Das erste Spiel unter einem neuen Trainer ist ja immer etwas Besonderes. Man erwartet, dass ein Ruck durch die Mannschaft geht, dass vielleicht ein neues System oder eine neue Taktik zu mehr Erfolg und ansehnlicherem Fußball führt. Der neue 1860-Trainer äußerte, dass sein Ziel sei, “dass der Funke auf das Publikum überspringt.” Auf mich konnte gestern Nachmittag leider kein Funke überspringen.
Neuer Trainer, altes Gekicke
Um es kurz zu machen, ich habe gestern Nachmittag im Sechzgerstadion keine Verbesserungen unter dem neuen Trainer Maurizio Jacobacci gesehen. Die Mannschaft wirkte weder so, dass sie ihre Köpfe frei bekommen hätte oder die Verunsicherung der Vergangenheit angehören würde. Ebenso herrschten in Spielaufbau und Offensive die selben Flauten wie unter Köllner und Gorenzel. Im Fantalk sprach der neue Löwentrainer davon, dass Viktoria Köln aus eineinhalb Chancen ein Tor gemacht hatte. Die Viktoria hatte immerhin eineinhalb Chancen. Sechzig hatte einen Fernschuss von Holzhauser und sonst eigentlich nix, was irgendwie gefährlich Richtung Tor der Viktoria gerollt oder geflogen wäre.
Emotional überhaupt nicht mitgenommen
Irgendwie war es ein komischer Nachmittag gestern im Sechzgerstadion. Ich war bereits am Vormittag am Trainingsgelände und wohnte dem 2:0 Sieg der U17 bei. Die Elf von Trainer Felix Hirschnagl spielte gepflegten, sehr positionstreuen Fußball und machte einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt. Zeitgleich gewann die U19 mit 6:0 beim FC Augsburg und sicherte damit den Klassenerhalt. Als wir uns dann in Richtung Stadion aufmachten, meinte bereits der Erste: “Drei Löwensiege an einem Tag? Des hamma lang nimmer g’habt.” Im Stadion angekommen war bereits eine gewisse Lethargie zu spüren. Es waren keine Schlangen vor den Eingängen, die Westkurve war seltsam leer bis kurz vor Anpfiff und die Lieder vor dem Spiel wurden nicht mit der sonstigen Imbrunst gesungen. Die Negativserie hinterlässt auch bei den Löwenfans ihre Spuren. “Umso besser, dass Jacobacci Fußball spielen lassen will, dass der Funke auf das Publikum überspringen soll,” dachte ich mir kurz vor Anpfiff.
Der Funke will einfach nicht überspringen
Zwar agierten die Löwen etwas couragierter als in den letzten Spielen, aber es hakt einfach an viel zu vielen Dingen im Spiel des TSV 1860 München. So entwickelte sich ein Spiel, bei dem gar kein Funke überspringen konnte. Bei Sechzig bestand zu keiner Zeit im Spiel ein Spielfluss und so kann man natürlich auf den Gegner keinen Druck aufbauen. Dass man sich dann fast zwangsläufig durch einen langen Schlag der Kölner ein Gegentor einfängt, ist in dieser Negativspirale keine wirkliche Überraschung.
Die Löwen nehmen das Stadion nicht mit
Nach dem 1:0 der Viktoria hatte Sechzig noch 49 Minuten Zeit, den Ausgleich oder gar den Führungstreffer zu erzielen. Früher wurde die Mannschaft bei knappen Rückstanden lautstark vom Stadion nach vorne gepeitscht. Gestern passierte gar nichts. Das Stadion blieb weitgehend ruhig, die Mannschaft agierte zu schlecht, um einen Funken überspringen zu lassen und so ergaben sich Team und Fans ohne große Gegenwehr in die Niederlage. Lediglich der eingewechselte Boyamba brachte kurzzeitig noch etwas Schwung rein, aber am Ende konnte auch er keine wirklichen Aktionen landen, um Gefahr vorm Kölner Tor entstehen zu lassen. Dass diese Mannschaft aktuell die Funken zum Überspringen auf das Publikum bringt, scheint so unwahrscheinlich wie ein Friedensschluss in der Ukraine.
Emotionslos nimmt man die Niederlage zur Kenntnis
Am Ende wurde es überdeutlich, wie wenig diese Mannschaft mich (und wahrscheinlich auch viele andere Löwenfans) mitnimmt. Es reichte nicht mal für ein durchaus angebrachtes Pfeifkonzert. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals so emotionslos eine Löwenniederlage hingenommen habe. Außerdem frage ich mich wirklich, wie die Mannschaft derart abstürzen konnte, dass mir nicht mal Niederlagen mehr was ausmachen. Ich hoffe schwer, dass es Jacobacci gelingt, die Löwen schnell wieder so spielen zu lassen, dass der Funke vom Rasen auf’s Publikum überspringt. Wie genau ihm das gelingen soll, ist mir allerdings vollkommen unklar bei dieser absolut blutleeren Truppe.