Hasan Ismaik hat innerhalb weniger Tage komplett konträre Aussagen über sein in Aussicht gestelltes 200 Millionen Euro Invest getätigt und nun gegenüber “Pro1860” doch von Darlehen gesprochen.
Erst sprach Ismaik von 100 Millionen
Zuerst sprach Ismaik im Video auf Social Media davon, 100 Millionen Euro in den TSV 1860 investieren zu wollen: “I am ready to invest more than 100 Million Euro to make 1860 great again (ich bin bereit, mehr als einhundert Millionen Euro zu investieren, um 1860 wieder groß zu machen, d. Red.)” Diese Aussage tätigte er in Englischer Sprache.
Dann sprach Ismaik von 200 Millionen
Gegenüber der “Abendzeitung” verdoppelte Ismaik dieses Investitionsvorhaben kurzerhand: neben den angekündigten 100 Millionen Euro wolle er zusätzlich 100 Millionen Euro für ein neues Stadion bereitstellen: “Ich wäre auch bereit, für einen Stadionbau oder -ausbau, der 1860 weiterbringt, nochmal 100 Millionen extra auszugeben”
Bei Fanclub-Treffen: 200 Millionen Euro sollen “Geschenk oder Kapitalerhöhung” sein
Ismaik bekräftigte den Plan, 200 Millionen Euro investieren zu wollen, letzte Woche beim Fanclub-Treffen in Vierkirchen: Angesprochen darauf, ob das Invest wieder mittels Darlehen zur Verfügung gestellt werden sollte, antwortete er:
“Ich halte mein Versprechen – 100 Millionen für 1860. Und 100 Millionen für ein Stadion. (…) “Es werden keine Darlehen sein. Es wird entweder als Geschenk oder als Kapitalerhöhung erfolgen.”
Im Gespräch mit “Pro1860”: Stadionfinanzierung in Höhe von 80-90 Millionen Euro über Darlehen, restliche 120 Millionen über Kapitalerhöhung bzw. Aktienverkauf der KGaA oder Darlehen
Im Gespräch mit der Faninitiative “Pro1860” klang dies nun wieder ganz anders. So soll die Stadionfinanzierung in Höhe von “80 bis 90 Millionen Euro als Kredit durch eine Bank (die Ismaik kennt)” erfolgen.
Der Rest (also die noch benötigten 20 Millionen Euro für das Stadion und die angekündigten weiteren 100 Millionen Euro) sollten durch “eine Kapitalerhöhung in der KGaA (auch mit neuen Gesellschaftern) oder frei-käufliche Aktien (…) oder auch durch weitere Kredite aufgebracht werden”. Und weiter: “Von einem Geschenk an den TSV 1860 München hat er (Ismaik, d.Red.) auch auf Rückfrage explizit nicht gesprochen.”
Ismaik will also die 200 Millionen Euro gar nicht selbst aufbringen und wunderte sich gegenüber “Pro1860”, dass die Menschen dies so verstanden hätten: “Ismaik war überrascht, dass die Presse es so darstellt, dass er die 200 Millionen Euro persönlich zur Verfügung stellt”. Und “geschenkt” werden soll auf einmal auch nichts mehr.
Wie war das mit “I am ready to invest more than 100 Million Euro”, wie er selbst auf Englisch sagte? Auch ein Übersetzungsfehler?
Idee der Kapitalerhöhung wird schon lange vom e.V. verfolgt – und scheiterte bislang an Ismaik
Auszüge aus den Protokollen der Mitgliederversammlungen 2019 und 2021 zeigen, dass die Idee einer Kapitalerhöhung schon länger vom e.V. verfolgt wird. Bislang scheiterte die Umsetzung an Ismaik.
Auszug aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung 2019: “Der Präsident wünscht sich einen gemeinsamen Weg der Gesellschafter sowie eine Neuordnung des Kooperations-Vertrages, um die wirtschaftlichen Aussichten der KGaA zu verbessern, bspw. durch weitere Gesellschafter. Herr Ismaik wurde vor zwei Monaten schriftlich über die geplante Kapitalerhöhung informiert, bisher jedoch ohne Rückmeldung zu Verhandlungsterminen.”
Auszug aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung 2021: “Zur Kapitalerhöhung werde er (Robert Reisinger, d.Red.) keine Aussage machen, da die Gespräche momentan stocken. Robert Reisinger wünscht sich eine gemeinsame Arbeit mit der KGaA zur Gesundung.”
Erst kürzlich manifestierte das Präsidium die Bereitschaft, eine Kapitalerhöhung unter Einbeziehung eines dritten Gesellschafters anzugehen:
“Hasan Ismaik selbst hat in genanntem Interview die Option ins Spiel gebracht, seine Anteile zu veräußern. Das hören wir in der Form zum ersten Mal. Unsere Haltung dazu war immer klar: Die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA braucht mehr Vielfalt bei den Kapitalgebern.”
Probleme mit der Übersetzung?
Gegenüber “Pro1860” ließ Ismaik auch verlautbaren, dass wohl hinsichtlich seines 200-Millionen-Euro-Versprechens in der “Abendzeitung” nicht ordentlich übersetzt worden sei. Diese Übersetzungsprobleme scheinen sich in jüngerer Vergangenheit zu häufen. Die Passage “Pro 1860 und die Ultras zerstören” wurde von Ismaiks Dolmetscher im Video mit den “Meisterlöwen” überhaupt nicht übersetzt. Erst als sechzger.de darauf aufmerksam wurde und den wahren Wortlaut veröffentlichte, bezichtigte Ismaik unser Fanportal der Lüge. Wie also denknotwendig auch das Löwenmagazin, die Süddeutsche Zeitung, den Bayerischen Rundfunk und die Abendzeitung. Auch der promovierte Übersetzer, der uns eine beglaubigte Übersetzung von Ismaiks Worten übermittelte, ist somit laut Ismaik ein Lügner. Wie scheinbar so ziemlich alle, außer ihm selbst.
Wie ist das denn nun genau mit den 200 Millionen Euro, Herr Ismaik?