Vom Recht am eigenen Körper
Natürlich gäbe es von diesem Spieltag vieles, was man für die Giesinger Gedanken verwenden könnte. Die Tatsache, dass sich der gut gefüllte Löwenblock in Halle stark präsentiert und sich das ganze Auswärts endlich mal wieder richtig nach Fußball angefühlt hat.

Oder natürlich unsere Löwen-Mannschaft, die sich meiner Meinung nach in Halle gut verkauft hat und drei Punkte verdient gehabt hätte. Wobei es mir insbesonders für Stefan Lex leid tut, dass sein Traumtor wohl wegen Abseits nicht gegolten hat. Warum es der Treffer nicht einmal in die Zusammenfassung vom Spiel geschafft hat, bleibt wohl das Geheimnis von Magenta.
Das bestimmende Thema – mal wieder: Corona
Das bestimmende Thema aus Löwensicht war jedoch – natürlich – die Tatsache, dass bedingt durch die Quarantäne wegen einer Corona-Infektion sowohl einige Spieler, als auch Löwen-Trainer Michael Köllner nicht mit dabei waren. Wobei es mich am Arsch interessiert, was das Gesundheitsamt in Halle zur Entscheidung des Münchner Gesundheitsamtes sagt und ob irgendwelche Ordner im Mannschaftsbus nach Michael Köllner suchen wollten oder nicht. Das sind Nebenkriegsschauplätze.
Dramatischer finde ich da schon die Reaktionen in den sozialen Netzwerken auf das Thema „Infektion bei den Löwen“. Offensichtlich gibt es nicht so wenige unter den Löwen-Fans, die der Meinung sind, dass ein Spieler oder ein Trainer mit seiner Unterschrift bei unserem Verein auch seine Seele und vor allem seinen Körper an diesen verkauft hat.
Warum einige unserer Spieler gar nicht und unser Coach erst so spät geimpft wurden, war in den letzten Tagen die häufigste Frage.
Die Antwort, die mir spontan darauf einfällt ist sinngemäß: „Das geht euch einen feuchten Scheißdreck an, weil es ihr Körper und ihre Entscheidung ist“.
Wenn man das ganze etwas höflicher und sachlicher begründet formulieren möchte, dann kommt man an einem Hit nicht vorbei:
„Google Is Your Friend“
Ein Smartphone ist heutzutage ein mächtiger Computer der Zugang zu mächtig viel Informationen preis gibt. Theoretisch. Leider wird dieses Potential durch den User zumeist nicht abgerufen. Facebook, Instagram, TikTok, Hasis Schergen, Pornhub, Tinder. Die Verlockungen, ohne sinnvolle Informationen die Zeit totzuschlagen sind schier grenzenlos.
Aber der Zugang zum Internet bietet soviel mehr. Man möge bei Google einfach nur einmal die Worte „Corona Impfung Leistungssport“ eingeben. In den Suchtreffern findet man ganz oben Artikel, dass Impfempfehlungen für Leistungssportler nicht 1:1 übernommen werden können. Begründung: weil deren Körper oftmals heftiger reagiert oder mit Leistungseinbrüchen zu kämpfen hat. Übrigens herausgegeben von der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin und nicht vom Wendler. Auf Platz drei findet man einen Zeitungsartikel vom Juni, in dem es darum geht dass Sportler um Olympia bangen, weil sie nach der Corona-Impfung Leistungseinbrüche haben.
Ich selber bin geimpft, aber meilenweit davon entfernt ein Leistungssportler zu sein. Meine Fitness-Daten tracke ich trotzdem schon lange. Die Delle nach der Corona-Impfung ist beachtlich. Dass das bei einem Leistungssportler heftiger ausfallen kann und der darauf keinen Bock hat? Versteh ich zu 100%.
In München sind rund 70% der impffähigen Bevölkerung geimpft, Deutschlandweit sind es etwas weniger. Warum verlangt man von Profisportlern deren Risiko eines Nachteiles durch eine Impfung deutlich höher ist als für den Otto-Normalverbraucher, dass er sich impfen lässt?
Warum hat man Verständnis dafür, dass über die Hälfte der Dauerkarteninhaber beim TSV 1860 München wegen vergleichsweise (!) harmloser Geschichten wie Registrierung, Abstand und Alkoholverbot nicht ins Stadion gehen und die Löwen anfeuern möchte – und verlangt zeitgleich von Spielern die bei diesem Verein lediglich ein Arbeitsverhältnis haben, dass sie sich impfen lassen?
Das passt für mich nicht zusammen.
Natürlich finde ich es schade, dass wir geschwächt in Halle aufgelaufen sind. Natürlich hätte ich von dort gerne drei Punkte mitgenommen, was für das Tabellenbild und die Stimmung rund um unseren geliebten Verein besser gewesen wäre.
Ich bin jedoch stolz auf diese Löwentruppe. Stolz – im großen und ganzen – auf den Umgang unseres Vereines mit dem Thema. Da wurde nicht groß lamentiert oder noch ein paar Verletzte aus dem Hut gezaubert um nicht antreten zu müssen. Sondern mit einer deutlich reduzierten Mannschaft vier Tage nach dem Pokalspiel in Burghausen wurde Halle deutlich dominiert. Die Hallenser hatten übrigens ihr letztes Pflichtspiel 15 Tage zuvor, dass nur am Rande.
Fakt ist, dass es nach wie vor von jedem seine Entscheidung ist wie er mit Corona umgeht: Ob man unter diesen Umständen nach Halle fahren möchte oder nicht, ob man unter diesen Umständen ins Sechzgerstadion gehen möchte oder nicht. Vor allem aber, ob man sich impfen lassen möchte oder nicht. Das ist und bleibt die persönliche Entscheidung von jedem einzelnen.





















