Giesinger Gedanken vor dem Spiel des TSV 1860 bei Türkgücü München: Schlaflos vor Vorfreude…
„Denk ich an Sechzig in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht“. Dieses abgewandte Zitat – im Original übrigens von Heinrich Heine – trifft die Lage der Löwen meistens ziemlich genau. Auch am heutigen Tage, wo ich Sonntag morgen die Ehre habe, die Giesinger Gedanken zu verfassen.
Natürlich kreisten meine Gedanken in der Nacht und beim Aufwachen um die Löwen. Wobei mich die letzten beiden Spiele und die möglicherweise liegengelassenen Punkte nur am Rande beschäftigt haben. Ja, man hätte gestern mit etwas mehr Glück drei Punkte mitnehmen können. Dann würde es in der Tabelle fast schon himmelblau aussehen und wir dürften wieder von höherem träumen…
Aber ohne das Traumtor von Richy Neudecker und das Glück des Tüchtigen vor dem Kasten der Löwen hätte das auch ganz anders ausgehen können…
..und überhaupt: Was sind schon schnöde Punktspiele – von denen es in dieser Saison immerhin 38 gibt – im Vergleich zu dem Fest, welches uns am Mittwoch bevorsteht. Die Löwen kehren ins Olympiastadion zurück. Die Stätte der größten sportlichen Erfolge in den letzten fünfzig Jahren.
Heiß und innig geliebt von nicht wenigen Löwenfans und Journalisten, die uns in den letzten Jahren immer wieder erzählt und vorgerechnet haben, dass die Löwen nur dort finanziell und sportlich genesen können. Dass nur dort während der Corona-Pandemie alle hinein passen – und Geld bringen – würden, die die Löwen so dringend sehen möchten.
Ich bin ja in diesem Zusammenhang fast etwas verwundert, dass es trotz der Kapazitätsbeschränkung auf 15 000 noch Karten gibt… aber diese werden am Spieltag sicherlich alle weggehen. Denn endlich einmal können auch die ganzen spontanen kommen, die Auswärtigen und die Autofahrer, die in der Parkharfe einen Platz finden und nach Giesing gar nicht erst fahren, weil da die Parkplatzsituation ja so bescheiden ist…
Aber wir dürfen nicht nur ein rauschendes Fest inkl. Augenorgasmus im Olympiastadion bei der Rückkehr feiern, sondern wir dürfen auch noch etwas lernen. In einem großen Löwen(?)blog war ja in den letzten Jahren des Öfteren zu lesen, dass uns Türkgücü in München den Rang ablaufen würde. Dass man dort vernünftig mit dem Investor zusammenarbeiten würde und dass dort zukunftsweisend gearbeitet und gewirtschaftet wird.
Die Schlagzeilen über Türkgücü in den letzten Wochen? Geschenkt. Ein Blick auf die Tabelle? Ach was, nur eine Momentaufnahme. Man muss einen Investor nur in Ruhe arbeiten lassen, dann wird alles gut.
Die Zuschauerzahlen bei diesem Verein? Vielleicht täuschen die derzeit. Am Mittwoch gibt es dann endlich ein Stimmungsvolles Derby. Tausende fanatische Anhänger von Türkgücü in Rot im Süden, eine volle Nordkurve mit enthusiastischen Löwen im Norden. Wie in den Derbies in den Neunzigerjahren.
Sollten spontan noch mehr Löwenfans kommen als ins Stadion hinein dürfen, drohen chaotische Szenen wie beim Spiel gegen Augsburg 1973, als nahezu 100 000 Fans ins Stadion strömten, tausende davon ohne Karten. So groß ist die Sehnsucht der Löwenfans nach dem Oly.
Ob´s so kommt? Schwer vorstellbar. Vielleicht träume ich ja auch noch. Aber all das ist deutlich realistischer als die Szenarien, die andere über eine Rückkehr der Löwen ins Oly oder die Zukunft von Türkgücü noch vor wenigen Monaten verbreitet haben.
Allen Löwen einen schönen Sonntag