Man hat ja schon Einiges mitgemacht mit dem TSV 1860 München. Aber gestern war mal wieder eine Premiere. Die Mannschaft spielte im wahrsten Sinne des Wortes zum davon laufen – und das taten die meisten mitgereisten Löwenfans dann auch.
Gorenzels Grant hilft auch nicht weiter
Bereits unter der Woche spielte sich Denkwürdiges bei 1860 ab. Interimstrainer Sportchef Günther Gorenzel stellte sich in der Pressekonferenz mit extrem breiten Kreuz vor seine Mannschaft und verteidigte diese gegen teilweise vom Zaun gebrochenene Vorwürfe. Besonders der vom Meinungsführer der Wutlöwen in Rekordzeit vom Heilsbringer zum Fehleinkauf degradierte Raphael Holzhauser wurde von Gorenzel gegenüber vollkommen unsachlicher Kritik in Schutz genommen. Bemerkenswert dabei, dass der grantelnde Günther bestens vorbereitet war. Auf DIN A3 Ausdrucken hatte er mit Textmarkern in mehreren Farben die Berichterstattung vor der Verpflichtung von Holzhauser analysiert und hielt dem Verfasser den Spiegel vor. Derart gut vorbereitete Textanalyse sah ich zum letzten Mal im Deutsch Grundkurs von meiner Mitschülerin Carola. Chapeau, Herr Gorenzel! Die Wahrheit liegt eben nicht nur auf dem Platz, sondern manchmal auch im Pressestüberl! Wer allerdings meinte, dass Gorenzels Schutzschirm die Mannschaft anspornen und zurück in die Erfolgsspur bringen würde, war auf dem Holzweg.
Unbegreifliche Leistungsschwankungen in Meppen
Sechzig begann relativ gut, versuchte mehr das Spiel zu gestalten als noch in Oldenburg. Dennoch ging der SV Meppen in der 19. Minute in Führung, weil im Strafraum Janssen zu frei an den Ball kam. Danach wachte 1860 auf. Angetrieben vom in der Phase des Spiels herausragenden Holzhauser setzten sie Meppen zunehmend unter Druck. Lohn war der verdiente Ausgleich in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als Bär einen Abpraller von Domaschke über die Linie bugsieren konnte. Hätte Sechzig so weiter gespielt, wäre ein Auswärtssieg die logische Konsequenz gewesen.
1860 kickt zum davon laufen
Leider machten die Löwen nicht so weiter. Waren die ersten vielleicht zehn Minuten nach der Pause noch ganz OK, obwohl da schon von der Überlegenheit vor der Pause nichts mehr zu sehen war, ging danach gar nix mehr. Als Alvarez dann wieder viel zu frei im Strafraum an die Kugel kam und diese zum Führungstreffer für den SVM im Netz von Marco Hiller unterbringen konnte, war es um die Löwen geschehen. Sechzig schaffte es danach viel zu selten, Druck aufzubauen und durchdachte Angriffe auf den Aufstiegsrasen von 1994 zu bringen. Zwar sprang noch ein Pfostenschuss von Lakenmacher raus und auch ein Fernschuss von Deichmann hätte noch den Ausgleich bedeuten können, aber das waren Einzelaktionen.
Unerklärlich ideenlos gegen die 17 Mal sieglosen Meppener
Natürlich kann man jetzt das Spiel wieder schön reden und Pech anführen. Zwei Mal Pfosten, der Schuss von Deichmann, ein möglicher Elfmeter an Morgalla und vielleicht gelb-rot für den Meppener Janssen. Aber das wäre schon sehr stark zurecht gebogen. Dass 1860 es nicht schafft, eine Mannschaft, die 17 Mal in Folge nicht gewonnen hat, unter Druck zu setzen, ist einfach unerklärlich. Mit diesem Kader… Ebenso ist es unerklärlich, wie die Mannschaft nach guten Phasen im Spiel immer wieder vollkommen den Faden verliert. An ein konstant gutes Spiel über 90 Minuten kann ich mich gar nicht mehr erinnern…
Die Löwenfans laufen davon
Vom blutleeren Auftritt der Mannschaft hatten die über 700 mitgereisten Löwenfans die Nase voll. Nach etwa 75 Minuten stellten sie zunächst den Support ein. Etwa zehn Minuten später wurden dann kollektiv die Zaunfahnen abgehängt und der Auswärtsblock verlassen. Das haben die Löwen nun von so einer Leistung zum davon laufen. Ich kann mich an vergleichbare Aktionen der Fanszene nicht erinnern. Der Löwenkarren steckt im Dreck. Und zwar ganz tief.
















