Herzlich Willkommen zur Taktiktafelabrechnung. Eine Analyse in der gewohnten Form wird es heute nicht geben.
Was war los?
So eine blutleere, lustlose Frechheit von der Mannschaft des TSV 1860 München gegen den BVB II hat keine Analyse verdient. Auch jetzt, am Tag nach dieser Schmach, bin ich noch maximal sauer auf jeden einzelnen Spieler abgesehen von Marco Hiller und Marius Wörl.
Gestern während der ersten 17 Minuten war das nichts anderes als Arbeitsverweigerung. Wer eine Analyse braucht, schaut bitte die Pressekonferenz unseres Trainers an. Dort wird vieles, was ich im Normalfall analysiere, vom Coach gut erklärt. Er nimmt auch einzelne Spieler in die Pflicht. Das ist der einzig positive Aspekt des gestrigen Tages.
Um diese Behauptung (Arbeitsverweigerung) zu stützen, hier ein paar Zahlen aus der Anfangsphase bis zum 3:0 für die Gäste:
Die PPDA in diesem Zeitraum, also die Anzahl der gespielten Pässe in den pressingrelevanten Räumen des Gegners, bis ein Spieler der Sechzger sich bequemte, eine Aktion gegen den Ball auszuführen, liegt bei 50 (in Worten: fünfzig). Der BVB II durfte ungestört mit dem Ball machen, was er wollte.
Des Weiteren ließen die Sechzger in diesem Zeitraum neun Schüsse zu. Kein einziger dieser Schüsse wurde geblockt. Sieben dieser Schüsse gingen auf den Kasten von Marco Hiller.
Dass es nach der Anfangsphase beim TSV 1860 besser wurde, lag nicht an den Löwen, sondern daran, dass der BVB II etwas Tempo rausnahm und die Löwen mitspielen ließen.
Nichtsdestotrotz konnten die Dortmunder in jeder Phase des Spiels zulegen und den Löwen zeigen, wer an diesem Nachmittag im Sechzgerstadion die Hosen anhat.
Liebe Spieler des TSV 1860
Liebe Spieler des TSV 1860 München, was glaubt ihr eigentlich wer Ihr seid? Was denkt Ihr Euch, für wen ihr da auf dem Platz steht?
Ihr steht nicht für Euch auf dem Platz. Ihr seid die “Profi”-Mannschaft des TSV 1860 München und so habt ihr Euch zu verhalten.
Was bedeutet es, Spieler des TSV 1860 München zu sein? Für mich bedeutet das, dass Ihr zu kämpfen habt – und zwar in jeder Sekunde eines Spiels. Gestern habt ihr Euch verhalten wie Lämmer auf der Schlachtbank und nicht wie Löwen. Ihr solltet allen Zuschauern, die gestern ins Stadion gekommen sind, den Eintrittspreis zurückzahlen.
Eine Leistung wie die gestrige ist nicht würdig, den TSV 1860 München zu vertreten. Wer keine Lust hat, sich für den TSV 1860 München aufzuopfern, und wem es nicht klar ist, was es bedeutet, dieses Wappen auf der Brust zu tragen: “Hör auf Fußball zu spielen.”
Eine Niederlage ist kein Beinbruch. Eine Leistung wie die gestrige ist eine Schande für fast jeden einzelnen Spieler in weiß-blau, der in der ersten Halbzeit auf dem Rasen des Sechzgerstadions stand.
Das, was ihr Euch gestern gegen den BVB II geleistet habt, gehört in der Historie der unterirdischsten Spiele des TSV 1860 München während meiner Lebenszeit mindestens in die Top 3. Ich erinnere an das Hinspiel in der Abstiegsrunde 91/92, als die Löwen 1:4 gegen Fortuna Köln verloren und an das Rückspiel 2017 gegen Regensburg, das mit 0:2 verloren wurde.
Mir ist es übrigens maximal egal, ob ihr euch möglicherweise abseits des Platzes nicht versteht. Mir ist es auch vollkommen egal, wer mit wem aus welchen Gründen auch immer vielleicht nicht zusammenspielen möchte. Für 90 Minuten in der Woche muss es selbst Euch Egomanen möglich sein, persönlichen Kram außen vor zu lassen.
Schämt Euch
Schämt Euch, entschuldigt Euch, zahlt den Fans, die im Stadion waren die Eintrittsgelder zurück. Keiner aus der Elf abgesehen von Marco Hiller und Marius Wörl, die gestern beim Anpfiff auf dem Platz standen, hat es verdient, ein Löwe genannt zu werden.
Ich habe selten in so viele ungläubige Gesichter geblickt wie am Sonntag nach dem dritten Gegentor. Ein frühes Gegentor? Geschenkt. Das kann passieren. Da ist genug Zeit, das auszubügeln. Aber was macht Ihr? Ihr sprecht eine Einladung nach der anderen aus und fangt euch zwei Standards.
Ihr wart vor diesem Spiel auf einem guten Weg, und auf einmal werdet Ihr wegen eines (!) Siegs in Aue (!) überheblich und glaubt, Ihr wärt die Erfinder des Fußballs. Dann kommt eine junge, motivierte Truppe und zeigt Euch, wo der Bartl den Most holt.
Anstatt euch zu wehren, schaut ihr andächtig zu, wie eine U23-Mannschaft, die bekanntermaßen Probleme bekommt, wenn der Gegner aggressiv vorgeht, Euch nach Strich und Faden zerlegt.
Mir langts mit Euch, lassts unsere U 19 auf den Platz, die haben mehr Ehrgefühl im kleinen Zeh als die meisten von Euch im ganzen Körper. Ein Team, das im Abstiegskampf in der Bundesliga dieser Altersklasse gegen die U-Mannschaften höherklassiger Vereine bewiesen hat, dass es weiß, worum es geht, wenn man den Löwen auf der Brust trägt.
Datenquelle: Wyscout