Alles wie gehabt: Stadiondiskussion bei 1860

Im Laufe des Jahres 2001 erreichte die Stadiondiskussion beim TSV 1860 (wieder Mal) einen Höhepunkt. Das an der einen oder anderen Stelle heute ja gerne als besonders “kultig” bezeichnete Olympiastadion, in das die Löwen sechs Jahre zuvor endgültig umgezogen waren, erfreute sich so großer Beliebtheit, dass sich in jener Saison beispielsweise bei einem DFB-Pokalspiel gegen den Ligakonkurrenten aus Bochum keine 5.000 (!) Besucher für einen Besuch am Oberwiesenfeld erwärmen konnten. Im März hatte Manfred Schwabl zu einer Präsentation seiner Pläne für einen Umbau des Sechzgerstadions in den Hofbräukeller geladen und damit bei vielen Fans alte Sehnsüchte geweckt. Im Hinblick auf das geplante gemeinsame Stadionprojekt vor den Toren Münchens mit dem großen Nachbarn aus der Seitenstraße und dem im Herbst anstehenden Bürgerentscheid darüber konnte Präsident Karl-Heinz Wildmoser also alles brauchen, außer die sich weiter durchsetzende Erkenntnis, dass es für eine Fußballmannschaft des TSV 1860 nur einen legitimen Spielort geben kann.

Ein Löwenheimspiel gegen Waalwijk – in Augsburg…

Diese Aspekte dürften die – zweifelhafte – Motivation dafür gewesen sein, dass die ersten zwei Heimspiele im UEFA-Intertoto-Cup im Juli 2001 in der Augsburger Rosenau ausgetragen wurden. Hatte man fünf Jahre zuvor den Fans im UI-Cup noch das “Zuckerl” einer Rückkehr nach Giesing gegönnt und vor jeweils fünfstelliger Kulisse stimmungsvolle Fußballabende erlebt, war dies im neuen Jahrtausend kein Thema mehr. Die dringend notwendige Vorfreude auf die neue Arena mit dem FC Bayern sollte nicht durch Anflüge von Nostalgie gestört werden. Also empfang die Mannschaft von Werner Lorant – wie drei Wochen zuvor den FK Smederevo – auch den holländischen Vertreter RKC Waalwijk in der Schwabenmetropole.

Abwehrschwächen, aber doch ein souveränes 3:1

Nur 3.500 Unentwegte zogen an diesem sommerlichen Samstag Nachmittag den Ausflug nach Augsburg einem Badesee oder vergleichbaren Zielen vor und unterstützen die Löwen, die am Wochenende zuvor das Hinspiel in den Niederlanden mit 2:1 gewonnen hatten. Auch im Rückspiel stellte der Tabellensiebte der Vorsaison in der holländischen Eredivisie nicht die ganz große Herausforderung für den 11. der Bundesliga dar: Mitte der ersten Halbzeit erzielte Neuzugang und – auf dem Papier – frisch gebackener Championsleague-Sieger Michael Wiesinger sein erstes Pflichtspieltor für die Löwen, das die Gäste allerdings eine Viertelstunde später ausgleichen konnten. So ging es in die Pause. 1860 offenbarte zwar in diesem Spiel die eine oder andere Unsicherheit in der Hintermannschaft, Torhüter Simon Jentzsch musste aber letztlich nicht mehr hinter sich greifen. In der Schlussviertelstunde machten Thomas Häßler und Martin Max mit zwei weiteren Treffern den Sack endgültig zu.

Nächste Runde Newcastle United

Die Löwen waren in das Halbfinale des Wettbewerbs eingezogen. Vier erfolgreiche Spiele später wollte man ran an die Fleischtöpfe des lukrativen UEFA-Cups. Angesichts des nicht besonders sparsam zusammengestellten Kaders im Prinzip eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die erste und bereits zu hohe Hürde dorthin war Newcastle United, das nur vier Tage später zum Hinspiel bei den Löwen auflaufen sollte. Diesmal aber nicht schon wieder in Augsburg, sondern im  Olympiastadion. Nominell ein echtes Knallerspiel gegen einen Vertreter aus der englischen Premier League, zu dem sich aber auch nur 15.000 Zuschauer im weiten Rund unter dem Zeltdach einfinden sollten.

“Es geht hoid ned!”

Löwenpräsident Karl-Heinz Wildmoser hatte zum eingangs beschriebenen Stand der Dinge in der Stadiondebatte jener Zeit auch am 21. Juli nach dem Spiel gegen Waalwijk seine ganz eigene Wahrnehmung. Auf die Frage eines Reportes, ob im Stadionstreit von der – so wörtlich – “Grünwalder Fraktion” weiterhin Ärger drohe, entgegnete er: “Nein. Die Fans haben inzwischen eingesehen, dass ein Neubau des Grünwalder Stadions nicht geht.”
So kann man sich täuschen…

Die Aufstellung der Löwen

Trainer Werner Lorant schickte am 21.7.2001 gegen RKC Waalwijk folgende Mannschaft auf den Rasen der Augsburger Rosenau:

Jentzsch – Greilich, Riseth, Zelic – Wiesinger, Cerny (60. Dheedene), Mykland, Häßler (83. T. Votava), Weissenberger (79. Tapalovic) – Max, Ipoua Hamben

Tore:
1:0 Wiesinger (22.), 1:1 Leonhout (37.), 2:1 Häßler (77.), 3:1 Max (90.)

 

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