwen-Fans ausgefallen?

Aaron Berzel: Da hatte ich mir zwei bis drei Tage, bevor ich unterschrieben habe, schon Gedanken gemacht, ich hatte einen kleinen Shit-Storm befürchtet. Allerdings waren 99% der Reaktionen positiv. Ich glaube, die Leute haben gesehen, dass ich mich immer für den Verein zerrissen habe. Das habe ich auch in den Kommentaren als Wertschätzung zurückbekommen. Einige Fan-Clubs haben mir die Ehrenmitgliedschaft angeboten, was ich sehr gerne annehme – das freut mich sehr. Ich denke, dass ich oft das verkörpere, was den Verein ausmacht. Dass ich gerne für Sechzig weitergespielt hätte, das ist ja kein Geheimnis.

sechzger.de: TürkGücü ist ja einer von vier Vereinen in bzw. nah um München, die bei einem Wechsel natürlich auch den Vorteil haben, dass ein Spieler nicht umziehen muss.

Aaron Berzel: Also, einen Verein von denen können wir sofort ausschließen. Das hätte ich nicht machen können, weil meine Verbundenheit zu Sechzig so groß ist. Allerdings freue ich mich jetzt auch auf TürkGücü: Das ist ein spannendes Projekt, da freue ich mich natürlich auch meinen Teil dazu beizutragen, um so erfolgreich wie irgendwie möglich zu sein. Das wird ein richtig starker Kader.

sechzger.de: Warum ist genau zu Sechzig Deine Verbundenheit so groß? Du warst ja schon bei ein paar anderen Vereinen, die zum Teil auch eine starke Fanbasis haben.

Aaron Berzel: Von den anderen Vereinen war am ehesten Darmstadt mit Sechzig vergleichbar: Die ticken sehr ähnlich, haben eine gute Fanbasis, auch ein altes Stadion und sind mehr der Underdog. Das war neben Sechzig der Verein, bei dem ich mich am wohlsten gefühlt habe.

Bei Sechzig ist das halt ein Wahnsinn: Da bin ich selbst auf der Wiesn, in Tracht, komplett anders aussehend auf viele Meter in einer Menschentraube erkannt worden.

Die Geschichte von der Wiesn ist in Fankreisen bei 1860 durchaus bekannt: Aaron feierte mit ein paar Löwen-Fans, die ihn erkannten, spontan auf der Wiesn und zog mit denen dann noch nach Giesing weiter. Er versprach ihnen, demnächst bei einem Spiel ihrer Freizeit-Kicker-Mannschaft vorbeizuschauen – und diese staunten nicht schlecht, als Aaron Berzel ein paar Tage später bei einem Spiel von ihnen wirklich an der Seitenlinie stand. Darauf angesprochen erklärt Aaron Berzel, dass er eben ein ganz normaler Mensch sei, der zu seinem Wort steht.

sechzger.de: Hand aufs Herz Aaron: Allianzarena oder Sechzgerstadion?

Aaron Berzel: Ich mag ja diese alten Stadien, wie die von St. Pauli, Union Berlin, Darmstadt oder eben auch das Sechzgerstadion. Die sind was Besonderes! Die neuen Stadien sehen alle irgendwie gleich aus. Man muss das Sechzgerstadion allerdings natürlich umbauen, so dass man damit auch Geld verdienen kann: Mit VIP-Raum, Logen, etc. und die Kapazität aufstocken.

Grundsätzlich sollte man allerdings bleiben, wenn man die Möglichkeit hat: Der Standort ist super, mit den öffentlichen erreichbar, die ganzen Boazn außen rum.

sechzger.de: Wie ist denn das damals eigentlich gelaufen, dass Du nach dem Aufstieg in den Boazn gelandet bist?

Aaron Berzel: Das war witzig. Ich bin vom Bus runter, hab dann keinen mehr gefunden und dachte, die sind schon zum Trainingsgelände gelaufen. Dann hab ich schon ein paar Fans schreien hören und bin mit denen in eine Bar, eigentlich in jede Bar – und ich durfte da hinter dem Tresen irgendwie alles. Irgendwann haben die Jungs beschlossen, mich zum Trainingsgelände zu tragen, weil ich ja davor so geackert hätte … und da haben wir uns mit Timo Gebhart, der Krücken hatte, auf den Weg zu Fuß gemacht, mit vielleicht 50 bis 100 Leuten. Als wir dann am Trainingsgelände ankamen, kam gerade der Bus mit der Mannschaft an.

sechzger.de: Dein Einstand bei Sechzig ging ja nicht ganz so glücklich los: Im ersten Spiel bist Du mit einem falsch beflockten Trikot aufgelaufen – “Brezel” statt “Berzel”. Das war sicherlich kein Marketing-Gag?

Aaron Berzel: Nein, ganz sicher nicht. Was lustig ist: Von mir wurde noch nie ein Trikot falsch beflockt, aber an dem Tag hatte ich schon ein komisches Gefühl. Dann komme ich an und da steht wirklich “Brezel”. Das Trikot ist dann ja für fast 2000,- Euro für einen guten Zweck versteigert worden, für die Johnny-Heimes-Stiftung in Darmstadt (https://dumusstkaempfen.de/).

sechzger.de: Fast 2000,- Euro für ein Trikot mit einem falschen Aufdruck von einem neuen Spieler – das Potential der Löwenfans ist einmalig. Ungewöhnlich war ja auch die Aktion, dass einige Gönner letztes Jahr Dein Gehalt übernommen haben, als dem Verein das Geld für Deine Weiterverpflichtung fehlte. Weißt Du, wer die Gönner waren bzw. sind?

Aaron Berzel: Ja, das war so ein knappes Dutzend, von denen ich tatsächlich wusste bzw. einige kennengelernt habe. Ich habe damals auch auf Geld verzichtet, bin aber unendlich dankbar, dass ich noch ein weiteres Jahr lang die Möglichkeit hatte, bei 1860 zu zeigen, was in mir steckt.

sechzger.de: Zu diesem Zeitpunkt ist ja der Kader von den Verantwortlichen bei Sechzig, aber auch von den Medien als sehr schlecht dargestellt worden. Was verursachen solche Aussagen bei einem Spieler?

Aaron Berzel: Zu dem Zeitpunkt, als das geschrieben worden ist, war ich ja noch nicht verpflichtet (lacht kurz). Aber ernsthaft: Biero hat das ja auch ab und zu an die Presse gegeben – aber ich glaube, das hat er gemacht, um dafür zu sorgen, dass noch mehr passiert und noch mehr geht – das ist zumindest meine Interpretation.

Teil III – der letzte Teil – folgt um 18:00 Uhr
Udate: Teil III online – hier klicken

Aaron Berzel: Der Ex-Löwe im sechzger.de-Interview

7
Aaron-Berzel-interview

Aaron Berzel wurde von den Fans des TSV 1860 nach dem Aufstieg 2018 buchstäblich auf den Händen vom Stadion zum Trainingsgelände getragen. Als 2019 eine weitere Saison bei den Löwen an den finanziellen Möglichkeiten des Vereines zu scheitern drohte, sprangen mehrere Gönner ein, um eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen.

2020 ist die Lage beim TSV 1860 nicht zuletzt durch Corona noch angespannter – dieses Mal endet die Spielzeit von Aaron Berzel beim TSV 1860: Er unterschreibt beim Münchner Aufsteiger TürkGücü und verabschiedet sich mit einem emotionalen Instagram Post.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Habe die Ehre 💙 Schwer vorstellbar und so richtig in Worte fassen kann ich es nicht..aber meine Zeit bei 1860 wird nach dieser außergewöhnlichen Saison leider enden..Ein solches Ende ohne die Möglichkeit zu haben mich bei euch Fans richtig verabschieden zu können macht mich unglaublich traurig, denn ihr habt immer wie ein Fels bedingungslos hinter mir und dem gesamten Team gestanden..Die Momente wenn man aus den Katakomben kam Eure Choreos sah und dazu die Stimmung die sowohl aus der Westkurve als auch aus der Stehhalle kam bereitet mir allein beim Gedanken daran schon wieder eine Gänsehaut! Ich bedanke mich für diese absolut geile und verrückte Zeit im Löwentrikot und werde immer ein Stück von diesem Verein im Herzen tragen. Jeder der mich ansatzweise kennt weiß dass ich mein letztes Hemd und noch mehr für den Verein gegeben habe und auch in Zukunft gegeben hätte..wie man merkt fällt mir der Abschied alles andere als leicht und ich könnte wohl noch unendliche Beispiele nennen wieso die Zeit hier für mich eine ganz besonders intensive war die weit über den normalen Job hinausging..aber mir bleibt leider keine andere Wahl..Danke an alle die meine Zeit hier so besonders gemacht haben und vor allem danke an euch Fans die ich nie vergessen werde und hoffe dass ihr mich auch weiterhin bei euch in der Kurve und im Stadion willkommen heißt! Die Zeit gekrönt vom Aufstieg war unglaublich und euer Support, Zuspruch und Engagement einzigartig. Am Glas habt ihr natürlich auch immer ordentlich Gas gegeben was der ein oder andere mir auf der Wiesn auch unter Beweis gestellt hat 🍺 Für mich war das hier kein Job oder ein Projekt sondern die Fussballfamilie bei der ich mich auch in Jahren noch Zuhause fühlen werde.. Einmal Löwe Immer Löwe 🦁💙 Servus Aaron ✌🏼 ___________________________________________________________#löwen#timetosaygoodbye#fans#stolz#tsv1860#ELIL#Familie#Grünwalderstadion#danke#vomvirusinfiziert#BDB#AB22

Ein Beitrag geteilt von Aaron ✌🏼️ (@aaronberzel22) am

sechzger.de traf sich mit Aaron Berzel zum Interview im Giesinger Garten – bei herrlichem Wetter unter schattigen Kastanien ging das Interview im Gegensatz zu einem Fußballspiel deutlich länger als 90 Minuten.

sechzger.de: Zäumen wir das Pferd doch von hinten auf: Wie war das am Saisonende bei euch in der Mannschaft? Das hat nach außen so gewirkt, als wäre da ein wahnsinniger Teamspirit gewesen.

Aaron Berzel: Ja, das ist richtig. Wir haben uns als Team super verstanden, das hat nicht zuletzt die Rückrunde gezeigt: Wir haben viele Punkte geholt, einige Rückstände aufgeholt. Im Team hat es gestimmt, es hat immer gestimmt. Ich finde es schade, dass diese Mannschaft auseinanderbricht.

Ich glaube auch, wenn Corona uns nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte, wäre es einfacher gewesen, den Lauf fortzusetzen.

sechzger.de: Lange Zeit war ja fraglich, ob überhaupt weiter gespielt wird – auch wir in der Redaktion hatten dazu unterschiedliche Meinungen. Wie war das bei euch?

Aaron Berzel: Ich muss ehrlicherweise sagen, dass es für mich zunächst nicht danach aussah, als würden wir wieder spielen. Ich finde, man konnte beide Seiten nachvollziehen – die, die spielen wollten ebenso wie diejenigen, die nicht spielen wollten.

Es war halt etwas komisch, dass genau die Vereine, die ganz oben oder ganz unten standen, abbrechen wollten. Wir haben uns mit Zoom-Workout fitgehalten, wobei das auf Dauer auch langweilig wird. Wir haben es aber alle durchgezogen und auf den Tag hingearbeitet, wo es dann zumindest in Kleingruppen wieder auf den Platz ging.

sechzger.de: Was war dann der Unterschied bei den Spielen? Wie fühlt es sich an, in einem großen, leeren Stadion zu spielen?

Aaron Berzel: Wir haben uns ja am Trainingsgelände umgezogen und sind dann zum Stadion gefahren. Wenn Zuschauer da sind, dann ist das was ganz anderes. Wenn du rausgehst, die Choreos siehst, da läuft es dir eiskalt den Rücken runter, das gibt dann noch einmal ein paar Prozente mehr Adrenalin.

sechzger.de: Glaubst Du, dass die Geisterspiele den TSV 1860 Punkte gekostet haben?

Aaron Berzel: Schwer zu sagen, weil sich auch vieles über die Saison ausgleicht. Ich bin allerdings der Überzeugung, dass mit Zuschauern mehr möglich gewesen wäre, nicht zuletzt, weil die Kulisse auch auf den Gegner wirkt.

sechzger.de: Ein paar Monate vor Corona gab es ja bei den Löwen einen Trainerwechsel und danach lief einiges besser. Was hat sich unter Köllner im Gegensatz zu Bierofka geändert?

Aaron Berzel: Grundsätzlich muss man sagen, dass das zwei ganz unterschiedliche Typen sind, die den Fußball total unterschiedlich sehen. Manchmal genügt es schon, an ganz kleinen Stellschrauben zu drehen, um wieder Erfolg zu haben. Das bedeutet nicht, dass Biero irgendwas schlecht gemacht hat. Es ist ja oft so, dass nach einem Trainerwechsel auf einmal Sachen wieder funktionieren.

Beide Trainer haben eine unterschiedliche Art, wie sie ins Spiel gehen oder trainieren. Ich kann über beide nur Positives sagen – ich bin bei beiden zu meinen Spielen gekommen.

sechzger.de: Aaron, Du wärst gerne bei Sechzig geblieben, das hast Du auch immer wieder betont. Wie lief das jetzt schlussendlich, dass Du bei TürkGücü gelandet bist?

Aaron Berzel: Es hatten sich schon während der Saison und vor Corona andere Vereine um mich bemüht. Das haben mein Berater und ich auch gegenüber Sechzig transparent kommuniziert, wir haben Sechzig aber auch gesagt, dass der Verein Ansprechpartner Nummer eins für uns bleibt.

Bei Sechzig war es ja so, wie es aktuell laut Medien auch noch ist: Kein Handlungsspielraum vorhanden. Dann kam der Moment, wo wir Sechzig gesagt haben, dass wir jetzt ein Angebot vorliegen haben, welches wir auch annehmen würden. Günther Gorenzel hatte aber kein Budget, zumindest nicht für den Defensivbereich. Es gab leider keine Perspektive.

Ich wäre vermutlich wieder „so blöd“ gewesen und hätte auch nur bei einem Fünkchen Hoffnung gewartet, um bei Sechzig bleiben zu können. Dabei wäre ich aber Gefahr gelaufen am Ende ganz ohne Vertrag dazustehen. Das wäre in meiner Situation, noch dazu mit einer schwangeren Frau nicht machbar gewesen. Ich befürchte ja, dass wir diesen Sommer so viele arbeitslose Fußballer wie noch nie haben werden. Da wollte ich nicht dazu gehören. Ich habe ja auch eine gewisse Verantwortung…

Teil II folgt um 13:00 Uhr, Teil III um 18:00 Uhr.

Update: Link zu Teil II

Sechzig@18:60 – Bekiroglu international +++ Trainersuche FCB II +++ Interviews mit Ex-Löwen +++ Entspannung auf Norddeutsch

1

Efkan Bekiroglu wird in der kommenden Saison mit seinem neuen Verein Alanyaspor definitiv auf der europäischen Bühne auftreten. Zwar verlor der Club von der Mittelmeerküste das gestrige türkische Pokalfinale mit 0:2 gegen Trabzonspor, qualifiziert sich als Tabellenfünfter der Süper Lig jedoch für die Europa League. Wir wünschen Efkan natürlich alles Gute – nicht nur auf internationalem Parkett – und hören demnächst mal rein, um zu erfahren, was er in Folge 27 des offiziellen Löwen-Podcasts, in dem ihn Jan Mauersberger zum Abschied nochmal befragte, alles zu erzählen hatte. Ihr auch?

+++

Eine Woche vor Trainingsstart steht Titelverteidiger FC Bayern München II noch immer ohne Trainer da. Nachdem sich Sebastian Hoeneß in Richtung TSG Hoffenheim verabschiedet hat, wurde u.a. Tobias Schweinsteiger als möglicher Nachfolger ins Spiel gebracht. Laut kicker bahnt sich jedoch eher eine interne Lösung an: Dirk Teschke, Ex-Löwe Danny Schwarz, Miroslav Klose und Martin Demichelis haben kurz- und mittelfristig wohl die besten Karten. Das Thema soll uns aber wirklich nur ganz am Rande tangieren.

+++

Interviews mit Fußballspielern sind heutzutage ein relativ rares Gut. Die meisten Vereine erlauben ihrem kickenden Personal keine eigenmächtig vereinbarten Gespräche mit der lauernden Meute an Journalisten, Bloggern etc. Dabei sind es oft gerade die O-Töne, die interessante Einblicke in das Leben und Wirken der Profis geben. Unverfälscht und unkommentiert. So empfinden wir auch unser Gespräch mit dem – leider muss man sagen – Ex-Löwen Kristian Böhnlein. Hier ist das Interview mit dem zukünftigen Schweinfurter nochmal nachzulesen.
Übrigens: Morgen könnt Ihr schon das nächste Interview mit einem sympatischen ehemaligen Löwen hier bei Sechzger.de lesen. Gleich in der Früh geht es los – statt Sechzig um Sieben. Das Aufstehen lohnt sich also auch am letzten Tag im Juli! 🙂

+++
Ein schönes Beispiel, wie entspannt und sachlich das Fußballgeschäft – auch in der 3. Liga – betrachtet und behandelt werden kann, liefert aktuell der SV Meppen. Schon vor über zwei Wochen wurde dort der neue Trainer Torsten Frings vorgestellt – einen Vertrag hat er bis heute noch nicht unterschrieben. Die Kaderplanung und die Saisonvorbereitung laufen im hohen Norden derzeit so intensiv und fokussiert, dass man “einfach noch keine Zeit gefunden hat”, Frings’ Arbeitspapier zu unterzeichnen, wird der Trainer selbst zitiert. “Aber das ändert nichts daran, dass man jetzt schon mit der Arbeit beginnt!” – Wir wollen unsere Münchner Löwen keineswegs mit den Emsländern vergleichen und auch die Medienstadt München nicht mit dem beschaulichen Meppen – aber wir wollen uns gleichzeitig auch nicht ausmalen, was hier an der Isar in einer vergleichbaren Konstellation in Sozialen Medien, kommerziellen Blogs und den Tageszeitungen los wäre…