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Live-Ticker 1.FC Kaiserslautern – TSV 1860 München – der Ticker live vom Betzenberg

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Liveticker TSV 1860 München von sechzger.de

Am 16.Spieltag der 3.Liga 2020/2021 treten die Löwen nach dem 5:0-Sieg gegen Waldhof Mannheim mit breiter Brust auswärts beim 1.FC Kaiserslautern an. sechzger.de ist natürlich wieder live vor Ort und tickert das Spiel aus dem Fritz-Walter-Stadion. Ausnahmsweise ist das Spiel bei Magenta Sport für alle frei empfänglich. Anpfiff ist um 18:60 Uhr.

TAKTIKTAFEL: 1.FC Kaiserslautern – TSV 1860 München

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Duisburg TSV 1860 Taktiktafel Bernd Winninger
Die TAKTIKTAFEL von sechzger.de

30 erzielte Tore der Löwen stehen 14 auf der Gegenseite gegenüber, Platz 5 trifft auf Platz 17. Auf dem Papier haben wir quasi schon gewonnen. Warum das mitnichten so ist, erfahrt ihr im Folgenden!

Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Spiel unserer Löwen bei den Roten Teufeln am Betzenberg.

Die Mannschaft von Trainer Jeff Saibene rangiert bei bisher zwei Siegen, neun Unentschieden und vier Niederlagen mit fünfzehn Punkten auf Platz 17 der Tabelle. Dass dieser Tabellenplatz nicht die tatsächliche Qualität der Pfälzer widerspiegelt, dürfte jedem klar sein. Der mit 35 Spielern im Aufgebot riesige Kader hat sicherlich das Potential zu Höherem. Vor allem im Sturm hat man mit fünf Neuzugängen im Sommer kräftig aufgerüstet. Dank der grundsätzlichen Ausgeglichenheit der Liga sind die Lautrer mit neun Punkten Abstand zum Aufstiegsrelegationsplatz nach bisher fünfzehn Spielen durchaus noch nicht hoffnungslos abgeschlagen.

Wie sieht nun das Spiel des 1. FCK bisher aus taktischer Sicht aus?

Seit dem vierten Spieltag setzt Jeff Saibene mit Ausnahme des Spiels gegen den Halleschen FC am 11.Spieltag auf die Doppelsechs im defensiven Mittelfeld. Ex-Löwe Tim Rieder (#17) und Kapitän Carlo Sickinger (#25), der nach überstandener Verletzung gegen Unterhaching am Freitag wieder zum Einsatz kam, sind dort gesetzt. Das grundlegend auf den Platz gebrachte System variiert allerdings bei den Pfälzern. Am häufigsten trat der heutige Gegner des TSV 1860 München bisher mit einem 4-2-3-1 an. Aber auch ein klassisches 4-4-2 mit Doppelsechs ist durchaus möglich.

Die Roten Teufel in der Offensive

Die Betzebuwe agieren mit Ball aus einer äußerst sattelfesten Abwehr heraus ruhig und bedächtig im Spielaufbau. Sie spielen lieber einen Querpass zu viel in der Abwehrkette als zu wenig, um das Risiko eines unnötigen Ballverlustes zu vermeiden. Sowohl über das lange Holz und darauffolgend die Eroberung des zweiten Balles als auch über das spielerische Element im Mittelfeld versuchen die Lauterer ihre Angriffe zu lancieren. Der Spielaufbau über Rieder oder Sickinger erfolgt im Positionsspiel äußerst variabel und ist oft davon abhängig, wo man beim Gegner die größte Schwäche findet. Daher wird Hikmet Ciftci (#6), der die zentrale Position hinter Stürmer Marvin Pourié (#9) bekleidet, ähnlich oft in den kontrollierten Spielaufbau einbezogen, wie die von den meist offensiv ausgerichteten Flügelverteidigern gut unterstützten Mittelfeldaußenspieler. 

Nun ist am heutigen Abend Ciftci nicht mit von der Partie, weil er wegen einer Verletzung am Nasenbein operiert wird. Wer ihn ersetzt und ob dann das Zentrum immer noch in der Frequenz bespielt wird, bleibt abzuwarten. Nichtsdestotrotz haben die Lauterer eine leichte Präferenz für den rechten Flügel in der Eröffnung eines Angriffs. Die bisherigen Spiele des 1. FCK zeigen, dass vor allem bei schnellen Flügelwechseln die Offensive der Pfälzer brandgefährlich vor dem gegnerischen Kasten werden kann, da der Gegner hierbei auf dem falschen Fuß erwischt wird. Die besten Vorlagengeber der Lauterer mit Kevin Prince Redondo (#11) und Adam Hlousek (#14) spielen übrigens beide auf dem linken Flügel. Besonders herauszuheben ist bei Lautern die Flankengenauigkeit. Hinter Zwickau rangiert man mit 38% Genauigkeit auf Rang zwei der Liga. Die Kopfballstärke unserer Abwehrspieler wird also möglicherweise viel mit dem positiven oder negativen Ausgang des Spiels zu tun haben.

Die Defensive

Gegen den Ball wird von den Lauterern selten wirklich hoch gepresst. Das bedeutet für die Sechzger heute Abend vor allem eines: wenig Platz, um in der gegnerischen Hälfte zu agieren. Sobald der Ball über die Mittellinie getragen wird, machen einem die Teufel Feuer unterm Kessel. Schnelles und präzises Passspiel ist vonnöten, um in Ballbesitz zu bleiben. In den Verdichtungsmomenten auf den Flügeln und auch vor dem eigenen Strafraum wissen die Männer von Jeff Saibene haargenau, wie man dem Gegner das Leben und den Torabschluss schwer machen kann. Dabei überragen in Puncto Torverhinderung allerdings nicht die defensiven Zweikampfwerte, sondern Fähigkeiten der Spieler Schüsse zu blocken und in gegnerische Passwege einzulaufen. 

Wie wird nun heute Abend das System der Pfälzer aussehen?

Wissen kann ich das natürlich nicht, da allerdings mit dem TSV 1860 München die Torhungrigste Offensive der Liga anrollt kann man davon ausgehen, dass Jeff Saibene gegen den Ball schön Beton anrühren wird und die Variante 4-4-2 mit zwei tiefen Viererketten wählen wird. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich die Sechzger gegen so agierende Mannschaften bisher immens schwer getan haben, wie nicht nur die Spiele gegen Uerdingen und Duisburg gezeigt haben, kann das für Lautern eine adäquate Herangehensweise an diese Partie sein. Bei Ballbesitz wird sich die Flache vier vermutlich zu einer Raute verschieben, bei der dann Sickinger ins zentrale oder offensive Mittelfeld aufrückt und Rieder die Defensive absichert.

Stärken und Schwächen des 4-4-2
Stärken des 4-4-2 flach gegen den Ball

Durch die doppelt besetzten Flügel sind die kurzen Laufwege für die Mittelfeldaußen kraftschonend, was gegen Ende einer Partie entscheidend sein kann. Aus der kompakten Defensivformation mit zwei Viererketten heraus zu verteidigen bringt für den Gegner große Probleme überhaupt in die Box zu kommen. Daher ist dieses System sehr gut zur Verteidigung gegen spielstarke Teams geeignet. Auch für Mittelfeldpressing eignet es sich gegen den Ball gut.

Schwächen des 4-4-2 flach gegen den Ball

Bei konsequentem Gegenpressing des Gegners in Umschaltsituationen kann es wegen der tiefen Staffelung vor der eigenen Box schwierig werden, sich aus dem letzten Drittel so zu befreien, dass die Positionsangriffe zielführend sind.

Stärken des 4-4-2 Raute bei Ballbesitz

Die kompakte Formation und gute Staffelung im Mittelfeld begünstigt Kurzpasskombinationsspiel, weil sie für die Dreiecksbildung beste Voraussetzungen schafft. Somit ist ein kurzer Spielaufbau sowohl über das Zentrum als auch über Außen möglich. Wenn die Spieler permanent in Bewegung bleiben, kann durch die daraus folgende Dynamik eine große Dominanz im Mittelfeld erzeugt werden.

Schwächen des 4-4-2 Raute bei Ballbesitz

Vor allem den Flügelverteidigern wird enorme Laufarbeit zugemutet. Ohne deren tatkräftige Unterstützung wird der Spielaufbau nicht druckvoll genug, um die Stärken des Systems zur Entfaltung kommen zu lassen. Die für die Offensive gute Staffelung begünstigt bei Ballverlust Konter des Gegners.

Statistische Werte
  • Ballbesitz 47%:53%
  • Passquote 79%
  • Gewonnene Defensivzweikämpfe 62%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 13,1
Schlüsselspieler

Torhüter Avdo Spahic (#1) ist sowohl auf der Linie als auch in der Strafraumbeherrschung stark und konnte bisher schon drei mal die Null halten (wie auch Marco Hiller). Der sichere Rückhalt im Spiel der Lauterer wird ein entscheidender Faktor am heutigen Abend sein.

Innenverteidiger Kevin Kraus (#5) gewinnt 62% seiner Zweikämpfe. Er muss durch sein gutes Stellungsspiel in den seltensten Fällen die Grätsche auspacken. Mit erst drei gelben Karten und nur zehn Fouls im Saisonverlauf ist er einer der fairsten Spieler auf seiner Position in der Liga. Er stand in allen bisherigen Spielen die vollen 90 Minuten auf dem Platz.

Kapitän Carlo Sickinger (#25) ist im defensiven Mittelfeld die erste Anspielstation aus der Abwehr heraus im Positionsspiel bei den Pfälzern. Seine herausragende Quote bei defensiven Zweikämpfen von 71,5% wird nur von seiner Passquote (86%) übertrumpft.

Der verletzte Hikmet Ciftci (#6) ist der dribbelstarke, kreative Kopf im zentralen bzw. offensiven Mittelfeld des 1. FCK. Der wendige Ballkünstler geht aus über der Hälfte seiner Dribblings als Sieger hervor. So kann er, wenn er es schafft, den Gegenspieler zu umkurven, für Raum in der Offensive sorgen. In diesem gibt er den Ball dann mit seinen präzisen Pässen an seine Mitspieler weiter. Ihn zu verlieren trifft die Mannschaft aus der Pfalz hart. Wie er ersetzt werden könnte und welche Umstellungen möglich wären, ist eine der Hauptaufgaben von Coach Saibene.

Stürmer Marvin Pourié (#9) ist Goalgetter Nummer eins bei den Pfälzern. Er ist ebenfalls dribbelstark und gewinnt jedes Dritte seiner Kopfballduelle. In Kombination mit den präzisen Flanken der Pfälzer ist dieser Spieler in jeder Partie brandgefährlich. Es muss oberste Priorität sein ihn nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.

Fazit

Die angeschlagen auf einen Abstiegsplatz abgerutschten Pfälzer nach fünfzehn Spieltagen schon anzuzählen wäre das Schlechteste, was die Ligakonkurrenz machen könnte. Mit nur neun Punkte hinter dem Relegationsrang und zehn hinter einem direkten Aufstiegsplatz ist die Saison in dieser engen Liga bei dem starken und mit 35 Spielern extrem breiten Kader für den 1. FC Kaiserslautern absolut noch nicht vorbei, auch wenn mein Lauterer Freund Jens (schönen Gruß auf diesem Weg) nach dem Spiel der Teufel am vergangenen Freitag schon dem Fatalismus verfallen ist. Mit dem FCK ist definitiv weiterhin zu rechnen.

Für die Löwen heißt es folglich am heutigen Abend ebenso wie gegen Mannheim mit höchster Konzentration, vollem Einsatz und offensiver Konsequenz in dieses Spiel zu gehen. Viele Torchancen wird man vermutlich nicht bekommen, die Hundertprozentigen müssen daher sitzen. Einfach wird es nicht, aber drei Punkte sind immer möglich. Klar ist aber auch: Kommt der Schlendrian ins Spiel, wird es für die Sechzger die sprichwörtliche Hölle bei den Teufeln.

Datenquelle: http://www.wyscout.com/

Mit voraussichtlich dieser Aufstellung wird der 1.FC Kaiserslautern in das Spiel gehen:

Das Spiel verfolgen könnt ihr im sechzger.de – Liveticker 

16. Spieltag: Expertentipps mit Ivonne Mölders & Roger Rekless

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Am Wochenende erzielte Sascha Mölders in der ersten halben Stunde einen Hattrick gegen den SV Waldhof Mannheim und war nicht zuletzt deswegen maßgeblich am 5:0-Sieg gegen die Quadratstädtler beteiligt. Seine herausragende Leistung brachte ihm folgerichtig eine Nominierung zur Wahl zum “Spieler des 15. Spieltags” ein, bei der Ihr noch bis Dienstag, 15 Uhr abstimmen könnt.

Ivonne setzt auf Sascha

Ob der Routinier heute da weitermacht, wo er am Samstag aufgehört hat, wissen wir natürlich nicht. Jemand, der deutlich näher dran ist, hat diesbezüglich aber ein gutes Gefühl: Ivonne Mölders, die Ehefrau unseres Top-Scorers, tippt auf einen 3:1-Sieg des TSV 1860 beim 1. FC Kaiserslautern.

Rapper, Moderator, Bestseller-Autor und Löwe

Als Rapper und Moderator hatte sich Roger Rekless bereits überregional einen Namen gemacht. So richtig durchgestartet ist der Markt Schwabener jedoch als Buchautor. In “Ein Neger darf nicht neben mir sitzen” berichtet der Sohn eines kongolesischen Vaters und einer deutschen Mutter eindrücklich von seinen Erfahrungen mit dem in unserer Gesellschaft noch immer omnipräsenten Alltagsrassismus. Das Buch erreichte hohe Platzierungen in der Spiegel-Bestseller-Liste und rückte auch David Mayonga, wie der Rekless mit bürgerlichem Name heißt, in den medialen Fokus.

Auch der TSV 1860 findet in seinem Buch Platz und insbesondere die Box-Abteilung, in der der Künstler selbst aktiv war. Dort werde Integration gelebt und die Herkunft sei völlig egal. Dass Roger Rekless nicht nur Mitglied bei den Löwen ist, sondern auch Fan, hat er während seiner Zeit beim Bayerischen Rundfunk unter Beweis gestellt. Mussten die Bundesliga-Ergebnisse vorgelesen werden, ertönte bei Erwähnung des Nachbarn aus der Seitenstraße des Öfteren aus dem Hintergrund ein energisches “Seeeechzig!”.

Frei nach seinem Motto #reklesstutdinge tippt er heute exklusiv auf sechzger.de die Partie der Löwen auf dem Betzenberg: FCK – TSV 1:3!

Wer mit  seinem Tipp richtig liegt, könnt ihr in unserem Live-Ticker verfolgen.

Die jeweiligen Fotos wurden uns von Ivonne Mölders und David Mayonga zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Sechzig um Sieben: 1. FC Kaiserslautern – TSV 1860 München

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Wir schreiben das Jahr 2020. Unsere Löwen gehen in die – sage und schreibe – achte Englische Woche dieses seltsamen (Fußball-)Jahres. Das letzte Auswärtsspiel vor der kurzen Weihnachts- und Neujahrespause führt uns am heutigen Dienstag auf den Kaiserslauterer Betzenberg. Zum 31. Mal in seiner Geschichte tritt eine Mannschaft des TSV 1860 dort an. Die vier Bundesligasiege (in 19 Partien) gelangen in den goldenen 1960er-Jahren und kurz nach der Jahrtausendwende. In neun gemeinsamen Zweitligaspielzeiten entführten die Löwen immerhin zwei Dreier vom „höchsten Fußballberg Deutschlands“. In der 3. Liga bestritten wir zwar am 28. Juli 2018 das allererste Spiel überhaupt in Kaiserslautern, erlitten allerdings eine unglückliche 0:1-Niederlage und warten nach dem jüngsten 1:1 im Corona-Frühsommer noch auf einen Erfolg am Betze – wenn aller Guten Dinge auch in der 3. Liga drei sind, dann wäre heute also die perfekte Gelegenheit für ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk an die Löwenfans.

Insgesamt duellieren sich Teufel und Löwen heute Abend bereits zum 64. Mal. Das allererste Spiel liegt schon über 72 Jahre zurück: Im Juni 1948 unterlag Sechzig in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft im Viertelfinale in Worms dem FCK mit 1:5. Neben den oben schon thematisierten Ligapartien gab es noch zwei weitere Pflichtspielduelle: Auf dem Weg zum Pokaltriumph 1964 besiegten Radi & Co. die Lauterer im Viertelfinale auf Giesings Höhen mit 4:2 und im DFL-Ligapokal, einem Wettbewerb, der zwischen 1997 und 2007 in der Saisonvorbereitung unter den erfolgreichsten Bundesligateams der Vorsaison ausgetragen wurde, verlor Sechzig im Juli 2000 im Südweststadion in Ludwigshafen (das ja schon im letzten Vorbericht auf die Partie gegen Waldhof Mannheim Erwähnung fand) mit 0:2.

Sechzig und der FCK blicken auf eine sportlich glanzvolle und hochklassige gemeinsame Geschichte zurück. Die Realität heißt bei beiden Vereinen derzeit Drittklassigkeit, wobei bei den Roten Teufeln der Weg bergab seit der letzten Deutschen Meisterschaft 1998 ein wenig gleichmäßiger verlaufen ist, als das Auf und Nieder bei den Münchner Löwen in den letzten fünfzig Jahren. Finanzielle Schwierigkeiten kennt man an beiden Standorten zur Genüge. In Kaiserslautern hat man erst vor acht Tagen das am 15. Juni eingeleitete Insolvenzverfahren abgeschlossen. Nicht ganz unumstritten nutzten die Verantwortlichen am Betzenberg, dass der DFB die Strafmaßnahme von Punktabzügen für Clubs im Insolvenzverfahren aufgrund der Corona-Pandemie aktuell ausgesetzt hat. Für die Kritiker ungerecht, für die Befürworter ein cleverer Schachzug, hat die finanzielle Schieflage des Bundesliga-Gründungsmitglieds doch nichts mit der aktuellen Covid-19-Situation zu tun, sondern ist u.a. auf den Ausbau des Fritz-Walter-Stadions zur WM 2006 zurückzuführen. Eine ausführliche Darstellung dieses Themas würde leider weit mehr Text beanspruchen, als dieser Vorbericht auf das heutige Spiel gestattet.

Wo die sportliche Reise des FCK in der laufenden Saison hingeht, ist noch völlig unklar. Trotz des Insovenzverfahrens wurde im Sommer personell durchaus aufgerüstet, was – siehe oben – die besagten Kritiker auf den Plan rief. Unter anderem wurde der den Löwenfans wohl bekannte Tim Rieder aus Augsburg verpflichtet – zu ihm am Ende dieses Beitrages noch ein paar Sätze. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Lautern im Sommer allein durch die Verkäufe von vier Leistungsträgern (u.a. Torwart Grill nach Leverkusen, die Stürmer Pick und Kühlwetter nach Heidenheim und Timmy Thiele zum Ligakonkurrenten Viktoria Köln) insgesamt vier Millionen Transfererlöse erzielen konnte.

Das erste Saisondrittel dieser Spielzeit verlief für Lautern überraschend schwierig: Schon am 2. Spieltag nach einer 0:3 Pleite bei Türk Gücü musste Boris Schommers seinen Trainerstuhl räumen und wurde vom Luxemburger Jeff Saibene beerbt. Die Wirkung des Trainerwechsels ließ allerdings auf sich warten: Weitere sechs Spiele wartete man auf den ersten Saisonsieg, der dann endlich Anfang November in Zwickau gelang. Diesem konnte in der Folge aber nur ein weiterer Erfolg (gegen Lübeck) hinzugefügt werden. Am letzten Freitag setzte es eine 0:2-Pleite in Unterhaching. Wären die Roten Teufel nicht die Unentschieden-Könige der Liga (neun Remis), stünden sie in der Tabelle noch weiter unten, als auf dem aktuellen 17. Platz. Entsprechend wies Löwencoach Michael Köllner bei seiner obligatorischen Warnung vor dem nächsten Gegner in der PK vor dem Spiel darauf hin, dass “Kaiserslautern bisher kaum verloren hat”. Und richtig: Von den Teams der Liga, die bereits 15 mal angetreten sind, zog keines seltener den Kürzeren, das Lautern (viermal).

Im Kader des FCK befindet sich – wie oben erwähnt – auch Tim Rieder, der in der vergangenen Saison noch für die Löwen die Fußballstiefel schnürte und dessen Abgang (er war vom FCA ausgeliehen und wurde von den Schwaben für 50.000 EURO in die Pfalz transferiert) nicht wenige Löwenfans sehr bedauerten. Sportlich absolut nachvollziehbar, war Rieder in der vergangenen Saison – zusammen mit Sascha Mölders – doch der Löwe mit den besten Durchschnittsnoten. Ob die menschlichen Sympathiewerte auch nach Lektüre der nachfolgenden Information so hoch bleiben? Wir fragen uns nämlich schon: Was hat diesen Tim Rieder bei der Antwort auf die Frage nach den drei schönsten Stadien, in denen er je gespielt habe, die ihm im September dieses Jahres gestellt wurde, geritten? Platz drei (Fritz-Walter Stadion) und Platz zwei (Anfield Road) lassen wir uns noch eingehen. Dass der gebürtige Dachauer aber jene Arena neben dem Großlappener Müllberg vor den Toren der Stadt München als sein absolutes Lieblingsstadion angibt, ist – vorsichtig ausgedrückt – irritierend. Hat der Kerl denn in seinem Jahr bei den Löwen gar nichts gelernt?

Sechzger.de tickert natürlich auch heute, beim letzten Auswärtsspiel dieses Jahres aus dem – für Tim Rieder also – drittschönsten Stadion der Welt. Ergänzend bietet sich das Einschalten von MAGENTA Sport an, wo die Partie heute frei empfangbar ist.

TSV 1860 – Weihnachtstrikot genauer unter die Lupe genommen

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Das Weihnachtstrikot des TSV 1860 aus dieser Saison 2020/21 haben wir uns gestern noch einmal genauer angeschaut und das im folgenden Video festgehalten: Spät, aber noch nicht zu spät – immerhin haben die Fan-Shops des TSV 1860 am Trainingsgelände und in der Orlandostraße noch am morgigen Dienstag geöffnet – und allen die online bis einschließlich Sonntag bestellen, verspricht der TSV 1860 bzw. die Merchandising GmbH einen rechtzeitigen Versand.

Wusstet ihr, was Raglanärmel sind? Das Weihnachtstrikot hat welche – und nach dem Video wisst ihr es:

kicker: Mölders, Moll, Steinhart und Erdmann in Elf des Tages

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Sascha Mölders - TSV 1860

5:0 gewonnen, Hattrick erzielt – keine Frage, dass Sascha Mölders am Samstag der gefragte Mann war bei den Löwen. Auch dem kicker entging die herausragende Leistung unseres Routiniers nicht und so taucht er nicht nur erstmals in dieser Saison in der “Elf des Tages” auf, sondern wurde direkt auch zum “Spieler des Tages” gekürt.

Hattrick mit Folgen?

Bereits direkt hatte Michael Köllner im Interview bei Magenta angedeutet, dass nach der Saison nicht zwingend Schluss sein müsse bei Mölders, nun griff der kicker dies auf:

“Das hat er jetzt davon. Einen Hattrick schießt keiner bei 1860 ohne Folgen – also hat Sascha Mölders ab sofort eine Debatte am Hals.

Ausgerechnet sein Trainer brachte sie ins Rollen, als er nach der Mölders-Show gegen Mannheim (5:0) schwärmte, der Löwen-Kapitän sei richtig gut drauf – “in seinem letzten oder vorletzten Jahr”.

Die Frage, die Michael Köllner andeutete: Darf einer, der so gut in Form ist, seine Karriere beenden? Dagegen spricht, dass Mölders auch mit bald 36 zu den Besten der Liga gehört.”

Auch Moll, Erdmann und Steinhart ausgezeichnet

Neben Mölders stehen mit Dennis Erdmann, Quirin Moll und dem zweifachen Torschützen Philipp Steinhart drei weitere Löwen in der “Elf des Tages”. Den beiden Erstgenannten kam zugute, dass sich Trainer Michael Köllner einmal mehr taktisch flexibel zeigte und unsere Nummer 13 diesmal in die Innenverteidigung beorderte, während Moll das defensive Mittelfeld beackerte und gekonnt die Fäden zog.

TSV 1860 München e.V.: Weihnachtsbrief des Präsidiums

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Es ist zu einer schönen Tradition geworden, dass sich das Präsidium des Vereins zu besonderen Anlässen an die Mitglieder der Löwen wendet und gerade in Zeiten wie diesen tun die Worte von Robert Reisinger, Hans Sitzberger und Heinz Schmidt zu Weihnachten besonders gut.

Der Weihnachtsbrief im Wortlaut

Liebe Vereinsmitglieder, liebe Ehrenamtliche, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Förderinnen und Förderer des TSV 1860 München,

es ist an der Zeit, DANKE zu sagen! Danke für euer Engagement, danke für eure unverbrüchliche Verbundenheit mit den Löwen, danke für die Beherztheit, mit der ihr euch in einer mit großen Unsicherheiten verbundenen Situation bewährt habt und danke für die Zuversicht, die ihr an den Tag legt.

Ein schwieriges Jahr – nicht nur für den Sport – neigt sich dem Ende zu. Wir im Präsidium können Euch im Dezember in den einzelnen Abteilungen, in den verschiedenen Förderinitiativen und in den Fanklubs leider nicht besuchen, was wir sonst um diese Zeit immer sehr gern getan haben. Weihnachtsfeiern müssen aus Gründen des Infektionsschutzes ausfallen. Niemand von uns konnte sich noch zu Jahresbeginn vorstellen, von einer Pandemie betroffen und zweimal mit einem Lockdown nebst der kompletten Absetzung des Trainings- und Wettkampfbetriebs im Amateursport konfrontiert zu sein. Auch der Bereich des Profifußballs muss seit Monaten ohne euch – sein einmaliges Publikum – auskommen.

Wir sind alle eingeschränkt in der Gestaltung unseres persönlichen Alltags und darin, wie wir unsere Familien, unsere Freunde und unsere Sportkameradinnen und Sportkameraden treffen können. Die mit dem SARS-CoV-2 Virus verbundenen Auflagen haben uns vor bislang unbekannte Herausforderungen gestellt. Dank eurer Kreativität, eurer Disziplin und eurer großen Liebe zum Sport ist es gelungen, uns diesen im Verein erfolgreich zu stellen. Dabei war spürbar: Wenn es darauf ankommt, können wir uns beim TSV 1860 München aufeinander verlassen. Ihr alle habt in den zurückliegenden Monaten für die Löwen Verantwortung übernommen. Wir sind als Verein zusammengewachsen und unterstützen uns gegenseitig noch stärker als zuvor.

Wenn im kommenden Jahr die ersten Schutzimpfungen einsetzen, wird sich die Infektionslage hoffentlich Schritt für Schritt entspannen. Dann wird auch im Sport wieder ein geregelter Betrieb möglich sein. Bis dahin gilt es, gemeinsam durchzuhalten und sich organisatorisch auf den Wiederbeginn vorzubereiten. Wir im Präsidium sehen und schätzen den Einsatz jeder und jedes Einzelnen von euch für den TSV 1860 München.

Allen Löwinnen und Löwen mit ihren Familien und Freunden wünschen wir eine schöne Weihnachtszeit, erholsame Tage und vor allem Gesundheit! Wir begegnen uns persönlich im neuen Jahr.

Herzlichst in Grün-Gold und Weiß-Blau,

Robert Reisinger, Heinz Schmidt, Hans Sitzberger

Beitragsbild und Text: TSV 1860 München e.V.

TAKTIKTAFEL: Nachbetrachtung TSV 1860 München – SV Waldhof Mannheim 07

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Duisburg TSV 1860 Taktiktafel Bernd Winninger
Die TAKTIKTAFEL von sechzger.de

Ein Einwechselspieler spielte eine überragende Partie. 95% seiner Aktionen im Spiel waren von Erfolg gekrönt. Mit nur einem in der Offensive verlorenen Zweikampf und einer Passquote von 100% bei nur drei Rückpässen (zwei davon auf Keeper Hiller) zeigte er sich vor allem was die Ballverarbeitung und -weiterleitung angeht von seiner besten Seite. Um wen es geht? Die Antwort darauf gibt es jetzt!

Herzlich willkommen zur Taktiktafel Nachbetrachtung des Spiels TSV 1860 München gegen den SV Waldhof Mannheim.

Ein Spiel fast ohne taktische Fehler macht einem die Analyse der Leistung der Löwen an diesem Wochenende sehr leicht. Daher beleuchte ich heute die Highlights und die Situationen, die zu diesen führten.

Der letzte Pass vor einem Tor ist bekanntlich selten der tatsächliche Ursprung eines Treffers für eine Fußballmannschaft. Genauso wichtig ist der Ballgewinn und die auf selbigen folgenden Aktionen bis zum entscheidenden Pass, der Vorlage und dem Torschuss.

Aber der Reihe nach: Blicken wir zuerst einmal auf das gesamte Spiel und zerlegen es danach in seine Phasen, die wir gesondert betrachten.

Die Grundformationen

Die Mannheimer kamen wie erwartet mit einem 3-4-3 auf den Platz, das gegen den Ball zu einem 5-4-1 (5-2-2-1) verschoben wurde. Die Ausfälle der drei Stammspieler Verlaat, Christiansen und Ferati sollten Hofrath, Saghiri sowie Garcia kompensieren. Zusätzlich dazu rückte Ünlücifci für den sonst sehr starken defensiven Mittelfeldspieler dos Santos in die Startelf. Die Löwen liefen mit ihrem flexiblen 4-1-4-1 auf. Der für Wein spielende Erdmann nahm seinen Platz in der Innenverteidigung ein und Moll rückte dafür aus der Viererkette auf die Sechserposition vor. Den Box-to-Box Mittelfeldspieler gab erneut Erik Tallig für den gesperrten Dennis Dressel.

Von Spielbeginn an hatten die Mannheimer Probleme im Aufbauspiel. Die Löwen pressten ab der ersten Sekunde des Spiels. Durch kluge Raumaufteilung und dem daraus resultierenden erstklassigem Stellungsspiel ließen die Löwen dem Gegner kaum Möglichkeiten zur Entfaltung. Die Entschlossenheit, Giftigkeit und Hartnäckigkeit gegen den Ball, mit der die Mannschaft von Michael Köllner den Waldhöfern ab der ersten Spielsekunde entgegentrat, war überragend. Jeder Spieler der Sechzger erledigte seine Aufgaben mit Bravour. Es entwickelte sich somit ein Spiel, das die Löwen nach Belieben kontrollierten. Ohne überhastete Aktionen blieb man in jeder Phase der Herr im Haus. Mit der Abgeklärtheit einer Spitzenmannschaft zerlegten die Löwen den SV Waldhof Mannheim über die neunzig Minuten hinweg in seine Einzelteile und zeigten überall auf dem Platz den Schwarz-Blauen ihre Grenzen an diesem Spieltag auf. Auch wenn man der Elf von Patrick Glöckner in gewissen Spielphasen etwas mehr Entfaltung zugestand war eines deutlich ersichtlich: die Löwen hatten am Samstag die Hosen an.

So gliedert sich das Spiel grob in drei Phasen auf: die Anfangsoffensive, die Kontrollphase und die Ergebnisverwaltung.

Die Anfangsoffensive

Mit Anpfiff gab es bei den Sechzgern nur eine Richtung und die hieß nach vorne. Allerdings wurde nicht mit harakirimäßigen Sturmläufen agiert, die auf Teufel komm raus zu Treffern führen sollten, sondern ganz nach der rehagelschen Philosophie der kontrollierten Offensive. Bei Ballgewinn wurde das Spielgerät nicht unbedingt sofort auf die Reise in Richtung gegnerisches Tor geschickt. Erst einmal hielt man den Ball in den eigenen Reihen, um den Angriff auf die hoch stehende Defensivlinie der Mannheimer adäquat vorzubereiten. Mit einer hohen Defensivlinie und einer eher tiefen Pressinglinie wollten die Schwarz-Blauen das Mittelfeld für die Löwen möglichst eng machen, um Kombinationen von vornherein den Raum zu nehmen. Daraus folgte, dass die Löwen in der eigenen Spielfeldhälfte relativ ungestört waren und sich das Gros der Spieler beider Mannschaften in dem Raum zwischen der Mannheimer Box und der Mittellinie aufhielt. Lediglich Martinovic und bisweilen zusätzlich einer seiner Sturmpartner (Garcia oder Boyamba) rückten bei Ballbesitz der Löwen etwas über die Mittelline hinaus auf, um den Aufbau zu stören. In dem Bereich zwischen Mittellinie und eigener Grundlinie ließen die Waldhöfer die Löwen im Aufbau gewähren. Dass lange Bälle ein tödliches Mittel werden, wenn der Gegner das Mittelfeld so eng macht, ist die Konsequenz. Die Entstehung des Angriffs zum frühen 1:0-Führungstreffer ist ein Paradebeispiel für die entschlossene Arbeit gegen den Ball, kollektive Ballkontrolle und Übersicht im Spiel nach vorn.

Während dieser Anfangsoffensive bis zum 3:0 schlichen sich allerdings fünf Minuten im Löwenspiel ein, wo man bis zum 2:0 nach einem Freistoß das Heft ein wenig aus der Hand zu geben schien. Zwei gefährliche Angriffe, bei denen einmal Erdmann und einmal Salger als klärende Figuren in der Defensive verantwortlich sind und mehrere Eckbälle hätten in dieser kurzen Phase der Unaufmerksamkeit durchaus für den Ausgleich sorgen können.

Die Tore in dieser Phase

Das 1:0 in der 3.Minute hat eine wahnsinnige Entstehungsgeschichte. Sie beginnt damit, dass Greilinger robust seinen Körper an der linken Seitenauslinie dazwischen stellt und damit einen Fehlpass der Mannheimer provoziert. In der Folge geben die Löwen den Ball zünächst im Angriffsspiel noch einmal ab. Daraus resultiert allerdings nur genau ein defensiver Ballkontakt der Mannheimer, als ein Pass auf Neudecker nicht genau genug gespielt wurde. Die #31 der Löwen erobert aber mit großer Einsatzfreude das Leder sofort zurück. Ab diesem Punkt wird der Angriff in meinen Augen genial.
Es folgt eben nicht die sofortige Attacke durch das engmaschige Verteidigungsnetz auf die Mannheimer Box, sondern der kontrollierende Rückpass. Dies hatte zur Folge, dass die Gegner ihre Defensivlinie wieder weiter nach vorne verschoben, während Moll, Erdmann, Willsch und Salger im Mitteldrittel der eigenen Hälfte die Kugel kontrollierten. Ein Pass von Salger geht zu dem in Richtung Mittellinie trabenden Steinhart, der daraufhin in die Mannheimer Spielfeldhäfte eindringt und dann sofort den im richtigen Moment in der Schnittstelle der Abwehrkette startenden Mölders mit einem traumhaften, hohen Anspiel über 40 Meter perfekt bedient. Mölders verarbeitet das Leder mit unnachahmlicher Perfektion und netzt aus etwa elf Metern zum 1:0 ins lange Eck ein.

Mölders zweiter Streich folgt durch einen Kopfballtreffer nach einem von Greilinger herausgeholten Freistoß. Moll dreht das Leder hier wunderschön von der linken Strafraumkante vor das Tor, wo sich der Zielspieler des TSV 1860 durchsetzt und die kurze Drangphase der Waldhöfer beendet.

Der dritte Treffer unserer Nummer 9 nur drei Minuten später entstand aus einer grandiosen Pressingarbeit. Zuerst lief wieder Greilinger nach Ballverlust der Löwen seinen Gegenspieler sehr hoch an, was bei Mannheim für eine Unterbrechung im Aufbau sorgte. Zwar blieben die Schwarz-Blauen noch kurz in Ballbesitz, aber schon der nächste Versuch sich zu befreien wurde abermals von der Nummer 11 der Sechzger unterbunden. Das Leder gelangte vor Neudeckers Füße, der einen Traumpass in die Schnittstelle der letzten Reihe auf Mölders spielte. Dieser wiederum lupfte die Kugel mit viel Übersicht über den Mannheimer Kepper hinweg in die Maschen.

Die statistischen Werte der ersten halben Stunde

  • Ballbesitz: 66%:33%
  • Passquote: 1860 89%; Waldhof 78%
  • Schüsse: 7:3 (davon aufs Tor 4:1)
  • Gewonnene Defensivzweikämpfe 1860: 85%; Waldhof 63%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion): 1860 7,08; SV Waldhof 14,13

Die Kontrollphase

Ab dem 3:0 nahmen die Löwen bis zum Pausenpfiff ein wenig das Tempo aus dem Spiel und gestatteten den Mannheimern mehr Ballbesitz. Nachlässigkeit in der Defensivarbeit war dabei aber nicht zu beobachten. Vielmehr baute der TSV 1860 nun aus einer beruhigenden Führung heraus seine Angriffe derart kontrolliert auf, dass der Gegner dem Spielgeschehen bei Ballbesitz der Löwen überall auf dem Platz hinterherlief. Das Spieltempo schwankte zwischen moderat und blitzschnell. Je nach den sich bietenden Möglichkeiten schafften es die Spieler unseres TSV in fast jedem Angriff so zu agieren, dass den Waldhöfern selten eine Aktion gegen den Ball gelang und das Aufbauspiel kaum in Bedrängnis war. Die Großzahl der Angriffe der Löwen konnte frühestens im letzten Drittel vor dem eigenen Sechzehner gestoppt werden. Bis zur Halbzeitpause konnte Mannheim in dieser Phase genau zwei Positionsangriffe und einen Konter zu Ende spielen, was ihnen drei erfolglose Ecken einbrachte. Dem stehen elf ausgespielte Angriffe der Löwen gegenüber.

Auch in der Viertelstunde nach der Pause blieb der TSV in der kontrollierenden Rolle, spielte seine Angriffe mit Bedacht und verteidigte sowohl aggressiv in den direkten Duellen als auch mit gutem Stellungsspiel. Auch war man sich nicht zu fein in dieser Phase wenn nötig den Befreiungsschlag zu wagen um dann wieder hoch anzulaufen und auf den zweiten Ball zu gehen. Ein Gegenangriff führte zum vorentscheidenden 4:0 durch einen Steinhart-Elfer.

Der Elfmeter

Aus einer vom sehr gut spielenden Erdmann eingeleiteten Kontersituation entstand der Angriff, der den souveränen Schiedsrichter Mitja Stegemann zum Elfmeterpfiff zwang. Von Erdmann über Mölders, Neudecker und Lex kam das Leder wieder zu Mölders, der Costly beim Abschluss an den Unterarm schoss. Den fälligen Strafstoß versenkte Steinhart.

Die Zahlen in der Kontrollphase

  • Ballbesitz 54%:46%
  • Passquote 1860 90%; Waldhof 84%
  • Schüsse 9:1 (davon aufs Tor 2:1)
  • gewonnene Defensivzweikämpfe: 1860 65%; SV Waldhof 55%
  • PPDA: 1860 11,65; Mannheim 18,5

Die Ergebnisverwaltung

Mit dem vorentscheidenden 4:0 begann die Ergebnisverwaltung. Der TSV 1860 München nahm jetzt deutlich den Fuß vom Gas. Man überließ den Mannheimern viel Ballbesitz, schonte das Stammpersonal und brachte nach und nach junge frische Spieler. Diesen merkte man direkt an, wie heiß sie auf ihre Einsätze waren. Der dritte Treffer aus einer Standardsituation heraus in diesem Spiel markierte in Minute 71 das endgültige K.O. für den Gast aus der Quadratestadt. Weiterhin waren die Löwen vor allem gegen den Ball sehr konzentriert und hätten in ihren Situationen nach vorne aus dem Spiel heraus das Ergebnis durchaus noch dramatischer für den SV Waldhof gestalten können.

Die Einwechselspieler

Semi Belkahia, der schon in der 54. Minute für Salger ins Spiel kam, spielte eine überragende  Partie. 95% seiner Aktionen im Spiel waren von Erfolg gekrönt. Mit nur einem in der Offensive verlorenen Zweikampf und einer Passquote von 100% bei nur drei Rückpässen (zwei davon auf Keeper Hiller) zeigte er sich vor allem was die Ballverarbeitung und -weiterleitung angeht von seiner besten Seite. Dreimal konnte er in den Passweg des Gegners einlaufen, das Leder abfangen und einen Gegenangriff einleiten. In Folge einer Ecke für den TSV setzte er nach dem Gewinn eines zweiten Balles Stefan Lex klug rechts im Strafraum in Szene. Lex spielte jedoch zu ungenau in die Mitte, so dass dieser Angriff für Mannheim folgenlos blieb.

Der sehr motiviert wirkende und erst 17 Jahre alte Lorenz Knöferl (ab Minute 72 für Lex) hat mir sehr gut gefallen. In den 19 Minuten auf dem Platz hat er sieben erfolgreiche Aktionen im Spiel zu verzeichnen. Dabei war ein höchst genialer Pass auf Greilinger, der infolgedessen mit einem Flankenlauf über links einen Torschuss von Mölders vorbereitet konnte. Bei einer weiteren Aktion hätte er fast selbst die Vorbereitung zum Torschuss geben können. Auf der rechten Seite wollte er nach Zuspiel von Erdmann eine flache Flanke in den Fünfer spielen, deren Abnehmer wiederum Sascha Mölders hätte sein können. Mannheims Kapitän Seegert konnte in letzter Sekunde klärend in den Passweg springen. In der Schlussphase hätte er bei seinem Debüt auch gleich seinen ersten Treffer markieren können. Leider war er jedoch sichtlich überrascht, dass der Ball an Matthew Durrans vorbei den Weg zu ihm fand und schlug vor dem gegnerischen Tor ein Luftloch.

Matt Durrans, der schließlich in der 83. Minute für Kapitän Mölders auf den Platz kam, war nicht ganz so erfolgreich wie die beiden anderen Jungen. Nichtsdestotrotz kann auch er auf eine Passquote von fast 70% (für einen Stürmer ein sehr guter Wert) und eine Balleroberung in des Gegners Hälfte aufbauen. Wie auch Knöferl verpasste er in derselben Szene kurz vor Schluss die Chance auf 6:0 für den TSV zu stellen.

Wer behauptet eigentlich immer man hätte im Kader fehlende Breite? Noch viel wichtiger: Warum wird das unreflektiert wiederholt? Die Statistiken belegen Gegenteiliges. Die Spieler von der Ersatzbank haben die richtige Antwort gegeben. Danke Buam!

Der Todesstoß

In der 71. Minute erzielte Steinhart nach einem von Gohlke schlecht auf die linke Seite des Fünfmeterraums abgewehrten Freistoßes der Löwen das 5:0 und setzte damit den letzten Zuckungen des SV Waldhof ein Ende.

Die Statistik der letzten Phase

  • Ballbesitz 34%:66%
  • Passquote TSV 81%; SV Waldhof 87%
  • Schüsse 4:3 (davon aufs Tor 1:0)
  • gewonnene Defensivzweikämpfe: 1860 56%; SV Waldhof 50%
  • PPDA: 1860 11,85; SV Waldhof 12,43

Fazit

Gegen zugegebenermaßen stark ersatzgeschwächte und, wie deren Trainer Glöckner auch selbst im Interview nach dem Spiel erwähnte, vogelwilde Mannheimer erzielten die von Beginn an über fast die ganze Spielzeit höchst konzentrierten Löwen fünf Tore. Im gesamten Spiel konnte der Waldhof nur fünfzehn ihrer Positionsangriffsversuche und zwei Konter zu Ende spielen. Die Torschussquote mit 45% sowie die Trefferquote mit 25% war bei den Löwen dieses Mal überragend. 20 Schüsse, 9 auf’s Tor, 5 Treffer.  Diesen Torhunger gilt es nun zu konservieren und auf den Betzenberg mitzunehmen. 

Eine Löwenelf in dieser Verfassung zu erleben, die angesichts der besonders in der letzten Woche laut gewordenen und teilweise völlig überzogenen Kritikpunkte eine derartige Antwort auf dem Platz gibt, tut sehr gut. Jetzt heißt es auf nach Lautern. Macht bitte genauso konzentriert und konsequent weiter wie am Samstag!

P.S.: Ich hoffe sehr, dass wir in Zukunft mehr von den Spielern Belkahia, Knöferl und Durrans sehen werden.

Datenquelle: http://www.wyscout.com/

PK aktuell: Salger bleibt eventuell in München +++ Köllner hört auf Mölders

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Zu ungewohnter Zeit, Montag morgen um 9 Uhr stellten sich Michael Köllner und Günter Gorenzel in der LÖWENRUNDE vor dem Spiel beim 1. FC Kaiserslautern (Dienstag, 19 Uhr, im sechzger.de-Liveticker) den Fragen der Journalisten. Diese richteten ihre Fragen ausschließlich an den Trainer, Gorenzel verlebte eine sehr ruhige Pressekonferenz.

Die Erleichterung nach dem souveränen 5:0 gegen Waldhof Mannheim war dem gut gelaunten Trainer sichtlich anzumerken. Köllner hob hervor, dass es speziell für die Mannschaft sehr wichtig war, nach den weniger guten Ergebnissen der vergangenen Wochen in Form von drei Punkten “eine Bestätigung zu erhalten, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.”

Der Löwentross wird sich heute Nachmittag nach einer Trainingseinheit auf heimischem Geläuf auf den Weg in die Pfalz machen und dort morgen Früh noch einmal trainieren. Mit dabei sind nach ihren Sperren auch wieder Dennis Dressel und Daniel Wein. Stefan Salger macht die letzte Reise des Jahres eventuell nicht mit, nachdem er am Sonntag aufgrund einer Wadenverletzung aus dem Spiel bei Viktoria Köln nicht auf dem Trainingsplatz stand. Entschieden wird dies nach der heutigen Einheit. Auch Sascha Mölders trainierte am Sonntag übrigens nicht mit dem Ball, sondern hielt sich im Kraftraum und auf dem Fahrrad fit.

Dass der Mannschaftskapitän (auch) vor den TV-Kameras sein verlängerter Arm ist, freut Michael Köllner. Der dreifache Torschütze hatte am Samstag ja positiv hervorgehoben, dass sein Coach gute Trainingsleistungen der jüngeren Spieler auch mit ein Einsatzzeiten belohnt. “Sascha ist lang genug am Fußballplatz unterwegs, dass er natürlich auch sieht, wer im Training gut ist und wir haben auch dazu einen sehr regelmäßigen Austausch.”

Beim von Sascha Mölders deutlich kommunizierten Aufstiegstraum ist Köllner dagegen bekanntermaßen etwas zurückhaltender: Nicht zuletzt aufgrund der Ausgeglichenheit der 3. Liga, in der – wie er an den Beispielen der Sonntagsspiele in Rostock und Saarbrücken untermauerte – jeder jeden schlagen könne, wolle er dieses konkrete Ziel nicht formulieren. Für Köllner ist es wichtig, dass er bei seiner Mannschaft Entwicklung und Leistung sieht und dass “wir unsere Fans regelmäßig verzücken können”. Die Anhänger, die der Oberpfälzer gestern am Parkplatz vor dem Trainingsgelände zufällig getroffen hatte, dürften vom 5:0 gegen den Waldhof durchaus verzückt gewesen sein. Nach anfänglicher Zurückhaltung überreichten sie dem Coach zwei Biergläser aus dem Fanshop, die Köllner allerdings noch nicht eingeweiht hat, wie er verriet. Das Alkoholverbot in der Spielvorbereitung befolgt auch er.

Ob bei der Lösung von Köllners aktuell vielleicht größtem Problem womöglich Löwenfans behilflich sein können, ist eine Frage, die wir von sechzger.de gerne an dieser Stelle aufwerfen: Der Coach hat es zuletzt nicht geschafft, einen Friseurtermin zu vereinbaren und wird dies – nachdem am Mittwoch der Lockdown zu einer Schließung der Friseursalons führt – auch nicht mehr realsieren können. Vielleicht findet sich ja ein Fan, der dem Oberlöwen seine Mähne stutzt?

 

Sascha Mölders für Wahl zum “Spieler des Spieltags” nominiert

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Bei der Vorauswahl zum “Weltfußballer des Jahres” ist Sascha Mölders knapp an den Top 3 vorbeigeschrammt, aber immerhin könnt Ihr ihn nun zum “Spieler des Spieltags” in der 3. Liga wählen.

Gegen den SV Waldhof Mannheim erwischte der Routinier einen Sahnetag, erzielte in der ersten halben Stunde einen lupenreinen Hattrick und schob sich auf Rang 2 der Torjägerliste vor.

Härtester Konkurrent um die Auszeichnung am 15. Spieltag dürfte der Duisburger Vincent Vermeij werden, der ebenfalls drei Treffer erzielte.

Ihr wisst, was zu tun ist, oder? Zumindest diesen Titel sollte Sascha einfahren, wenn es bei der FIFA schon kein Vorbeikommen an Messi, Ronaldo und dem zweitbesten Stürmer in München gibt…

Beitragsbild: TSV 1860 München