Gestern gewann der TSV 1860 München einen glücklichen Punkt gegen den 1. FC Saarbrücken. Sechzig glich mit zehn Mann kurz vor Schluss aus und kann nun hoffentlich nur noch theoretisch absteigen. Zeit also die Planung für die nächste Saison zu beginnen.
Glücklicher Punkt für die Löwen
Das gestrige Spiel im Sechzgerstadion hatte keinen Sieger gesehen. Dennoch gab es einen großen Verlierer: den 1. FC Saarbrücken. Die Saarbrücker konnten die frühe 1:0-Führung durch Brünker gegen zehn Löwen nicht über die Zeit bringen. Kloss glich mit seinem Premierentreffer in der 84. Minute aus. So konnte Saarbrücken kein Kapital aus der parallelen Niederlage von Dynamo Dresden schlagen, das nach dem Spiel auch noch Coach Anfang feuerte. Sechzig kann nach dem Spielverlauf mit vollkommen unterirdischer erste Hälfte, roter Karte kurz vor der Halbzeit und wenig Torchancen mit dem Punkt sicher gut Leben. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen…
Mehr als durchwachsene Saison
So wird 1860 diese Saison irgendwo aller Voraussicht nach zwischen Platz 13 und 15 beenden. Das ist selbst für die vor der Saison von Trainer Jacobacci und der zusammengewürfelten sportlichen Leitung ausgerufenen “Übergangssaison” zu wenig. Im Endeffekt kann man in Giesing froh sein, dass Argirios Giannikis einen Topstart als Löwentrainer hinlegte und acht Spiele in Folge ungeschlagen blieb. 18 Punkte holte Sechzig in diesen acht Spielen. Von diesen Punkten zehren wir ehrlich gesagt bis heute. Wenn man da nur zwei Mal unentschieden gespielt hätte, anstatt zu gewinnen, wären wir heute noch mittendrin im Abstiegskampf. Eine derart durchwachsene Saison wollen wohl Alle im Umfeld des TSV 1860 nicht nochmal erleben. Die Ansprüche sind ganz andere.
Mueller, Dr. Werner und Engels können gleich mal zeigen, was sie können
Wahnsinnig viel Geld, um teure Spieler nach Giesing zu locken oder gar Ablösesummen zahlen zu können, ist wie immer nicht vorhanden. Die AZ spricht von einem Spieleretat in Höhe von 4,5 Mio. € für die kommende Saison. Diese gilt es möglichst sinnvoll auszugeben, um damit ein schlagkräftigeres Team als diese Saison zusammenzustellen. Dass die Höhe des Spieleretats dazu beileibe nicht der entscheidende Faktor ist, zeigen Teams wie Ulm, Münster oder Unterhaching, die aus wenig Mitteln sehr viel mehr herausgeholt haben als unsere Löwen. Es liegt nun als an der Führung der KGaA, das Maximale aus den vorhandenen Mitteln herauszuholen und eine solide sportliche und finanzielle Planung zu entwickeln und umzusetzen. Daran werden sie gemessen werden und die beiden neuen Geschäftsführer vermittelten mir bisher durchaus den Eindruck, dass sie wissen, worauf sie sich bei ihrem Engagement an der Grünwalder Straße 114 eingelassen haben. Besonders gespannt bin ich auf den Effekt, den Stephan Engels als Kaderplaner miteinbringen wird. Eine Position, die es bei 1860 in dieser Form bisher nicht gab. Außerdem sollte er von seinem frühren Job beim SC Verl knappe finanzielle Rahmenbedingungen gewohnt sein und der Erfolg der Verler spricht für sich.
Analyse der aktuellen Schwachstellen
Fünfer ins Phrasenschwein: Die Planung jeder Verbesserung beginnt mit der Analyse der aktuellen Schwachstellen. Diese sind im Kader von Sechzig für mich gar nicht so leicht zu identifizieren. Rein vom Spielermaterial her müsste 1860 wesentlich weiter oben stehen. Eine wirklich eklatant fehlbesetzte Position könnte ich jetzt nicht nennen. Dennoch hatten Viele den Eindruck, dass der Kader nicht optimal zusammengestellt war. Ich auch, allerdings kann ich nicht genau sagen, woran ich das eigentlich fest mache. Natürlich hatte man mit der langwierigen Verletzung von Zwarts etwas Verletzungspech, aber das hat fast jeder. Ich glaube, dass die Konstanz der Leistungen das große Problem in dieser Saison war. Acht Spielen ohne Niederlage folgten zum Beispiel in Rückrunde vier Niederlagen in Folge. Außerdem scheint mir Maurizio Jacobacci mittelfristigen Schaden angerichtet zu haben. Neben dem vollkommen veralteten Spielsystem zerstörte er jegliches Selbstbewusstsein der jungen Spieler systematisch. Lakenmacher, Ouro-Tagba, Glück und Kloss wurden von ihm teilweise öffentlich diskrediert und bekamen kaum Einsatzzeiten. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass uns Lakenmacher Richtung Darmstadt verlässt. Ein Trainer, der junge Spieler – teilweise aus dem eigenen NLZ – nicht fördert, ist bei 1860 ein No-Go! Glücklicherweise sind die Jungs nun wieder in die Spur gekommen und stellen Ihr Können unter Beweis. Siehe Tim Kloss gestern!
Die Planung für die nächste Saison muss jetzt beginnen
Die sportliche Leitung muss also jetzt schnell identifizieren, wer von den aktuell 16 Spielern mit auslaufenden Verträgen noch eine Zukunft in Giesing hat bzw. wer von ihnen überhaupt verlängern will. Dann gilt es zu überlegen, auf welchen Positionen man Verstärkungen braucht bzw. welche Positionen doppelt besetzt werden sollen, um Spieler auch durch einen internen Konkurrenzkampf voranzubringen. Hier erhoffe ich mir von Stephan Engels wertvolle Impulse, um den Kader unter den den gegebenen Umständen noch zu verstärken. Wirklichen Handlungsbedarf sehe ich, wenn überhaupt, auf den Außenverteidigerpositionen. Dort herrscht aus meiner Sicht fast schon traditionell eine gewisse Luft nach oben. Außerdem hoffe ich, dass Talente aus der U21 und der U19 wieder vermehrt in der Planung berücksichtigt werden. Das macht finanziell Sinn wegen des DFB-Fördertopfs und vielleicht ist ja der nächste Morgalla dabei, dessen Transfer richtig Asche in die Kasse der KGaA bringen könnte. Und außerdem bejubeln sich die Tore von unseren Eigengewächsenen immer noch ein Stückerl intensiver. Das konnte man ja gestern wieder am eigenen Leib spüren.















