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Groundhopping Mazedonien: Mazedonien U21 – Nordirland U21, 2016

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Groundhopping Mazedonien: Mazedonien U21 – Nordirland U21 2:0, 6.09.2016, National Arena Tose Proeski in Skopje

Zwei Wochen bin ich mit meiner Partnerin im September 2016 durch den Balkan getourt. Nach der kosovarischen Hauptstadt Pristina, sollte die mazedonische Hauptstadt Skopje das nächste Ziel sein. Ein Spielbesuch war zunächst gar nicht geplant. Also kein “Groundhopping Mazedonien”.

Zwar sollte die U21 Mazedoniens ein Länderspiel gegen Nordirland austragen, aber über die üblichen Quellen war nicht heraus zu bekommen, wann das Spiel stattfindet, und in welchem Stadion.

Der Spielbesuch: Mazedonien U21 – Nordirland U21

Umso erstaunter war ich, als ich bei der Einfahrt nach Skopje mit dem Überlandbus das beleuchtete Nationalstadion auf der anderen Flussseite gesehen habe. Auf Rückfragen wurde mir dann tatsächlich bestätigt, dass das Spiel dort stattfindet, und auch noch nicht begonnen hatte. Meine Partnerin hat also mit dem Gepäck ein Taxi ins Hotel genommen, während ich mit Taxi Nummer 2 zum Stadion gefahren bin, welches ich knapp 20 Minuten nach Anpfiff erreicht habe. Überraschende 5.000 Mazedonier haben sich im weiten Rund der Philip-II-Arena eingefunden, und schwenkten scharenweise die Nationalflagge Mazedoniens, sowie den „Stern von Vergina“. Dazu später mehr.

Das Fussballspiel

Taktisch waren die Mazedonier ziemlich überlegen. Zumindest glaube ich das, bzw. glaube ich, dass mir das der nette kleine Mann aus Skopje in seiner Landessprache erklären wollte, während er mir Sonnenblumenkerne auf meine neuen Pumasneakers spuckte. Auf jeden Fall gewann sein Team mit 2:0, sodass er mich zweimal herzlich erdrückte. Zum Ende des Spiels hatte ich einen neuen Freund und einen 3 Kilometer langen Heimmarsch durch die dunkle Nacht ins Hotel in einer Stadt, in der ich bis dahin außer dem Stadion noch nichts gesehen hatte.

Die Stadt Skopje

Bei Tag hingegen erscheint Skopje ziemlich imposant: Eher durch „Zufall“ ist die Stadt nach dem Zerfall Jugoslawiens zu einer Hauptstadt geworden, und errichtet nun allerhand Denkmäler, um seine Unverzichtbarkeit in der Balkanregion darzustellen. In welcher durchaus noch Konfliktpotential zwischen den einzelnen Staaten herrscht. Den Spagat zwischen den orientalischen und westlichen Einflüssen schafft die Stadt ziemlich gut, wenngleich auch das Piratenschiff auf dem wasserarmen Fluss Vardar und die pompösen Parlaments- und Bankgebäude ziemlich skurril rüberkommen.

Geschichtliches

Springen wir noch einmal kurz zum “Stern von Vergina”: Dieser stellt das Symbol Gesamtmazedoniens („Makedonien“) dar, also auch der in Griechenland liegenden Regionen. Die Griechen wollen davon aber nichts wissen, und reagieren darauf stets allergisch. In letzter Konsequenz musste sich auch Mazedonien vergangenes Jahr in Nordmazedonien umbenennen, um in der EU überhaupt als Gesprächspartner anerkannt zu werden. Gut, soviel zum Geschichtlichen…

Das Spiel der deutschen Nationalmannschaft in Nordmazedonien / Skopje

Das Spiel der deutschen Elf im Oktober wird in oben genannten Stadion stattfindet, auch wenn es mitterweile Arena Tose Proeski heißt. 2017 fand hier auch das UEFA-Supercup-Finale zwischen Real und ManU statt. Wir hoffen sehr, dass Corona bis Oktober das Reisen wieder zulässt, denn nachdem ich das letzte mal 20 Minuten vom Spiel verpasst habe, würde ich hier gerne nochmal her, und auch das billige Bier genießen. Außerdem gibt es noch 2-3 Sehenswürdigkeiten, die hier noch auf meiner Liste stehen.

Aktuell kann man bereits bzw. noch sehr günstige Flüge buchen. Dazu mehr beim Reisetipp für Skopje.

Top-Sehenswürdigkeiten: Tagesausflug ab Skopje zum Matka-Stausee mit Weinkeller und Tropfsteinhöhlen
Top-Restaurant:
Nicht eines, sondern unzählige Balkan-Grills im Viertel des Alten Basars
Nachtleben:
Wenn man schonmal am Basar ist, dann bietet sich die Kneipentour geradezu an.
Übernachtungstipp:
Da muss ich leider passen, mein Hostel von 2016 hat mittlerweile geschlossen.
Anreisetipp:
Die ungarische Billigairline bietet 2x die Woche Flüge von Memmingen nach Skopje, oder ins 90km entfernte Pristina an. Ideal für das Länderspiel Nordmazedonien – Deutschland

(Bilder: Nationalstadion Skopje von innen und außen – Fluss Vardar mit Archäologischem Museum und Piratenschiff – Statue von Alexander dem Großen)

Stefan M. reist viel, am liebsten in Verbindung mit Fussball. Eine kurze Vorstellung von ihm findet ihr hier.

SV Meppen 1912 im Fokus: der kommende Gegner in der TAKTIKTAFEL

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Duisburg TSV 1860 Taktiktafel Bernd Winninger
Die TAKTIKTAFEL von sechzger.de

Ein herzliches Grüß Gott zur TAKTIKTAFEL vor dem Heimspiel unseres TSV 1860 München gegen den SV Meppen 1912.

Der Rückrundenauftakt gegen den SV Meppen steht unter gänzlich anderen Vorzeichen als das Spiel zu Saisonbeginn im Emslandstadion. Waren wir abgesehen von den Spielen im Toto- respektive DFB Pokal vorher noch ohne konkrete Standortbestimmung mit eher gemischten Gefühlen nach Niedersachsen gereist, sind die Löwen in diesem Spiel nach zuletzt vier Siegen und einem Unentschieden sowie elf Punkten Vorsprung in der Tabelle zumindest auf dem Papier klarer Favorit. Zudem fällt beim SVM die etatmäßige Nummer eins Luca Plogmann mit einem Patellasehnenriss aus. Sind die Löwen wirklich klarer Favorit oder trügt uns der Schein?

Torsten Frings war als Spieler in der Bundesliga beim SV Werder Bremen, Borussia Dortmund und den ungeliebten Nachbarn von der Säbener Straße aktiv. Er ist bei seiner zweiten Station als Cheftrainer nach anfänglichem Stotterstart, der das Team von der Ems am zwölften Spieltag sogar auf den letzten Tabellenplatz führte, mittlerweile auf dem aufsteigenden Ast angelangt. In der Phase vor der kleinen Winterpause fuhr seine Mannschaft in sieben Partien dreizehn Punkte ein. Nach der Pause stehen nun ein Sieg und zwei Niederlagen (davon eine aus einem Nachholspiel) zu Buche. Der Stachel nach der jüngsten Niederlage gegen Duisburg dürfte allerdings tief sitzen. Bei klaren Ballbesitzvorteilen und 69 Vorstößen bis ins letzte Drittel des Gegners musste man sich trotzdem mit 0:1 geschlagen geben.

Die Hinrundenstatistik des SV Meppen 1912

  • Ballbesitz 45:55
  • Passqouote 79%
  • Flankengenauigkeit 32,7%
  • Defensive Zweikampfquote 59,2%
  • PPDA (zugelassene Pässe pro Defensivaktion) 14,51

Wie spielt der SVM?

Meppens Trainer Frings bevorzugt ein eher defensiv ausgerichtetes 4-2-3-1, bei dem einer der beiden Sechser bei eigenem Ballbesitz weiter ins zentrale Mittelfeld vorschiebt und der Flügelspieler auf der schwachen (ballfernen) Seite bei Angriffen über die Außenpositionen meist als hängende Spitze ins Sturmzentrum einrückt. Somit verschiebt sich das 4-2-3-1 zu einem 4-1-3-2. Beim Aufbau von Angriffen durch die Mitte schieben beide Mittelfeldaußen nach vorne und im letzten Drittel oft bis ins Zentrum. In der Mittelfeldzentrale bildet sich eine asymmetrische, vertikale Achse, die dem Spiel nach vorn eine starke Dynamik verleihen kann.

Gegen den Ball kann der SV Meppen mit den beiden Sechsern eine sehr kompakte Formation vor dem eigenen Strafraum bilden. Wenn sich beide Mittelfeldflügel ebenfalls auf die Höhe der Sechser oder leicht davor fallen lassen, wird es schwer für die Gegner in die Box einzudringen. Die Pressinglinie setzen die Meppener generell nicht allzu hoch an. Das bringt dem Gegner einerseits Raum beim Spielaufbau in der eigenen Spielfeldhälfte, sorgt andererseits jedoch für ein sehr enges Mittelfeld und somit wenig Bewegungsspielraum in der Offensive vor der Defensivlinie.

Die mittlerweile sehr diszipliniert spielenden Meppener lassen sich dabei zu wenig Fouls hinreißen, die zu Freistößen in aussichtsreichen Positionen für den Gegner führen könnten. Wenn man Foul spielen muss, bevorzugt die Mannschaft von Torsten Frings eher das den gegnerischen Aufbau störende taktische Foul als das riskante Foul in eigener Strafraumnähe.

Stärken und Schwächen des 4-2-3-1

Das 4-2-3-1 begegnet uns mittlerweile zum 6. Mal in dieser Saison, von daher führe ich die Stärken und Schwächen diesmal nur als Stichpunkte auf. Wer es ausführlicher haben möchte, den verweise ich auf die TAKTIKTAFEL gegen Wehen Wiesbaden. Das war der letzte Gegner, der versucht hat, uns mit dieser Taktik in die Schranken zu weisen.

Stärken:
  • kompakt im Zentrum und vor der Box gegen den Ball
  • auch gegen Systeme mit mehr als einem Stürmer sicher
  • variabel beim Spielaufbau
  • offensiv schwer ausrechenbar
Schwächen:
  • Anfällig und laufintensiv gegen variables Flügelspiel mit Seitenwechsel
  • in der Offensive ist viel Mittelfeldunterstützung für den Stürmer nötig um Gefahr zu kreieren

Die Schlüsselspieler

Erik Domaschke (#32) ist seit Luca Plogmanns Verletzung wieder in den Kader gerückt und Stammtorhüter der Emsländer. Er ist ein Sicherheit ausstrahlender 35-jähriger Haudegen, dem kaum Fehler unterlaufen. Seine Rückkehr zwischen die Pfosten hat die mit Bünning (#19) und Osée (#4) relativ unerfahrene Innenverteidigung deutlich stabilisiert.

Hassan Amin (#7): Der sehr offensiv ausgerichtete linke Außenverteidiger ist an 20% aller Tore der Meppener direkt beteiligt. Seit seiner roten Karte im Hinspiel tritt er äußerst diszipliniert auf, spielt kaum Foul und hat im weiteren Saisonverlauf bisher nur dreimal die gelbe Karte gesehen.

Willi Evseev (#14): Der über einen Großteil der Hinrunde verletzte kreativere Spieler auf der Doppelsechs kommt aus der Tiefe und hat bei vielen der ausgespielten Angriffe der Meppener mehr als nur einen Ballkontakt. Sowohl bei der Spieleröffnung als auch für den Pass ins letzte Drittel steht er meist parat.

Luka Tankulic (#10) ist mit allen Freiheiten ausgestattet und lenkt als kreativer Außenspieler oder in der offensiven Mittelfeldzentrale im Wechselspiel mit Marcus Piossek (#11) die Geschicke der Meppener im Angriff. Er ist mit fünf Scorerpunkten bisher zwar weder als direkter Vorlagengeber (2) noch als Torschütze (3) groß in Erscheinung getreten, sorgt jedoch mit seinen Dribblings oft für Gefahr und Unruhe in den gegnerischen Hintermannschaften. Er ist mit diesen Aktionen – auch wenn er nur den drittletzten oder vorletzten Pass vor einer Torchance spielen kann – der wichtigste Offensivspieler bei den Meppenern.

Tom Boere (#9): Der von Türkgücü an die Ems gewechselte niederländische Stürmer hatte während seiner Zeit in München Tormaschine Sliskovic vor der Nase und es deshalb dort nur zu neun Einsätzen für die Perlacher gebracht. Seit seinem Wechsel zum SV Meppen ist er dort im Sturmzentrum gesetzt. Tore für den neuen Arbeitgeber sind allerdings noch Fehlanzeige. Bei TGM kam er in den wenigen Spielen, die er bestritt, auf drei Treffer und zwei Vorlagen.

Fazit

Mit Erfolgen gegen Spitzenmannschaften in der jüngsten Zeit (z.B. Saarbrücken oder Ingolstadt), aber auch bitteren Niederlagen gegen diverse Tabellennachbarn im Rücken, kommt der SV Meppen zum Duell mit den Löwen nach Giesing. Man darf die Mannschaft von Torsten Frings auf gar keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen. Denken wir nur einmal an das Hinspiel zurück. Der kommende Gegner hätte uns da nach der Halbzeitpause für schlampiges Spiel deutlich bestrafen können. Nichtsdestotrotz haben wir 3:1 gesiegt. Ein Sieg zum Rückrundenauftakt ist Pflicht, will sich die Mannschaft von Michael Köllner weiter oben festbeißen. Dass der TSV 1860 München gegen jede Mannschaft eine Chance hat zu bestehen, hat die Hinrunde deutlich gezeigt.

Innenverteidiger mit elf verlorenen Zweikämpfen in fünf Spielen

Die Luxusprobleme bei der Auswahl für die Startaufstellung sind zwar durch den bitteren Ausfall von Quirin Moll für Michael Köllner etwas weniger geworden, dennoch darf man gespannt sein, ob Dressel mal wieder zu einem Startelfeinsatz kommen wird oder ob der nach Gelbsperre wieder spielberechtigte Greilinger für Lex in die Anfangsformation rücken kann. Des Weiteren stellt sich in der Innenverteidigung die Frage: Salger oder Erdmann neben Belkahia? Der junge Semi dürfte nach den grandiosen Spielen seinerseits mit 78% erfolgreichen Aktionen insgesamt, 91% Passquote, 21 abgefangenen Bällen und vor allem nur elf verlorenen Defensivzweikämpfen in fünf (!) Spielen gesetzt sein. Kaderbreite müssen wir an dieser Stelle weiterhin nicht diskutieren.

Ich gehe davon aus, dass am Sonntag eine heiße, hochmotivierte Mannschaft des TSV 1860 München auf dem Platz steht, die den Emsländern ihre Grenzen aufzeigt und die Punkte in Giesing behält. Trainer Michael Köllner wird das richtige taktische Rezept dafür parat haben. Sind wir gespannt, wie die Mannschaft es umsetzt. Die grundsätzliche taktische Ausrichtung des TSV 1860 München erklären wir in unserem TAKTIKTAFEL Lexikon.

Datenquelle: http://www.wyscout.com/

Diese Aufstellung erwarte ich vom SV Meppen 1912

Aufstellung SV Meppen 1912
So tritt der SV Meppen voraussichtlich morgen an

TAKTIKTAFEL Lexikon: Die Defensive bei Michael Köllner

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Duisburg TSV 1860 Taktiktafel Bernd Winninger
Die TAKTIKTAFEL von sechzger.de

Die Defensive im System von Michael Köllner

Grundsätzlich ist die defensive Ausrichtung einer Mannschaft immer davon abhängig, wie der Gegner offensiv erwartet wird. Es gibt aber einige Grundsätze, die bei Sechzig in der Defensive unter Michael Köllner immer gleich sind. Gegen den Ball verschiebt sich das 4-1-4-1 im letzten Drittel vor dem eigenen Strafraum zu einem 4-2-3-1. Sowohl der sogenannte Box-to-Box Mittelfeldspieler als auch der defensive Mittelfeldspieler nehmen dabei eine besondere Rolle ein, die ihnen einiges abverlangt.

Die Verteidigung im Überblick

Die Rollen von defensivem Mittelfeldspieler und Box-to-Box Spieler

In der Halbzentrale agierend lässt sich der Box-to-Box Spieler in die Tiefe fallen, wenn es gegen den Ball geht. Man sagt auch er kippt ab. Dadurch unterstützt er den defensiven Mittelfeldspieler bei der Balleroberung. Der Box-to-Box Spieler versucht vor allem über die Abdeckung von Freiräumen und seinem guten defensiven Stellungsspiel in Passwege einzulaufen und Bälle abzufangen.

Im Gegensatz dazu sucht der defensive Mittelfeldspieler eher den Kampf Mann gegen Mann. Allerdings geschieht dies nicht ad hoc, sondern bedingt durch Pressingaufgaben mit langsamen Fallenlassen immer knapp hinter die Linie, auf der sich gerade der Ball befindet. Im Zusammenspiel mit der Viererkette bildet das vor dem eigenen Strafraum eine sehr kompakte Formation und lässt dem Gegner wenig Freiraum, um Chancen zu kreieren. Bestenfalls gelingt das Eindringen in das letzte Drittel überhaupt nicht. Dafür sorgt in der Defensive von Michael Köllner das aggressive, hohe Pressing der Löwen, welches der Gegner bis dorthin überwinden muss. Das bringt die Spieler des TSV oft schon früh wieder in Ballbesitz.

Was machen die Außenverteidiger?

Zusätzlich zum zurück fallenden Box-to-Box Spieler schiebt bei gegnerischen Angriffen über die Flügel ein Außenverteidiger mit auf die Höhe des defensiven Mittelfeldspielers. In der dann entstehenden Dreierkette auf der Defensivlinie verschieben sich die Innenverteidiger und der Außenverteidiger auf der schwachen Seite leicht horizontal in Richtung attackierte Seite. Auf der schwachen Seite schirmt der Mittelfeldaußen leicht vor der Kette positioniert gegen Seitenwechsel ab.

Das Pressing in der Defensive bei Michael Köllner

Grundsätzlich kann beim 4-1-4-1 überall auf dem Spielfeld die Pressinglinie gesetzt werden. Tendenziell geht im modernen Fußball der Trend aber dahin, den Gegner immer hoch anzulaufen.

Wie soll vorgegangen werden?

Der Spieler, der dem Ball am nächsten ist, läuft den Ballführenden aggressiv an. Der Rest der Mannschaft verteidigt den zugeteilten Raum. Hierbei ist es wichtig, dass sie nicht zu nah, aber auch nicht zu weit vom Gegenspieler entfernt stehen. Einerseits könnten bei Fehlern im Stellungsspiel schnelle gegnerische Spieler leicht Raum gewinnen und steil angespielt werden. Andererseits könnten sie durch den angebotenen Raum direkt einen Pass bekommen, der dann zu Verschiebungen in der Pressingformation führt. Das wiederum eröffnet anderen Gegenspielern Räume.

Beim TSV 1860 München sieht das meist so aus, dass der Stürmer zuerst ein wenig tiefer steht und den defensiven Mittelfeldspieler abschirmt. Das provoziert den Spielaufbau über die Innenverteidiger. Gelingt das, versucht er den ballführenden Innenverteidiger bei der Spieleröffnung durch sichelförmiges Anlaufen von innen zum Spiel auf einen Flügel zu zwingen. Ist dieses Ziel erreicht, stellt der Stürmer den Raum zwischen den beiden Innenverteidigern zu, um Seitenwechsel oder andere Verlagerungen zu verhindern.

Andere Optionen für die gegnerische Mannschaft

Eventuell versucht der Innenverteidiger diese Situation durch ein erfolgreiches Dribbling gegen den anlaufenden Stürmer zu lösen. Falls der Stürmer den Zweikampf nicht gewinnt, muss er den Innenverteidiger auf jeden Fall verfolgen und weiter unter Druck setzen.

Holt sich der defensive Mittelfeldspieler selbst die Kugel und hält das Spiel doch im Zentrum, orientiert sich der Stürmer an ihm. Systematisch bleibt das Verhalten genauso als würde er einen Innenverteidiger anlaufen.

Die Mittelfeldspieler laufen ihre Gegenspieler direkt vertikal an, um sie unter Druck zu setzen. Selbst wenn es den Spielern nicht direkt im Zweikampf gelingt dem Gegner den Ball abzuluchsen, baut das Pressing so meist starken Druck auf die gegnerische Mannschaft auf. Das führt zu Fehlern im Aufbau der angreifenden Mannschaft.

Die Vorgehensweise mit zwei attackierenden Spielern

Auch Varianten mit zwei pressenden Spielern in vorderster Front haben wir schon öfter zu Gesicht bekommen. Bei diesen Varianten ist es das Ziel, das Spiel der gegnerischen Mannschaft gezielt auf einen bestimmten Spieler bzw. in einen bestimmten Bereich (Pressingfalle) zu lenken.

Erste Variante

Dabei schiebt in Variante eins zusätzlich zum Stürmer einer der äußeren Mittelfeldspieler, bei uns meistens Stefan Lex, in die vordere Pressinglinie. So werden beide Innenverteidiger zugestellt. Der ballführende Spieler wird ebenfalls in einem Bogen hoch angelaufen. Sobald die Richtung des Angriffs dann klar ist, verschieben die verbliebenen verteidigenden Mittelfeldspieler auf diese Seite und machen den Raum dort eng (Verdichtung). Der Spieler, der die starke Seite in vorderster Front angelaufen hat, lässt sich dann in diese Dreierkette zurückfallen. Das ermöglicht dem Box-to-Box Spieler das Verschieben nach hinten.

Bei dieser Art des Pressings sollen lange Bälle provoziert werden. Im Idealfall werden diese Zuspiele dann abgefangen. Sowohl bei vertikalem als auch diagonalem Spiel haben die tiefer stehenden Spieler der verteidigenden Mannschaft hier genügend Zeit sich so zu positionieren, dass der Raum für den Passempfänger so eng wird (Pressingfalle), dass er selbst sowohl bei der Verarbeitung als auch beim Passspiel wenig Zeit hat, Kontrolle ins Spiel zu bringen.

Variante zwei

Die zweite Variante im Pressing mit zwei “Stürmern” der Löwen ist ähnlich der ersten. Der Unterschied liegt darin, dass der vertikale Spielmacher aus dem Mittelfeld verzögert mit in die vordere Pressinglinie schiebt. Begonnen wird diese Pressingtaktik wie die anfangs beschriebene mit nur einem Stürmer. Sollte es der ballführende Innenverteidiger jedoch schaffen, seinen Kollegen in der Innenverteidigung anzuspielen, rückt dann der vertikale Spielmacher ebenfalls mit sichelförmigem Laufweg in die Pressinglinie mit auf und läuft diesen an.

Der Stürmer wird sich auf der anderen Seite zwischen den Innenverteidiger und den Außenverteidiger stellen, um einen Aufbau über diesen Flügel zu verhindern. Wichtig dabei ist es dem ballführenden Innenverteidiger so viel Raum zu lassen, dass ihm immer noch die Drehung mit Ball ermöglicht wird. Nach der Drehung muss er sofort so unter Druck gesetzt werden, dass kein Pass ins Mittelfeldzentrum möglich ist. Die Mittelfeldaußen schieben gleichzeitig so auf die Außenverteidiger drauf, dass diese ebenfalls nicht anspielbar sind. Das zwingt nun den Innenverteidiger entweder zu einem langen Ball oder zum Rückpass. Der lange Ball wird dann auf eine Position erfolgen, die für den Passgeber zunächst als Freiraum erscheint. Falls alle Spieler der verteidigenden Mannschaft jedoch ihre Aufgaben richtig erledigen und ihre defensiven Laufwege in Abhängigkeit der Positionen der jeweiligen Gegenspieler richtig gestalten, ist der Passempfänger isoliert und kann sofort gedoppelt werden (Pressingfalle).

Weitere Teile des TAKTIKTAFEL Lexikons:

TAKTIKTAFEL Lexikon, die Spielerrollen in der Abwehr

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Duisburg TSV 1860 Taktiktafel Bernd Winninger
Die TAKTIKTAFEL von sechzger.de

Die Abwehr bei der Taktik von Michael Köllner

Im Folgenden erkläre ich, wer beim TSV 1860 welche Position einnimmt bzw. wer welche Rolle auf der jeweiligen Position einnehmen kann und was die Merkmale dieser Rollen sind. Je nach Aufgabenstellung, die gegnerabhängig sind, gehen diese Rollen für eine Position fließend ineinander über. Ich beginne mit der Abwehr und welche Rollen sich dafür in der Taktik von Michael Köllner finden.

Positionen und Rollen

Innenverteidiger

Spieler, die im Abwehrzentrum agieren, nennt man Innenverteidiger. Die meisten Teams spielen heutzutage mit vier Verteidigern (der sogenannten Viererkette). Hierbei agiert die Mannschaft mit zwei zentralen Verteidigern, den Innenverteidigern. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit mit drei oder auch nur einem Innenverteidiger zu spielen.

Der Innenverteidiger ist in der Regel ein großer, kopfballstarker, körperlich robuster Spieler. Er soll den Gegnern den Weg zum eigenen Tor versperren. Deshalb muss ein Innenverteidiger

  • zweikampfstark sein
  • über ein gutes Stellungsspiel verfügen und
  • eine gute Antizipation für sich entwickelnde Spielzüge und Laufwege der gegnerischen Mannschaft haben.

Die Kopfballstärke kommt nicht nur im eigenen Strafraum beim Abwehren von Flanken zum Tragen, sondern auch bei eigenen Eckbällen und Freistößen im gegnerischen Strafraum. Dort versuchen Innenverteidiger einen hohen Ball zum Mitspieler weiterzuleiten oder selbst per Kopfball Tore zu erzielen.

Ballspielender Innenverteidiger

Diese Rolle hat zusätzlich zu den normalen Aufgaben des Innenverteidigers ihren Fokus auf dem eigenen Aufbauspiel. Der Ballspielende Verteidiger soll bei eigenem Ballbesitz das Spiel kontrolliert aus der Abwehr aufbauen. Bei starkem Gegenpressing geschieht dies möglicherweise auch über einen progressiven Lauf mit dem Ball. Ihm werden im Spiel nach vorne gewisse Freiheiten eingeräumt, er verlässt dennoch sehr selten seine von der Taktik vorgegebene Position. In dieser Rolle haben diese Saison Stefan Salger, Quirin Moll und Semi Belkahia gespielt.

Destruktiver Innenverteidiger

Die Aufgabe dieser Rolle in der Innenverteidigung konzentriert sich auf Fehlervermeidung in der Defensive. Seine Aufgabe ist es, den Ball so weit wie möglich vom eigenen Tor fernzuhalten. Zur Not werden Befreiungsschläge angewendet oder auch ein Foulspiel gezogen, wenn alle anderen Mittel fehlschlagen, den Gegenspieler vom Ball zu trennen. Er verlässt seine taktische Position nur in Ausnahmefällen (z.B. bei Standardsituationen). Dennis Erdmann ist der Spieler, der perfekt in das Anforderungsprofil für diese Rolle passt.

Außenverteidiger

Die Außenverteidiger spielen in der Abwehrkette auf den Flügelpositionen. Ihre vornehmlichen Aufgaben im Spiel sind Flanken in den Strafraum oder Läufe mit Ball der gegnerischen Flügelspieler zu verhindern. Auch in der Spieleröffnung und in der Offensive spielen die Außenverteidiger beim TSV 1860 München eine tragende Rolle.

Der Außenverteidiger ist in der Regel ein technisch versierter und schneller Spieler, der sowohl im Offensiv- als auch im Defensivzweikampf Stärken zeigt. Ein hohes Maß an Ausdauer ist wegen der großen Laufintensität dieser Position unabdinglich. Auf der linken Seite können Phillipp Steinhart, Leon Klassen und Maxim Gresler zum Einsatz kommen. Marius Willsch und Ahanna Agbowo konkurrieren um die rechte Position.

Flügelverteidiger

Die Rolle des Flügelverteidigers ist eine Allround-Variante dieser Position. Sie bringt neben der Abwehrarbeit auch wichtige Offensivaufgaben mit sich. So muss ein Spieler in dieser Rolle sehr vielseitig sein. Der Flügelverteidiger beackert die komplette Außenbahn – offensiv wie defensiv. Sowohl seine Flanken als auch seine progressiven Läufe sind gute Waffen im Offensivspiel. Er kommt meistens in Systemen mit drei Mittelfeldspielern oder bei enger Rautenformation im Mittelfeld zum Zug. Beide nominellen Außenverteidiger in der Taktik Köllner nehmen diese Rolle ein, wenn das Spiel über das Zentrum aufgebaut wird. Das betrifft also sowohl Steinhart als auch Willsch oder deren jeweiliger Ersatz, falls sie nicht spielen können.

Offensiver Außenverteidiger

In den letzten Jahren bekommt diese Variante des Außenverteidigers eine tragende Rolle im Fußball. Zusätzlich zu seinen defensiven Aufgaben muss er für Unterstützung der Offensive sorgen. Im Zusammenspiel mit den Flügelspielern im Mittelfeld oder im Sturm sorgt er durch seinen Vorwärtsdrang für Stress bei den Gegenspielern. Hinterlaufen der Mitspieler bis hinein ins letzte Drittel sorgt für Überzahl in der Offensive und gibt dem Außenverteidiger die Möglichkeit, mit Flanken die Box zu penetrieren. Dies sind seine wichtigsten Offensivaufgaben. Diese Rolle wird beim Spielaufbau über die Flügel von dem Außenverteidiger eingenommen, über dessen Seite der Angriff läuft.

Defensiver Außenverteidiger

Der defensive Außenverteidiger wird hauptsächlich hinten agieren und dafür sorgen, dass er gegen den Ball hinter dem Spielgerät ist. Bei Ballbesitz wird er sich hauptsächlich in der eigenen Spielfeldhälfte befinden. Nichtsdestotrotz sollte er den Ball auch präzise nach vorne passen und gute, tiefe Flanken schlagen können. Defensive Zweikampfstärke und gutes Stellungsspiel sind seine wichtigsten Attribute. Bei Angriffen über einen Flügel nimmt der Außenverteidiger auf der schwachen (ballfernen) Seite diese Rolle ein.

Weitere Teile des TAKTIKTAFEL Lexikons:

TAKTIKTAFEL Lexikon: Die Offensive unter Michael Köllner

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Duisburg TSV 1860 Taktiktafel Bernd Winninger
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Die Offensive im System von Michael Köllner

Bei Ballbesitz wird in der Offensive im System von Michael Köllner sehr stark auf den einzelnen Positionen verschoben. Ein gutes taktisches Verständnis für die sich entwickelnden Spielsituationen ist hier bei allen sich an der Offensive beteiligenden Spielern gefragt.

Je nachdem wie der Angriff aufgebaut werden soll, schiebt mindestens einer der beiden Außenverteidiger mit nach vorne. Das führt in der Frühphase eines Angriffs zu einem Sechsermittelfeld. Bei richtiger Raumaufteilung (Laufwegen) kann immer eine Überzahl geschaffen werden. Die weiteren Verschiebungen sind eine Folge des Aufrückens des/der Außenverteidiger/s.

Angriffsaufbau über einen Flügel

Wird über einen Flügel angegriffen, rückt dort der Mittelfeld-Außenspieler vom Flügel auf die Halbposition nach innen. Das ermöglicht dem nach vorne drängenden Außenverteidiger das Hinterlaufen. Der Box-to-Box Mittelfeldspieler reiht sich in der Zentrale hinter oder neben dem nach innen rückenden Flügelspieler ein. Der vertikale Spielmacher schiebt sich halbzentral oder zentral hinter den Zielspieler. Der Flügelspieler auf der schwachen (ballfernen) Seite bleibt auf seinem Flügel, um bei zu starker Verdichtung in Ballnähe einen Seitenwechsel zu ermöglichen. Der defensive Mittelfeldmann bleibt ohne Ball tief, aber vor der Defensivlinie. Das sorgt für Absicherung oder ermöglicht bei einer Unterbrechung im Spiel nach vorne einen Rückpass.

Wenn das letzte Drittel vor dem gegnerischen Tor erreicht ist, folgen weitere Verschiebungen, die dann stark vom ballführenden Spieler abhängen.

Das Vorgehen im letzten Drittel

Geht der Außenverteidiger mit Ball nach vorne, so bleibt der Millelfeldflügelspieler als inverser Außenspieler auf der Halbposition leicht hinter dem Angriff zurück. Er kann dabei als Anspielstation dienen, falls sich der nach vorne drängende Verteidiger nicht durchsetzen kann und um gleichzeitig im Falle eines Ballverlustes abzusichern.

Sowohl der Box-to-Box Spieler als auch der vertikale Spielmacher rücken weiter ins Zentrum und auf einer Linie mit dem nach innen gezogenen Außenmittelfeldspieler nach vorne. Sie bleiben aber hinter dem Ball, um mögliche Abpraller zu verwerten oder bei Ballverlust sofort abzusichern. Der Außenspieler von der anderen Seite rückt als zweiter Stürmer vorne mit ein. Das nimmt defensiven Druck der Abwehrreihe vom Zielspieler. Gegebenenfalls kann der Außenspieler sogar selbst ein Tor zu erzielen.

Bringt der Mittelfeldflügelspieler den Ball ins letzte Drittel, bleibt der Außenverteidiger auf seiner Seite weiter zurückgezogen. Er wird sich in dem Fall selten direkt am weiteren Angriff beteiligen. In dem Fall schiebt sich der zentrale Mittelfeldspieler als hängende Spitze hinter den Zielspieler und der Flügelspieler auf der schwachen Seite rückt in die Halbzentrale. Damit obliegt die Abnahme von Abprallern und Absicherung bei Ballverlust dem Box-to-Box Spieler und dem nach innen gerückten Flügelspieler auf der schwachen Seite. So entsteht bei einem Angriff über die Flügel aus dem 4-1-4-1 im Idealfall ein 3-5-2 (genauer: 3-1-4-2). Dabei rückt entweder einer der beiden Mittelfeldaußen (Flügelstürmer/Raumdeuter) oder der vertikale Spielmacher als zweite Spitze (hängende Spitze) in den Sturm mit auf.

Aus einer Flanke entsteht ein 3-4-3

Eine weitere Variante von Angriffen über den Flügel in der Offensive bei Michael Köllner ist eine frühe, lange Flanke von außen ins Zentrum auf den Zielspieler. Dieser legt dann den Ball auf einen zentralen Mittelfeldspieler zurück. In der Folge entwickelt sich dann meist ein schneller, zentraler Angriff, bei dem die beiden Mittelfeldfügel gleichzeitig nach vorne schieben sowie nach innen ziehen. Aus dem 4-1-4-1 entsteht so mit Hilfe der beiden Außenverteidiger ein 3-4-3. Der Box-to-Box Mittelfeldspieler wird dann eher auf Absicherung und Unterstützung achten. Bevor man bei möglichen Kontern hinten zu offen steht, dringt man selbst lieber nicht zu weit in Richtung gegnerischer Box vor.

Angriffe über das Zentrum

Angriffe, die über die Mitte aufgebaut werden, haben ein etwas anderes Schema im Offensive-System bei Michael Köllner. Auch hier gibt es mehrere Varianten.

Wenn die Innenverteidiger oder der defensive Mittelfeldspieler den Aufbau in der Frühphase eines Angriffs durchs Zentrum übernehmen, versuchen die Löwen mit Hilfe von gut gestaffelten Passdreiecken die gegnerische Deckung im Mittelfeld auseinanderzuziehen und so Räume für einen der beiden zentral agierenden Mittelfeldspieler zu schaffen. Schnelle Pässe über mehrere Stationen sollen die verteidigenden Spieler aus ihrer Position bringen. Das schafft Platz, in dem dann Überzahl generiert werden kann. Die einzelnen Möglichkeiten sind hier sehr vielfältig. Die wichtigste Rolle bei diesen Angriffsversuchen fällt jedoch dem defensiven Mittelfeldspieler zu. Dieser muss anhand der Staffelung der Gegenspieler früh im Angriff entscheiden, ob dieser über die linke oder rechte Zentrale geführt werden soll. Eine weitere Möglichkeit ist der lange Ball auf den Zielspieler, der das Spielgerät dann bis zum Nachrücken vom Rest der Offensive verarbeitet und halten soll. Das ist manchmal eine ebenfalls lohnende Möglichkeit.

Sobald der Ball jedoch auf der Reise in Richtung gegnerischen Strafraum ist, bleibt der defensive Mittelfeldspieler auch bei diesen Situationen zurückhängend. Im Fall des Falles kann er im Verbund mit den beiden Innenverteidigern absichern. Denn auch bei Spielaufbau über die Mitte wird sich im System von Michael Köllner mindestens ein Außenverteidiger mit in die Offensive einschalten, um Überzahl im Mittelfeld garantieren zu können.

Die Optionen für den zentralen Mittelfeldspieler

Bekommt dann im Spiel über die Zentrale einer der beiden zentralen Mittelfeldspieler das runde Leder, muss er wichtige Entscheidungen treffen. Pass zum Mitspieler, progressiver Lauf oder langer Ball?

Der Pass als Mittel der Wahl

Bleibt das Spiel im Mittelfeld zentral und kurz, schieben die Mittelfeldaußen auf den Flügeln bis zur Defensivlinie des Gegners vor und leicht nach innen, um Räume für Pässe auf die vorrückenden Außenverteidiger zu schaffen. Die Außenverteidiger schieben aber auch mit nach vorne, um den defensiven Druck des Gegners aus der Zentrale auf den Flügel sowie ins vordere Drittel, wo die Mittelfeldflügelspieler zu Außenstürmern werden, zu verlagern. Der Gegner könnte andernfalls die Flügel im Mittelfeld unbewacht lassen. Ist der Ball schließlich im letzten Drittel angekommen, begeben sich beide Mittelfeldaußen als Stürmer auf die Halbpositionen vor oder in die Box. Auch hier wird das 4-1-4-1 in der Offensive zu einem 3-4-3.

Der progressive Lauf

Lautet die Entscheidung progressiver Lauf, wird der Ballführende bei Überspielen des direkten Gegenspielers in der Zentrale einen weiteren Gegenspieler auf sich ziehen. Dadurch entstehen wieder Räume für seine Kollegen. Kommt dann im richtigen Moment der richtige Pass auf einen Mitspieler, wird meist eine Situation geschaffen, in der mindestens zwei gegnerische Spieler der Situation hinterherlaufen. Auch hier wird meist ein 3-4-3 aus den 4-1-4-1 der Löwen.

Flanke auf den Zielspieler

Entscheidet sich der Spieleröffner für den langen Ball auf den Zielspieler oder wird der Angriff durch die Mitte in den vorab beschriebenen Situationen von einer im Zentrum kompakt stehenden Mannschaft auf einen Flügel gezwungen, geht es weiter wie im Abschnitt “Angriffsaufbau über einen Flügel” erklärt wird.

Dies sind nur die grundsätzlichen taktischen Ansätze wie der TSV 1860 München sein Spiel gestaltet. Mit jedem Ballkontakt und jeder Bewegung – offensiv oder defensiv – kommen Abspielvarianten hinzu, die nicht planbar sind, sofern man nicht mit der Gabe der Hellsicht beschenkt wurde. Deshalb ist es heutzutage sehr wichtig, dass alle Spieler taktisch bestens geschult sind. In allen heute gespielten Systemen und deren verschiedenen Varianten, sind Verschiebungen auf den Positionen essenziell. Bezeichnungen wie Box-to-Box Spieler, falsche Neun, Raumdeuter oder Schattenstürmer sind eine Folge dieser Entwicklung im modernen Fußball.

Weitere Teile des TAKTIKTAFEL Lexikons:

System von Michael Köllner: das TAKTIKTAFEL Lexikon

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System Michael Köllner
Michael Köllner, Trainer des TSV 1860 München

Das System von Michael Köllner

Seit Michael Köllner im November 2019 das Traineramt beim TSV 1860 München übernommen hat, sehen wir in fast jedem Spiel ein flexibles System. Mit diesem kann  die Mannschaft auf den jeweiligen Gegner reagieren. Je nachdem welche Grundformation der Gegner aufbietet und wie der Gegner selbst in dieser Formation verschiebt, ändern die Löwen taktisch ihre eigene Formation. Damit das auch gut funktioniert, bekommen die Spieler des TSV 1860 gewisse Rollen und nehmen diese auf ihrer Position in der Grundaufstellung ein. Die genaue Kenntnis der Aufgabenverteilung im Rahmen dieser Spielerrollen hilft jedem einzelnen Akteur sowohl beim Stellungsspiel gegen den Ball als auch in Ballbesitz die richtigen Laufwege zu finden.

Die Grundformation: 4-1-4-1

Grundsätzlich haben wir es bei dem System, das diese Saison gespielt wird mit einem 4-1-4-1 zu tun. Vor einer Viererkette mit offensiv ausgerichteten Außenverteidigern steht also ein defensiver Mittelfeldspieler. Davor wird eine flache Mittelfeldviererkette und nur eine Sturmspitze aufgeboten. Das Interessante an dieser vom 51-jährigen Michael Köllner gewählten Taktik ist die hohe taktische Flexibilität, die damit erreicht wird.

Die Hauptmerkmale des 4-1-4-1

Das 4-1-4-1 ist ein im Ansatz eher defensiv ausgelegtes taktisches System. Allerdings kann es durch seine Flexibilität auch in der Offensive große Durchschlagskraft entwickeln, wenn alle Spieler die ihnen gestellten Aufgaben akribisch und konsequent angehen und umsetzen. Außer für die Innenverteidiger ist das mit viel Laufbereitschaft auf fast allen Positionen verbunden. Vor allem der Achter, manchmal auch beide zentralen Mittelfeldspieler und die beiden Außenverteidiger spulen während der 90 Minuten mehr Kilometer ab als in den meisten anderen Systemen.

Die zwei Viererketten im 4-1-4-1 ermöglichen gute Orientierung für Spieler. Das gilt vor allem für gemeinschaftliches Handeln in notwendigen Spielsituationen. Sowohl beim offensiven Verschieben als auch bei der Wiedereinreihung in die Grundformation im Spiel gegen den Ball machen sich diese guten Orientierungsmöglichkeiten positiv bemerkbar.

Im 4-1-4-1 wird andauernd die moderne Maxime verfolgt, dass immer der ballnächste Spieler Druck gegen den Ball ausübt. Hohes Pressing regiert diese Formation. In der Offensive beruht eine Stärke des Systems von Michael Köllner in der Flexibilität durch Verschiebungen in den Ketten, um auf verschiedene Systeme umzustellen. Da das Spiel im 4-1-4-1 die Flügelverteidiger stark ins Offensivspiel mit einbezieht, besteht allerdings immer die Gefahr, bei Ballverlust auf den Flügeln zu offen zu sein.

Die Spielerpositionen und Rollen im System von Michael Köllner

Um maximal effektiv zu sein bekommen die Spieler vom Trainer gewisse Rollen/Aufgaben zugeteilt, die sie auf ihren jeweiligen Positionen einnehmen sollen.

  • Torwart
  • Linker, offensiver Verteidiger
  • zwei Innenverteidiger (2 ballspielende Verteidiger oder ein ballspielender Verteidiger und ein destruktiver Innenverteidiger)
  • Rechter, offensiver Verteidiger
  • defensiver Mittelfeldspieler
  • linker Mittelfeldspieler
  • zwei zentrale Mittelfeldspieler (Box-to-Box Mittelfeldspieler, vertikaler Spielmacher)
  • rechter Mittelfeldspieler
  • Stürmer (Zielspieler)

Die grundsätzliche Einleitung habe ich hiermit abgeschlossen und es folgen die weiteren Teile:

Alle Beiträge dieser Serie sind als eine Art Nachschlagewerk gedacht und verlinken wir in unserer neu angelegten Rubrik Taktiktafel.

 

TAKTIKTAFEL Lexikon, die Spielerrollen im Sturm bei Michael Köllner

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Duisburg TSV 1860 Taktiktafel Bernd Winninger
Die TAKTIKTAFEL von sechzger.de

Der Sturm bei der Taktik von Michael Köllner

Im Folgenden erkläre ich, wer beim TSV 1860 welche Position einnimmt bzw. wer welche Rolle auf der jeweiligen Position einnehmen kann und was die Merkmale dieser Rollen sind. Je nach Aufgabenstellung, die gegnerabhängig sind, gehen diese Rollen für eine Position fließend ineinander über. Dieser Artikel behandelt den Sturm, der primär natürlich Tore erzielen soll – auch bei Michael Köllner.

Mittelstürmer

Der Mittelstürmer spielt zentral vor dem gegnerischen Tor und hat vor allem das Ziel Tore zu erzielen. Kopfballstärke, Treffsicherheit, gute Technik und ein gewisses Maß an Grundschnelligkeit sind für diese Position immer gefragt.

Zielspieler

Der Zielspieler ist ein vielseitiger Stürmertyp, der nicht nur für das Toreschießen, sondern vor allem für die Ballkontrolle in der Spitze sorgen soll. Er ist einer der mannschaftsdienlichsten Stürmer. In Systemen, die auf einer schnellen Überbrückung des Mittelfelds basieren, ist er der Spieler, der aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit die Bälle festmacht und dann auf die nachrückenden Mittelfeldspieler ablegt. Anschließend bringt er sich selbst im Strafraum in Position. Funktioniert dies wie gedacht und er bekommt den Ball dann in der Spitze, soll er natürlich auch Tore erzielen. Unser Sascha Mölders ist der Prototyp des Zielspielers. Die Angriffe, bei denen er sowohl im Mittelfeld als auch im Strafraum zu Ballkontakten kommt, sind seit Michael Köllner die Löwen trainiert Lehrbuchszenen, wie man diese Rolle interpretieren muss. Auch Biankadi und möglicherweise Matthew Durrans könnten diese Rolle einnehmen.

Hängende Spitze

Wenn ein Spieler als hängende Spitze agiert, ist er das Verbindungsglied zwischen Mittelfeld und Sturm. Er kommt vor allem in Systemen mit Doppelspitze zum Einsatz, wenn kein echter offensiver Mittelfeldspieler aufgeboten wird. Er spielt also hinter der eigentlichen Sturmspitze und versucht unter anderem seinen Partner mit Bällen zu füttern. Zusätzlich zu den Grundvoraussetzungen der Stürmer sollte er also über ein gutes Passspiel und Dribbelstärke verfügen. Auch ein schneller Antritt ist von Vorteil, wenn das taktische Konzept diese Rolle für einen Stürmer vorsieht.

Im System Michael Köllner rückt der vertikale Spielmacher in gewissen Situationen in diese Position. Generell könnten Lex, Greilinger, Knöferl, Neudecker und Durrans als hängende Spitze spielen. Bei Sechzig wurde diese Rolle bisher allerdings nur aufgrund von Verschiebungen im Offensivspiel besetzt.

3.2. Außenstürmer

In der Grundformation kommt das System Köllner ohne Außenstürmer aus. Je nach Spielzug entwickeln sich aber Situationen auf dem Spielfeld, in denen die Mittelfeldaußenspieler zu Außenstürmern werden. Diese Situationen werden in den anderen Teilen des TAKTIKTAFEL-Lexikons erklärt.

Bei Systemen mit einer Dreierreihe im Sturm spielen neben einem Mittelstürmer zwei Außenstürmer, die sich mit ihren Qualitäten in den Angriff miteinbringen. Dabei wird immer der Außenstürmer auf der schwachen (ballfernen) Seite mit ins Zentrum einrücken um mehr Penetration zum Tor zu generieren und auch den defensiven Druck vom Mittelstürmer zu nehmen. Das verlangt von den Spielern, die als Außenstürmer eingesetzt werden, eine große Vielfältigkeit bezüglich des Anforderungsprofils. Sie müssen die Qualitäten eines Mittelfeldaußenspielers und eines Mittelstürmers vereinen, um wirklich effektiv sein zu können. Fabian Greilinger, Stefan Lex, Erik Tallig, Johann (Hansi) Djayo, Lorenz Knöferl und Neuzugang Merveille Biankadi sind die Spieler, die in den in anderen Teilen des TAKTIKTAFEL-Lexikons beschriebenen Situationen zu Außenstürmern werden.

3.2.1 Flügelstürmer

Der klassische Flügelstürmer ist sowohl Vorbereiter als auch Vollstrecker. Bei Angriffen über seine Seite wird er gesucht, um entweder Flanken in die Box zu bringen oder den Ball mittels Pass auf einen weiter im Zentrum agierenden Spieler weiterzuleiten. Die Rolle, die er tatsächlich einnimmt, hängt stark vom System ab. Im 4-3-3 wird er sich die Bälle oft schon im Mittelfeld holen und mit dem Außenverteidiger ein Flügelduo bilden. Diese unterstützen sich gegenseitig, um möglichst unberechenbar zu bleiben und sich bei den Flanken abzuwechseln. Beim 3-4-3 rückt er situationsbedingt auf die Halbposition im Sturm, um für den Flügelspieler im Mittelfeld genug Platz zu lassen. Dann wird mit Dribblings versucht, selbst in die Box zu gehen oder mit Pässen seine Sturmkollegen zu bedienen.

Bei Angriffen, die nicht über seine Seite laufen, rückt er wie oben erwähnt als zweite Sturmspitze ins Zentrum und versucht seine Torjägerqualitäten einzubringen. In der Arbeit gegen den Ball wird er in den meisten Systemen hauptsächlich im Forechecking frühe Pressingaufgaben nach Ballverlusten übernehmen. Es gibt jedoch auch taktische Ansätze wo sich ein Flügelstürmer weiter zurückfallen lassen muss und wie ein äußerer Mittelfeldspieler verteidigt.

3.2.2 Inverser Außenstürmer

Wie beim inversen Flügelspieler liegt seine Stärke darin das Spiel über seine Seite mehr in der Horizontalen und Diagonalen, anstatt wie sonst bei Außenspielern üblich in der vertikalen Bewegung zu gestalten. Im Zusammenspiel mit offensiv ausgerichteten Außenverteidigern gelingt es oft durch diese horizontal oder diagonal angelegten Läufe viel Raum zu generieren und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Zuordnungen in der defensiven Zentrale nicht mehr stimmen. Sowohl im 4-3-3 als auch im 3-4-3 kann er sinnvoll eingesetzt werden. Die Defensivaufgaben sind die Gleichen wie beim Flügelstürmer.

3.2.3 Raumdeuter

Der Raumdeuter ist der einzige Flügelspieler, bei dem Schnelligkeit nicht das A und O seiner Daseinsberechtigung darstellt. Sie trotzdem zu besitzen, schadet der Rolle allerdings nicht. Er lebt viel mehr davon intelligent in die Räume einzudringen, die seine Mitspieler für ihn schaffen. Einfache Pässe und unauffälliges Spiel hinterlassen bei seinen Gegenspielern und noch stärker bei den Zuschauern im Stadion häufig den Eindruck, der Raumdeuter hätte einen schlechten Tag oder wäre auf der falschen Position aufgestellt. Wenn er dann aufgrund seiner hohen Spielintelligenz und hohen Mobilität in entscheidenden Momenten plötzlich und unerwartet dort auftaucht wo ihn niemand erwartet um einen Angriff, sei es durch eine Vorlage oder einen Torschuss, zum Abschluss zu bringen, hat er sein Soll erfüllt.

Er braucht weder besondere Schnelligkeit noch eine gute Technik um seine Aufgabe zu meistern. Hohe Spielintelligenz, Pass- und Treffsicherheit sind für diesen Sonderling unter den Außenspielern wichtig. Gegen den Ball arbeitet auch er wie alle anderen Außenpieler vornehmlich durch die Wahrnehmung von Pressingaufgaben aber gerade wegen seiner hohen Mobilität kann er auch weiter hinten defensive Aufgaben übernehmen, wenn es die taktische Marschroute so vorgibt.

Mit der Ankunft von Merveille Biankadi hat der TSV 1860 einen Spieler bekommen, der auch diese Rolle einnehmen könnte. Im Spiel gegen den Fußballclub aus Harlaching wirkte es manchmal so, als interpretierte Biankadi seine Rolle im System als Raumdeuter.

Weitere Teile des TAKTIKTAFEL Lexikons:

System Michael Köllner: die Spielerrollen im Mittelfeld beim TSV 1860

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Duisburg TSV 1860 Taktiktafel Bernd Winninger
Die TAKTIKTAFEL von sechzger.de

Das Mittelfeld beim System von Michael Köllner

Im Folgenden erkläre ich, wer beim TSV 1860 welche Position einnimmt bzw. wer welche Rolle auf der jeweiligen Position einnehmen kann und was die Merkmale dieser Rollen sind. Je nach Aufgabenstellung, die gegnerabhängig sind, gehen diese Rollen für eine Position fließend ineinander über. Dieser Text beschäftigt sich mit dem Mittelfeld und wie Michael Köllner in seinem System dort spielen lässt.

Positionen und Rollen

Defensiver Mittelfeldspieler

Defensive Mittelfeldspieler sollen Angriffe bereits im Mittelfeld abwehren, den Ball in den eigenen Reihen halten können und nach Ballbesitzwechsel selbst Angriffe einleiten. Das Anforderungsprofil an einen defensiven Mittelfeldspieler kann je nach Rolle stark variieren. Gutes Stellungsspiel, gutes Passspiel, Kopfballstärke, gutes defensives Zweikampfverhalten und eine gute Ausdauer sind jedoch für diese Position wichtig. Daniel Wein, Quirin Moll und Dennis Erdmann sind die Protagonisten in diesem Mannschaftsteil. Marco Mannhardt steht als zusätzliche Option im defensiven Mittelfeld zur Verfügung. Bis jetzt ist er allerdings ohne Einsatz in der ersten Mannschaft.

Zurückgezogener Spielmacher

Der zurückgezogene Spielmacher ist ein defensiver Kreativspieler, der bei Ballbesitz die komplette eigene Offensive vor sich hat. Mit seiner guten Antizipation für sich entwickelnde Situationen leitet er die schnellen Angriffe der eigenen Mannschaft meist mit mittellangen Pässen (20 – 30 Meter) ein. Er bleibt ohne Ball eher tief, sodass er bei Ballverlust der eigenen Mannschaft zügig defensive Stabilität herstellen kann. Trotzdem genießt er gewisse Freiheiten, um zu improvisieren. In dem Fall wird für ihn ein anderer Kollege (beim TSV 1860 der Box-to-Box Spieler) aus dem Mittelfeld die Defensive absichern. Gegen den Ball spielt er im System Köllner dennoch eher mannorientiert, da die Raumdeckung im defensiven Mittelfeld der Box-to-Box Spieler übernehmen soll. Seine Spielweise eignet sich besonders für Systeme auf schnelle Überbrückung des Mittelfelds setzen. Sowohl Moll als auch Wein können diese Rolle einnehmen.

Ballerobernder Mittelfeldspieler

Der Abfangjäger oder auch Staubsauger genannte ballerobernde Mittelfeldspieler ist eine Rolle im defensiven Mittelfeld, für die eine überdurchschnittliche Kondition, hohe Grundschnelligkeit und schneller Antritt gepaart mit gutem defensivem Zweikampfvermögen unabdinglich sind. Er ist ein unangenehmer Spieler, der immer auf den ballführenden Spieler im Zentrum „drauf geht“. Hemmungen im Zweikampfverhalten sind ihm fremd. Er tackelt bei jeder Gelegenheit.

In Umschaltsituationen kann er aber je nach Aufgabenstellung auch den Weg mit nach vorne antreten, um sich entweder als Passempfänger anzubieten oder sich bietende freie Räume für tiefe Läufe mit Ball auszunutzen. Schüsse aus der zweiten Reihe und Pässe in die Schnittstelle gehören auch zu seinem Repertoire. In den meisten Fällen wird er aber tiefer stehen, um für Kompaktheit vor der eigenen Box zu sorgen. In der Spieleröffnung ist von einem Spieler in dieser Rolle nicht viel Kreativität zu erwarten. Kurze Pässe auf einen kreativeren Mitspieler sind hier das Mittel der Wahl. Zusätzlich zu Moll und Wein kann hier Dennis Erdmann eingesetzt werden.

Zentraler Mittelfeldspieler

Die Spieler im Zentralen Mittelfeld sollen einerseits Chancen vorbereiten, andererseits auch mit nach hinten arbeiten. Gute Technik, Spielintelligenz, Antizipation, gutes Passspiel, hohe Ausdauer und kraftvolle Schüsse sollten alle Spieler die im zentralen Mittelfeld agieren im Repertoire haben. Im modernen Fußball ist es jedoch zwingend notwendig, dass auch die kreativeren Spieler gewisse defensive stärken vorweisen konnen. Dennis Dressel, Erik Tallig und Richard Neudecker sind auf den zentralen Mittelfeldpositionen bisher eingesetzt worden. Aber auch Allrounder Wein oder Moll und sogar Merveille Biankadi könnten, wenn die Spielerdecke dünn würde, hier zum Einsatz kommen.

Box-to-Box Mittelfeldspieler

Der Box-to-Box Mittelfeldspieler ist der Dauerläufer im Mittelfeld, er übernimmt sowohl defensive als auch offensive Aufgaben. Gegen den Ball wird er oft den defensiven Mittelfeldspieler unterstützen und für ihn nach Ballgewinn erste Anspielstation für den Aufbau im Positionsspiel sein. Offensiv hat er viele Freiheiten. Vom Anforderungsprofil her ist er ein eher robuster Spieler, der über einen mächtigen Huf verfügt und nicht unbedingt ein filigraner Techniker, der Abwehrreihen schwindlig spielt. Hohe Ausdauerwerte und gutes Passspiel vervollständigen sein Portfolio. Dennis Dressel ist das Paradebeispiel für diese Rolle. Aber auch Erik Tallig hat diese Rolle schon einige Male eingenommen.

In dem System, das Michael Köllner unsere Mannschaft spielen lässt, ist der Box-to-Box Spieler eine Schlüsselposition. Vor allem gegen den Ball steht und fällt mit der aufgabengetreuen Ausfüllung dieser Rolle die defensive Performance der gesamten Mannschaft.

Vertikaler Spielmacher

Der vertikale Spielmacher, auch wandernder Spielmacher oder Einfädler genannt, ist ein immer präsenter Verbindungsspieler, der überall auf dem Spielfeld auftauchen kann. Der überholte Begriff des Spielmachers ist hier allerdings nicht wirklich zutreffend. Einfädler passt so wie das Spiel von den Löwen interpretiert wird wohl am Besten. Denn er ist der Spieler der oft den letzten oder vorletzten Pass vor dem Torerfolg spielen soll. Er fädelt sozusagen die Chance ein. Stärke beim Dribbling und bei offensiven Laufduellen, Sicherheit bei der Ballannahme, ein gutes Auge für die Mitspieler und nicht zuletzt überragende Fähigkeiten beim Passspiel sind die für diese Rolle nötigen Attribute. Eine gewisse defensive Bissigkeit schadet im modernen Fußball allerdings auch den kreativen Spielern auf dem Platz nicht.

Er kann in jedem System eine taktische Variante auf einer zentralen oder halbzentralen Mittelfeldposition sein. Im System von Michael Köllner spielen die Spieler, die für diese Rolle eingeteilt sind, in der Grundformation rechts im Halbfeld. Hauptsächlich Richard Neudecker, aber auch Erik Tallig, durfte in den ersten neunzehn Spielen sein Können als Einfädler unter Beweis stellen.

Mittelfeldflügelspieler

Mannschaftsdienlich, offensive sowie defensive Aufgaben, Dribblings, Doppelpässe, kreative Ideen und vor allem das Füttern der Stürmer mit Flanken oder Diagonalpässen in die Box sind die Aufgaben der Spieler auf den Flügeln im Mittelfeld. Schneller Antritt, hohe Grundschnelligkeit, gute Technik, Dribbelstärke, Flankengenauigkeit, gutes Passspiel und Übersicht gehören zu den Attributen für die meisten Rollen, die Spieler dort einnehmen können. Fabian Greilinger, Stefan Lex, Erik Tallig, Johann (Hansi) Djayo, Lorenz Knöferl und Neuzugang Merveille Biankadi, aber auch die Abwehrspieler Leon Klassen und Marius Willsch können auf diese Position gestellt werden.

Äußerer Mittelfeldspieler

Die Rolle des äußeren Mittelfeldspielers ist vor allem von Mannschaftsdienlichkeit geprägt. Als Verbindungsspieler bei komplexen Ballstafetten hilft er, den Ball über seine Seite nach vorne zu bringen. Je nachdem wie die taktischen Anweisungen für das Spiel für ihn sind, reichen seine Aufgaben vom etwas tiefer angelegten Absichern seiner Seite gegen einen offensiv besonders starken Gegenspieler bis hin zu der möglichen totalen Offensive, in der er bis ins letzte Drittel mit aufrückt und versucht als diagonal einlaufender Außenspieler selbst den Abschluss zu suchen. Jeder der Flügelspieler im Kader kann auf seiner starken Seite diese Position einnehmen. Biankadi und Djayo sind auf beiden Seiten einsetzbar.

Inverser Flügelspieler

Defensiv mit den gleichen Aufgaben wie der äußere Mittelfeldspieler betraut wird der inverse Flügelspieler bei Ballbesitz im Spiel mit offensiv ausgerichteten Außenverteidigern im Mittelfeld für Überzahl in der Breite zu sorgen. Meist ist er ein Spieler, der auf der falschen Seite spielt. Also ein Linksfuß auf rechts und vice versa. Je nach taktischer Anweisung zieht er bei Angriffen früher oder später von der Außenbahn diagonal Richtung Zentrum, um entweder bei Aktionen durch die Mitte als zusätzliche Anspielstation zu dienen oder direkt die Abwehrkette anzulaufen und so für Zuordungsfehler zu sorgen.

Als ballführender Spieler bedient er aus der Halbposition heraus nach eigenem Ermessen entweder die hinterlaufenden Flügelverteidiger, die dann per Flanke in den Strafraum die Stürmer einzusetzen versuchen oder er sucht selbst den Weg über das Zentrum, um entweder zu schießen oder einen Stürmer anzuspielen. Passgenauigkeit, Übersicht und Dribbelstärke müssen zu den Fähigkeiten eines Spielers zählen, damit er in dieser Rolle glänzen kann. Auch diese Rolle kann jeder der oben genannten Spieler einnehmen.

Weitere Teile des TAKTIKTAFEL Lexikons:

Sechzig um Sieben: Taktiktafel, Groundhopping und der 20. Spieltag

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TSV 1860 München Sechzgerstadion

Servus, Löwenfans! Guten Morgen, Fans von Sechzig München!

Auch am Wochenende werden Frühaufsteher bei sechzger.de belohnt. Die Nachrichten des vergangenen Tages gibt es kurz und knackig, außerdem eine Aussicht auf den heutigen Tag – jetzt in Sechzig um Sieben.

Staude zu Sechzig München?

Nein, die Geschäftsstelle möchte keine weiteren Pflanzen verpflichten. Vielmehr geht es bei den aktuellen Meldungen um einen 23-jährigen Stürmer. Ob an den aktuellen Transfer-Gerüchten (z.B. liga3-online und Transfermarkt) etwas dran ist, werden wir wohl in den nächsten Tagen erfahren.

TAKTIKTAFEL

Der kommende Gegner hat die Ehre, in dieser Saison als erster zwei Mal in der TAKTIKTAFEL analysiert zu werden. Während im Hinspiel die Einschätzungen aufgrund der neuen Saison schwierig waren, konnte man sich mittlerweile in 19 Partien ein Bild vom SVM machen. Am späten Vormittag gibt es Bernd Winningers Analyse zum SV Meppen.

Den Anfang unserer Berichterstattung rund um das Meppen-Spiel hatten gestern bereits die Expertentipps und der Bericht aus der PK gemacht.

Groundhopping bei 1860

Vor ein paar Tagen starteten wir eine neue Serie bei sechzger.de. Löwenfan Stefan M. ist so freundlich und erzählt uns immer wieder Geschichten aus seinen zahlreichen Reisen rund um die Welt. Der Fußball ist dabei natürlich ein essentieller Bestandteil. In Teil 1 ging es nach Bukarest. Wohin uns die Reise heute führt, erfahrt ihr später bei sechzger.de.

Training

Das Abschlusstraining für das morgige Spiel steht an. Michael Köllner bittet zur Einheit an der Grünwalder Straße und wird der Mannschaft den letzten Feinschliff verpassen. Eventuell entscheidet sich ja auch, wer in der Startelf stehen darf. Dressel oder Wein? Lex oder Greilinger? Wir sind gespannt!

Der 20.Spieltag

Den Auftakt bildete die Partie Türkgücü gegen Bayern II. Während das Ergebnis für uns Löwen akzeptabel ist, gilt dies für den Rasen im Sechzgerstadion so langsam nicht mehr. Die Überbelastung bei kalten Temperaturen macht sich bemerkbar. Wir hoffen, dass die Qualität am Sonntag für ein ordentliches Fußballspiel ausreicht. Übrigens nutzten die Gastgeber direkt die neugeschaffene Regelung zu Wechseln. Insgesamt vier Mal wurden Spieler ausgewechselt. Etwas kurios: der erst zur Halbzeit eingewechselte Kircicek wurde in der 73.Minute bereits schon wieder ausgewechselt.

Am heutigen Samstag stehen weitere Partien auf dem Programm. Einen kurzen Überblick über die Ergebnisse könnt ihr kurz nach Abpfiff hier bei sechzger.de lesen. Die Partien lauten:

Duisburg – Rostock
Haching – Zwickau
Halle – Magdeburg
Dresden – Lautern
Köln – Mannheim
Verl – Wiesbaden

Aktuell ist der laufende Spieltag noch von keiner Absage betroffen. Das könnte sich allerdings bald ändern, denn der KFC Uerdingen hat aufgrund ausstehender Zahlungen ein Hausverbot für das Stadion in Düsseldorf bekommen. Während der Verein sich als Opfer in der Angelegenheit sieht, wäre das Spiel aller Voraussicht nach wegen positiven Corona-Tests sowieso nicht angepfiffen worden.

 

3. Liga am Freitag Abend: Türkgücü München gegen FC Bayern II

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Freitag Abend, Sechzgerstadion, Türkgücü München gegen den FC Bayern II – irgendwie klingt das falsch, oder? Zum Auftakt des 20. Spieltags hatte der Aufsteiger die Möglichkeit, mit einem Sieg an den Löwen und den Schanzern vorbei auf Platz 2 der Tabelle zu springen.

Giesinger Sandkasten

Die Platzverhältnisse im Grünwalder Stadion sind inzwischen leider ziemlich desaströs. Nach mittlerweile bereits 25 Partien in dieser Saison schaut das an manchen Stellen mehr nach Beach-Soccer aus als nach Fußball. Vielleicht sollte man seitens der Stadt nochmal darüber nachdenken, den FC Bayern daran zu erinnern, dass man in Fröttmaning über eine eigene Spielstätte verfügt, die auch die zweite Mannschaft nutzen könnte.

Neuzugänge in der Startelf

Mit Sebastian Maier und Lucas Röser kamen die beiden unter der Woche verpflichteten Neuzugänge direkt von Anfang an zum Einsatz. Ex-Löwe Aaron Berzel hingegen fehlte diesmal aufgrund seiner 10.(!) gelben Karte. Für den frisch gebackenen Vater sicherlich eine verschmerzbare Sperre. Der Sohnemann heißt übrigens Nael – die französische Form des arabischen Namens Nail – welcher übersetzt „Sohn des Löwen“ bedeutet …

Beim FC Bayern II saß Fiete Arp (Ablöse und Gehalt im Millionenbereich) einmal mehr nur auf der Bank, für ihn stürmte Lenn Jastremski, der am vergangenen Wochenende zweimal beim Halleschen FC eingenetzt hatte.

Sliskovic vergibt freistehend

25 Minuten lang passierte trotz optischer Überlegenheit des FCB offensiv erstaunlich wenig, dann aber bot sich Türkgücü die hundertprozentige Chance zum 1:0. Röser setzte sich im Mittelfeld arg robust gegen Lawrence ein (man könnte es auch “Foul” nennen…), Sararer steuerte auf den Kasten zu und legte quer auf Sliskovic, jedoch aus wenigen Metern völlig freistehend verzog. So einen lässt der Stürmer selten liegen. Die kleinen Bayern agierten insgesamt zu wenig zwingend, sodass es bis zur Pause beim torlosen Remis blieb.

Keine zündende Ideen

Nach der Pause agierte Türkgücü zu Beginn etwas giftiger und presste früher, die erste Chance bot sich jedoch dem FCB II. Im Anschluss an eine Ecke kam Scott von der Strafraumlinie zum Schuss und scheiterte am hervorragend reagierenden Vollath. Danach das gewohnte Bild: Die kleinen Bayern kontrollierten das Geschehen bis zum Sechzehner, der letzte Pass aber mißlang konsequent. Beim Investorenclub hingegen wurde einmal mehr deutlich, wie sehr man in der Offensive von Sercan Sararer abhängig ist. Schaltet der Gegner ihn aus, geht bei Türkgücü arg wenig. Defensiv stand der Aufsteiger aber größtenteils sicher – in den letzten fünf Spielen stand hinten nicht umsonst viermal die Null. Auch diesmal hielt der Abwehrriegel und so hieß es nach 90 Minuten in Giesing 0:0. Einziger Verlierer des Abends blieb also der Rasen des Grünwalder Stadions…