Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung enthüllt neue Details im Streit zwischen den beiden Gesellschaftern beim TSV 1860 München. Der Beirat ist demnach aktuell handlungsunfähig, außerdem geht es um die Scheinkandidaten-Debatte. Die gute Nachricht: eine Einstellung von Christian Werner mittels 50+1 könnte nun bevor stehen.
HAM-Vertreter zweifeln Vorsitzenden des Beirats an
Auch am Donnerstag leitete Frank Schmöller die Einheiten an der Grünwalder Straße 114. Der Interimstrainer bleibt bis auf Weiteres im Amt, ein Ende ist nicht in Sicht. Weder einen Trainer noch einen Geschäftsführer Sport konnte der TSV 1860 München bislang offiziell präsentieren. Die Süddeutsche Zeitung hat nun in einem Artikel weitere Details im Streit zwischen dem e.V. und der Investorenseite um Hasan Ismaik veröffentlicht. Demnach gehe es HAM aktuell darum “den komplizierten Prozess, an dessen Ende der e.V. Werner mittels 50+1 ins Amt hieven könnte, maximal zu verlangsamen“.
Das sieht konkret wie folgt aus: zunächst platzte wie von sechzger.de berichtet Ende Dezember ein geplanter Termin für eine Online-Sitzung des Beirats, da beide Mitglieder der HAM-Seite nicht anwesend waren. Ein Umlaufverfahren wurde ebenfalls abgelehnt, was den Prozess deutlich hätte beschleunigen können. Ende des Jahres kam dann laut der SZ der nächste Paukenschlag: Robert Reisinger wurde als Beiratsvorsitzender nicht mehr akzeptiert. Eine mögliche Sitzung des Gremiums wäre somit nichtig gewesen teilte HAM-Anwalt Frank Koch mit, da Reisinger nicht hätte laden dürfen.
Kommt Werner per 50+1?
Für den e.V. antwortete daraufhin Guido Kambli (ebenfalls Anwalt). Das aktuelle Vorgehen mit Reisinger als Vorsitzendem sei seit Bestehen des Gremiums “praktische und juristische Handhabung” – der Präsident hätte bis zu Neuwahlen die entsprechende Legitimation. Um die Zweifel der HAM-Vertreter dennoch zu beseitigen, wurde Anfang des Jahres durch Nicolai Walch, dem zweiten Vertreter für den e.V. im Beirat, eine Abstimmung per E-Mail zur Wahl des Vorsitzenden initiiert. Das nicht gerade überraschende Ergebnis: zwei Stimmen gab es für Reisinger, zwei gegen ihn. Während Andrew Livingston seine Entscheidung mit den angeblichen Scheinkandidaten rund um die mögliche Einstellung von Horst Heldt begründete, hielt sich Saki Stimoniaris dagegen kurz.
Sehr geehrte Herren, ich stimme gegen Herrn Reisinger als Vorsitzenden. Mit freundlichen Grüßen, Saki
Von Wahl-Initiator Walch wurde gemäß der SZ dann die Handlungsunfähigkeit des Beirats festgestellt, was Livingston wiederum so nicht stehen lassen wollte. Doch der Weg für eine Einstellung von Christian Werner mittels 50+1 könnte unter diesen Umständen nun frei sein. Bislang war eigentlich noch eine weitere Beiratssitzung nötig, um diese Karte ausspielen zu können. Die angesprochene Handlungsunfähigkeit könnte diesen Punkt nun ad acta legen.
Scheinkandidaten-Debatte geht weiter
Die möglichen Scheinkandidaten, die Robert Reisinger gegenüber Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer vorgeschlagen haben soll, beschäftigen die Löwen derweil noch immer. Pfeifers Anwalt teilte mit, dass sein Mandant diesen Vorwurf so nie getätigt habe. Es sei stattdessen um zwei Kandidaten aus dem Netzwerk Reisingers gegangen, die nach Einschätzung des 59-Jährigen nicht die gleiche Eignung wie Heldt hätten. Zu dem öffentlich bekannt gewordenen Begriff “Scheinkandidaten” passt diese Schilderung nicht – wobei es darüber (wie sollte es beim TSV 1860 auch anders sein) erneut zwei unterschiedliche Auffassungen gibt. Für Nicolai Walch stehen die beiden Optionen im Raum, dass “entweder bei der Untersuchung falsch ausgesagt oder dass unlauter falsch protokolliert wurde“. Protokollführer Frank Koch wies den Vorwurf zurück – es dürfte weiterhin spannend bleiben an der Grünwalder Straße.














