Viele Fragen hatten Christian, Stefan und Jan, die Gastgeber im sechzger.de Talk Folge 85 an Löwenpräsident Robert Reisinger. Einige davon betrafen natürlich die ewige Stadionfrage bei Münchens großer Liebe. Aber nicht nur in der Gegenwart. Auch auf die Vergangenheit wurde ein Blick geworfen. Konkret auf den Auszug der Löwenprofis aus der Allianz Arena nach dem historischen Doppelabstieg im Mai 2017.
Die Behauptung vom überhasteten Auszug aus der Arena
Die Ereignisse liegen schon fünf Jahre zurück und sind vielen Anhängern dennoch sehr präsent. Seit einiger Zeit wird aus einer bestimmten Ecke im Umfeld des TSV 1860 versucht, den damals vollzogenen Abschied aus Fröttmaning als überhasteten oder unüberlegten Schritt der damals Verantwortlichen darzustellen. Zu den Akteuren, die rund um den “schwarzen Freitag” Verantwortung übernahmen, gehört natürlich auch Robert Reisinger, der seinen Vorgänger Peter Casalette im Amt des Löwenpräsidenten am 3. Juni 2017 interimsmäßig beerbte. An der Entscheidung, die Zukunft der ersten Mannschaft des TSV 1860 im Sechzgerstadion zu planen und damit zu den Wurzeln des Vereins zurückzukehren, war Reisinger maßgeblich beteiliigt. Aber es war keineswegs eine rein emotionale Entscheidung, sondern sie hatte vor allem mit wirtschaftlichen Zwängen zu tun, wie er im Talk ausführte:
Wie wir alle wissen, braucht die KGaA alle zwei Jahre eine positive Fortführungsprognose, dass es überhaupt weitergeht. Da kommen dann Wirtschaftsprüfer und prüfen die Zahlen. Der Herr Fauser hat damals die Berechnungen vorgelegt und da war ein Zuschauerschnitt drin von 8.000. Dann hat der Prüfer gefragt: “In der Arena?” – Dann hat der Fauser gesagt: “Nein, wir versuchen aus der Arena rauszukommen und das ist jetzt die Planung für’s Grünwalder Stadion.” – Dann hat der Wirtschaftsprüfer gefragt: “Wieviele Dauerkarten habt’s denn in der Arena verkauft?”. Und der Fauser: “6.000 und wir haben hier 2.000 Anfragen für Dauerkarten, die aber explizit reingeschrieben haben: Nur wenn man zurückgeht in die Heimat, ins Sechzgerstadion.” Dann hat der Wirtschaftsprüfer gesagt: “Okay, dann erhöht’s bitte die Zuschauerzahl auf 10.000, weil des nehm ich euch ab. In der Arena hätt’ ich euch keine 5.000 abgenommen.” Also war des schon mal der erste Grund.
1860 in Giesing als Marketingstory
Die erfolgte Rückbesinnung auf die Wurzeln des Vereins, nicht als reiner Stadtteilverein, sondern als Repräsentant der ganzen Stadt München, aber eben aus Giesing kommend – im Sinne der Marke “1860” – führte Reisinger ebenfalls aus:
Auch vom Marketinggesichtspunkt wäre es ja ein Irrsinn gewesen: Wie willst du denn einen Sponsor dafür gewinnen, dass wir als Regionalligist in einer 70.000 Mann-Arena spielen? Da fehlt ja die Story. Wir hatten natürlich auch den Plan, mit der Rückkehr in die Heimat eine Marketingstory erzählen zu können. Das war ja dann nochmal ein Benefit, wo wir Sponsoren gewinnen konnten: Zurück zu den Wurzeln. Und das hätte in der Arena nicht funktioniert. Auch da hätten wir Abstriche machen müssen – im Sponsoring.
Löwen “für lau” in der Allianz Arena?
Vereinzelt wird im Zusammenhang mit diesem Thema immer wieder das Gerücht verbreitet, der FC Bayern bzw. die Allianz Arena GmbH hätte die Löwen in der Regionalliga Bayern kostenlos in dem riesigen Stadion spielen lassen. Auch damit räumte Reisinger im sechzger.de Talk ein für alle Mal auf. Verbunden mit einem interessanten und durchaus auch amüsanten Erklärunsansatz für dieses hartnäckige Gerücht:
Wir haben zu Zweitligazeiten da fünfeinhalb Millionen Euro bezahlt, hätten dann zweieinhalb oder zwei Millionen in der Regionalliga für das Stadion zahlen müssen und wenn ich mir die Bilanzen und die Umsätze vom roten Nachbarn anschau’, dann ist das praktisch für den wie umsonst. Vielleicht ist dann irgendwann einmal in irgendeinem Gespräch gefallen: “Die Blauen dürften ja umsonst bei uns spielen.” Und dann hat sich das wie der Schneeball dann eben bei den Leuten, die das natürlich bedauern, dass man aus dem Stadion rausgegangen ist, so weiter verbreitet: “Ja, die hätten uns ja umsonst drin spielen lassen.”













