Verwaltungsratskandidat Klaus Ruhdorfer hat in einem Video die Beweggründe für seine Kandidatur dargelegt und dabei bewusst Ängste der Löwenfans als Wahlkampfmittel verwendet.
Ruhdorfer stellt sich im Video vor
Sechzger.de liegt ein bislang nicht veröffentlichtes Vorstellungsvideo von Klaus Ruhdorfer vor.
Der 62-Jährige, der jüngst wegen Falschbehauptungen über den Wahlausschuss eine Unterlassungserklärung unterzeichnete, spricht über seine Motivation, zum zweiten Mal nach 2018 für das Kontrollgremium des Vereins zu kandidieren.
Das Video gehört mutmaßlich zu einer Reihe an Vorstellungsvideos, die das Bündnis Zukunft 1860 mit den von ihm ins Rennen geschickten Kandidaten nach und nach auszurollen versucht. Ein erstes, konzeptgleiches Werk konnten die Mitglieder des TSV 1860 bereits gestern sichten, als Robert Forster sich mit dem digitalen Format vorstellte.
Es geht Ruhdorfer quasi nur um den Profifußball
Ruhdorfer, der bereits mit dem Team Profifußball im Jahr 2018 für einen Posten im Verwaltungsrat kandidiert hatte und hierbei eine herbe Niederlage einstecken musste, macht auch im nun vorliegenden Bewerbungsvideo keinen Hehl daraus, dass für ihn der Profifußball der Hauptgrund für seine Bewerbung ist.
Mit Aussagen wie “Weil es so nicht weitergehen kann” und “der Zustand von 1860 ist traurig und desaströs” leitet Ruhdorfer im Video zu den aus seiner Sicht vier Kernpunkten für die Verwaltungsratsaufgaben über:
- Verhältnis der Gesellschafter der KGaA
- die Situation der Turnhalle
- die Situation des Grünwalder Stadions
- Sportliche Lage von 1860 im Profifußball
Ruhdorfer nutzt Angst als Wahlkampfmittel
“Wir sind in Bayern aktuell im Fußball auf Platz 9” (Anmerkung der Redaktion: Das ist – selbst unter Heranziehung der Momentaufnahme der aktuellen Tabellen der deutschen Profiligen nicht korrekt. Als 14. der 3. Liga belegt 1860 aktuell den 8. Platz im Freistaat), “und nächstes Jahr werden wir sehr wahrscheinlich von Würzburg überholt, dann sind wir die Nummer 10 in Bayern”.
Weshalb die unterfränkischen Regionalligakicker, die es in die Drittliga-Relegation gegen Hannover 96 II geschafft haben, den Löwen in der kommenden Saison in der Dritten Liga den Rang ablaufen sollten, erklärt Ruhdorfer nicht, gleichwohl ist es für ihn “sehr wahrscheinlich”. Versucht Ruhdorfer durch diese (nicht den Tatsachen entsprechenden) Horrorszenarien, wenn man es so nennen will, den wahlberechtigten Löwenmitgliedern Angst zu machen?
Ruhdorfers Aussagen nach, dass auf der Mitgliederversammlung die “Weichen gestellt” würden und man sich zwischen “1860 im Amateurfußball” und “1860 ambitioniert im Profifußball” entscheiden müsse, lassen kaum einen anderen Schluss zu.
Ruhdorfer verspricht im Video Geldgeber und Netzwerk – jedoch nur, wenn das Bündnis Zukunft gewählt wird?
Was es jetzt braucht, ist, dass man nicht nur Sprüche macht à la ‘Biss der Löwen’, sondern dass man ein wirtschaftliches Fundament aufbaut. (…) Wir vom Bündnis Zukunft sind allesamt Unternehmer oder Persönlichkeiten aus der Wirtschaft (…) Wir haben auch unsere Netzwerke, wir können Türen öffnen (…) sind der festen Überzeugung, dass wir die nötigen Gelder für 1860 generieren können, um sportlichen Erfolg wieder möglich zu machen.
Mit diesen Worten macht Ruhdorfer klar: Finanzielles Engagement oder Zur-Verfügung-Stellen des angeblich großen und monetär reichlich ausgestatteten Netzwerks gibt es nur gegen ausgeprägte Macht, die sich aus seiner Sicht nur in der Mehrheitsbesetzung des Verwaltungsrats durch das Bündnis Zukunft 1860 realisieren lässt.
Weshalb für die Kandidaten des Bündnis Zukunft 1860 ein entsprechendes Engagement nicht auch ohne Sitz im Verwaltungsrat infrage kommt, erläutert Ruhdorfer im Video nicht.
Und hier offenbart sich die zweite Wahlkampftaktik: Das Wedeln mit dem – nicht näher definierten – Leckerli. Getreu dem Motto “Wenn ihr uns wählt, fließen Milch und Honig”, ohne jedoch hinsichtlich konkreter Maßnahmen zur Mittelbeschaffung greifbare Argumente zu liefern (Anmerkung: Eine weitere Verschuldung würde die Lizenz des TSV 1860 in der Dritten Liga massiv gefährden) .
Bislang ist vom Bündnis Zukunft lediglich bekannt, für die Budgetaufstockung, die aus ihrer Sicht für einen Aufstieg und Verbleib in die 2. Bundesliga notwendig ist, erneut bei Hasan Ismaik anklopfen zu wollen.
Diese Taktik ist nicht neu und die skeptischen, mit einem intakten Langzeitgedächtnis ausgestatteten Löwenmitglieder kennen sie: 1860-Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik persönlich wandte und wendet diese in regelmäßigen Abständen an, wenn er Personen aus dem Vereinsumfeld entfernt haben möchte. Den Worten folgten – abgesehen von ausufernder Verschuldung und sportlichem Absturz – bislang keine Taten.
Sollten die Zustände nach der Amtszeit ähnlich traurig sein, “werde ich definitiv nicht ein weiteres Mal kandidieren”
Ruhdorfer stellt im Video zudem klar, dass er nach dreijähriger Amtszeit, sollten die Zustände “ähnlich traurig” sein, nicht ein weiteres Mal kandideren werde. Für die Mitglieder, denen an Kontinuität in den Vereinsgremien gelegen ist und die die nun 13 Jahr währende Historie mit dem Mehrheitsgesellschafter der KGaA verfolgt haben, ist dies eine klare Botschaft.
Die Frage ist: Wirft Ruhdorfer auch hin, falls die Zustände nach 3 Jahren Amtszeit schlechter als der Status Quo sein sollten? Und: Wer würde dann den Karren aus dem Dreck ziehen?