Alle Jahre wieder
Jedes Jahr zu einem gewissen Zeitpunkt stellt sich beim Löwenfan ein Gedanke ein: „Dieses Jahr steigen wir auf!“ Es wird einem quasi in die Wiege gelegt. Denn diesen Spruch hört man, seit man Fan ist, regelmäßig von allen Arten von Fans. Egal, wie abstrus und abwegig dieser Gedanke in der jeweiligen Situation eigentlich ist. Auch diese Saison ist es nicht anders. Dabei standen die Chancen vor einigen Monaten denkbar schlecht. Die Umstände sollten mittlerweile allen bekannt sein, und dennoch scheint es so, als hätte man die Chance, den Aufstieg zu realisieren oder zumindest das Aufstiegsspiel zu erreichen.
Die „Amateurliga“ Regionalliga Bayern
Dass die Regionalliga Bayern zwar eine Amateurliga ist und unter den Regionalligen in Deutschland als eine der schwächeren angesehen wird, ändert nichts daran, dass sie alles andere als ein Zuckerschlecken ist. Das haben die Sechzger spätestens bei den Aufeinandertreffen mit Buchbach oder Burghausen gelernt. Aktuell stehen die Löwen auf Rang drei, mit sechs Siegen, sechs Unentschieden und einer Niederlage. Doch könnte das schon für den Aufstieg reichen?
Aufstieg in der Regionalliga Bayern 2025/26
In der vergangenen Saison durfte nicht der Meister, Nürnberg II, an den Aufstiegsspielen teilnehmen. Der Verein hatte bekannt gegeben, nicht aufsteigen zu wollen. Stattdessen rückten die Würzburger Kickers nach, die mit zwei Punkten Rückstand auf Nürnberg auf dem zweiten Platz standen. Die Kickers setzten sich in den Aufstiegsspielen gegen Lok Leipzig durch und stiegen in die 3. Liga auf.
Ein kleiner Schritt zurück: Am 2. März 2026 stellten vier Mannschaften den Antrag auf Zulassung zur 3. Liga: Wacker Burghausen, die Würzburger Kickers, Rot II und die SpVgg Unterhaching. Letztere zogen ihre Bewerbung bereits frühzeitig zurück, nachdem klar geworden war, dass die finanzielle Situation in Haching einen Aufstieg nicht hergeben würde. Burghausen und Rot II stellten den Antrag wohl eher pro forma, denn sie lagen zum damaligen Zeitpunkt im Aufstiegsrennen bereits zwölf beziehungsweise acht Punkte hinter dem Tabellenführer. Doch welche Auflagen müssen die Klubs eigentlich erfüllen?
Auflagen für die 3. Liga
Der Aufstieg in die 3. Liga stellt Vereine nicht nur sportlich, sondern vor allem finanziell, infrastrukturell und organisatorisch vor enorme Herausforderungen. Die Anforderungen des DFB sind hoch und für kleinere, ehrenamtlich geprägte Vereine nur schwer zu erfüllen.
Die Klubs müssen zunächst ihre finanzielle Leistungsfähigkeit nachweisen. Der DFB prüft die eingereichten Unterlagen und untersucht, ob der Verein den Spielbetrieb in der 3. Liga über die gesamte Saison hinweg wirtschaftlich bewältigen kann. Dazu gehören auch die geltenden Eigenkapitalanforderungen. Der reine Sportetat für Spielergehälter sowie Honorare für den Trainer- und Betreuerstab liegt bei einem Drittligisten im unteren Bereich bei rund 2,5 bis 3 Millionen Euro. Dieser Betrag bildet eine finanzielle Mindestgröße, um eine professionelle und halbwegs konkurrenzfähige Mannschaft aufstellen zu können. Hinzu kommen weitere Ausgaben für den Spielbetrieb, die Infrastruktur, das Personal und die Verwaltung. Zum Vergleich, der letztjährige Etat der Löwen lag vermutlich bei ca. 6,3 Millionen Euro. Dieser wäre um 1,8 Millionen gesunken wenn der TSV in Liga 3 geblieben wäre.
Auch die Anforderungen an das Stadion stellen eine erhebliche Hürde dar. Die Spielstätte muss mindestens 5.001 Zuschauerplätze bieten, davon mindestens 2.001 Sitzplätze. Darüber hinaus sind eine Rasenheizung und ein TV-taugliches Flutlicht für Abendspiele erforderlich. Auch die Presse- und Ehrentribüne müssen überdacht sein. Für Aufsteiger können bei einzelnen Anforderungen Ausnahmen gelten. Alternativ besteht grundsätzlich die Möglichkeit, in einem anderen Stadion zu spielen, das den geltenden Vorgaben entspricht. Eine solche Lösung würde allerdings zusätzliche organisatorische und finanzielle Belastungen mit sich bringen.
Neben den wirtschaftlichen und infrastrukturellen Voraussetzungen prüft der DFB auch die organisatorischen Strukturen der Vereine. Dazu zählen das erforderliche Personal, die administrativen Abläufe und gegebenenfalls die Gesellschaftsstruktur. Der Schritt in den Profifußball erfordert somit nicht nur eine leistungsfähige Mannschaft, sondern auch professionelle Strukturen, die einen deutlich höheren Verwaltungs- und Organisationsaufwand bewältigen können.
Wer kann dieses Jahr aufsteigen und wer rückt nach?
Wer bis zum entsprechenden Stichtag einen Antrag auf Zulassung zur 3. Liga stellen wird, ist derzeit noch unklar. Die SpVgg Unterhaching verzeichnete 2024/25 ein Defizit von mehr als 17 Millionen in der Bilanz und erlebte eine Phase mit zahlreichen Trainerabsprüngen. Wacker Burghausen steht nach eigenen Aussagen vor einem Konsolidierungsjahr, während sich die Würzburger Kickers bereits in der 3. Liga befinden. Absteiger Schweinfurt hat seinen Investor verloren, plant eher für den Amateursport und steht vor einer ungewissen Zukunft. Auch Bayreuth blickt finanziell unsicheren Zeiten entgegen und kehrte freiwillig zum Amateurgeschäft zurück.
Tabellenführer Buchbach und der Tabellenzweite Memmingen erfüllen die Auflagen vermutlich nicht. Und die Löwen? Sie könnten wahrscheinlich sämtliche Voraussetzungen erfüllen. Ob ein Aufstieg ein finanzielles Risiko darstellen würde oder ob es generell sinnvoll wäre, sofort aufzusteigen, können wir nicht beurteilen.
Doch was passiert, wenn bis auf einen anderen Verein und 1860 keiner die Lizenz beantragt? Angenommen die Löwen stehen in der Tabelle vor diesem einem Verein. Dann würden die Löwen in das Aufstiegsspiel gegen den Meister der Regionalliga Nord gelangen. Entscheidend dabei ist dass die Löwen vor dem anderen Verein in der Tabelle stehen. Ob Platz 2. oder Platz 16. ist dabei nicht relevant. Dass der beispielsweise acht Platzierte ins Relegationsspiel komme würde, spräche allerdings nicht für die Regionalliga Bayern.
In der Regionalliga Nord steht aktuell der SC Weiche Flensburg 08 mit dem wohl besten Spieler der Liga, Erolind Krasniqi, auf Platz 1. Flensburg stellte im letzten Jahr jedoch keinen Antrag für die 3. Liga. Nur der SV Meppen, SV Drochtersen/Assel und der VfB Oldenburg wollten in Liga 3. Es bleibt also abzuwarten wer der potentielle Gegner aus dem Norden sein könnte.