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Neue Rubrik – Poppular Demand: Ein Name genügt!

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panini poppular demand

Immer wieder haben wir unsere langjährige Leserin Sabine angesprochen, ob sie sich denn nicht vorstellen könne, für sechzger.de zu schreiben. Beim legendären Fanzine TorRaub sammelte sie bereits Redaktionserfahrung, die sie mit ihrer neuen, unregelmäßig erscheinenden Kolumne “Poppular Demand” bei sechzger.de einbringen wird. Übrigens: Es handelt sich dabei keineswegs um einen Tippfehler! Angelehnt an den Hip Hop-Track Popular Demand von Clipse, Cam’ron und Pharrell Williams hat Sabine diesen Namen bewusst gewählt. In ihrem ersten Beitrag bezieht sie sich auf ein Großturnier, das derzeit in Mexiko, Kanada und den USA stattfindet – und schlägt doch den Bogen zum TSV 1860. Viel Spaß beim Lesen!

Poppular Demand: Ein Name genügt!

Es ist WM-Zeit.

Früher hätte ich längst Panini-Bilder gesammelt. Ich hätte seit Wochen das Kicker-Sonderheft studiert und könnte vermutlich auswendig aufzählen, welcher Ersatzspieler der DR Kongo oder Usbekistans in der zweiten belgischen Liga sein Geld verdient.

Heute ist das anders.

Diese WM findet unter der Regie eines FIFA-Präsidenten statt, der Friedenspreise verteilt, während der Fußball immer weiter den Bezug zur Realität verliert. Sie findet in einem Land statt, das sich einst als Symbol der Freiheit verstand und heute vieles von dieser Idee mit Füßen tritt.

Vielleicht bin ich dem modernen Fußball einfach müde geworden.

Und dann taucht plötzlich ein Name auf: Sebastian Berhalter. Am Samstag für die USA eingewechselt.

Ein Name genügt, und meine Gedanken sind sofort wieder dort, wo sie derzeit ständig sind: bei meinem Herzensverein 1860 München.

Sohn von Ex-Löwe Gregg Berhalter

Sebastian ist der Sohn von Gregg Berhalter. US-Nationalspieler, später Nationaltrainer, bei 1860 aussortiert. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Uwe Wolf sortierte ihn aus. Die Ansprüche bei uns waren schon immer hoch.

Und plötzlich bin ich wieder mittendrin in diesen Geschichten, die nur der Fußball schreiben kann. Ein Name führt zum nächsten. Von der WM nach München. Von den USA nach Giesing. Von Gregg zu Sebastian. Ironischerweise spielte Gregg Berhalter auch für Energie Cottbus. Ausgerechnet Cottbus.

Der Verein ist in dieser Saison in die 2. Bundesliga aufgestiegen, während mein TSV 1860 München Achter wurde – ein Ergebnis, das sich für viele Löwen eher wie eine Enttäuschung angefühlt hat.

Ungewissheit in Giesing

In einer Woche ist Mitgliederversammlung. Vor ein paar Monaten dachten wir noch, das könnte dieses Jahr eine ruhige werden. Die Nachrichten überschlagen sich. Und irgendwo dazwischen ist mein Verein, bei dem seit Jahren alles drunter und drüber geht, als wäre auch er nur ein Spielzeug in den Händen von Menschen, die nicht verstehen, dass Fußball kein Spielzeug ist.

Ich weiß nicht, ob ich mein Geld für drei Dauerkarten zurückbekomme, und ich weiß nicht, in welcher Liga wir nächste Saison spielen werden. Aber ich weiß, was dieser Verein für mich ist: die Menschen. Die, die mit mir hoffen, sich ärgern, diskutieren und trotzdem immer wieder hingehen.

Manchmal weiß ich nicht einmal, ob ich dem modernen Fußball überhaupt noch etwas abgewinnen kann. Und trotzdem lässt er mich nicht los. Niemals.

Vielleicht liebe ich nicht den modernen Fußball. Vielleicht liebe ich die Menschen. Denn sie schreiben diese Geschichten, die mich nicht loslassen.

15.06.1967: TSV 1860 besiegt AS Rom im Alpenpokal

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Historie TSV 1860 München Giesing vor 111 jahren

Die Löwen haben in ihrer Historie bekanntlich schon an einigen Pokalwettbewerben teilgenommen. Doch während sich viele Fans an den Europapokal der Pokalsieger, den UI Cup, den UEFA Cup oder auch die Champions League zurückerinnern können oder zumindest davon gehört oder gelesen haben, sind andere Wettberwerbe in Vergessenheit geraten. Oder habt Ihr schon vom Alpenpokal gehört, in dem der TSV 1860 im Jahr 1967 beispielsweise auf die AS Rom, den AC Mailand oder den FC Basel traf?

Kurioses Reglement

Der Alpenpokal war ein Fußballturnier, das vom italienischen Fußballverband initiiert wurde und von 1960 bis 1987 ausgetragen wurde. Während zunächst nur Clubs aus Italien und der Schweiz teilnahmen, öffnete sich der Wettbewerb ab 1962 auch für Vereine aus Deutschland und Frankreich. Ab 1972 nahmen dann nur noch Mannschaften aus Frankreich und der Schweiz teil.

Das Reglement im Jahr 1967 war etwas undurchsichtig, denn alle acht teilnehmende Teams absolvierten fünf Partien, sodass eben nicht jeder gegen jeden spielte und das Gesamtergebnis somit auch maßgeblich davon abhing, ob man nun gegen die Top-Teams antreten musste oder eben nicht.

TSV 1860 besiegt die Roma im Alpenpokal

Zum Auftakt empfingen die Löwen den AC Turin, mit dem man sich ja bereits 1965 auf internationaler Bühne gemessen hatte. Während sich Münchens große Liebe damals hatte durchsetzen können und ins Europacup-Finale eingezogen war, trennte man sich diesmal auf Giesings Höhen torlos.

Am 2. Spieltag empfing der TSV 1860 heute vor 59 Jahren die AS Rom – allerdings nicht an der Grünwalder Straße, sondern in der Augsburger Rosenau. 6.000 Zuschauer wollten sich diesen fußballerischen Leckerbissen nicht entgehen lassen und wurden nicht enttäuscht.

Lange Zeit sahen die Löwen wie der sichere Verlierer aus, doch zweimal Küppers (68./82.) und Kohlars (90.) machten aus einem 1:3 noch ein 4:3!

Die Aufstellung der Löwen

Trainer Gunther Baumann setzte am 15.06.1967 auf folgende Elf des TSV 1860:

Radenkovic – Wagner, Steiner – Zeiser, Reich, Brunnenmeier – Heiß, Küppers, Bründl, Konietzka (Kohlars), Rebele

Tore:
0:1 Russo (4.), 1:1 Carpanesi (13., Eigentor), 1:2 Barison (33.), 1:3 Barison (63.), 2:3 Küppers (68.), 3:3 Küppers (82.), 4:3 Kohlars (90.)

Sechzig landet ungeschlagen auf Platz 2

Im weiteren Verlauf des Wettbewerbs empfing der TSV 1860 den AC Mailand im Grünwalder Stadion und trotze den Italienern ein 0:0 ab. Anschließend reisten die Löwen zum FC Basel, wendeten nach einem zwischenzeitlichen 1:4-Rückstand die drohende Niederlage noch ab und retteten mit dem 4:4 immerhin noch einen Punkt.

Zum Abschluss siegte der mittlerweile von Albert Sing trainierte TSV 1860 mit 3:1 bei Servette Genf (übrigens wieder nach Rückstand) und beendete den Alpenpokal ungeschlagen. Zum Sieg reichte es dennoch nicht, denn den holte sich Eintracht Frankfurt. Die Hessen sammelten aus ihren fünf Partien 9:1 und Punkte und verwiesen die Löwen somit auf den 2. Platz.

Stimmen zur Löwenlage – Die Sicht der Anderen

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Nachdem wir im Laufe dieser Woche mit den Stimmen zur Löwenlage bereits ein breites Stimmungsbild aus der Fanlandschaft des TSV 1860 zur aktuellen Situation rund um den Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern eingeholt haben, wollen wir heute uns bekannte Fans anderer Vereine aus Deutschland und darüber hinaus zu Wort kommen lassen. Wir haben zur Löwenlage vor allem bei ehemaligen Gästen unseres sechzger.de Talks nachgefragt, aber auch bei Anhängern, zu denen anders gelagerte, lose oder engere Verbindungen bestehen.

Uns ging es um diese Fragen: Wie und vor allem wie intensiv haben unsere Befragten die letzten Wochen mitverfolgt? Wie bewerten sie die aktuelle Lage und den Weg des e.V.? Und was wollen sie den Fans und Mitgliedern des TSV 1860 München vielleicht mit auf den Weg mitgeben? Herausgekommen ist auch hier ein interessantes Stimmungsbild.

Thomas Kessen (VfL Osnabrück, Fanvereinigung “Unsere Kurve“)

Wie vermutlich für ganz Fußballdeutschland ist auch bei uns 1860 am 3. Juni voll in den Fokus gerückt. Es macht einen fassungslos, was bei euch abgegangen ist und ist gleichzeitig das DAS warnende Beispiel, warum jede Idee eines Investors kategorisch abzulehnen ist. Investoren erkaufen sich Macht und verfolgen dann vor allem ihre Interessen. Deswegen muss jedem engagierten Fan klar sein, dass wir an jedem Standort, in jedem Bündnis, ja sogar in jeder noch so lapidaren Gremiensitzung des eigenen Vereins alles daran setzen müssen, 50+1 zu verteidigen!

Liebe Löwen, bisher seid ihr das mahnende Beispiel, warum Investoren scheiße sind. Wir drücken euch die Daumen, dass ihr in der Zukunft auch das leuchtende Beispiel dafür werdet, wie man einen Investor überwindet.

Bennet (Hansa Rostock, Betreiber des Youtube-Kanals artsy_football)

Ich persönlich war gerade rund um den Tag der Zahlungsfrist sehr intensiv im Thema. Mit der folgenden Kündigung des Kooperationsvertrages mit der KgaA und der Erteilung der Regionalliga-Lizenz für den e.V. ließen die nächsten großen Meldungen ja auch nicht lange auf sich warten. In erster Linie habe ich mich sehr gefreut, dass das endgültige Ende von Ismaik beim TSV doch deutlich realistischer geworden ist. Gleichermaßen folgt ja nun ein Rechtsstreit, dessen Ergebnis man noch nicht absehen kann. Hinzukommt eine sehr schwierige Saisonvorbereitung mit vielen Fragezeichen: egal, ob Merchandising-Rechte, Logo, Trainer, Kader, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für den e.V. oder die Gründung einer neuen KgaA für neue Geldgeber sowie die Sponsorensuche.

Persönlich denke ich, dass der Klub vor einer wahnsinnig herausfordernden Saison steht und wäre nicht überrascht, wenn gerade der Start in die Hose geht und man Zeit braucht, um sich mit der neuen Mannschaft in der Liga zu akklimatisieren. Ich glaube, die Optimallösung wäre es gewesen, dass man die Lizenz für die 3.Liga bekommt und Ismaik seine Anteile an vernünftige Investoren veräußert. So muss man sich allerdings mit der Realität begnügen und kann hoffentlich ein stabiles Fundament legen, um diesmal nachhaltig etwas aufzubauen, ohne von Größenwahn und Unzuverlässig zurückgeworfen zu werden. Regionalliga ist nunmal ein schwieriges Pflaster: sowohl sportlich als auch finanziell. Doch egal, was nun kommen wird: Fankultur und Leidenschaft kann einem keiner nehmen. Und auch die historisch gute Jugendarbeit kann nun noch mehr in den Fokus rücken.

In diesem Sinne: Freiheit für Sechzig! Und hoffentlich bis bald! (Wir sehen uns 2027 in der 2.Bundesliga!)

Simon (Werder Bremen)

Als ich von den fehlenden 2,7 Millionen Euro für die Lizenz mitbekommen habe, war ich eigentlich davon ausgegangen, dass diese doch schon irgendwie aufgetrieben werden würden. Deswegen war ich dann doch schon sehr geschockt und ungläubig, als es wirklich zum Zwangsabstieg kam. Was genau die eingeschlagenen Schritte des e.V. jetzt für die Zukunft des Vereins bedeuten habe ich ehrlicherweise noch nicht ganz verstanden, Ich würde die Kündigung des Kooperationsvertrags aber schonmal als sehr wichtigen ersten Schritt sehen.

Den Löwen Mitgliedern und allen, die es mit dem Verein halten würde ich zum Abschluss gerne meine Solidarität aussprechen, weil ich glaube, dass der Einsatz für mitgliederbestimmte Vereine und die damit verbundene Gemeinschaft nicht nur wichtig für Sechzig und Giesing, sondern auch den Fußball insgesamt und die Gesellschaft darüber hinaus ist.

Michi (Schweinfurt 05, Schnüdel-Reporter bei der Main-Post)

Der möglichen Insolvenz der Löwen, zumindest dem Absturz in die Regionalliga, war in den vergangenen Wochen kaum zu entgehen. Schon gar nicht in Schweinfurt. Dort durfte man sich fragen, wer eigentlich dümmer war: Der TSV 1860 wegen seiner anhaltenden Misswirtschaft bzw. der verhängnisvollen Beziehung zum Investor – oder der FC 05 dem im Nachhinein eine machbare Zahl von Punkten zum Klassenerhalt in Liga 3 hätte reichen können? Egal, alles Schnee von gestern. Die Nullfünfer dürfen mit den Sechzigern einen Hauch Profifußball mit in die kommende Spielzeit nehmen und in ihnen einen mehr als gleichwertigen Ersatz für die aufgestiegenen Würzburger Kickers feiern. Und die Münchner haben einmal mehr die Chance, sich in sportlich, wirtschaftlich und medial vergleichsweise ruhigeren Gewässern zu konsolidieren. Wie das gehen kann und wie lange so etwas dauert, wenn es nachhaltig sein soll, können die Verantwortlichen und Fans der Löwen in der Historie des FC 05 nachschauen: Nach der Insolvenz 2005 ging es stetig, doch mit Bedacht nach oben. Wenngleich in München die Mittel und Möglichkeiten andere sind – und noch liegt da ja keine Insolvenz vor. Auf ein Wiedersehen in der Regionalliga!

Philipp (Hannover 96)

Mit großem Interesse habe ich das Schicksal der Münchner Löwen verfolgt und viele Berichte in den Medien gelesen. Auch deshalb, weil ich als Fan von Hannover 96 weiß, dass uns Ähnliches jederzeit widerfahren könnte, wenn unsere „Geldgeber“ plötzlich die Lust an 96 verlieren sollten.

Dass man euch mit der Entscheidung so lange hingehalten hat, tat mir wirklich leid. Ich denke, die endgültige Entscheidung stand schon deutlich früher fest.

Umso wichtiger ist es, dass dadurch der Kooperationsvertrag mit Ismaik wohl endgültig gekündigt werden konnte und ihr ihn nun hoffentlich los seid.

Für euren weiteren Weg wünsche ich euch alles Gute und drücke die Daumen, dass es nicht zu einem ewigen Rechtsstreit kommt, sondern ihr schnell wieder nach vorne blicken könnt. Ich hoffe, dass ihr als e.V. eine schlagkräftige Mannschaft für die Regionalliga auf die Beine stellen könnt.

Die Löwen gehören einfach in die ersten drei Ligen!

Marco (SV Meppen, von 2für3 – Der Drittligapodcast)

Mich hat anfangs die Nachricht mit dem fehlenden Geld, wie euch wahrscheinlich auch, relativ überrascht. Jetzt hoffe ich für euch, dass der eingeschlagene Weg ohne Investor endlich auch begangen werden kann.

Die Regionalliga tut weh und macht in Bayern sicherlich genauso wenig Spaß wie im Norden, aber am Ende ist sie auch nur so gut oder schlecht wie man sie sich selber macht. Aber sie hilft, um sich neu aufzustellen und den Verein auf gesunde Beine zu stellen. Dass der Wiederaufstieg dann auch bald schon gelingt, am Besten natürlich aus einer viergleisigen Regionalliga ohne Relegation, wünsche ich euch! Man sieht sich zu gegebener Zeit in Liga 3 wieder!

Ihr packt das schon, beste Grüße!

Philipp (Rot-Weiss Essen, Betreiber des Youtube-Kanals DaKoen)

Liebe Löwen,

Eine Frage zum Nachdenken:

Wenn ein Verein Jahr für Jahr versucht, mit dominantem Offensivfußball aus der Liga zu kommen und daran jedes Jahr frühzeitig scheitert, wäre es da nicht sowieso mal Zeit für einen anderen Ansatz gewesen?

Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass es diesen „Absturz“ noch einmal gebraucht hat, um wieder zu erkennen, was die Löwen wirklich stark machen könnte in Zukunft und das ist die eigene Jugend, die einem Jahr für Jahr durch Transfererlöse noch das nötige Kleingeld beigesteuert hat, damit man genug Geld für den biederen Drittligadurchschnitt wie Marlon Frey, Valmir Sulejmani oder Niklas Tarnat zur Verfügung hat, wenn man da wenigstens teilweise von Durchschnitt hätte sprechen können…

Entscheidend wird es jetzt sein, mit der richtigen Strategie in diese neue Löwenphase zu starten (sofern es eine neue Phase werden und man Ismaik jetzt wirklich endlich so loswerden kann, wie man es sich aktuell von Vereinsseite vorstellt). Ich sag es als Rot-Weisser nicht gerne, aber da kann man sich vom MSV Duisburg so einiges abgucken, die mit Dietmar Hirsch eine Vereinsikone mit pragmatischem Fußball als Trainer verpflichtet und dazu eine hungrige Mannschaft aufgebaut haben, welche die nötige Intensität, die sich Trainer und Stadion vorstellen, mitgebracht haben. Der Vorteil für 60 ist dabei, dass man auch noch eine sehr gute Jugendarbeit hat, die man noch viel besser nutzen kann, als man es in den Vorjahren getan hat. Denn diese Jungs lassen die Saison nicht so ausklingen, wie man es in den Vorjahren stets in Giesing miterleben musste (Ole Pohlmann lässt grüßen) und hinzu kommt, dass diese jungen Spieler sich, sofern sie natürlich ein gewisses Grundniveau mitbringen, sehr schnell an das höhere Niveau anpassen und genauso schnell den Bereich des biederen Durchschnitts nach oben verlassen.

Angeleitet müssen sie natürlich von erfahreneren Führungskräften werden und da hoffe ich für alle Sechzger da draußen, dass beim Trainingsauftakt am Montag da auch wirklich diejenigen dabei sein können bzw. dürfen, die sich bereits öffentlich in Position gebracht haben, denn dann könnte die Sonne schon sehr bald wieder auf Giesings Höhen erstrahlen!

Kai (VfL Osnabrück, vom Podcast Ostkurvenchor)

Es gibt so Dinge, die man Sechzig als Außenstehender immer gewünscht hat: da wäre die Rückkehr nach Giesing, hinter die wir einen Haken setzen können verbunden mit der Hoffnung, dass Stadt und Verein einen gangbaren Weg für den Umbau des Grünwalders finden.
Außerdem: mehr Ruhe im Verein. Danach sieht es aktuell, da bleibt man sich treu, mal wieder gar nicht aus. Aber eines fernen Tages ja vielleicht…

Und zu guter Letzt natürlich das Ende des „Engagements“ Hasan Ismaiks. Dieses Ziel scheint aktuell so nah wie nie – auch wenn der Name noch länger durch Münchener Gerichtssäle geistern wird. Das ist eine Chance, die sich dem e.V. in dieser Form in den letzten Jahren nicht geboten hat. Alles scheint bereit für den Neuanfang, der lange überfällig zu sein scheint und den sich der Großteil von Euch Löwenfans, zurecht, lange gewünscht hat. Nutzt diese Chance! Der Zwangsabstieg und die Trennung von der KGaA bedeuten, dass finanziell kleinere Brötchen gebacken werden müssen und der direkte Wiederaufstieg sich vermutlich schwerer realisieren lässt als 17/18. Wir drücken trotzdem die Daumen und sind auch optimistisch – in der Regionalliga Bayern reicht ja gefühlt auch Platz 7, um die Aufstiegs-Playoffs zu erreichen. Und wenn nicht? Dann ist das so. Was zählt ist der Verein. Der e.V. Der Aufbau wird viel Kraft und Geduld von allen Beteiligten erfordern. Die Saisonvorbereitung, und gefühlt klopft die neue Spielzeit schon fast an, wird auf vielen Ebenen eine Mammutaufgabe, bei welcher Fehler passieren können und auch werden. Verzeiht Sie, bleibt besonnen und zieht an einem Strang. Für Euren Verein.

Und zum Schluss kommen wir nicht drumherum auch Danke zu sagen. Es ist ein Dank, welcher Euch sicherlich etwas vergiftet erscheint. Aber 15 Jahre HAM und 1860 waren beste Werbung für 50+1 und das allergrößte Plädoyer dafür waren die absurden letzten Wochen. Selbst dem größten Verfechter halbseidener Investoren dürften angesichts dieses Mannes, der Sechzig und den deutschen Fußball nicht verstanden hat und nie verstehen wollte, die Argumente im Halse stecken bleiben.

Wir stoßen jedenfalls an. Auf den e.V. Auf Euch Fans. Und darauf, dass dieser 15-jährige Alptraum nun endlich zu Ende geht.

Benjamin (SW Bregenz)

Größenwahn trifft böse Absichten!

Es war/ist nicht der erste Sonnenkönig, der bei 1860 zugegen ist, aber mit Ismaik ist es jemand, der aus dem inneren heraus schon mehrfach den Verein absichtlich in eine Notsituation gesteuert hat und sich dann jeweils selbst als Opfer der “alten Strukturen” darstellt.

Ohne diese “alten Strukturen” wären wohl nicht nur die Profis sondern der Gesamtverein Dank dem Scheich schon länger nicht mehr da (bzw. nicht in dieser Form).

Dass trotzdem weiterhin ein so großer Teil der Anhängerschaft auf diese leeren Versprechungen von großem Fußball und schnellem Erfolg so leicht hereinfällt, sollte auch die letzten echten Löwen motivieren, Mitglied im Verein zu werden (die es noch nicht sind).

Es ist zu wünschen, dass der schwere Gang in Liga 4 den Verein dieses Mal von diesem Feind aus dem Inneren befreit. Freiheit für 60!

Phillipp (Waldhof Mannheim, von Druff un Dewedder)

Liebe Sechzger, die Vorgänge in München haben wir natürlich aufmerksam verfolgt – gerade, weil die Strukturen in unserem Verein ähnlich besorgniserregend sind. Der zweite Zwangsabstieg in die Regionalliga “unter eurem Scheich”, bei dem er euch am ausgestreckten Arm verhungern lässt, wirkt für uns wie ein Worst-Case, den wir auch bei uns nicht gänzlich ausschließen können. Einzig, dass Bernd Beetz Mannheimer ist und hier verwurzelt ist, gibt uns die Hoffnung darauf, dass die regelmäßigen Finanzlücken immer und immer wieder ausgeglichen werden.

Die Struktur jedoch ist gleichermaßen toxisch und behindert Entwicklung. Die totale Abhängigkeit in Finanzfragen macht auch in Management- und Sportfragen unfrei, sodass Launen und Gefühle wichtiger als Kompetenz und Strategie sind. Spieler- und Trainerverschleiß sind bei euch und uns Programm, die Konstante findet sich dagegen auf den Rängen und an der Vereinsbasis. Wir wünschen euch also, dass ihr als Fans und Mitglieder weiter konstant bleibt und euren Verein weiter hoch haltet.

Wir wünschen euch die finale Trennung vom Scheich und gesunde Strukturen. Und wir wünschen uns wieder hitzige Duelle mit einem echten Gegner im Stadion.

Ralf (MSV Duisburg, Betreiber des Zebrastreifenblog)

Wer sich schon etwas länger für den deutschen Fußball interessiert, wird wissen, dass wir in Duisburg eure Lage sehr gut verstehen können. Wir kennen ja den Zwangsabstieg auch. Den Grundkonflikt bei euch verfolge ich schon länger, nicht nur weil dieser Konflikt ja nur eine Variante von vielen möglichen Konflikten im deutschen Fußball ist, die durch die 50 +1-Regelung stets möglich sind. Auch weil die lange Geschichte der Löwen mit Hasan Ismaik einiges sehr allgemein Menschliches in sich trägt und zeigt, wie eingeschränkt Menschen in ihren Möglichkeiten oft sind, konstruktive Lösungen für Schwierigkeiten zu finden.

Allerdings reicht in der Gegenwart die Berichterstattung in den klassischen Medien bei weitem nicht, um sich ein Urteil zur Verantwortung in dem Geschehen zu bilden. Auch das ist eine Parallele zum MSV 2013. Es gab zwei Parteien mit unterschiedlichen Interessen an der KGaA. Wenn die Geschichte verständlich werden soll, muss man sie so kleinteilig erzählen, dass sie für ein breites Publikum zu kompliziert wird. Wenn man sie aber runterbricht auf den Tatbestand, Hasan Ismaik hat den zugesagten Kredit nicht gezahlt, dann bleibt oft das Misstrauen gegenüber den Vereinsverantwortlichen.

Die weitere Entwicklung nun bei 1860 erinnert mich auch an besagtes Jahr beim MSV. Das Machtzentrum verschiebt sich in den Verein. Für den MSV war das einfacher, weil es keinen Investor gab. Und dennoch ist das der einzige Weg. Nur für den Verein engagieren sich Anhänger und Mitglieder. Wir haben kein Interesse an einem Fußballunternehmen. Wir haben Interesse an ideellen Werten, die ein Verein verkörpert. Später können wir dann wieder an Sport und Erfolg denken. Erstmal geht es um das, was ein Teil von uns ist. Und das hat Hasan Ismaik offensichtlich all die Jahre nicht verstanden.

Was mir allerdings auch durch den Kopf geht, mit dem Blick von außen, ich hoffe, eure Zuversicht wird nicht enttäuscht, gerichtliche Auseinandersetzungen werde 1860 auf jeden Fall gewinnen. In Duisburg war das nicht der Fall. Zu naiv war die Vereinsführung. Ich habe den Präsidenten von 1860 nur zweimal gesehen jetzt, direkt bei der Verkündung, dass der Kredit nicht eingeht, und in einem Studiogespräch beim BR. Beide Male wirkte er nicht so, als bewege er sich auf Augenhöhe mit einem so vermögenden Menschen wie Ismaik, und dem zudem sein Geld anscheinend manchmal weniger wichtig ist als das Gefühl von Macht und Bedeutung. Ich hoffe, das sind zufällige Eindrücke und in anderen Momenten wirkt er stärker oder hat weitere Verantwortliche an seiner Seite mit entsprechender Ausstrahlung. Auch das spielt eine Rolle im weiteren Geschehen. Aber selbst wenn ihr Teilniederlagen hinnehmen müsst, wird das nichts daran ändern, dass die nun entstandene Dynamik zu einer Lösung des Problems mit Hasan Ismaik führt. Das ist meine Erfahrung aus Duisburg. Der Weg ist dann lang und mit vielen Hürden verbunden. Er lohnt sich.

14.06.1955: TSV 1860 gewinnt Torfestival bei den Grashoppers in Zürich

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Grashoppers Zürich TSV 1860

Satte elf Tore bekamen die Zuschauer im Zürcher Hardturm heute vor 71 Jahren zu sehen. Nach 90 Minuten unterlagen die heimischen Grashoppers den Gästen vom TSV 1860 München mit 5:6.

Aufstieg in die höchste Spielklasse

Die Spielzeit 1954/55 verbrachten die Löwen in der II. Division Süd, der damals zweithöchsten Spielklasse im süddeutschen Raum. Statt sich mit dem 1. FC Nürnberg, dem Karlsruher SC oder Eintracht Frankfurt zu messen, hießen die Gegner damals ASV Cham, ASV Durlach und VfL Neustadt/Coburg. Am Saisonende stieg der TSV 1860 jedoch als Meister zusammen mit dem Zweitplatzierten, der Viktoria aus Aschaffenburg, in die Oberliga auf. Fun Fact am Rande: Der FC Bayern beendete die Spielzeit in eben jener Oberliga als abgeschlagener Tabellenletzter und musste den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

GC hingegen war zu dieser Zeit in der Schweiz ein etablierter Erstligist, war 1952 Meister geworden und auf dem internationalen Parkett ein beliebter Gegner. In der Saison 1954/55 begaben sich die Eidgenossen auf eine zweimonatige Weltreise, absolvierten 18 Freundschaftsspiele und nutzten die gesammelte Erfahrung zum erneuten Titelgewinn im Jahr 1956.

Historische Stätte, bekannter Schiedsrichter

Das Stadion Hardturm diente dem Grashopper Club Zürich seit 1929 fast 80 Jahre lang als Heimspielstätte, ehe es 2007 abgerissen wurde. Bis heute hat das Zürcher Stimmvolk vier Mal über einen möglichen Neubau abgestimmt, der Baubeginn ist bislang jedoch nicht erfolgt.

Am 14.06.1955 gastierte also der TSV 1860 bei den Grashoppers und beide Teams sorgten für ein Spektakel. Schiedsrichter im Hardturm war damals übrigens Gottfried Dienst, der 1966 das WM-Finale zwischen England und Deutschland in Wembley leiten sollte.

Börstler trifft dreimal für 1860 gegen die Grashoppers

Gleich elf Treffer durften die 3.000 Zuschauer an diesem Dienstag Abend bestaunen, wobei sich Löwenstürmer Ferdinand Börstler gleich dreimal in die Torschützenliste eintragen konnte. Zudem hielt 1860-Torhüter Pilz beim Stand von 4:6 noch einen Handelfmeter des Zürchers Moser, sodass am Ende die Gäste aus München den Platz als Sieger verließen.

Bereits am Folgetag waren die Löwen erneut im Einsatz. Beim FC La Chaux-de-Fonds in der Romandie verlor der TSV 1860 nach hartem Kampf durch ein spätes Gegentor mit 2:3.

Die Aufstellung der Löwen

Trainer Max Schäfer setzte beim Spiel gegen die Grashoppers auf folgende Elf des TSV 1860.

Pilz – Köbler, Hasenstab – Lesjak, Sommer, Pledl – Zausinger, Mondschein, Börstler, Pelicon (Gerum), Hornauer

Tore:
1:0 Ballaman (8.), 1:1 Börstler (11.), 2:1 Vuko (20., Elfmeter), 2:2 Mondschein (35.), 2:3 Börstler (41.), 3:3 Jäger (??.), 3:4 Sommer (66., Elfmeter), 3:5 Mondschein (72.), 4:5 Duret (??.), 4:6 Börstler (??.), 5:6 Vuko (90.)

Die statistischen Daten wurden dem Löwen Kompendium von Thorsten Ruinys entnommen.

SZ hinterfragt HAM-Verhalten: Warum wurde der Vertrag von Paula kurz vor dem Knall einstimmig verlängert?

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Manfred Paula

Der Lizenzentzug durch den DFB ist amtlich, doch während die KGaA-Homepage aktuell über den Trainingsauftakt der “beurlaubten” Spieler informiert, rüsten sich die Anwälte. Wie Markus Schäflein in der Süddeutschen Zeitung berichtet, könnte sich der von Ismaik-Anwalt Peter Gauweiler angestrebte Gang durch die Instanzen über Wochen ziehen. Während viele Aspekte des Artikels den Lesern von sechzger.de bereits aus unserer bisherigen Berichterstattung bekannt sein dürften, legt die SZ den Finger in eine besonders bemerkenswerte Wunde, wenn es um das Agieren der Investorenseite geht in der Causa Manfred Paula geht.

Warum wurde der Vertrag von Paula verlängert?

Der Schwerpunkt der Unstimmigkeiten dreht sich um KGaA-Geschäftsführer Manfred Paula. Im viel zitierten „Faktenblatt“ von Anwalt Gauweiler wird als Grund für die Darlehenskündigung angeführt, dass die KGaA aus Sicht von HAM vertragliche Verpflichtungen nicht eingehalten habe.

Die SZ wirft dazu eine entscheidende Frage auf: Wenn die KGaA unter der Führung von Paula ihre Pflichten derart vernachlässigt hat, dass man wenige Tage später den Stecker ziehen muss – warum wurde sein Vertrag dann kurz vor der Eskalation verlängert?

Einstimmige Verlängerung drei Tage vor dem Knall

Konkret geschah dies am 18. Mai im Beirat. Genau drei Tage, bevor Hasan Ismaik die Darlehen kündigen ließ, wurde der Vertrag von Manfred Paula einstimmig verlängert. Die HAM-Seite trug diese Entscheidung also voll mit. Vertreten wurde der Investor in diesem Gremium von Herbert Bergmaier und Biel Ballester Relat. Relat hatte sein Stimmrecht für diesen Vorgang eigens an den damaligen HAM-Anwalt von Rüden übertragen. Eine leichtfertige, unüberlegte Entscheidung der Investorenseite kann man angesichts der juristischen Vertretung durch ein großes und bekanntes Haus wie „Deloitte“ bei der Abstimmung also getrost ausschließen.

Wer letztendlich im Recht ist – ob die Darlehenskündigung überhaupt zulässig war oder wer wem unannehmbare Bedingungen diktieren wollte –, werden nun die Juristen klären müssen. Für die nackten Fakten beim DFB spielt all das ohnehin keine Rolle.

Diesen Umstand fasst die SZ mit einem wunderbaren Schlusssatz zusammen, den wir hier gerne zitieren:

„Das Geld war zum Stichtag nicht auf dem Konto. Wenigstens eine Tatsache, die man auf ein Faktenblatt schreiben kann.“

13.06.1964: TSV 1860 wird Pokalsieger!

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TSV 1860 finale pokalsieger

Am 13.06.1964 krönte sich der TSV 1860 zum Pokalsieger und qualifizierte sich damit für den Europapokal, wo die Löwen ein Jahr später das Finale erreichten.

Unter den zigtausend Löwenfans, die sich vor 62 Jahren auf den Weg ins Neckarstadion nach Stuttgart machten, war auch der Vater unseres Autors Stefan Kranzberg, der uns (und Euch) an seinen Erinnerungen teilhaben lässt. Viel Spaß!

Erinnerungen eines Zeitzeugen

Bereits am frühen Morgen des 13.06.1964 fuhren wir von München aus mit dem Auto nach Stuttgart. Wir, das waren ich (damals gerade 18 geworden), ein Arbeitskollege und zwei ältere Männer, mit denen wir schon des Öfteren auf einer Wiese an der Naupliastraße in Giesing Fußball gespielt hatten. Es war schon ein riesiges Erlebnis, wie viele Löwenfans mit ihren Fahrzeugen Richtung Schwaben unterwegs waren, um 1860 zu unterstützen. Der große Favorit war ja die Eintracht, zumal wir uns im Halbfinale beim 4:1 nach Verlängerung gegen Altona sehr schwer getan hatten.

Wir hatten eine große Sechzgerfahne dabei, die wir auch mit auf den Stuttgarter Fernsehturm nahmen. Für uns war das natürlich etwas ganz Besonderes, zumal es damals in München den Olympiaturm noch gar nicht gab. Aufgrund der Fahne wurden wir von vielen Besuchern jedoch nur belächelt, aber wie heißt es so schön: Wer zuletzt lacht, lacht am Besten.

Als wir im Stadion ankamen, war es bereits brütend heiß. Spielbeginn war um 16 Uhr, die Hitze war schier unerträglich und keiner von uns wollte mit den Spielern auf dem Platz tauschen. Trotzdem entwickelte sich ein spannendes Spiel mit vielen Tormöglichkeiten. Als Kohlars in der 43. Minute das 1:0 für die Löwen erzielte, war der Jubel natürlich riesengroß, denn schon vorher waren wir uns einig, dass die Mannschaft gewinnen würde, die zuerst trifft.

TSV 1860 wird Pokalsieger 1964

In der zweiten Halbzeit musste dann (wenn ich mich nicht täusche) Berti Kraus verletzungsbedingt raus und damals durfte ja noch nicht gewechselt werden. Diese Hitze und nun auch noch Unterzahl… Die Eintracht machte mächtig Druck auf unser Tor, doch die Löwen machten ihrem Namen alle Ehre und kämpften bis zum Umfallen. Umso größer war die Erleichterung, als Rudi Brunnenmeier in der 63. Minute das 2:0 für 1860 erzielte und der Jubel kannte keine Grenzen. Uns war klar: Das lassen sich die Löwen nicht mehr nehmen!

Frankfurt gab sich zwar noch nicht geschlagen, doch trotz Unterzahl brachte Sechzig dieses Ergebnis souverän über die Zeit und sicherte sich den DFB-Pokal. Als Kapitän Rudi Brunnenmeier den Pokal überreicht bekam, floss nicht nur auf dem Platz die ein oder andere Freudenträne. Wie wir heute wissen, standen uns damals goldene Jahre bevor: Europapokalfinale und Meisterschaft sollten folgen. Damals jedoch genossen wir den Moment und die Heimfahrt war wie ein weiß-blaues Meer, da alle ihre Fahnen aus den Autos hängen ließen.

Einen tollen Bericht zum Pokalfinale 1964 findet Ihr in der ARD Mediathek!

Autoren: HJF & Stefan Kranzberg

 

Neue Verhandlungsdetails: Sollten die Fans für Ismaik gerade stehen?

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Regen an der 114, dank Ismaik?

Mittlerweile ist es gewiss: Seit dem vergangenen Donnerstag ist offiziell klar, dass der TSV 1860 München keine Lizenz für die 3. Liga erhalten wird. Grund hierfür ist eine nicht erfüllte Lizenzauflage zum Stichtag am 3. Juni. Was die Hintergründe der gescheiterten Verhandlungen angeht, kommen aber immer wieder neu Details ans Licht. Im Mittelpunkt steht Investor Hasan Ismaik. Der Jordanier kündigte wenige Tage vor Ablauf der Frist überraschend zwei bestehende und verbindliche Darlehensverträge – und das ohne tragfähigen Grund und damit rechtlich unwirksam. Zu dieser Einschätzung der Rechtslage kommen mehrere mit der Angelegenheit befasste Anwaltskanzleien.

Doch warum brauchte die KGaA diese Kredite? Diese Darlehen waren notwendig geworden, um Unterdeckungen auszugleichen, die durch erhöhte Budgets unter Verantwortung der HAM-Seite im Juni 2025 entstanden waren. Durch ihre Stimmenmehrheit im Aufsichtsrat (der von HAM besetzte Vorsitz hat bei Gleichstand eine doppelte Stimme) hatten die Investorenvertreter Budgeterhöhungen gegen die Stimmen der e.V.-Räte durchgesetzt. Das auszugleichende Defizit war also seitens HAM hausgemacht und lange bekannt.

Zwei Verträge – und einer ging dem e.V. zu weit

Als sich Präsident Gernot Mang und der Aufsichtsratsvorsitzende Herbert Bergmaier nun am maßgeblichen 03. Juni den Fans stellten und die bittere Nachricht vom Zwangsabstieg überbrachten, sprach Bergmaier von zwei unterschiedlichen Vertragsversionen für eine kurzfristige Notfinanzierung.

Eine Version habe die Zustimmung von HAM gefunden, die andere die des e.V. Die KGaA hätte laut Bergmaier mit beiden Modellen leben können – was angesichts ihrer existenzbedrohenden Lage kaum überrascht. Wer ums Überleben kämpft, kann sich seine Rettungsleine für gewöhnlich nicht aussuchen. Doch was waren die Diskrepanzen, welche die jeweilige Seite zu Ablehnung der Entwürfe bewogen haben.

50+1 in Gefahr? Deloitte-Anwälte lehnten Zulässigkeit ab

Nach den bisher vorliegenden Darstellungen soll die vom e.V. abgelehnte Vertragsversion mehrere Klauseln enthalten haben, die gegen die 50+1-Regel verstoßen hätten. Noch schwerer wiegt jedoch ein weiterer Punkt: Die seitens des e.V. verhandelte Bedingung der verbandsrechtlichen Zulässigkeit des Vertrags soll laut „Süddeutscher Zeitung“ von den HAM-Anwälten der Kanzlei Deloitte abgelehnt worden sein.

Hierzu berichteten wir auf sechzger.de schon folgendermaßen:

“Um 01:12 Uhr nachts wischte der HAM-Anwalt in einer großen E-Mail-Runde – an der neben e.V.-Präsident Gernot Mang auch KGaA-Vertreter und Abdelrahman Ismaik (der zweite Bruder von Hasan Ismaik) beteiligt waren – die letzten Vertragsentwürfe zur Rettung kategorisch vom Tisch. Die Dokumente seien für die HAM “nicht akzeptabel”. Besonders brisant: Von Rüden forderte explizit die sofortige Streichung des rettenden Vorbehalts “soweit verbandsrechtlich zulässig”. Er pochte auf ein “All-in” des e.V. ohne “Schlupflöcher” und knüpfte dies an ein Ultimatum: Bis 10:00 Uhr am selben Morgen müsse ein entsprechender Beschluss des Aufsichtsrats unterschrieben vorliegen.”

Ticketeinnahmen als Pfand – Fans sollten die Zeche zahlen

Vor dem Hintergrund der aktuellen Unsicherheit in Bezug auf die bereits bezahlten Dauerkarten (für viele Fans eine beträchtliche Summe) erscheint eine weitere Vertragsklausel fast unglaublich. Wie sechzger.de erfahren hat, hätte für einen Großteil des kurzfristig bereitgestellten Geldes – das von einem bis heute nicht benannten Dritten stammen sollte – ausgerechnet die Ticketeinnahmen der Zukunft als Sicherheit dienen sollen.

Mit anderen Worten: Tausende Fans hätten voller Hoffnung Dauerkarten für eine weitere Drittligasaison gekauft – und ihre Zahlungen wären unmittelbar für einen Kredit verpfändet worden. Für die ohnehin wirtschaftlich angeschlagene KGaA hätte dies bedeutet, ihre wichtigste laufende Einnahmequelle aus der Hand zu geben. Kritiker sprechen von einem wirtschaftlichen “Sterben auf Raten”.

Nach unseren Informationen hätten diese Einnahmen nämlich zurückgestellt werden müssen, für den Fall, dass die Investorenseite das Geld nicht zurückbezahlt. Dann wären die Dauerkarten-Millionen an den unbekannten Dritten gefallen. Auch das (implizite) Versprechen an die Fans mit dem Kauf einer Jahreskarte zum Erfolg der Fußballfirma beizutragen, wäre damit gebrochen worden. Zudem hätte sich die finanzielle Abhängigkeit von Hasan Ismaik weiter vergrößert. Ganz zu schweigen von der Frage, woher das Geld als Ersatz für die fix eingeplanten Ticketeinnahmen kommen sollte…

Wer steckt hinter dem Geldgeber?

Noch undurchsichtiger wird die Geschichte durch den angeblichen Drittfinanzierer. Dessen Identität soll trotz mehrfacher Nachfrage nicht offengelegt worden sein. Ebenso seien wesentliche Fragen zur Herkunft der Mittel und zu deren wirtschaftlicher und rechtlicher Unbedenklichkeit nicht geklärt gewesen. Gerade in Zeiten strenger Lizenzierungs- und Compliance-Vorschriften stellen solche Unklarheiten ein großes Risiko dar. Zudem widerspricht die Vorgehensweise der HAM in diesem Fall diametral ihren Forderungen nach mehr Transparenz und klaren (Reporting) Strukturen in der KGaA.

Am Ende bleibt ein Scherbenhaufen

Die Lizenz ist verloren, der sportliche und wirtschaftliche Schaden enorm. Während viele Löwen-Fans rat- und fassungslos auf den Absturz ihres Vereins blicken, werden die Hintergründe die Gremien und möglicherweise auch Juristen noch lange beschäftigen.

Dass es der Investorenseite aber nicht um das Wohl von Fans und Verein, sondern nur um Macht und eigene finanzielle Interessen geht, kann wahrscheinlich schon heute konstatiert werden.

Die Strategie von Peter Gauweiler für Hasan Ismaik

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In den sozialen Medien gibt sich Hasan Ismaik aktuell mit rätselhaften KI-generierten Postings und Suggestivfragen als Enttäuschter, Fragender und Zerknirschter aus, der doch im Grunde immer nur das Beste für den TSV 1860 München im Schilde führte. Was er davon tatsächlich selbst schreibt und was das Werk von PR-Agenten ist, bleibt unklar. Wer seine Verlautbarungen über einen längeren Zeitraum verfolgt, dem wird auffallen, dass Ismaik es versteht, die Farbe und den Tonfall rasch zu wechseln. Seine Klaviatur reicht vom polternden Aggressor à la Donald Trump bis zum vergeistigten Philanthropen.

Hasan Ismaik gegen 50+1

Fakt ist: Hasan Ismaik und seine Vertreter haben seit ihrem Einstieg als Gesellschafter bei Sechzig im Jahr 2011 nichts unversucht gelassen, um die 50+1-Regelung in der Praxis zu umgehen und sie auf juristischer Ebene zu Fall zu bringen. Seine Eingabe beim Bundeskartellamt im Jahr 2017 spricht eine ganz klare Sprache. Warum tut er das? Weil seine Anteile im Verkaufsfall deutlich an Wert gewinnen würden, sollte er die komplette Kontrolle über den Klub erlangt haben. Darüber hinaus entspricht es auch Ismaiks Selbstverständnis. In seiner Wahrnehmung hat er sich 2011 einen Klub in Deutschland gekauft.

HAM verkalkuliert sich

Mit der Kündigung der Darlehensverträge am 21. Mai 2026 und der Nichterfüllung der Zahlungszusage zum Stichtag 3. Juni 2026, haben Ismaik und seine Berater einen folgenreichen strategischen Fehler begangen. Dieser führte zum Lizenzentzug durch den DFB und zur Kündigung des Kooperationsvertrags durch den Mutterverein. Nun versuchen sie, ihr dysfunktionales Verhalten im Nachgang zu korrigieren. Hasan Ismaiks Berater waren offenbar fest davon ausgegangen, dass die Vereinsvertreter angesichts des Schreckensszenarios “Lizenzentzug” einknicken und ihnen den Klub faktisch übereignen würden, damit sie ihn nach eigenem Ermessen für einen Verkauf vorbereiten können. Um die Attraktivität für potenzielle Käufer zu erhöhen, sollte durch Struktur- und Prozessveränderungen die 50+1-Regelung beim TSV 1860 München de facto keine Rolle mehr spielen. Das dürfte das Kalkül hinter all ihrem Handeln gewesen sein. Doch dann haben sie bildlich gesprochen ihr Blatt überreizt. Das Spiel ist ihnen entglitten. Der Verlauf der Ereignisse legt eine solche Interpretation nahe.

Gauweiler als “letzte Patrone” von Ismaik?

Als Hasan Ismaik und seine Berater erkannten, dass sie zu weit gegangen waren und nun alles zu verlieren drohten, holten sie die kampferprobte Kanzlei Gauweiler & Sauter Rechtsanwälte ins Boot. Der bekannte frühere CSU-Politiker Peter Gauweiler (76) führt das Mandat selbst. Er soll Ismaik und seinen mit ihm verbundenen Unternehmen dabei helfen, zu retten, was noch zu retten ist. Gauweiler streitet dabei auf zwei Ebenen. Zunächst auf der juristischen Ebene des Vertragsrechts. Hier geht es darum, durch rechtliche Stellungnahmen, Gutachten und mögliche Klageandrohungen die eigene Verhandlungsposition zu stärken. Sollte keine Einigung erzielt werden, könnten Schadenersatzforderungen eine Rolle spielen.

Gauweilers Strategie gegen die Vereinsvertreter…

Mindestens ebenso wichtig ist es jedoch, die öffentliche Deutungshoheit im Konflikt zwischen Mutterverein und Investor zu erlangen. Gauweilers Strategie scheint darin zu bestehen, diesen Konflikt möglichst sichtbar und öffentlichkeitswirksam zu führen. Im Zentrum steht dabei der mediale Diskurs. Dadurch sollen die Vereinsvertreter unter Druck geraten. Ziel ist es, den Rückhalt bei Fans, Mitgliedern und Sponsoren für den Verein zu zerstören und eine Einigung mit dem “Investor” – oder je nach Perspektive auch eine Unterwerfung – als die einzig mögliche und sinnvolle Option für den TSV 1860 München erscheinen zu lassen. Dabei zieht der erfahrene Gauweiler alle Register.

…die Solidarität der Anhänger brechen

Für Gauweiler und seinen Mandanten stellt die breite Solidarität vieler Mitglieder und Fans mit den Vereinsverantwortlichen dabei eine kommunikative Herausforderung dar. Das Narrativ eines Vereins, der sich gegen einen übermächtigen Investor behauptet, trifft die Stimmung eines erheblichen Teils der Anhängerschaft. Bilder wie “Klein gegen Groß” oder “Tradition gegen Kapital” erzeugen starke Identifikation und Mobilisierung. Gauweiler dürfte sich dieser Dynamik bewusst sein und versuchen, ihr kommunikativ entgegenzuwirken. Dabei kann er auf jahrzehntelange Erfahrungen sowie auf ein gewachsenes Netzwerk in Politik und Medien zurückgreifen.

Einflussnahme auf die Medien…

In der Kommunikationswissenschaft werden solche Prozesse häufig mit den Begriffen “Agenda Setting” und “Framing” beschrieben. Dabei geht es weniger darum, Medien direkt vorzuschreiben, was sie berichten sollen. Vielmehr versuchen Interessenvertreter durch Hintergrundgespräche, exklusive Informationen oder bestimmte Interpretationsangebote Einfluss darauf zu nehmen, welche Themen Aufmerksamkeit erhalten und aus welcher Perspektive sie betrachtet werden.

…verfängt vor allem beim Boulevard

Besonders Boulevardmedien gelten in diesem Zusammenhang als empfänglich für entsprechende Einflussversuche. Der hohe Veröffentlichungsdruck und begrenzte personelle Ressourcen erschweren häufig eine umfassende Quellenprüfung. Nicht selten genügt die Aussicht auf eine exklusive Geschichte, um Informationen rasch zu veröffentlichen. Zwar verlangen journalistische Standards eine kritische Prüfung von Quellen, den Abgleich unterschiedlicher Positionen sowie Transparenz über mögliche Interessenlagen. Im Alltag vieler Redaktionen stehen diesen Ansprüchen jedoch erhebliche Zeit- und Wettbewerbszwänge gegenüber, die den Anspruch zur grauen Theorie werden lassen. Die Devise lautet: Sollte sich jemand beschweren, bringen wir die Gegendarstellung eben morgen.

Das Problem am Verlautbarungsjournalismus…

Verlautbarungsjournalismus beschränkt sich häufig darauf, die Aussagen verschiedener Akteure wiederzugeben, ohne deren Wahrheitsgehalt, Hintergründe oder Interessen kritisch zu prüfen. Er folgt dem Muster “A sagt dies, B sagt das” und überlässt die Einordnung vollständig der Leserschaft. Dadurch kann der Eindruck entstehen, unterschiedliche Positionen seien gleichermaßen fundiert, obwohl sie möglicherweise nicht auf denselben Fakten beruhen. Eine zentrale Aufgabe des Journalismus – die Recherche, Bewertung und Kontextualisierung von Informationen – bleibt dabei unzureichend erfüllt. Dies kann zur Verbreitung von Desinformation beitragen und erschwert es den Rezipientinnen und Rezipienten, die tatsächliche Bedeutung eines Sachverhalts zu erkennen.

…und am Lobbyismus

Lobbyismus gegenüber Medien ist nicht grundsätzlich problematisch. Journalistische Arbeit ist oft auf Informationen von Interessenvertretern angewiesen. Kritisch wird es dort, wo Einflussnahme die journalistische Unabhängigkeit beeinträchtigt oder wo Interessen und Quellen für die Öffentlichkeit nicht ausreichend transparent gemacht werden.

1860 Rugby: Großes Verbandsliga-Finale in FFB

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Am kommenden Samstag, dem 13. Juni ist es endlich so weit: 1860 Rugby – erst kürzlich zur Abteilung geworden – lädt zum ersten Heimtermin in seiner jungen Geschichte ein. Das Abschlussturnier der Verbandsliga-Saison des Bayerischen Rugby-Verbands musste jedoch kurzfristig von Ramersdorf auf die Klosterwiesen in Fürstenfeldbruck verlegt werden.

Rugby-Community kommt zusammen

Das Turnier steht ganz im Zeichen der Gemeinschaft und Entwicklung des Rugbys in Bayern. Zahlreiche kleinere und wachsende Vereine treffen hier aufeinander und bilden vor Ort gemeinsam Mannschaften. Dieses besondere Format sorgt nicht nur für spannende Spiele, sondern stärkt auch den Austausch und Zusammenhalt innerhalb der Rugby-Community.

Rekordbeteiligung in der Verbandsliga

Schon jetzt steht fest: Dieses Event wird Geschichte schreiben. Mit 110 gemeldeten Spielern aus 12 Vereinen ist es das größte Verbandsliga-Turnier aller Zeiten. Besonders erfreulich aus Sicht der Gastgeber: 20 Rugby-Löwen werden ebenfalls auf dem Platz stehen.

Daneben kommt es noch zu einer weiteren Premiere: Erstmals werden fünf Mannschaften vor Ort zusammengestellt, die anschließend gegeneinander antreten. Spannung ist also garantiert!

Wann, wie und wo?

Los geht es auf den Klosterwiesen in Fürstenfeldbruck um 13 Uhr, gespielt wird bis 17 Uhr. Der Turniermodus verläuft nach dem Prinzip “Jeder gegen jeden”. Bei kurzen Spieldauern von 20 Minuten entstehen viele intensive Begegnungen in kurzer Zeit, ideal also um den Sport kennenzulernen.

Egal ob eingefleischter Rugby-Fan oder neugieriger Neuling – kommt vorbei, unterstützt die Rugby-Löwen und erlebt einen besonderen Tag im Zeichen von Teamgeist, Fairness und sportlicher Leidenschaft.

Ab 19 Uhr wird dann im Löwenstüberl an der Grünwalder Straße gefeiert!

Faktencheck: Warum eine hybride MV bei Sechzig (aktuell) rechtlich ausgeschlossen ist

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MV Mitgliederversammlung 2022 (14)

Martin Gräfer, Vorstandsmitglied und prominentestes Gesicht des ehemaligen (und künftigen?) Hauptsponsors „Die Bayerische“, ist zweifellos jemand, dem der TSV 1860 München am Herzen liegt. Er engagiert sich, er diskutiert mit und er positioniert sich öffentlich. Das ist absolut legitim und für einen lebendigen Diskurs rund um unseren Verein auch begrüßenswert. Sein jüngstes Posting auf Social Media, das er mit der Überschrift „fairer Hinweis“ versehen hat, greift ein Thema auf, das vielen Löwen unter den Nägeln brennt: die Modernisierung des e.V. und die Art und Weise, wie wir unsere Mitgliederversammlungen (MV) abhalten.

Der Irrtum über die Macht des Präsidiums

Doch wer als solch prominente Stimme im Löwenkosmos spricht – eine Stimme, die Reichweite hat und Meinung bildet –, trägt auch die Verantwortung, bei vereinsrechtlichen Fakten absolut präzise zu bleiben. In seinem Beitrag stellt Gräfer eine Behauptung auf, die einer rechtlichen Überprüfung schlichtweg nicht standhält.

In seinem Posting fordert Gräfer einen „echten Neuanfang“ und schreibt wörtlich:

„Eine hybride Mitgliederversammlung ist heute schon möglich! Das Präsidium kann, das ohne Satzungsänderung entscheiden.“

So verlockend einfach das klingen mag – es ist faktisch falsch. Das Präsidium des TSV München von 1860 e.V. hat diese Befugnis nicht. Der Grund dafür findet sich im juristischen „Grundgesetz“ unseres Vereins: der Satzung.

Unter Ziffer 10.1 ist dort unmissverständlich und glasklar geregelt:

„Die Mitgliederversammlung ist nicht öffentlich und findet als Präsenzveranstaltung statt.“

Ein Präsidium kann sich nicht per einfachem Beschluss über die eigene Satzung hinwegsetzen. Würde das Gremium Gräfers Ratschlag folgen und eigenmächtig zu einer hybriden Versammlung einladen, wären sämtliche dort getroffenen Beschlüsse und Wahlen juristisch anfechtbar und im schlimmsten Fall nichtig.

Warum es beim BVB ging und bei uns nicht

Es liegt nahe zu vermuten, woher dieser Irrtum stammt. Im März 2023 hat der Gesetzgeber das Bürgerliche Gesetzbuch (§ 32 Abs. 2 BGB) reformiert. Seitdem dürfen Vereinsvorstände tatsächlich hybride Versammlungen einberufen, ohne dass dies explizit in der Satzung erlaubt sein muss. Auf genau diesen Paragraphen hat sich beispielsweise Borussia Dortmund berufen, als der Vorstand des BVB e.V. eine hybride Versammlung ansetzte.

Warum ging das in Dortmund, aber nicht bei uns? Die gesetzliche Erleichterung aus dem BGB greift nur dann, wenn die vereinseigene Satzung nicht ausdrücklich etwas anderes vorschreibt.

In der Satzung des BVB fehlte ein explizites Verbot digitaler Formate – es gab dort schlicht keine Festlegung auf eine zwingende „Präsenzveranstaltung“. Bei den Löwen hingegen blockiert die klare Formulierung in Ziffer 10.1 den Weg über das BGB. Was beim BVB ein legaler Vorstandsbeschluss war, wäre bei Sechzig ein klarer Satzungsbruch.

Die Geschichte der abgelehnten Anträge

Dass die Hürden für eine hybride MV hoch sind, ist kein Geheimnis. Wer in den letzten Jahren regelmäßig im Zenith war, kennt das Ritual. Anträge auf die Einführung von Online- oder Briefwahlen gehören bei Sechzig fast schon zur Tradition.

All diese Vorstöße sind bisher krachend gescheitert.  Es entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie, dass die Antragsteller, die vehement eine Erleichterung der Stimmabgabe forderten, teilweise nicht einmal selbst vor Ort erschienen sind, um ihre eigenen Anträge am Mikrofon zu verteidigen.

Warum eigentlich die Skepsis?

Dass eine hybride Versammlung so beharrlich abgelehnt wird, liegt nicht an bloßer Technologiefeindlichkeit, sondern an handfesten Bedenken, die immer wieder vorgetragen werden:

  • Die Kostenfrage: Eine rechtssichere, synchronisierte und manipulationsfreie hybride Abstimmungssoftware für tausende Mitglieder ist immens teuer. Wir sprechen hier schnell von mittleren fünfstelligen Beträgen pro Versammlung.
  • Technik und Rechtssicherheit: Server können überlasten, Streams abbrechen. Wenn auch nur ein Bruchteil der digitalen Wähler von technischen Problemen betroffen ist, drohen Anfechtungsklagen.
  • Die Gefahr ferngesteuerter Mehrheiten: Eine Präsenz-MV hat einen entscheidenden, natürlichen Filter: Wer in der Halle abstimmt, muss Zeit und oft auch Geld für die Anreise investieren. Das tun in der Regel nur Menschen mit einem echten emotionalen Bezug zum Verein. Bei einer reinen Online-Wahl sinkt diese Hürde auf null. Kritiker befürchten massiv, dass finanzstarke oder interessengesteuerte Akteure massenhaft (passive) Mitglieder rekrutieren könnten, um sie gezielt für Abstimmungen zu mobilisieren. Diese Personen könnten bequem vom Sofa aus als reines Abstimmungsinstrument fungieren, ohne jemals eine echte Bindung zu Sechzig aufgebaut zu haben. Eine Art „feindliche Übernahme“ der Vereinsgremien per Mausklick wäre so deutlich leichter zu orchestrieren.

Eine Frage der Mehrheiten, nicht des Präsidiums

Martin Gräfer hat völlig recht damit, dass eine Diskussion über die Zukunft und die Formate unserer Versammlungen wichtig ist. Es steht jedem Mitglied frei, für eine Satzungsänderung zu werben.

Aber dieser Diskurs muss ehrlich und auf Basis der rechtlichen Realität geführt werden. Zu suggerieren, das Präsidium müsse einfach nur „wollen“ und könne die hybride Versammlung im Alleingang beschließen, schürt falsche Erwartungen und lenkt den Unmut in eine völlig falsche Richtung. Wer die hybride MV bei Sechzig will, muss keine Präsidiumsbeschlüsse fordern. Er muss den mühsamen Weg durch die Instanzen gehen: Einen satzungsändernden Antrag stellen und dann – bei einer Präsenzveranstaltung! – 75 Prozent der anwesenden Mitglieder davon überzeugen. Das nennt man Demokratie.