Im Hinblick auf die bevorstehende Wahl des neuen Verwaltungsrats im TSV München von 1860 e.V. auf der Mitgliederversammlung am 16. Juni im Zenith) haben wir alle 24 Kandidierenden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Um den wahlberechtigten Mitgliedern (und natürlich auch allen anderen interessierten Löwenfans) die Positionen der zur Wahl stendenen Personen vorzustellen. Erfreulicherweise sind 20 Fragebögen ausgefüllt zurück gesendet worden.
Wir veröffentlichen diese unkommentiert in alphabetischer Reihenfolge. Hier kommt der Fragebogen von Nicolai Walch.
Ich bewerbe mich als Verwaltungsrat, weil…
Walch: …ich möchte, dass die e.V.-Gremien mit kompetenten Menschen aus der Mitte des Vereins besetzt sind. Hier geht es um das Herz des gesamten e.V. Der Profifußball ist davon abgekoppelt. Für den gemeinnützigen Verein sind Menschen wichtig, die nicht kurzfristig kommen und dann wieder verschwinden, sondern in ein Amt hineinwachsen und auch nach Amtsniederlegung noch bei die den Löwen zu finden sind.
Welche Dinge hat der Verwaltungsrat in den letzten drei Jahren gut gemacht?
Walch: Der Verwaltungsrat arbeitet dann gut, wenn er mögliche Pflichtverletzungen erkennt, sodass diese nicht zu einem Vermögenschaden oder zu Rechtsnachteilen des Gesamtvereins führen. Außerdem sind die Einhaltung der Schweigepflicht und die Zurückhaltung einzelner Verwaltungsratsmitglieder in der Öffentlichkeit zu Dingen außerhalb der Kompetenz des Verwaltungsrates sehr wichtig. Beides ist gelungen.
Welche Dinge hätte der Verwaltungsrat besser machen können?
Walch: Im Nachhinein betrachtet: Noch konsequentere Ausübung der Überwachungsfunktion. Es ist allerdings auch immer schwierig, hier die richtige Balance zwischen Amt und menschlicher Bindung zu finden. Letztendlich haben wir eine Krise erfolgreich gemeistert und den Verein stets positiv handlungsfähig gehalten.
Mit welchen Aktivitäten/Projekten haben Sie sich in der Vergangenheit beim TSV 1860 München e.V. bereits eingebracht?
Walch: Mit ehrenamtlicher juristischer Unterstützung.
Der Profifußball ist das Aushängeschild von 1860 und traditionell das meistdiskutierte Thema in der Öffentlichkeit. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die KGaA in der nahen Zukunft?
Walch: Zunächst ist festzuhalten, dass der Verwaltungsrat gerade nicht operativ in die Profifußballgesellschaft einwirkt.
Die Herausforderungen der KGaA liegen auf der Hand: Erstens mit selbst generierten Mitteln schlagkräftig wirtschaften und Zweitens die Optimierung des Standorts Giesing. Man muss die vorhandenen Gegebenheiten und Möglichkeiten optimal nutzen.
Hasan Ismaik ist mit seiner Firma HAM zu 60% an der KGaA beteiligt. Die Kommunikation und Zusammenarbeit mit ihm gestaltet sich seit seinem Einstieg schwierig. Was ist Ihr Konzept für eine verbesserte Kommunikation/Zusammenarbeit mit Ismaik bzw. HAM?
Walch: Eine Tätigkeit des Verwaltungsrates ist insoweit weder satzungsmäßig vorgesehen noch praktisch möglich. Ich kann nur aus dem Beirat berichten, dass der e.V. hier stets zum Wohle der Gesellschaft handelt, trotz aller Herausforderungen immer sachbezogen agiert hat und das auch in Zukunft tun wird.
Die KGaA ist nach wie vor bilanziell überschuldet. Mit welchen Maßnahmen würden Sie die Entschuldung unter Einhaltung der Regularien von DFB/DFL vorantreiben?
Walch: Den Weg seit 2017 konsequent fortführen und sich nicht durch mit Bedingungen versehenen Fremdmittel in Abhängigkeiten begeben. Nie wieder soll die KGaA durch Irrgänge des e.V. gefährdet werden. Dies ist in den letzten Jahren gelungen. Alles andere steht nicht in unserer Macht.
Aber auch hier gilt: Der Verwaltungsrat hat keinerlei operative Kompetenz.
Die Situation um einen Ausbau des Grünwalder Stadions bzw. einen Neubau stockt seit einiger Zeit. Welche Stadionlösung schwebt Ihnen vor?
Walch: Ein urbanes Stadionerlebnis, bei dem die unfassbaren immateriellen Werte, die der Standort Giesing bringt, mittelbar optimal zum Wohle der Gesellschaft genutzt werden und damit auch wirtschaftlichen Nutzen bringen.
Was in der Diskussion oft untergeht: Den hohen Zuschauerschnitt haben wir gerade wegen dem Sechzgerstadion. Anderenorts würden wir in der dritten Liga oder auch im Mittelfeld der zweiten Liga vor tristen, leeren Rängen spielen und die Einnahmen aus Dauerkartenverkäufen wären dramatisch niedriger. Deswegen: So schnell wie möglich das im Bestand Mögliche realisieren.
Aber auch hier gilt: Der Verwaltungsrat hat keinerlei operative Kompetenz.
Welche Abteilungen liegen Ihnen außer dem Fußball noch besonders am Herzen und warum?
Walch: Rollsport, weil diese Abteilung einen ganz besonderen Spirit verbreitet.
Präzisionssport, weil Darts ein sehr großes Potential hat und großen Spaß bereitet.
Ski, weil wir hier eine große Tradition haben und auch heute sehr erfolgreich sind.
Vereinsgeschichte, weil Geschichtsbewusstsein unglaublich wichtig für eine gute Zukunft ist.
E-Sports, weil es am Puls der Zeit ist.
Boxen, weil dort gesellschaftlich und sozial Großes geleistet wird.
Bergsport, weil Naturverbundenheit mir viel bedeutet.
Wassersport, weil ich stolz auf unser Bootshaus bin und darauf, was die Abteilung aus ihren Möglichkeiten macht.
Inklusionssport, weil der menschliche Zusammenhalt wichtig ist.
Da es langsam ausufert, muss ich aufhören und möchte betonen, dass mir jede einzelne Abteilung und Sparte sehr am Herzen liegt, die Gedanken waren spontan und weder abschließend noch in der Reihenfolge wertend.
Was wollen Sie unseren Lesern noch mitteilen?
Walch: Beteiligt Euch aktiv am Vereinsleben. Es lohnt sich.
Bisher veröffentlichte Fragebögen der Verwaltungsrats-Kandidaten:
Thomas Baudisch
Robert von Bennigsen
Christian Dierl
Markus Drees
Robert Forster
Maximilian Glogger
Martin Gräfer
Thomas Hirschberger
Alexander Hofmann
Sascha Königsberg
Klaus Lutz
Gernot Mang
Gerhard Mayer
Martin Obermüller
Dieter Remmlinger
Klaus Ruhdorfer
Sebastian Seeböck











