Heute vor 35 Jahren war ein großer Tag in der Geschichte des TSV 1860 München. Dabei gelang es den Löwen damals lediglich, die drittklassige Bayernliga (offiziell: “Amateur-Oberliga Bayern”) nach schier endlosen neun Jahren endlich wieder zu verlassen. Manch ein Berichterstatter von heute hätte sich wahrscheinlich an jenem 16. Juni nur ganz zurückhaltend gefreut, schließlich lagen zu diesem Zeitpunkt die glorreichen 1960er-Jahre mit Pokalsieg, Meisterschaft und Europacupfinale noch keine dreißig Jahre zurück und der Anspruch von Münchens Großer Liebe muß – glaubt man diesen Leuten – schließlich jederzeit ein ganz anderer sein, als ein Aufstieg von einer unterklassigen in die nächsthöhere Liga. Aber damals war – zum Glück – noch vieles anders und insbesondere das Internet und die sogenannten sozialen Medien lagen noch in weiter Ferne.
Über Neunkirchen, Pforzheim & Kassel in Liga zwei
So freuten sich an diesem Sonntag Mitte Juni bei ganztägig strömendem Regen rund 30.000 Löwenfans auf Giesings Höhen und nur ein paar wenige weniger am späten Nachmittag auf dem Marienplatz über die Rückkehr des TSV 1860 in den bezahlten Fußball. Der Verfasser dieser Zeilen hatte – damals 16jährig – in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga seine ersten Löwenspiele außerhalb der bayerischen Landesgrenzen in Neunkirchen, Pforzheim und Kassel besucht und freute sich nach dem finalen Abpfiff schon sehr auf das erste echte Profispiel seines Lieblingsvereins. Dieses sollte dann Ende Juli im Freiburger Dreisamstadion stattfinden. Aber das ist eine andere Geschichte.
Löwen in der Bayernliga souverän
Was war zuvor geschehen? Ziemlich souverän hatte das Team von Karsten Wettberg, das seit dessen Amtsantritt im Februar 1990 schon fast eineinhalb Jahre kein Pflichtspiel mehr verloren hatte, die Meisterschaft in der Bayernliga gewonnen. Da man als Meister der Oberliga aber damals keineswegs automatisch aufstieg, musste man sich durch eine Aufstiegsrunde mit sechs Partien gegen die Meister der drei anderen südlichen Oberligen durchsetzen. Und da just im Herbst zuvor Deutschland wiedervereinigt worden war und auch der deutsche Fußball in diesem Sommer fusioniert werden sollte, war nur ein einziger Platz aus dieser Aufstiegsrunde in der 2. Liga 1991/92 reserviert.
Zunächst enttäuschende Aufstiegsrunde…
Die Löwen starteten mit einem durchaus zufriedenstellenden 1:1 in Neunkirchen in das Abenteuer. Es folgten zwei enttäuschende Unentschieden gegen den 1. FC Pforzheim und Hessen Kassel auf Giesings Höhen. Der Aufstieg schien in weite Ferne gerückt. Doch mit einem 4:1-Sieg beim Verteter aus Baden Württemberg und dem legendären 2:0 in Kassel an einem Mittwoch Abend (viele der tausenden mitgereisten Löwenfans sprechen von diesem Abend als dem besten, was sie jemals mit 1860 erleben durften), konnte man im abschließenden Heimspiel gegen Borussia Neunkirchen alles klar machen.
…und der finale Jubel
Und so kam es dann auch. Mit dem – unabhängig vom Ergebnis des Parallspiels in Pforzheim – ausreichenden Punkt gegen die Gäste aus dem Saarland wollten sich Walter Hainer und Co. nicht zufrieden geben. Man setze auf Sieg! Nach einer knappen Viertelstunde ließ Horst Schmidbauer Giesing erstmals beben, als er vor der Ostkurve das 1:0 markierte. Unzählige Chancen vergaben die Löwen bis zum erlösenden 2:0, das Roland Kneißl per Elfmeter fünf Minuten vor dem Abpfiff erzielte. Der Anschluss der Gäste ging bereits in den “Nie mehr Bayernliga”-Gesängen unter. Jubel, Trubel, Platzsturm! Sechzig war zurück in der 2. Liga!
Noch viel zu erzählen
So viel mehr könnte man rund um diesen 16. Juni 1991 noch erzählen. Die legendären Worte von Karsten Wettberg auf dem Rathausbalkon: “Sechzig ist nie sportlich abgestiegen, aber sportliche wieder aufgestiegen!”, die mit einem kräftigen “Scheiß DFB!” von den Fans unten auf dem Marienplatz beantwortet wurden. Der Veitstanz von Wettberg auf dem Rasen nach dem 1:0, bei dem ein Regenschirm in seine Einzelteile zerlegt wurde. Die lange Partynacht in zahllosen Kneipen der Landeshauptstadt, die riesige Euphorie, die dieser Aufstieg auslöste. Und natürlich – denn das gehört bei diesem Verein wohl dazu – die in ihrem Verlauf ganz bittere Folgesaison 1991/92 an deren Ende der (diesmal sportliche) Wiederabstieg in die Bayernliga stand.
Seit wenigen Tagen erscheint Noch-Verwaltungsratsmitglied Nicolai Walch auf der Homepage des Vereins auch als Mitglied des Aufsichtsrats. Bereits sein Einstand bot ein Kuriosum, denn direkt erwartete ihn eine einstweilige Verfügung. Im sechzger.de Interview berichtet Walch über die Hintergründe und wagt einen Blick in die Zukunft der Löwen.
Aufsichtsrat Nicolai Walch im Interview
Nicolai, du bist aus dem Beirat bereits zurückgetreten und deine Zeit im Verwaltungsrat endet mit dem Tag vor der Mitgliederversammlung. Wirft man einen Blick auf die Website der KGaA, wirst du als Mitglied des Aufsichtsrates aufgeführt. Handelt es sich hierbei um einen redaktionellen Fehler?
Nein. Nachdem kurzfristig ein Platz frei geworden ist und es in der aktuellen haftungsträchtigen Situation der KGaA sehr schwierig bis unmöglich ist, einen Ersatz zu finden, habe ich mich auf Wunsch des Präsidiums sehr spontan zur Verfügung gestellt, um auch in der Krise zu versuchen, den e.V. mit möglichst viel Mut und Haltung zum Wohle der weiterhin noch bestehenden KGaA zu vertreten.
Handelt es sich um ein „Blitz-Comeback“, wie von einem kommerziellen Blog kolportiert?
Nein, meine Entscheidung, sämtliche Ämter niederzulegen, gilt weiterhin. Am Samstag werde ich gemäß weiterhin bestehender Rücktrittserklärung aus dem Verwaltungsrat ausscheiden. Den Sitz im Aufsichtsrat werde ich niederlegen, sobald die aktuelle Phase vorbei ist.
Einstweilige Verfügung zum Einstand
Wie war Dein Einstand im Aufsichtsrat?
Noch vor meiner förmlichen Annahme des Amtes, hatte ich eine – gelinde gesagt – lächerliche einstweilige Verfügung im Beschlusswege ohne Anhörung auf dem Schreibtisch liegen. Ein herzliches Willkommensgeschenk zum Einstand! Antragsteller war Biel Ballester Relat, Antragsgegner sind neben mir Gernot Mang, Sebastian Seeböck und Herbert Bergmaier.
Worum geht es in diesem Rechtsstreit?
Der Vorsitzende lud kurzfristig zu einer Sitzung ein, um sich zum Thema “Sanierung der KGaA” auszutauschen und ggfs. Beschlüsse zu fassen. Die Antragstellerseite fühlte sich hiervon überrumpelt und befürchtete ein abgekartetes Spiel ausgerechnet zwischen uns e.V.-Vertretern und dem von Hasan Ismaik berufenen Herbert Bergmaier. Uns wird ein „kollusives Zusammenwirken“ vorgeworfen.
Keine Teilnahme an AR-Sitzung
Klingt komisch, war es wirklich so?
Natürlich nicht. Aber festhalten, es wird noch kurioser: Wir e.V.-Vertreter haben exakt aus denselben juristischen Gründen, die Ballester Biel Relat zu plagen schienen, an der Sitzung gar nicht erst teilgenommen und dies mit derselben Stoßrichtung begründet, wie der Antragsteller im gerichtlichen Verfahren vortragen ließ. Leider hatte die Gegenseite im Zeitpunkt der Antragstellung noch keine Kenntnis darüber. Warum sie anschließend trotzdem noch am Verfügungsbeschluss festhielt, entzieht sich unserer Kenntnis.
Im Nachhinein lässt sich sagen, dass Herbert Bergmaier zum Wohle der Gesellschaft handeln wollte, während sowohl Biel als auch der e.V. dem Braten nicht trauten. Typisch Sechzig!
Werdet Ihr Rechtsmittel einlegen?
Wir haben bereits die Vertretung angezeigt und Akteneinsicht beantragt. Ich bin mehr als zuversichtlich, auch dieses Verfahren erfolgreich abzuschließen.
“Masterplan” als Teil einer Diffamierungskampagne?
HAM lässt sich nun von Dr. Peter Gauweiler vertreten. Dieser hat öffentlich in den Raum gestellt, dass der e.V. einen von langer Hand geplanten “Masterplan” umsetze, übersetzt gesagt, bewusst auf die Insolvenz hinarbeite. Ist da was dran?
Es handelt sich um einen schwerwiegenden Vorwurf, der komplett an den Haaren herbeigezogen ist. Dieser ist m.E. Teil einer gezielten Diffamierungskampagne. Wo sachliche Argumente nicht vorhanden sind, wird eben auf derartig schmutzige Methoden zurückgegriffen.
Fakt ist: Die Investorenseite hat sehr kurze Zeit vor der Deadline die bestehenden Finanzierungsvereinbarungen außerordentlich und fristlos gekündigt und auch außerhalb der Verträge die notwendigen finanziellen Mittel nicht in die gemeinsame Gesellschaft eingebracht. Niemand konnte mit dieser Situation rechnen und die Kündigung der Darlehensverträge hat rechtlich keinerlei Grundlage. Diese wird mit angeblichen Pflichtverletzungen der Geschäftsführung begründet. Warum wurde dann zwei Tage (!) zuvor der Vertrag mit Manfred Paula im paritätisch besetzten Beirat einstimmig verlängert? Hinzu kommt, dass vor der Kündigung nicht einmal eine Abmahnung erfolgt ist, was bei den behaupteten Nebenpflichtverletzungen zwingend erforderlich gewesen wäre. Meiner Ansicht nach steht der Kündigung der Darlehensverträge die Unwirksamkeit auf die Stirn geschrieben.
Im weiteren Verlauf hat der e.V. eine Kompromisslösung vorgelegt, obwohl er hierzu nach einhelliger Einschätzung unserer Anwälte nicht verpflichtet war. HAM konnte oder wollte darauf nicht eingehen und legte wiederum sehr kurzfristig einen englischsprachigen Vertrag mit Bedingungen vor, die die Gesellschaft lediglich kurzfristig am Tropf gehalten hätte. Wir können und dürfen nichts unterzeichnen, bei dem man Verpflichtungen gegenüber unbekannten Dritten eingeht. Mit offenen Karten zu spielen, ist Grundvoraussetzung für eine partnerschaftliche Einigung. Der Gesamtvorgang war ein grober Verstoß gegen die gesellschaftsrechtlichen Treuepflichten der HAM gegenüber der KGaA.
Die Krise wurde allein durch Dealbreaker HAM hervorgerufen. Uns ehrenamtlichen Funktionären sowie der Gesellschaft wurde dadurch die Hölle auf Erden bereitet, ganz zu schweigen von den treuen Fans, die Ihre Dauerkarten schon bezahlt hatten und jetzt um ihr Geld bangen müssen.
“Wer schreit, hat Unrecht.”
Berichten zufolge ist die Fortführung einer öffentlichen Kampagne zu befürchten. Wie geht Ihr damit um?
Wir sehen das ganz entspannt. Wer schreit, hat Unrecht, und wer zu solchen Methoden greifen muss, dem fehlen die sachlichen Argumente. Wir lassen uns da nicht einschüchtern, weder vom Kapital noch von großen Namen. Auch wir haben unsere Netzwerke. Unterschätzt Giesing nicht! Für einvernehmliche Lösungen sind wir aber natürlich jederzeit offen. Ich bin ein Freund davon, immer das persönliche Gespräch außerhalb von Paragrafen und Öffentlichkeit zu suchen.
Ist aus Deiner Sicht die Insolvenz noch zu vermeiden?
Auf jeden Fall. Hier ist aber nun HAM am Zug. Die Investorenseite kann völlig unproblematisch zur Vertragstreue zurückkehren und dadurch die Zukunft der KGaA sicherstellen. Festzuhalten bleibt aber, dass die Uhr erbarmungslos tickt. Wir sind weit fortgeschritten in der Frist zur Stellung des Insolvenzantrags. Unsere Hand bleibt ausgestreckt.
“50+1 bei 1860 ist für die Ewigkeit gesichert!”
War die Kündigung des Kooperationsvertrags rechtlich fundiert?
Natürlich. Die Kündigung war kein Schnellschuss aus der Emotion heraus, sondern vielmehr das eindeutige Ergebnis unserer externen Anwälte. Der erforderliche wichtige Grund liegt klar auf der Hand.
Was sind die wesentlichen Auswirkungen der Kündigung?
Zunächst entfällt dadurch die Verpflichtung des e.V., keine Mannschaften in den höheren Ligen zu melden. Im Verhältnis zu HAM darf der e.V. selbst oder über eine neue Gesellschaft wieder den Profispielbetrieb organisieren und auch die Lizenz bei sich behalten.
Andererseits ist nun das Vorkaufsrecht des Vereins bei einem etwaigen Anteilsverkauf der HAM entfallen. Dies wird aber durch einen ganz entscheidenden Vorteil mehr als aufgewogen. Die Übernahmeklausel, nach der HAM oder ein Nachfolgeinvestor beim etwaigen Entfallen der 50+1 Regelung die komplette Macht übernehmen kann, ist weggebrochen. 50+1 bei 1860 ist für die Ewigkeit gesichert!
Choreographie der Münchner Löwen – 50+1 unverhandelbar! Quelle: muenchnerloewen.de
Gemeinsamer Weg zur Sanierung der KGaA als Wunsch
Was wäre dein Wunschszenario zur Überwindung der Krise?
HAM und der e.V. reichen sich die Hand. Hasan Ismaik macht es wie Dietmar Hopp und gibt den Fans die Anteile zurück. Wir finden darüber hinaus einen gemeinsamen Weg zur Sanierung der KGaA unter Beteiligung des Vereins. Am Ende reichen wir uns die Hände und Hasan ist jederzeit bei uns willkommen und bleibt ein Teil der Löwenfamilie. So könnte man aus einem jahrelangen Missverständnis ein außergewöhnliches Märchen mit schönem Ende machen. Träumen darf erlaubt sein.
Und wenn wir je wieder Anteile verkaufen sollten, geschieht das nur mit dem JA der Mitgliederversammlung. Dies sollte aber nur aus einer Position der Stärke heraus geschehen und niemals wieder überhastet und unter Zeitdruck. Nur so funktioniert erfolgreicher Investorenfußball.
Wie sieht Deine persönliche Zukunft bei 1860 aus?
Ich freue mich sehr darauf, wenn die aktuelle, belastende Situation überwunden ist. Mein Rücktritt steht weiterhin. Ich kann es kaum erwarten, wieder bei den Blue Vikings im Block H der Westkurve zu stehen und laut unsere Lieder zu singen. Auch darf ich dann wieder zu jemandem, der mir auf die Nerven geht, ein deutliches „Schleich Dich“ sagen und muss nicht mehr den Politiker spielen.
In der Spitze bis zu 400 Fans fanden sich am Montagnachmittag beim ersten Training der Löwen an der Grünwalder Straße ein. Viele der Zuschauer bekamen dabei etliche unbekannte Gesichter aus der U21 und U19 zu sehen, zudem war mit Matthew Collins auch ein Probespieler zu bestaunen. In unserer Fotogalerie findet Ihr ein paar Impressionen vom Trainingsauftakt des TSV 1860.
Munterer Aufgalopp an der 114
Neben dem Trainerteam um Alper Kayabunar, Vincent Saller und Vitus Eicher waren auch Geschäftsführer Manfred Paula sowie die Präsidiumsmitglieder Gernot Mang und Christian Dierl auf dem Einser-Platz an der Grünwalder Straße 114, um dem Aufgalopp der Löwen hautnah beizuwohnen.
Bei guter und gelöster Stimmung wurde das junge Team direkt ordentlich gefordert, wobei die Arbeit mit dem Ball meist im Vordergrund stand. Insgesamt sah man der Mannschaft an, dass sie richtig Bock hatte, nachdem – vor allem bei den ganz jungen Spielern – die Nervosität wegen der vielen Zuschauer verflogen war.
Schön zu sehen auch, dass sich die Spieler nach der Trainingseinheit viel Zeit für die Fans nahmen und auch ins Gespräch gingen. So erfuhr man beispielsweise, dass Samuel Althaus keine Wechselwünsche hege, sich als Münchner fühle und gerne in seiner Heimatstadt beim TSV 1860 bleiben würde.
Fotogalerie vom Trainingsauftakt der Löwen
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Bewegtbilder rund um den TSV 1860 findet Ihr auf dem sechzger.de YouTube-Kanal. Einfach abonnieren und immer auf dem neuesten Stand bleiben. Darüber hinaus könnt Ihr uns auch auf Instagram oder mittels der sechzger.de App (Android & iOS) folgen!
Derzeit stellen sich viele Fans die spannende Frage, ob und wie es mit der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA weitergeht. Schon seit Jahren ist die Profispielbetriebsgesellschaft der Löwen massiv überschuldet. Zur Vermeidung einer Insolvenz müssen regelmäßig kostenintensive Fortbestehensprognosen durch Wirtschaftsprüfer erstellt und erteilt werden. Ein immer wiederkehrender Akt, der Kräfte und Ressourcen aufzehrt aber leider bereits zur Gewohnheit geworden ist.
Die derzeitige Situation geht bekanntlich darüber hinaus, eine außerordentliche Gesellschafterversammlung könnte morgen die Weichen stellen.
Insolvenztatbestand der Überschuldung
Hintergrund: Kurz vor dem Ablauf der Ausschlussfrist zur Erteilung der Drittligalizenz kündigte der Mitgesellschafter HAM die bestehenden Finanzierungsvereinbarungen außerordentlich und fristlos, wobei der hierfür erforderliche wichtige Grund tatsächlich wohl nicht vorlag. HAM bezog sich bei der Kündigung auf angebliche Pflichtverletzungen und setzte sich damit klar in Widerspruch zur erst zwei Tage vorher einstimmig erfolgten Vertragsverlängerung mit dem Geschäftsführer Manfred Paula. Soweit bekannt, erfolgte im Vorhinein nicht einmal eine Abmahnung.
Auch wenn die Kündigung der Darlehen unwirksam gewesen sein dürfte, entfiel hierdurch die aktuell laufende Fortbestehensprognose, sodass der Insolvenztatbestand der Überschuldung wiederauflebte, die KGaA in die Notgeschäftsführung wechseln musste und die Frist zur Stellung eines Insolvenzantrags zu laufen begann. Die Fristlänge liegt hier bei ca. 6 Wochen.
Außerordentliche Gesellschafterversammlung am Dienstag?
Unabhängig davon, dürfte durch die Nichtzahlung der benötigten Mittel und den Verlust der Drittligaligalizenz nun auch der Insolvenztatbestand der Zahlungsunfähigkeit hinzugekommen sein. Die Fristlänge liegt hier bei ca. 3 Wochen.
Demnach tickt in Giesing und ganz München die Uhr und die Anhänger warten angespannt auf Antworten zu den aufkeimenden Fragen.
Fortführung der KGaA oder Insolvenz? In Kürze könnte eine Tendenz erkennbar sein. Nach sechzger.de Informationen ist nämlich für den morgigen Dienstag eine außerordentliche Gesellschafterversammlung anberaumt.
Wie bereits letzte Woche angekündigt startet der TSV 1860 München am heutigen Montag um 15 Uhr wieder in den Trainingsbetrieb. Mit 25 Feldspielern und 3 Torhütern geht das Trainerteam rund um U21-Meistertrainer Alper Kayabunar in die Vorbereitung zur Saison 2026/27.
Löwen-Kader zum Trainingsauftakt
Hauptsächlich besteht der Kader aus Spielern der U21 sowie der U19. Mit Fassmann, Althaus, Husic, und Erdogan stehen auch Spieler mit ersten Profierfahrungen auf dem Trainingsplatz. Mit dabei ist auch Matthew Collins, Sohn von Phil Collins. Ein Teil des Kaders ist zum Trainingsauftakt noch abwesend, sollte dann aber zeitnah wieder dazustoßen. Der Löwen-Kader im Detail:
TOR:
Mauricio Dunker, Leon Erkocaoglan, Stefan Musa
ABWEHR:
Alexander Benede, Ludwig Estermann, Lasse Fassmann, Finn Fodor, Benedikt Hoppe, Edon Krasniqi, Arian Ortivero Calderon, Jakob Schurz, Justin Thönig
MITTELFELD:
Samuel Althaus, Matthew Collins, Lucas Grancay, Loris Husic, Jamie Jenni, Mustafa Tekin, Raphael Wach
STURM:
Luis Azambuja, Emre Erdogan, Arin Garza, Rron Gosalci, Cristian Leone, Brahim Moumou, Noah Plöttner, Sandro Porta, Lucio Saric
Der Trainingsauftakt ist öffentlich zugänglich und das Löwenstüberl ist geöffnet. Passend dazu ruft auch die Fanabteilung dazu auf die Mannschaft beim ersten Training zu unterstützen und für eine positive Stimmung zu sorgen!
Immer wieder haben wir unsere langjährige Leserin Sabine angesprochen, ob sie sich denn nicht vorstellen könne, für sechzger.de zu schreiben. Beim legendären Fanzine TorRaub sammelte sie bereits Redaktionserfahrung, die sie mit ihrer neuen, unregelmäßig erscheinenden Kolumne “Poppular Demand” bei sechzger.de einbringen wird. Übrigens: Es handelt sich dabei keineswegs um einen Tippfehler! Angelehnt an den Hip Hop-Track Popular Demand von Clipse, Cam’ron und Pharrell Williams hat Sabine diesen Namen bewusst gewählt. In ihrem ersten Beitrag bezieht sie sich auf ein Großturnier, das derzeit in Mexiko, Kanada und den USA stattfindet – und schlägt doch den Bogen zum TSV 1860. Viel Spaß beim Lesen!
Poppular Demand: Ein Name genügt!
Es ist WM-Zeit.
Früher hätte ich längst Panini-Bilder gesammelt. Ich hätte seit Wochen das Kicker-Sonderheft studiert und könnte vermutlich auswendig aufzählen, welcher Ersatzspieler der DR Kongo oder Usbekistans in der zweiten belgischen Liga sein Geld verdient.
Heute ist das anders.
Diese WM findet unter der Regie eines FIFA-Präsidenten statt, der Friedenspreise verteilt, während der Fußball immer weiter den Bezug zur Realität verliert. Sie findet in einem Land statt, das sich einst als Symbol der Freiheit verstand und heute vieles von dieser Idee mit Füßen tritt.
Vielleicht bin ich dem modernen Fußball einfach müde geworden.
Und dann taucht plötzlich ein Name auf: Sebastian Berhalter. Am Samstag für die USA eingewechselt.
Ein Name genügt, und meine Gedanken sind sofort wieder dort, wo sie derzeit ständig sind: bei meinem Herzensverein 1860 München.
Sohn von Ex-Löwe Gregg Berhalter
Sebastian ist der Sohn von Gregg Berhalter. US-Nationalspieler, später Nationaltrainer, bei 1860 aussortiert. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Uwe Wolf sortierte ihn aus. Die Ansprüche bei uns waren schon immer hoch.
Und plötzlich bin ich wieder mittendrin in diesen Geschichten, die nur der Fußball schreiben kann. Ein Name führt zum nächsten. Von der WM nach München. Von den USA nach Giesing. Von Gregg zu Sebastian. Ironischerweise spielte Gregg Berhalter auch für Energie Cottbus. Ausgerechnet Cottbus.
Der Verein ist in dieser Saison in die 2. Bundesliga aufgestiegen, während mein TSV 1860 München Achter wurde – ein Ergebnis, das sich für viele Löwen eher wie eine Enttäuschung angefühlt hat.
Ungewissheit in Giesing
In einer Woche ist Mitgliederversammlung. Vor ein paar Monaten dachten wir noch, das könnte dieses Jahr eine ruhige werden. Die Nachrichten überschlagen sich. Und irgendwo dazwischen ist mein Verein, bei dem seit Jahren alles drunter und drüber geht, als wäre auch er nur ein Spielzeug in den Händen von Menschen, die nicht verstehen, dass Fußball kein Spielzeug ist.
Ich weiß nicht, ob ich mein Geld für drei Dauerkarten zurückbekomme, und ich weiß nicht, in welcher Liga wir nächste Saison spielen werden. Aber ich weiß, was dieser Verein für mich ist: die Menschen. Die, die mit mir hoffen, sich ärgern, diskutieren und trotzdem immer wieder hingehen.
Manchmal weiß ich nicht einmal, ob ich dem modernen Fußball überhaupt noch etwas abgewinnen kann. Und trotzdem lässt er mich nicht los. Niemals.
Vielleicht liebe ich nicht den modernen Fußball. Vielleicht liebe ich die Menschen. Denn sie schreiben diese Geschichten, die mich nicht loslassen.
Die Löwen haben in ihrer Historie bekanntlich schon an einigen Pokalwettbewerben teilgenommen. Doch während sich viele Fans an den Europapokal der Pokalsieger, den UI Cup, den UEFA Cup oder auch die Champions League zurückerinnern können oder zumindest davon gehört oder gelesen haben, sind andere Wettberwerbe in Vergessenheit geraten. Oder habt Ihr schon vom Alpenpokal gehört, in dem der TSV 1860 im Jahr 1967 beispielsweise auf die AS Rom, den AC Mailand oder den FC Basel traf?
Kurioses Reglement
Der Alpenpokal war ein Fußballturnier, das vom italienischen Fußballverband initiiert wurde und von 1960 bis 1987 ausgetragen wurde. Während zunächst nur Clubs aus Italien und der Schweiz teilnahmen, öffnete sich der Wettbewerb ab 1962 auch für Vereine aus Deutschland und Frankreich. Ab 1972 nahmen dann nur noch Mannschaften aus Frankreich und der Schweiz teil.
Das Reglement im Jahr 1967 war etwas undurchsichtig, denn alle acht teilnehmende Teams absolvierten fünf Partien, sodass eben nicht jeder gegen jeden spielte und das Gesamtergebnis somit auch maßgeblich davon abhing, ob man nun gegen die Top-Teams antreten musste oder eben nicht.
TSV 1860 besiegt die Roma im Alpenpokal
Zum Auftakt empfingen die Löwen den AC Turin, mit dem man sich ja bereits 1965 auf internationaler Bühne gemessen hatte. Während sich Münchens große Liebe damals hatte durchsetzen können und ins Europacup-Finale eingezogen war, trennte man sich diesmal auf Giesings Höhen torlos.
Am 2. Spieltag empfing der TSV 1860 heute vor 59 Jahren die AS Rom – allerdings nicht an der Grünwalder Straße, sondern in der Augsburger Rosenau. 6.000 Zuschauer wollten sich diesen fußballerischen Leckerbissen nicht entgehen lassen und wurden nicht enttäuscht.
Lange Zeit sahen die Löwen wie der sichere Verlierer aus, doch zweimal Küppers (68./82.) und Kohlars (90.) machten aus einem 1:3 noch ein 4:3!
Die Aufstellung der Löwen
Trainer Gunther Baumann setzte am 15.06.1967 auf folgende Elf des TSV 1860:
Im weiteren Verlauf des Wettbewerbs empfing der TSV 1860 den AC Mailand im Grünwalder Stadion und trotze den Italienern ein 0:0 ab. Anschließend reisten die Löwen zum FC Basel, wendeten nach einem zwischenzeitlichen 1:4-Rückstand die drohende Niederlage noch ab und retteten mit dem 4:4 immerhin noch einen Punkt.
Zum Abschluss siegte der mittlerweile von Albert Sing trainierte TSV 1860 mit 3:1 bei Servette Genf (übrigens wieder nach Rückstand) und beendete den Alpenpokal ungeschlagen. Zum Sieg reichte es dennoch nicht, denn den holte sich Eintracht Frankfurt. Die Hessen sammelten aus ihren fünf Partien 9:1 und Punkte und verwiesen die Löwen somit auf den 2. Platz.
Nachdem wir im Laufe dieser Woche mit den Stimmen zur Löwenlage bereits ein breites Stimmungsbild aus der Fanlandschaft des TSV 1860 zur aktuellen Situation rund um den Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern eingeholt haben, wollen wir heute uns bekannte Fans anderer Vereine aus Deutschland und darüber hinaus zu Wort kommen lassen. Wir haben zur Löwenlage vor allem bei ehemaligen Gästen unseres sechzger.de Talks nachgefragt, aber auch bei Anhängern, zu denen anders gelagerte, lose oder engere Verbindungen bestehen.
Uns ging es um diese Fragen: Wie und vor allem wie intensiv haben unsere Befragten die letzten Wochen mitverfolgt? Wie bewerten sie die aktuelle Lage und den Weg des e.V.? Und was wollen sie den Fans und Mitgliedern des TSV 1860 München vielleicht mit auf den Weg mitgeben? Herausgekommen ist auch hier ein interessantes Stimmungsbild.
Thomas Kessen (VfL Osnabrück, Fanvereinigung “Unsere Kurve“)
Wie vermutlich für ganz Fußballdeutschland ist auch bei uns 1860 am 3. Juni voll in den Fokus gerückt. Es macht einen fassungslos, was bei euch abgegangen ist und ist gleichzeitig das DAS warnende Beispiel, warum jede Idee eines Investors kategorisch abzulehnen ist. Investoren erkaufen sich Macht und verfolgen dann vor allem ihre Interessen. Deswegen muss jedem engagierten Fan klar sein, dass wir an jedem Standort, in jedem Bündnis, ja sogar in jeder noch so lapidaren Gremiensitzung des eigenen Vereins alles daran setzen müssen, 50+1 zu verteidigen!
Liebe Löwen, bisher seid ihr das mahnende Beispiel, warum Investoren scheiße sind. Wir drücken euch die Daumen, dass ihr in der Zukunft auch das leuchtende Beispiel dafür werdet, wie man einen Investor überwindet.
Ich persönlich war gerade rund um den Tag der Zahlungsfrist sehr intensiv im Thema. Mit der folgenden Kündigung des Kooperationsvertrages mit der KgaA und der Erteilung der Regionalliga-Lizenz für den e.V. ließen die nächsten großen Meldungen ja auch nicht lange auf sich warten. In erster Linie habe ich mich sehr gefreut, dass das endgültige Ende von Ismaik beim TSV doch deutlich realistischer geworden ist. Gleichermaßen folgt ja nun ein Rechtsstreit, dessen Ergebnis man noch nicht absehen kann. Hinzukommt eine sehr schwierige Saisonvorbereitung mit vielen Fragezeichen: egal, ob Merchandising-Rechte, Logo, Trainer, Kader, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für den e.V. oder die Gründung einer neuen KgaA für neue Geldgeber sowie die Sponsorensuche.
Persönlich denke ich, dass der Klub vor einer wahnsinnig herausfordernden Saison steht und wäre nicht überrascht, wenn gerade der Start in die Hose geht und man Zeit braucht, um sich mit der neuen Mannschaft in der Liga zu akklimatisieren. Ich glaube, die Optimallösung wäre es gewesen, dass man die Lizenz für die 3.Liga bekommt und Ismaik seine Anteile an vernünftige Investoren veräußert. So muss man sich allerdings mit der Realität begnügen und kann hoffentlich ein stabiles Fundament legen, um diesmal nachhaltig etwas aufzubauen, ohne von Größenwahn und Unzuverlässig zurückgeworfen zu werden. Regionalliga ist nunmal ein schwieriges Pflaster: sowohl sportlich als auch finanziell. Doch egal, was nun kommen wird: Fankultur und Leidenschaft kann einem keiner nehmen. Und auch die historisch gute Jugendarbeit kann nun noch mehr in den Fokus rücken.
In diesem Sinne: Freiheit für Sechzig! Und hoffentlich bis bald! (Wir sehen uns 2027 in der 2.Bundesliga!)
Simon (Werder Bremen)
Als ich von den fehlenden 2,7 Millionen Euro für die Lizenz mitbekommen habe, war ich eigentlich davon ausgegangen, dass diese doch schon irgendwie aufgetrieben werden würden. Deswegen war ich dann doch schon sehr geschockt und ungläubig, als es wirklich zum Zwangsabstieg kam. Was genau die eingeschlagenen Schritte des e.V. jetzt für die Zukunft des Vereins bedeuten habe ich ehrlicherweise noch nicht ganz verstanden, Ich würde die Kündigung des Kooperationsvertrags aber schonmal als sehr wichtigen ersten Schritt sehen.
Den Löwen Mitgliedern und allen, die es mit dem Verein halten würde ich zum Abschluss gerne meine Solidarität aussprechen, weil ich glaube, dass der Einsatz für mitgliederbestimmte Vereine und die damit verbundene Gemeinschaft nicht nur wichtig für Sechzig und Giesing, sondern auch den Fußball insgesamt und die Gesellschaft darüber hinaus ist.
Michi (Schweinfurt 05, Schnüdel-Reporter bei der Main-Post)
Der möglichen Insolvenz der Löwen, zumindest dem Absturz in die Regionalliga, war in den vergangenen Wochen kaum zu entgehen. Schon gar nicht in Schweinfurt. Dort durfte man sich fragen, wer eigentlich dümmer war: Der TSV 1860 wegen seiner anhaltenden Misswirtschaft bzw. der verhängnisvollen Beziehung zum Investor – oder der FC 05 dem im Nachhinein eine machbare Zahl von Punkten zum Klassenerhalt in Liga 3 hätte reichen können? Egal, alles Schnee von gestern. Die Nullfünfer dürfen mit den Sechzigern einen Hauch Profifußball mit in die kommende Spielzeit nehmen und in ihnen einen mehr als gleichwertigen Ersatz für die aufgestiegenen Würzburger Kickers feiern. Und die Münchner haben einmal mehr die Chance, sich in sportlich, wirtschaftlich und medial vergleichsweise ruhigeren Gewässern zu konsolidieren. Wie das gehen kann und wie lange so etwas dauert, wenn es nachhaltig sein soll, können die Verantwortlichen und Fans der Löwen in der Historie des FC 05 nachschauen: Nach der Insolvenz 2005 ging es stetig, doch mit Bedacht nach oben. Wenngleich in München die Mittel und Möglichkeiten andere sind – und noch liegt da ja keine Insolvenz vor. Auf ein Wiedersehen in der Regionalliga!
Philipp (Hannover 96)
Mit großem Interesse habe ich das Schicksal der Münchner Löwen verfolgt und viele Berichte in den Medien gelesen. Auch deshalb, weil ich als Fan von Hannover 96 weiß, dass uns Ähnliches jederzeit widerfahren könnte, wenn unsere „Geldgeber“ plötzlich die Lust an 96 verlieren sollten.
Dass man euch mit der Entscheidung so lange hingehalten hat, tat mir wirklich leid. Ich denke, die endgültige Entscheidung stand schon deutlich früher fest.
Umso wichtiger ist es, dass dadurch der Kooperationsvertrag mit Ismaik wohl endgültig gekündigt werden konnte und ihr ihn nun hoffentlich los seid.
Für euren weiteren Weg wünsche ich euch alles Gute und drücke die Daumen, dass es nicht zu einem ewigen Rechtsstreit kommt, sondern ihr schnell wieder nach vorne blicken könnt. Ich hoffe, dass ihr als e.V. eine schlagkräftige Mannschaft für die Regionalliga auf die Beine stellen könnt.
Die Löwen gehören einfach in die ersten drei Ligen!
Mich hat anfangs die Nachricht mit dem fehlenden Geld, wie euch wahrscheinlich auch, relativ überrascht. Jetzt hoffe ich für euch, dass der eingeschlagene Weg ohne Investor endlich auch begangen werden kann.
Die Regionalliga tut weh und macht in Bayern sicherlich genauso wenig Spaß wie im Norden, aber am Ende ist sie auch nur so gut oder schlecht wie man sie sich selber macht. Aber sie hilft, um sich neu aufzustellen und den Verein auf gesunde Beine zu stellen. Dass der Wiederaufstieg dann auch bald schon gelingt, am Besten natürlich aus einer viergleisigen Regionalliga ohne Relegation, wünsche ich euch! Man sieht sich zu gegebener Zeit in Liga 3 wieder!
Wenn ein Verein Jahr für Jahr versucht, mit dominantem Offensivfußball aus der Liga zu kommen und daran jedes Jahr frühzeitig scheitert, wäre es da nicht sowieso mal Zeit für einen anderen Ansatz gewesen?
Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass es diesen „Absturz“ noch einmal gebraucht hat, um wieder zu erkennen, was die Löwen wirklich stark machen könnte in Zukunft und das ist die eigene Jugend, die einem Jahr für Jahr durch Transfererlöse noch das nötige Kleingeld beigesteuert hat, damit man genug Geld für den biederen Drittligadurchschnitt wie Marlon Frey, Valmir Sulejmani oder Niklas Tarnat zur Verfügung hat, wenn man da wenigstens teilweise von Durchschnitt hätte sprechen können…
Entscheidend wird es jetzt sein, mit der richtigen Strategie in diese neue Löwenphase zu starten (sofern es eine neue Phase werden und man Ismaik jetzt wirklich endlich so loswerden kann, wie man es sich aktuell von Vereinsseite vorstellt). Ich sag es als Rot-Weisser nicht gerne, aber da kann man sich vom MSV Duisburg so einiges abgucken, die mit Dietmar Hirsch eine Vereinsikone mit pragmatischem Fußball als Trainer verpflichtet und dazu eine hungrige Mannschaft aufgebaut haben, welche die nötige Intensität, die sich Trainer und Stadion vorstellen, mitgebracht haben. Der Vorteil für 60 ist dabei, dass man auch noch eine sehr gute Jugendarbeit hat, die man noch viel besser nutzen kann, als man es in den Vorjahren getan hat. Denn diese Jungs lassen die Saison nicht so ausklingen, wie man es in den Vorjahren stets in Giesing miterleben musste (Ole Pohlmann lässt grüßen) und hinzu kommt, dass diese jungen Spieler sich, sofern sie natürlich ein gewisses Grundniveau mitbringen, sehr schnell an das höhere Niveau anpassen und genauso schnell den Bereich des biederen Durchschnitts nach oben verlassen.
Angeleitet müssen sie natürlich von erfahreneren Führungskräften werden und da hoffe ich für alle Sechzger da draußen, dass beim Trainingsauftakt am Montag da auch wirklich diejenigen dabei sein können bzw. dürfen, die sich bereits öffentlich in Position gebracht haben, denn dann könnte die Sonne schon sehr bald wieder auf Giesings Höhen erstrahlen!
Es gibt so Dinge, die man Sechzig als Außenstehender immer gewünscht hat: da wäre die Rückkehr nach Giesing, hinter die wir einen Haken setzen können verbunden mit der Hoffnung, dass Stadt und Verein einen gangbaren Weg für den Umbau des Grünwalders finden.
Außerdem: mehr Ruhe im Verein. Danach sieht es aktuell, da bleibt man sich treu, mal wieder gar nicht aus. Aber eines fernen Tages ja vielleicht…
Und zu guter Letzt natürlich das Ende des „Engagements“ Hasan Ismaiks. Dieses Ziel scheint aktuell so nah wie nie – auch wenn der Name noch länger durch Münchener Gerichtssäle geistern wird. Das ist eine Chance, die sich dem e.V. in dieser Form in den letzten Jahren nicht geboten hat. Alles scheint bereit für den Neuanfang, der lange überfällig zu sein scheint und den sich der Großteil von Euch Löwenfans, zurecht, lange gewünscht hat. Nutzt diese Chance! Der Zwangsabstieg und die Trennung von der KGaA bedeuten, dass finanziell kleinere Brötchen gebacken werden müssen und der direkte Wiederaufstieg sich vermutlich schwerer realisieren lässt als 17/18. Wir drücken trotzdem die Daumen und sind auch optimistisch – in der Regionalliga Bayern reicht ja gefühlt auch Platz 7, um die Aufstiegs-Playoffs zu erreichen. Und wenn nicht? Dann ist das so. Was zählt ist der Verein. Der e.V. Der Aufbau wird viel Kraft und Geduld von allen Beteiligten erfordern. Die Saisonvorbereitung, und gefühlt klopft die neue Spielzeit schon fast an, wird auf vielen Ebenen eine Mammutaufgabe, bei welcher Fehler passieren können und auch werden. Verzeiht Sie, bleibt besonnen und zieht an einem Strang. Für Euren Verein.
Und zum Schluss kommen wir nicht drumherum auch Danke zu sagen. Es ist ein Dank, welcher Euch sicherlich etwas vergiftet erscheint. Aber 15 Jahre HAM und 1860 waren beste Werbung für 50+1 und das allergrößte Plädoyer dafür waren die absurden letzten Wochen. Selbst dem größten Verfechter halbseidener Investoren dürften angesichts dieses Mannes, der Sechzig und den deutschen Fußball nicht verstanden hat und nie verstehen wollte, die Argumente im Halse stecken bleiben.
Wir stoßen jedenfalls an. Auf den e.V. Auf Euch Fans. Und darauf, dass dieser 15-jährige Alptraum nun endlich zu Ende geht.
Benjamin (SW Bregenz)
Größenwahn trifft böse Absichten!
Es war/ist nicht der erste Sonnenkönig, der bei 1860 zugegen ist, aber mit Ismaik ist es jemand, der aus dem inneren heraus schon mehrfach den Verein absichtlich in eine Notsituation gesteuert hat und sich dann jeweils selbst als Opfer der “alten Strukturen” darstellt.
Ohne diese “alten Strukturen” wären wohl nicht nur die Profis sondern der Gesamtverein Dank dem Scheich schon länger nicht mehr da (bzw. nicht in dieser Form).
Dass trotzdem weiterhin ein so großer Teil der Anhängerschaft auf diese leeren Versprechungen von großem Fußball und schnellem Erfolg so leicht hereinfällt, sollte auch die letzten echten Löwen motivieren, Mitglied im Verein zu werden (die es noch nicht sind).
Es ist zu wünschen, dass der schwere Gang in Liga 4 den Verein dieses Mal von diesem Feind aus dem Inneren befreit. Freiheit für 60!
Liebe Sechzger, die Vorgänge in München haben wir natürlich aufmerksam verfolgt – gerade, weil die Strukturen in unserem Verein ähnlich besorgniserregend sind. Der zweite Zwangsabstieg in die Regionalliga “unter eurem Scheich”, bei dem er euch am ausgestreckten Arm verhungern lässt, wirkt für uns wie ein Worst-Case, den wir auch bei uns nicht gänzlich ausschließen können. Einzig, dass Bernd Beetz Mannheimer ist und hier verwurzelt ist, gibt uns die Hoffnung darauf, dass die regelmäßigen Finanzlücken immer und immer wieder ausgeglichen werden.
Die Struktur jedoch ist gleichermaßen toxisch und behindert Entwicklung. Die totale Abhängigkeit in Finanzfragen macht auch in Management- und Sportfragen unfrei, sodass Launen und Gefühle wichtiger als Kompetenz und Strategie sind. Spieler- und Trainerverschleiß sind bei euch und uns Programm, die Konstante findet sich dagegen auf den Rängen und an der Vereinsbasis. Wir wünschen euch also, dass ihr als Fans und Mitglieder weiter konstant bleibt und euren Verein weiter hoch haltet.
Wir wünschen euch die finale Trennung vom Scheich und gesunde Strukturen. Und wir wünschen uns wieder hitzige Duelle mit einem echten Gegner im Stadion.
Wer sich schon etwas länger für den deutschen Fußball interessiert, wird wissen, dass wir in Duisburg eure Lage sehr gut verstehen können. Wir kennen ja den Zwangsabstieg auch. Den Grundkonflikt bei euch verfolge ich schon länger, nicht nur weil dieser Konflikt ja nur eine Variante von vielen möglichen Konflikten im deutschen Fußball ist, die durch die 50 +1-Regelung stets möglich sind. Auch weil die lange Geschichte der Löwen mit Hasan Ismaik einiges sehr allgemein Menschliches in sich trägt und zeigt, wie eingeschränkt Menschen in ihren Möglichkeiten oft sind, konstruktive Lösungen für Schwierigkeiten zu finden.
Allerdings reicht in der Gegenwart die Berichterstattung in den klassischen Medien bei weitem nicht, um sich ein Urteil zur Verantwortung in dem Geschehen zu bilden. Auch das ist eine Parallele zum MSV 2013. Es gab zwei Parteien mit unterschiedlichen Interessen an der KGaA. Wenn die Geschichte verständlich werden soll, muss man sie so kleinteilig erzählen, dass sie für ein breites Publikum zu kompliziert wird. Wenn man sie aber runterbricht auf den Tatbestand, Hasan Ismaik hat den zugesagten Kredit nicht gezahlt, dann bleibt oft das Misstrauen gegenüber den Vereinsverantwortlichen.
Die weitere Entwicklung nun bei 1860 erinnert mich auch an besagtes Jahr beim MSV. Das Machtzentrum verschiebt sich in den Verein. Für den MSV war das einfacher, weil es keinen Investor gab. Und dennoch ist das der einzige Weg. Nur für den Verein engagieren sich Anhänger und Mitglieder. Wir haben kein Interesse an einem Fußballunternehmen. Wir haben Interesse an ideellen Werten, die ein Verein verkörpert. Später können wir dann wieder an Sport und Erfolg denken. Erstmal geht es um das, was ein Teil von uns ist. Und das hat Hasan Ismaik offensichtlich all die Jahre nicht verstanden.
Was mir allerdings auch durch den Kopf geht, mit dem Blick von außen, ich hoffe, eure Zuversicht wird nicht enttäuscht, gerichtliche Auseinandersetzungen werde 1860 auf jeden Fall gewinnen. In Duisburg war das nicht der Fall. Zu naiv war die Vereinsführung. Ich habe den Präsidenten von 1860 nur zweimal gesehen jetzt, direkt bei der Verkündung, dass der Kredit nicht eingeht, und in einem Studiogespräch beim BR. Beide Male wirkte er nicht so, als bewege er sich auf Augenhöhe mit einem so vermögenden Menschen wie Ismaik, und dem zudem sein Geld anscheinend manchmal weniger wichtig ist als das Gefühl von Macht und Bedeutung. Ich hoffe, das sind zufällige Eindrücke und in anderen Momenten wirkt er stärker oder hat weitere Verantwortliche an seiner Seite mit entsprechender Ausstrahlung. Auch das spielt eine Rolle im weiteren Geschehen. Aber selbst wenn ihr Teilniederlagen hinnehmen müsst, wird das nichts daran ändern, dass die nun entstandene Dynamik zu einer Lösung des Problems mit Hasan Ismaik führt. Das ist meine Erfahrung aus Duisburg. Der Weg ist dann lang und mit vielen Hürden verbunden. Er lohnt sich.
Satte elf Tore bekamen die Zuschauer im Zürcher Hardturm heute vor 71 Jahren zu sehen. Nach 90 Minuten unterlagen die heimischen Grashoppers den Gästen vom TSV 1860 München mit 5:6.
Aufstieg in die höchste Spielklasse
Die Spielzeit 1954/55 verbrachten die Löwen in der II. Division Süd, der damals zweithöchsten Spielklasse im süddeutschen Raum. Statt sich mit dem 1. FC Nürnberg, dem Karlsruher SC oder Eintracht Frankfurt zu messen, hießen die Gegner damals ASV Cham, ASV Durlach und VfL Neustadt/Coburg. Am Saisonende stieg der TSV 1860 jedoch als Meister zusammen mit dem Zweitplatzierten, der Viktoria aus Aschaffenburg, in die Oberliga auf. Fun Fact am Rande: Der FC Bayern beendete die Spielzeit in eben jener Oberliga als abgeschlagener Tabellenletzter und musste den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.
GC hingegen war zu dieser Zeit in der Schweiz ein etablierter Erstligist, war 1952 Meister geworden und auf dem internationalen Parkett ein beliebter Gegner. In der Saison 1954/55 begaben sich die Eidgenossen auf eine zweimonatige Weltreise, absolvierten 18 Freundschaftsspiele und nutzten die gesammelte Erfahrung zum erneuten Titelgewinn im Jahr 1956.
Historische Stätte, bekannter Schiedsrichter
Das Stadion Hardturm diente dem Grashopper Club Zürich seit 1929 fast 80 Jahre lang als Heimspielstätte, ehe es 2007 abgerissen wurde. Bis heute hat das Zürcher Stimmvolk vier Mal über einen möglichen Neubau abgestimmt, der Baubeginn ist bislang jedoch nicht erfolgt.
Am 14.06.1955 gastierte also der TSV 1860 bei den Grashoppers und beide Teams sorgten für ein Spektakel. Schiedsrichter im Hardturm war damals übrigens Gottfried Dienst, der 1966 das WM-Finale zwischen England und Deutschland in Wembley leiten sollte.
Börstler trifft dreimal für 1860 gegen die Grashoppers
Gleich elf Treffer durften die 3.000 Zuschauer an diesem Dienstag Abend bestaunen, wobei sich Löwenstürmer Ferdinand Börstler gleich dreimal in die Torschützenliste eintragen konnte. Zudem hielt 1860-Torhüter Pilz beim Stand von 4:6 noch einen Handelfmeter des Zürchers Moser, sodass am Ende die Gäste aus München den Platz als Sieger verließen.
Bereits am Folgetag waren die Löwen erneut im Einsatz. Beim FC La Chaux-de-Fonds in der Romandie verlor der TSV 1860 nach hartem Kampf durch ein spätes Gegentor mit 2:3.
Die Aufstellung der Löwen
Trainer Max Schäfer setzte beim Spiel gegen die Grashoppers auf folgende Elf des TSV 1860.
Der Lizenzentzug durch den DFB ist amtlich, doch während die KGaA-Homepage aktuell über den Trainingsauftakt der “beurlaubten” Spieler informiert, rüsten sich die Anwälte. Wie Markus Schäflein in der Süddeutschen Zeitung berichtet, könnte sich der von Ismaik-Anwalt Peter Gauweiler angestrebte Gang durch die Instanzen über Wochen ziehen. Während viele Aspekte des Artikels den Lesern von sechzger.de bereits aus unserer bisherigen Berichterstattung bekannt sein dürften, legt die SZ den Finger in eine besonders bemerkenswerte Wunde, wenn es um das Agieren der Investorenseite geht in der Causa Manfred Paula geht.
Warum wurde der Vertrag von Paula verlängert?
Der Schwerpunkt der Unstimmigkeiten dreht sich um KGaA-Geschäftsführer Manfred Paula. Im viel zitierten „Faktenblatt“ von Anwalt Gauweiler wird als Grund für die Darlehenskündigung angeführt, dass die KGaA aus Sicht von HAM vertragliche Verpflichtungen nicht eingehalten habe.
Die SZ wirft dazu eine entscheidende Frage auf: Wenn die KGaA unter der Führung von Paula ihre Pflichten derart vernachlässigt hat, dass man wenige Tage später den Stecker ziehen muss – warum wurde sein Vertrag dann kurz vor der Eskalation verlängert?
Einstimmige Verlängerung drei Tage vor dem Knall
Konkret geschah dies am 18. Mai im Beirat. Genau drei Tage, bevor Hasan Ismaik die Darlehen kündigen ließ, wurde der Vertrag von Manfred Paula einstimmig verlängert. Die HAM-Seite trug diese Entscheidung also voll mit. Vertreten wurde der Investor in diesem Gremium von Herbert Bergmaier und Biel Ballester Relat. Relat hatte sein Stimmrecht für diesen Vorgang eigens an den damaligen HAM-Anwalt von Rüden übertragen. Eine leichtfertige, unüberlegte Entscheidung der Investorenseite kann man angesichts der juristischen Vertretung durch ein großes und bekanntes Haus wie „Deloitte“ bei der Abstimmung also getrost ausschließen.
Wer letztendlich im Recht ist – ob die Darlehenskündigung überhaupt zulässig war oder wer wem unannehmbare Bedingungen diktieren wollte –, werden nun die Juristen klären müssen. Für die nackten Fakten beim DFB spielt all das ohnehin keine Rolle.
Diesen Umstand fasst die SZ mit einem wunderbaren Schlusssatz zusammen, den wir hier gerne zitieren:
„Das Geld war zum Stichtag nicht auf dem Konto. Wenigstens eine Tatsache, die man auf ein Faktenblatt schreiben kann.“