Die Akte Jacobacci bei 1860 ist geschlossen. Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer muss sich nun auf die Suche nach einem neuen Übungsleiter machen. Bis zur Winterpause übernimmt erstmal U21-Coach Frank Schmöller, doch welcher Trainer folgt beim TSV 1860 München danach?
Wer könnte Trainer beim TSV 1860 München werden?
Wer folgt auf Jacobacci als Trainer beim TSV 1860 München? Die Zeit drängt nicht wirklich, denn die Vorbereitung wird erst am 04.01.2024 starten. Bis dahin sollte die Personalie allerdings unter Dach und Fach sein. Wer käme in Frage, wäre bezahlbar und den Anforderungen, die ein Verein wie der TSV 1860 München an einen Trainer hat, gewachsen?
Es kursieren bereits etliche Namen Tobias Schweinsteiger, ehemals Kapitän der Amateure des Vereins aus der Säbener Straße, aber Mitglied eines Löwen-Fanclubs z.B. wird in der Presse und bei Fans hoch gehandelt. Andere Namen, die kursieren, sind Dirk Schuster, Marco Antwerpen sowie Reiner Maurer und Friedhelm Funkel, die dieses Amt schon inne hatten. Ich möchte mit Michael Schiele und Enrico Maaßen noch zwei weitere Namen in den Ring werfen. Wer kann was und bei wem macht es Sinn, darüber nachzudenken?
Tobias Schweinsteiger
Tobias Schweinsteiger hat mit Osnabrück in seiner ersten Station als Cheftrainer bewiesen, dass er in der dritten Liga erfolgreich sein kann. Der Punkteschnitt in seiner ersten Saison als Coach, nachdem er den zur Arminia nach Bielefeld gewechselten Daniel Scherning spät im August vergangenen Jahres beerbte, lag bei 1,97 Punkte pro Spiel. Fachlich und vom Motivationsfaktor wäre Schweinsteiger sicher ein guter Kandidat. Bei seinen bisherigen Startaufstellungen bevorzugte er das 4-3-3.
Allerdings habe ich Zweifel, ob Schweinsteiger zum momentanen Zeitpunkt der Richtige wäre. Ich persönlich vertrete die Meinung, dass es zu Beginn eines Engagements bei einem Verein wie dem TSV 1860 München eher hinderlich für einen Trainer ist, wenn er emotional zu stark an den Verein gebunden ist. Vor allem, wenn es sich um einen eher jungen Trainer handelt. Hätte Schweinsteiger als Cheftrainer mehr Erfahrung, wäre ich da nicht so skeptisch. Da Schweinsteiger, der fachlich als guter Kandidat nicht von der Hand zu weisen ist, von sich selbst nicht nur sagt, er sei Fan des TSV 1860 München, sondern auch Mitglied in einem Sechzger Fan Club ist, wird er womöglich durch die emotionale Bindung in manchen seiner Entscheidungen beeinflusst werden. Daher sehe ich diese Möglichkeit nicht als die absolute Toplösung in einer Situation an, in der man alles, was man tut, mit absolut kühlem Kopf und Bedacht machen muss.
Dirk Schuster
Dirk Schuster wurde erst vor wenigen Tagen beim 1. FC Kaiserslautern entlassen. Auch bei ihm bin ich mir nicht sicher, ob er nicht erst einmal ein wenig Abstand zum Fußball genießen sollte. Seitdem er fast vier Jahre lang von Dezember 2012 bis Juni 2016 den SV Darmstadt 98 sehr erfolgreich trainierte und dort mit einem Punkteschnitt pro Spiel von 1,6 aufwarten konnte, hat er bei seinen folgenden Arbeitgebern eher mäßige Leistungen zu Buche stehen. Über einen Punkteschnitt von 1,38, der mit seinem letzten Verein erzielt wurde, kam er nicht mehr hinaus. Allerdings geht die Tendenz nach oben. Von 1,06 mit dem FCA arbeitete er sich bei einem weiteren Engagement in Darmstadt, bei Aue und eben Kaiserslautern von Station zu Station im Punkteschnitt nach oben.
Ein weiterer Nachteil: Seit dem Aufstieg mit Darmstadt aus der dritten Liga hatte er in dieser Spielklasse kein Engagement mehr. Er lässt seine Teams bevorzugt im 4-2-3-1 auflaufen. Terrence Boyd sagte unlängst nach der Demission Schusters beim 1.FCK, man hätte als Spieler ein schlechtes Gewissen, wenn so etwas passiert. Er scheint also zumindest bei Spielern gut anzukommen. Einen Versuch wäre es wert, sofern er bezahlbar ist und sowohl Lust auf den TSV 1860 hat als auch darauf so kurzfristig bei einem anderen Verein anzufangen.
Marco Antwerpen
Zuletzt bis zum 36. Spieltag der Saison 21/22 in Pfalz beschäftigt, wo er auf Platz 3 liegend von Kaiserslautern gefeuert und durch den oben genannten Dirk Schuster ersetzt wurde. Antwerpen hat in der 3. Liga in insgesamt fünf Saisons mit Münster, Braunschweig und Kaiserslautern einen Punkteschnitt von 1,59 Punkten pro Spiel vorzuweisen. Dadurch, dass er seit Mai 2022 kein Engagement mehr hatte, besitzt er sicherlich genug Motivation, um einen harten Job wie den beim TSV 1860 anzupacken.
Antwerpen ist eher als harter Hund bekannt, zumindest gibt er sich nach außen so. Das scheint aber eher den Umgang mit offiziellen und Presse zu betreffen und weniger mit seiner Mannschaft. Sein bevorzugtes System ist das 3-5-2 (oft in der gegen den Ball asymmetrischen Variante, bei der dann nur der ballnahe Außenspieler in die Abwehrreihe abkippt).
Reiner Maurer
Reiner Maurer ist ein alter Bekannter an der Grünwalder Straße. Als Spieler in der Abwehr der Durchmarschmannschaft von Werner Lorant war der 1989 aus Basel zu den Löwen gewechselte gebürtige Mindelheimer in der Verteidigung das ruhige souverän spielende Gegenstück zu Terrier und Fußballgott Thomas Miller. Im Jahr 2001 begann er, nachdem er zuvor Garmisch und Mindelheim betreute, seine Trainerlaufbahn bei den Löwen zunächst als Co-Trainer, wurde dann Chefcoach bei der zweiten Mannschaft. In der Saison 04/05, die er wiederum als Co-Trainer begann, beförderte man ihn schließlich zum Cheftrainer. Nach Stationen bei Kreta, Kavala und Rhodos (alle Griechenland) wurde er im Jahr 2010 erneut bei den Löwen angestellt. Mit einem Punkteschnitt von 1,83 ist er, die 73 Tage dauernde Amtszeit von Markus von Ahlen ausgenommen, der erfolgreichste Löwencoach seit Willi Bierofka. Sein bevorzugtes System ist das 4-4-2 mit Doppelsechs.
Bei ihm stellt sich allerdings die Frage ob er sich das Irrenhaus TSV 1860 tatsächlich ein weiteres Mal antun würde. Ich sage: warum nicht? Er hat die Erfahrung, Querelen von der Mannschaft weg zu moderieren, er kennt den Verein wie keinen anderen und weiß genau, womit er es zu tun bekommt. Ein Vertrag bis Saisonende und möglicher Option auf Verlängerung wäre für mich eine gute Lösung.
Friedhelm Funkel
Kaum war die Meldung von Maurizio Jacobaccis Entlassung erschienen, erschien auch die Meldung, Funkel hat nochmal Lust. Allerdings ist Funkel wohl keine Option, denn er sucht ein Engagement nahe seiner Heimat. Es kommt also außerhalb Nordrhein-Westfalens kein Verein in Betracht. Thema erledigt.
Michael Schiele
Der 45-jährige war zuletzt bis Juni diesen Jahres bei Eintracht Braunschweig, wo er ligaübergreifend (2. und 3. Liga) einen Punkteschnitt von 1,43 einfahren konnte, unter Vertrag. Nicht nur Braunschweig sondern auch Würzburg führte der gebürtige Heidenheimer schon aus der dritten in die zweite Liga. Sein bevorzugtes System ist wie bei Maurer das 4-4-2 mit Doppelsechs.
Schiele hat bei seinen Engagements bisher bewiesen, dass er das kann, wonach es den Löwenfans am meisten dürstet, nämlich in die 2. Liga aufzusteigen. Aber das ist Zukunftsmusik. Momentan geht es darum, einen Coach zu finden, der ein Team aus dem Sturm in ruhiges Fahrwasser führen kann. Als Schiele Würzburg übernahm, lagen die Kickers in Liga drei auf Platz 16. Am Ende der Saison, nach drei weiteren Niederlagen zu Beginn seiner Amtszeit, lag Würzburg auf Platz fünf. Diese Platzierung zu wiederholen gelang in der Folgesaison. Ein Jahr später stiegen die Kickers in Liga zwei auf.
Schiele kann also sowohl den Feuerwehrmann geben, als auch eine Mannschaft nach oben führen. Ich denke, dieser Trainer wäre eine gute Option, sofern er bezahlbar ist und Bock auf den TSV 1860 hat.
Enrico Maaßen
Der zuletzt im Sommer bei Augsburg entlassene 39-jährige Maaßen hat sich mit der Bundesliga in der Phase seiner Karriere wohl etwas zu viel zugetraut. Aber in den unteren Klassen, unter anderem mit Rödinghausen (RL West) und Dortmund II, von wo er nach dem Aufstieg in die 3. Liga und dem Klassenerhalt nach Erfüllung seines Vertrages nach Augsburg wechselte, hat er durchaus bewiesen, dass er kein schlechter Coach ist. Auch mit Augsburg musste er sich gegen den Abstieg wehren, von daher weiß er um den Druck in einer solchen Situation.
Auch Maaßen stellt seine Mannschaften bisher am liebsten im 4-4-2 mit der Doppelsechs aufs Feld. Das junge Alter Maaßens sehe ich in diesem Fall nicht als hinderlich, da er im Gegensatz zu Schweinsteiger keine emotionale Bindung an den Verein hat. Außerdem wäre, denke ich, ein junger Trainer eine erfreuliche Abwechslung nach dem Prediger Köllner und dem zuletzt immer schlechter gelaunten und – zumindest am Spielfeldrand – cholerisch wirkenden Maurizio Jacobacci.
Sein Punkteschnitt von 1,36 in der dritten Liga mit Dortmund ist für einen Aufsteiger nicht schlecht.
Trainer aus dem Ausland?
Abgesehen von Andi Heraf, der die Dritte Liga durch sein Engagement bei Türkgücü München kennt, aber momentan bei Schwarz-Weiß Bregenz unter Vertrag steht, würde ich das Experiment Trainer aus dem Ausland erst einmal auf Eis legen. Die letzten Versuche gingen mit Ricardo Moniz, Vitor Pereira und jüngst Maurizio Jacobacci ziemlich in die Hose.
Wer wirds am Ende?
Wer am Ende der Trainerfindungsperiode dann das Amt des Übungsleiter beim TSV 1860 München bekleidet und sich Trainer der Löwen nennen darf werden wir sehen. Es ist nun eine der spannendsten Phasen der letzten Jahre was diese Position betrifft. Ich bin gespannt, wen uns Marc-Nicolai Pfeifer nach der Findungsphase präsentieren wird.
Außer den oben genannten Möglichkeiten hatte ich noch über andere Namen nachgedacht, habe diese dann aber aufgrund unterschiedlicher Kriterien verwerfen müssen. Das hatte entweder damit zu tun, dass ich sie nicht für kompatibel mit dem TSV 1860 halte, oder damit, dass sie bisher nur mit fertigen Teams Erfolge feierten oder im Abstiegskampf Probleme hatten und diese am Ende nicht bewältigen konnten.
Fällt Euch, liebe Leserinnen und Leser noch ein anderer Kandidat als Trainer für den TSV 1860 ein, den ich möglicherweise vergessen habe und der fähig wäre, sowohl Abstiegskampf zu überstehen als auch Aufstiegspotential besitzt?
Schreibt es in die Kommentare!