Der Termin wurde mit Spannung erwartet: Die Presse-Präsentation des Bündnis Zukunft 1860 am heutigen Donnerstag-Vormittag. Für einen Fanblog wie den unseren war schon die Teilnahme an der Veranstaltung durchaus mit Hürden verbunden. Zwar erhielt unser Redaktionsleiter, der mit Presseausweis ausgestattete Journalist Thomas Spiesl, in der vergangenen Woche per Mail eine Einladung zur für heute Vormittag um halb elf angesetzten Presse-Präsentation des des Bündnisses. Vermutlich über den Presse-Verteiler, denn die Mail wurde um 4:04 Uhr morgens verschickt. Danach hörte der Kollege aber lange nichts mehr von den Initiatoren. Als der Termin dann heute morgen immer näher rückte, nahm Spiesl per Mail Kontakt auf und erhielt auf Rückfrage beim Bündnis folgende Erklärung:
“Wir hatten ursprünglich den Termin heute um 10.30 Uhr als reine Presserunde mit Medienvertretern geplant und hatten Sie und andere Fanblogs im Bündnis-Talk heute Abend erwartet.”
Interessante Kommunikationspolitik: Einen Journalisten erst mit einem “Save the Date” (sic!) zu einer Presserunde einladen, den Mann dann ignorieren und auf Rückfrage einfach seine Rolle als Medienvertreter aberkennen. Es klappte aber dann doch, wir erhielten den Link und wurden zur Teilnahme eingeladen. Genau wie zwei weitere Blogs aus der Löwen-Szene. Am Ende waren wir dann sogar zu zweit – ein Journalist, ein reiner Fanreporter – in der Veranstaltung vertreten. Geht doch und zwar auch kurzfristig, handlungsschnell ist das Bündnis schonmal! Danke an dieser Stelle noch für ein freundliches Telefongespräch mit einer Dame der Agentur, die das Bündnis in Sachen Öffentlichkeitsarbeit berät und vertritt.
Bündnis Zukunft – viele Floskeln
So lauschten als zwei Redaktionsmitglieder aus unseren Reihen gebannt den Ausführungen der zum Teil schon in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung vor knapp drei Wochen im Paket aufgetretenen Herren Moest, Gräfer und Lutz. Die beiden Letzteren kandidieren auch bei der im Sommer anstehenden Mitgliederversammlung des TSV München von 1860 e.V. für den Verwaltungsrat. Allerdings betonten sie heute sehr deutlich, dass diese Presserunde keine Wahlkampfveranstaltung für besagte Wahl sei.
Bündnis präsentiert Strategiepapier
Heute sollte es nur um Antworten und Lösungen auf und für die Zukunfts-Fragen gehen, die seit nunmehr sechs Jahren mit seiner Profifußballmannschaft in der 3. Liga stehende KGaA des TSV 1860 beschäftigen. Man kann es vorweg nehmen: Konkrete Verbesserungsvorschläge waren nicht viele dabei, vielmehr ging es um Zielsetzungen und mögliche Alternative bei der Vorgehensweise.
Ordentliche Ansätze – wenig Konkretes
Die schwierige Stadionfrage will man lösen, sei es am jetzigen Standort des Grünwalder Stadions, am Trainingsgelände oder in Riem. Den Konflikt zwischen den beiden Gesellschaftern im TSV 1860 aufzulösen und zu Kommunikation “auf Augenhöhe” gelangen, wurde als Zielsetzung genannt. Und die Marke 1860 wolle man mit einer Vision füllen. München müsse “zur Löwen-City” werden, hieß es. Wie diese Mammutaufgaben konkret, also mit nachvollziehbaren Schritten, angegangen werden sollen? Diese wichtigste Frage blieb leider auch nach der Dauer eines ganzen Fußballspiels offen. Im Ansatz gut, aber wenig Konkretes.
Die Stadionfrage mal drei
Die von Alexander Moest vorgestellten Powerpoint-Charts zur Stadionthematik enthielten zwar schöne Begriffe, wie “Lastenheft” oder “Drei-Standorte-Lösung” und sogar ein schickes Organigramm mit einem grafisch hochwertigen Überblick, wer im Hinblick auf ein neues Stadion für den TSV 1860 welchen Hut aufhaben möge.
Kapitalherkunft bleibt offen
Woher die zu gründende “NEW Stadion GmbH” allerdings Standort und Geld für eben dieses Stadion herbekommen soll, blieb weitgehend offen. Irgendwie soll nach Wunsch des Bündnisses auch der Freistaat Bayern daran beteiligt sein und ein “neues Stadion als Zentrum für Fußball, Medizin, Technologie und Forschung” entstehen. Klingt komisch – ist aber so. So könne beispielsweise auch die TU profitieren – aha, ja schön wenn es klappt.
Virtueller Stadionbesuch mit Bratwurstduft
Auch das dereinst in der ersten Bündnis-Presserunde Ende 2023 von Martin Gräfer ins Spiel gebrachte virtuelle Stadion durfte heute natürlich nicht fehlen. Durch eine sogenannte “Live Event Virtualisierung (LEV)” soll 1860 “bundesweit zum Pionier werden”. Dem von Moest schwärmend vorgetragenen “Geruch von Bier und Bratwurst”, den auch die hunderttausend virtuellen Spielbesucher in weiß und blau dann endlich erleben dürfen, stellen wir die Frage entgegen, ob er eigentlich weiß, dass es am aktuellen Standort in Giesing gar keine Bratwurst gibt – weil die nämlich hier nicht zubereitet (also gegrillt) werden darf. Das wäre vielleicht eine hemdsärmlig lösbare Problemstellung, die man priorisiert angehen könne. Die Verbindung zum Standort Giesing, hat man beim Bündnis auf jeden Fall klar erkannt.
Hasan wird das Geld schon liefern?
Die folgenden von Klaus Lutz vorgetragenen Ergebnisse der “AG Finanzen und Gesellschafterstrukturen” lassen sich kurz und einfach zusammenfassen. Sein Plan für 1860 ist in etwa: Lasst uns doch einfach mal mit Hasan Ismaik reden, dann gibt der uns zehn Millionen, wir steigen schnell in die zweite Liga auf, bleiben da auch dauerhaft drin (wofür wir wiederum fünf Millionen mehr brauchen) und dann wird alles gut.
We go to the top like Freiburg?
Und endlich kommt mal jemand auf die Idee, mit Hasan Ismaik zu reden. Das hat ja vorher in den Jahren seines Wirkens rund um 1860 noch keiner versucht. Warum man als Beispiel für diesen genialen Plan ausgerechnet unter anderem den 1. FC Kaiserslautern heranzog, bleibt das Geheimnis der Protagonisten. Die Pfälzer stehen aktuell bekanntlich direkt vor dem Wiederabstieg in die 3. Liga und vor Ort weiß keiner so recht, wie es danach eigentlich weitergehen soll. Auch der Vergleich mit dem SC Freiburg, dessen Entwicklung man immer wieder hervorhob, hinkt deutlich. Konkurrenz- und Berichterstatter-Situation sind an diesen beiden Standorten dann doch nicht so ganz das Gleiche. Aber so weit ins Detail wollte man dann ohnehin nicht gehen. Aber es wäre doch schön, es wie Freiburg zu machen… We go to the top like Freiburg quasi?
Marke und Vision – Herrn Gräfers Ideen
Martin Gräfer war es vorbehalten, über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe “Marke und Vision” zu referieren. Um die Unverwechselbarkeit des TSV 1860 geht es dem Sponsorenvertreter. Guter Punkt. Die von ihm geforderte Wiederbelebung und Stärkung der Marke ist allerdings etwas, was in den letzten sieben Jahren – seit dem Doppelabstieg und dem Abschied aus der als faktischer Juniorpartner gebauten Arena – genau geschehen ist.
Brauchen die Löwen ein aufpoliertes Image?
Seit 2017 werden die Löwen – trotz der sportlichen Viert- bzw. Drittklassigkeit – wieder als identitäts-stiftene Marke wahrgenommen. Viele zuvor als “Scheichverein” verspielte Sympathien wurden zurückgewonnen, wie zum Beispiel die regelmäßige überregionale Berichterstattung (z.B. im 11FREUNDE-Magazin) beweist. Der Mitgliederstand ist auf dem Höchststand, was ja – so wird oft betont – größtenteils auf den Profifußball bei 1860 zurückzuführen ist.
Freiheit für Sechzig – ja wie jetzt?
Insofern kümmert sich Gräfer wohl um ein Thema, das im Vergleich zu den beiden oben genannten nicht wirklich ein Großes ist. Aber insofern macht er mit den Schlagworten “Rudel”, “Standhaftigkeit”, “Unruhe” und “Heimat” auch nicht viel kaputt. Ob die aktive Fanszene es begrüßenswert findet, dass hier auch der Begriff der “Freiheit” ins Spiel gebracht wird, den die Ultras ja zuletzt für sich markiert und mit Leben gefüllt haben, steht auf einem anderen Papier.
Drei Fan-Artikel-Reihen unter einem Dach
Auch im Thema Merchandising wolle man die beiden Linien der KgAA und des e.V. zusammenführen. Gemeinsam mit einer dritten Linie, deren Erlös zu großem Teil gemeinnützigen Projekten in der Gegend zu Gute kommen können. Genau wie die Erlöse der e.V.-Artikel zu großen Teilen in die Kasse des Vereins fließen sollen. Ein guter Ansatz, aber ob dann noch jemand die KGaA-Artikel kauft, von denen bekanntlich Ismaik profitiert, ist offen. Viele Fans bevorzugen deshalb aktuell die Textilien des Vereins oder der Fan-Zusammenschlüsse.
Versprecher wird verziehen
Abschließend müssen wir an dieser Stelle in unserer Rolle als Fanportal erwähnen, dass uns der Versprecher von Klaus Lutz, als er die Kameradschaft aus dem Sechzger-Marsch zitieren und beschwören wollte und von der “…Bayern- … äh … Sechzger-Hymne…” sprach, schon ein wenig irritiert hat. Wir führen das aber wohlwollend auf die – sichtliche – Nervosität des VR-Kandidaten zurück. Was bleibt sind sicher einige gute Ansätze, aber es gibt keinerlei konkrete Pläne zu deren Umsetzung. Ob man damit die Mitglieder des TSV München von 1860 e.V. überzeugen kann, wird die Mitgliederversammlung im Juni zeigen.