Wie angekündigt haben sich am gestrigen Samstagnachmittag drei Vertreter von sechzger.de mit Hasan Ismaik zu einem Gespräch getroffen. Die Redaktion hatte vorab einen Fragenkatalog ausgearbeitet, der Themen wie 50+1, das Bündnis Zukunft und mögliche Gespräche mit den aktuellen Vereinsvertretern beinhaltete. Klar wurde vor allem eines: Letztere wird es – mit einer möglichen Ausnahme – den Worten Hasan Ismaiks zu Folge weiterhin nicht geben.
Ismaik interessiert sich für Strukturen von sechzger.de
Wie bereits heute Morgen in den Giesinger Gedanken geschildert waren an dem Gespräch Anthony Power, Ismaiks Dolmetscher, Ismaik selbst sowie drei Vertreter der Redaktion beteiligt. Zu Beginn war der Jordanier sehr daran interessiert, wie sechzger.de organisiert ist, welche Personen verantwortlich sind und wie das Projekt finanziert wird. Dabei konnte aufgeklärt werden, dass zum e.V. des TSV 1860 keinerlei offizielle Verbindungen bestehen oder der Verein die Arbeit der Redaktion gar finanziell unterstützt. Dennoch betonte Ismaik, dass er die Berichterstattung als einseitig wahrnehme und ihm keine Kontaktaufnahme bekannt sei, um beispielsweise eine Stellungnahme von ihm einzuholen. Die Vertreter von sechzger.de entgegneten, dass es bereits mehrfach Anfragen, z.B. über den Pressesprecher der KGaA gegeben habe. Dies sei laut Ismaik, dem 60% der Anteile besagter KGaA gehören, nicht der korrekte Weg. Für zukünftige Anfragen unserer Redaktion an Ismaik konnte nach dieser Diskussion ein geeigneter zukünftiger Kommunikationsweg gefunden werden.
Als erstes Thema des Fragenkatalogs konfrontierte sechzger.de Hasan Ismaik mit dem Vorwurf in Richtung Robert Reisinger, der Präsident des TSV 1860 würde Lügen verbreiten. Der Jordanier führte als Antwort zunächst aus, dass einige Entscheidungsträger, die sich noch heute in offiziellen Ämtern befinden, bereits vor 2017 in Funktionen für den TSV 1860 München tätig waren. Es seien in dieser Zeit falsche Personalentscheidungen auf der Position des Trainers und des Geschäftsführers getroffen worden. Unter anderem ging er dabei sehr weit in der Geschichte zurück und nannte den Namen Kosta Runjaic.
Konkret bezüglich der Lügen von sechzger.de nachgehakt, führte er aus, dass öffentlich kommuniziert worden sei man werde keine Darlehen mehr annehmen. Später sei man hinter den Kulissen dann aber auf Ismaik zugegangen und es habe drei weitere Finanzspritzen in Form von Darlehen gegeben.
Gespräche mit Vereinsvertretern werden kategorisch abgelehnt…
Zudem ging Ismaik auf den als “Schwarzen Freitag” bekannten Doppelabstieg ein. Er sei damals bereit gewesen, die notwendigen 11 Millionen Euro für die Lizenz zur 3. Liga in Form eines Sponsorings zur Verfügung zu stellen. Etwaige Beweise lägen schriftlich dazu vor und könnte sechzger.de gerne zur Verfügung gestellt werden. Anthony Power und Ismaiks Bruder Yahya hätten demnach stundenlang am Trainnigsgelände auf Vertreter des e.V. gewartet, es sei allerdings niemand gekommen. Laut Ismaik sei dies der erste große Versuch der e.V.-Vertreter gewesen, sich vom Mitgesellschafter zu trennen.
(Anmerkung der Redaktion: Diesem Sachverhalt werden wir natürlich nachgehen und dazu von beiden Gesellschafterseiten Informationen einholen)
Bekanntlich ist der Jordanier allerdings heute – sieben Jahre später – noch immer an der TSV 1860 München KGaA beteiligt. Nahtlos daran anknüpfend stellten die Vertreter von sechzger.de Hasan Ismaik daher die Frage, wie er sich die Zusammenarbeit mit der e.V.-Seite zukünftig vorstelle. Er betonte dabei sehr deutlich, dass es keine Gespräche mit den aktuellen Vereinsvertretern geben werde. Der fehlende Respekt ihm gegenüber sei Grundlage für diese Entscheidung. Sein öffentliches Angebot in der Abendzeitung die Gespräche nach einer Entschuldigung wieder aufzunehmen sei nicht genutzt worden. Respekt ist dem Jordanier überhaupt ein sehr wichtiges Anliegen. Dies wurde in dem rund zweistündigen Gespräch mehrfach deutlich.
…mit einer Ausnahme
sechzger.de blieb bei diesem Thema und fragte noch einmal nach. Schließlich bestünde die Möglichkeit, dass bei der Mitgliederversammlung am 16.Juni die aktuellen Vereinsvertreter im Verwaltungsrat in ihren Ämtern bleiben. Für diesen Fall müsse es ja einen Plan B geben, um den TSV 1860 München wieder in ein ruhiges und erfolgreiches Fahrwasser zu bringen. Zunächst betonte Ismaik mehrfach, dass er davon überzeugt sei, dass sich auf besagter MV die Besetzung des Verwaltungsrats ändern werde. Etwas anderes sehe er nicht. Auf mehrmaliges Nachhaken, dass es doch auch eine andere Möglichkeit für den Wahlausgang gäbe und ob er das demokratische Votum der Mitglieder dann respektierte, betonte Ismaik, dass er natürlich den Mitgliederwillen und die Demokratie respektiere…Doch es wurde auch klar: In diesem Fall wird es ebenfalls keine Gespräche mit den e.V.-Vertretern geben.
Aber auch wenn er nicht für einen Austausch zur Verfügung steht, gefällt Ismaik der aktuelle Zustand nicht, wie er auf Nachfrage zugab.
Es macht mir keinen Spaß, es tut einfach weh.
Ismaik betonte also immer wieder, dass er davon überzeugt sei, dass sich am 16. Juni Grundlegendes ändern wird. Unter den rund 26.000 Mitgliedern des TSV München von 1860 e.V. vermutet der Jordanier zwei- bis dreitausend Personen, die gegen seine Beteiligung bei den Löwen sind. Dieser Kreis sei besonders aktiv, gehe zu den Mitgliederversammlungen und habe daher bei den Abstimmungen stets die Entscheidungsgewalt. Auf die Rückfrage, wie er die Verteilung der Fans (unabhängig von einer Mitgliedschaft im Verein), z.B. im Stadion bezüglich der Sympathien für ihn einschätze, sagte er, die deutliche Mehrheit stünde hinter ihm. Konfrontiert z.B. mit dem Regionalligaspiel in Nürnberg im Februar 2018, wo ein großer Teil der rund 17.000 Löwenfans das sogenannte Scheichlied mitsang, was auf Youtube sehr deutlich zu beboachten ist, sagte Ismaik kurz und knapp, das stimme nicht.
Ismaik bezichtigt sechzger.de erneut der Lüge
Eine Möglichkeit zu einem Austausch mit einem e.V.-Vertreter könnte es möglicherweise doch geben. Wie berichtet haben Saki Stimoniaris und Nicolai Walch geplant, eine gemeinsame Einladung an den Jordanier auszusprechen. Ismaik zeigte sich offen gegenüber dieser Möglichkeit, zumal er mit Walch bislang noch kein Gespräch geführt habe. Doch auch Walch solle zunächst – so Ismaiks Bedingung – zugeben, dass der aktuelle Umgang mit dem Mitgesellschafter nicht richtig sei. Gemeint sind dabei neben dem bereits erwähnten “Scheichlied” auch die Fahnen mit dem durchgestrichenen Konterfei, die Ismaik auf einer persönlichen Ebene angreifen würde. Ob es wirklich zu dem erwähnten Gespräch kommen wird, ist derweil aber durchaus fraglich. Denn die Süddeutsche Zeitung berichtete zuletzt, dass die E-Mail bereits verschickt worden sei. Der Jordanier scheint davon gar keine Kenntnis zu haben.
Viel diskutiert wurde auch über die veröffentlichte Übersetzung von sechzger.de, wonach PRO1860 und die Ultras vernichtet bzw. zerstört werden sollen. Ismaik war vor allem über die Formulierung “vernichten” erbost, da dieses Wort in einem militärischen Kontext zu sehen und keine passende Übersetzung für seine Aussage sei. Aber auch das Wort “zerstören”, das unter anderem von einem beglaubigten Übersetzer bestätigt wurde, stufte er als nicht adäquat ein. Seine Ansprache habe sich rein auf die anstehenden Wahlen bezogen. Eine alternative Übersetzung der betroffenen Passage wurde im Gespräch mit sechzger.de, trotz Rückfrage nicht übermittelt. Der Dolmetscher, der in der Simultanübersetzung der Ismaik-Ansprache in der vergangenen Woche, die Worte “Ultras” und “PRO1860” gleich gar nicht erst erwähnt hatte, ging auf die mehrfach gestellte Frage, warum er diese Inhalte verschwiegen habe, nicht ein. Zu dieser Thematik ist sechzger.de weiterhin im Austausch mit den beteiligten Protagonisten und wird die Leser weiter auf dem Laufenden halten.
Ankündigung einer eigenen Empfehlungsliste
Als nächsten Themenkomplex sprach sechzger.de das sogenannte “Bündnis Zukunft 1860” an. Die Initiative hatte sich vergangenen Mittwoch deutlich in der Öffentlichkeit von den Aussagen Ismaiks distanziert. Diese deutliche Kritik habe er zur Kenntnis genommen und spiele für ihn bei der Bewertung des BZ1860 keine Rolle. Er sei einigen Kandidaten positiv gegenüber eingestellt. Namentlich erwähnte Ismaik dabei Klaus Lutz sowie Martin Gräfer. Grundsätzlich wolle sich der Jordanier aber noch ein Bild von weiteren Kandidaten für die Wahl zum Verwaltungsrat machen und vor der Wahl auch seine ganz persönliche Empfehlung veröffentlichen – die dann auch gewählt werde, da sei er sicher. Sicher wird auf dieser Liste auch Saki Stimoniaris zu finden sein, wie während des Austausches deutlich wurde.
Abschließend konfrontierten die sechzger.de-Vertreter den Jordanier noch mit Gerüchten zu einer möglichen Unterstützung eines großen, komerziellen Blogs im Umfeld des TSV 1860 München. Ismaik verwies derlei Gerüchte ins Reich der Fabeln. Er glaube an die Pressefreiheit und habe noch niemals irgendein Medium finanziell unterstützt.
Ein weiterer, spannender Themenkomplex – der natürlich auf der Liste stand – ist die 50+1-Regel im deutschen Profifußball, die aber aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nur noch sehr kurz angesprochen werden konnte. Die Regel sei für ihn völlig Ordnung, werde bei den Löwen allerdings falsch benutzt bzw. ausgenutzt, um Entscheidungen gegen Ismaiks Willen zu treffen.














