Der TSV 1860. Leider mal wieder zum schämen
Als Fan des TSV 1860 ist man leidgeprüft. Hohn und Spott können dem Löwenfan im Regelfalle nichts anhaben. Löwenanhänger sind Stolz, von Natur aus. Mit erhobenem Haupt schreitet man auch dann in weiß-blau durch die Stadt, wenn der eigene Verein gerade mal wieder verloren hat oder sogar abgestiegen ist. „Jetzt erst Recht“ ist meistens das Motto der Stunde. Und natürlich: „Einmal Löwe – immer Löwe“.
In diesen Tagen muss man sich leider zunehmend wieder einmal schämen. Nicht dafür, dass man Löwenfan ist, Gott bewahre. Sondern für die Außendarstellung des TSV. Damit meinen wir ausdrücklich nicht die wenig ansehnlichen zweiten 45 Minuten des gestrigen Spieles. Die waren nur ein Symptom eines Stachels, der deutlich tiefer im Fleisch des Löwen sitzt.
Kommunikation via Instagram Storys. Wer bitte macht so etwas?
Instagram. Ein Medium in dem üblicherweise Bilder von Tieren, von gelungenem Essen oder schöne Schnappschüsse aus dem Urlaub geteilt werden. Natürlich auch Bilder von Fankurven. Emotionen. Meistens für Teenager und Heranwachsende.
Um diese Zielgruppe noch länger an Instagram zu fesseln, hatte Mark Zuckerberg irgendwann die geniale Idee, dort „Storys“ zuzulassen. Dort werden üblicherweise Bilder, kleine Videos und Augenblicke geteilt, die nicht gut genug für den regulären Instagram-Feed sind.
Teenager verstecken dort subtile Botschaften, z.B. wenn sie Liebeskummer haben. Oder pubertäre Wutausbrüche. Gangsta-Rapper dissen/pissen sich dort gegenseitig (an). Um ihre Männlichkeit in den sozialen Medien zu beweisen.
Mittendrin statt nur dabei: Ismaiks Statthalter und (leider) Repräsentant des TSV 1860: Anthony Power
Zwischen hüpfenden Tieren, heulenden pickeligen Gören und Gangstern aus deutschen Reihenhaussiedlungen findet man dort derzeit einen Mann besonders aktiv. Anthony Power.
Dass er dort Bilder von sich und seinem Sohn oben ohne im Fitnessstudio postet oder seinem trainierten Oberarm, kann man bei einem Geschäftsführer schon merkwürdig finden. Die Grenze des guten Geschmacks eindeutig überschritten und zum Fremdschämen sind jedoch die Stories.
Nicht zum ersten Mal: Power auf Instagram – Kriegsfuß
Kommt uns das nicht bekannt vor? Im Herbst letzten Jahres war er dort schon einmal äußerst aktiv. Damals dürfte es in Richtung aktive Fanszene gegangen sein, was er in den sozialen Medien von sich gab. Das wurde schon damals von den Medien dankbar aufgenommen. Als er davon fabulierte, „Scheiße die Toilette herunter zu spülen. Nicht mit ihr zu spielen“ (tz). Oder von einer Bestie schrieb, vor der man sich fürchten müsste.
Anthony Power erneut mit kryptischer Botschaft auf Instagram
Neue Qualität: Adressat dürfte wohl die sportliche Geschäftsführung des TSV 1860 sein
Nun hat sich Power für seine Botschaften einen neuen Adressaten gesucht. Nicht wenige vermuten, dass diesmal Günther Gorenzel der Empfänger der Botschaften sein soll.
Die Freitags-Botschaft die er abschickte war ein Bild mit folgendem Text:
“Some men have thousands of reasons why they cannot do what they want to, when all they need is one reason why they can”. Frei übersetzt: “Manche Menschen haben Tausende Gründe, warum sie etwas, das sie gerne tun würden, nicht tun können. Dabei ist alles, was sie brauchen, nur ein Grund, um es tun zu können.”
Zu dem Bild mit dem Spruch schrieb er: “Just do your job and stop telling lies and making excuses”. Frei übersetzt: “Mach einfach deinen Job anstatt Lügen zu erzählen und Ausreden zu suchen.” Dazu ein Lied mit dem Titel “Stop bitching, do something” (auf deutsch: “Hör’ auf rumzuzicken und tu’ etwas”).
Am gestrigen Tag, kurz nach dem Spiel dann die nächste Botschaft:
Wieder kam ein Bildchen auf Instagram. Der bedeutungsschwangere Text: “The biggest failure of leadership is the failure to foresee”. Das bedeutet frei übersetzt etwa: “Das größte Führungsversagen ist fehlende Weitsicht.” Dazu wieder ein Lied, diesmal mit dem Titel “Mysterious Experiments”, also “Mysteriöse Experimente”.
Die Abendzeitung spekuliert, dass Gorenzel der Adressat sein soll. Die Medien nehmen das dankbar auf. Für die Außendarstellung des TSV 1860 ist das natürlich wieder einmal katastrophal. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen. Der TSV 1860 ist einer der größten Traditionsvereine in Deutschland. Zugleich eine KGaA mit einem annähernd zweistelligem Millionenumsatz.
Hüter der Markenrechte. Aber was macht er mit der Marke?
Power ist als Geschäftsführer der Fanartikel GmbH ja der oberste Hüter der Markenrechte. In dieser Funktion hat er keine Probleme damit, Löwenfans zu verklagen, die diese Rechte vermeintlich verletzten.
Zugleich kommuniziert er über die sozialen Medien wie ein bockiger Teenager und greift – nach Ansicht der Medien – den Geschäftsführer der KGaA öffentlich an. Ob das die Marke „TSV 1860“ stärkt oder eher schädigt, soll jeder für sich selber beantworten. Wir sind ja keine Markenrechtler.
Aber als Löwenfans schämen wir uns für diese Art und Weise der Kommunikation. Mal wieder.
Günther Gorenzel folgt lieber Arnold Schwarzenegger
Der (vermeintliche) Adressat der Botschaft hätte diese auf Instagram selber übrigens gar nicht entdeckt. Er folgt dort nur ausgesuchten 32 Instagram – Konten. Das Konto von Anthony Power ist nicht dabei.
Gorenzel folgt lieber Arnold Schwarzenegger oder Wladimir Klitschko. Die beiden sind übrigens der Beweis dafür, dass man es als Muskelpaket auch außerhalb des Kraftraumes durchaus zu etwas bringen kann.