Ex-Aufsichtsratsvorsitzender Otto Steiner hat die Entscheidung von 2011, Ismaik als Investor ins Boot zu holen, im Nachhinein als Fehler bezeichnet.
Otto Steiner war zwischen 2006 und 2013 1860-Funktionär
Zwischen 2006 und 2013 war Otto Steiner Funktionär beim TSV 1860. Lange im Verwaltungsrat, kur Vize-Präsident und beim Einstieg von Hasan Ismaik im Jahr 2011 Aufsichtsratsvorsitzender. Er war also mit dem damaligen Präsident Dieter Schneider und um Geschäftsführer Robert Schäfer einer der Hauptentscheider, als es darum ging zu entscheiden, mit dem TSV 1860 in die Insolvenz und damit die 5. Liga zu gehen oder sich einen Investor in den Club zu holen, um in bessere Zeiten aufzubrechen.
Steiner im Interview mit der “Süddeutschen Zeitung”
Im Interview mit der “Süddeutschen Zeitung” hat Steiner nun die Entscheidung pro Ismaik im Jahre 2011 im Nachhinein als Fehler bezeichnet.
“Der Abstieg in die fünfte Liga mit der Chance, beispielsweise einen Vermarkter als Partner zu finden, der mit der Marke sorgsam umgeht, wäre in der Retrospektive die viel bessere Entscheidung gewesen. Aber man darf nicht vergessen, wir hatten uns mit dem Investor eine konstruktive und visionäre Zusammenarbeit erhofft. Wir dachten, dass wir dann endlich mal eine positive Zukunft gestalten können, statt immer nur Krisenmanagement zu betreiben. Ich würde die Entscheidung über den Investoreneinstieg heute vor allem deshalb anders treffen, weil sich an der Zusammenarbeit zwischen Investor und Verein bis jetzt nichts zum Besseren verändert hat.”
“Der Dialog ist daran gescheitert, dass es nie einen gab”
Steiner gibt auch Einblicke, wie Ismaik die Vertreter des TSV 1860 seinerzeit behandelte. Delegationen, die extra nach Abu Dhabi reisten, um vor Ort mit Ismaik konstruktive Gespräche für die Zukunft des TSV 1860 zu führen, ließ der Jordanier zunächst stundenlang warten (Ismaik selbst empörte sich jüngst höchstselbst in seinem Facebook-Post darüber, dass er in den Anfangsjahren seines Invests immer an “stundenlangen Aufsichtsratssitzungen” teilnehmen hatte müssen), bei den dann recht kurzen Treffen kam nie etwas Konstruktives heraus: “Entscheidungen im Sinne des Vereins konnten auf diese Weise nicht getroffen werden. Und schließlich reisten wir ergebnislos wieder ab.”
Ismaik fühlte sich von Robert Schäfer respektlos behandelt
Der damalige Geschäftsführer Robert Schäfer hatte 2012 das Vergnügen, im Auftrag Ismaiks einen neuen Geschäftsführer für den Sportbereich zu suchen. Der Haken dabei: selbst auf Nachfrage erhielt er weder ein Anforderungsprofil, noch ein Budget. “Robert Schäfer hat aber keinerlei Ansage über die Konditionen – Gehalt, Laufzeit, etc. – bekommen. Dann hat er erst mal eine Übersicht erstellt, welche Kategorien von Sportdirektoren es gibt. Von Leuten mit Drittligagehältern bis zu Leuten wie Max Eberl und Ralf Rangnick. Dieses Schema blieb auch unbeantwortet.” Schäfer präsentierte dann schließlich doch bei einer der berüchtigten Audienzen im Hotel Mandarin Oriental in München dem Investor einen aus seiner Sicht geeigneten und finanzierbaren Kandidaten: Marc Arnold, jüngst mit Eintracht Braunschweig in die 1. Bundesliga aufgestiegen.
Laut Steiner habe Ismaik dann geäußert, dass er sich respektlos behandelt fühle, da Schäfer nur einen Kandidaten und nicht eine ganze Liste derer präsentiert hatte, worauf Schäfer entgegnet haben soll, dass er schließlich nicht ohne Anforderungsprofil und ohne Budget auf zehn verschiedene Kandidaten zugehen habe können. Ismaik habe dies nicht eingesehen: “Er hat darauf bestanden, dass Schäfer einen ganz schlechten Job gemacht habe. Und er wollte dann sogar, dass wir ihn entlassen. Ich sagte ihm, dass Schäfer unter diesen Bedingungen einen guten Job gemacht habe. Danach gab es wochenlang wieder keinen Austausch.”
Steiner sieht nur wenig Hoffnung für die Zukunft
Für die Zukunft des TSV 1860 hat Steiner wenig Hoffnung, auch, weil mit Ismaik und seinem Statthalter Anthony Power (“Etwas Uninspirierteres und Langweiligeres als das, was dort (Merchandising GmbH, d. Red.) auf den Markt gebracht wird, findet sich in dieser Form bei keinem anderen Verein in ganz Deutschland”) nicht gearbeitet werden könne: “Ich habe durchaus fähige Leute bei Sechzig kennengelernt, gute Geschäftsführer, die sich abgemüht haben und zerrieben wurden zwischen den Fronten. Und wenn sie dann weggegangen sind, haben sie bei anderen Vereinen nicht selten Erfolge gefeiert.”
Laut Steiner bleibt nur eine Hoffnung: Ismaik verkauft seine Anteile – an eine Annäherung glaubt er nicht: “Er hatte zwölf Jahre lang kein großes Interesse an einem konstruktiven Austausch. Alles war bisher planlos, visionslos, dialoglos.”
Das gesamte lesenswerte Interview auf SZ+
Das gesamte Interview mit vielen internen Einblicken Steiners findet ihr unter diesem Link bei SZ+. Absolut lesenswert!