Der Protest wir deutlicher
Die Luft wird dünner für Anthony Power. Wenn der Zuwachs bei der Größe der Spruchbänder und der Deutlichkeit der Aussagen, die sich gegen den Statthalter Hasan Ismaiks in München richten, so weitergeht, dann dürften wir schon bald die ganze Westkurve mit einem “Power raus”-Spruchband bedeckt sehen. In der 50. Spielminute der Partie gegen den MSV Duisburg am Samstag Nachmittag konnte das ganze Stadion die folgenden Zeilen aus dem Fanblock lesen:
WER MITARBEITERN DROHT, DIE EIGENE MACHT ÜBER SECHZIG STELLT,
FANS VERKLAGT UND DEN E.V. VERARSCHT, DESSEN TAGE SIND GEZÄHLT!
UNSERE FORDERUNG: POWER MUSS WEG!
Weitgehend Zustimmung von den Rängen
Die Reaktion auf den Rängen war relativ eindeutig: Keine Pfiffe, eher zustimmendes Zurkenntnisnehmen der Forderung der aktiven Fanszene. Zugegebenermaßen: An den ergänzenden “Power-Raus”-Rufen beteiligten sich – speziell auf der Stehhalle – bei Weitem nicht alle anwesenden Anhänger. Zu groß scheint bei vielen die Sorge, durch Unruhe im Umfeld könnte der aktuelle Aufwind, die Euphorie, die Tabellenführung in der 3. Liga gefährdet werden. Am sich anschließenden Gesang “Wir sind der Verein”, der ja die T-Shirt-Plagiats-Affäre aus der Sommerpause aufgreift, beteiligten sich dann aber schon deutlich mehr Löwen. Auch ein Statement. Auf das Scheichlied wurde am Samstag gänzlich verzichtet. Wahrscheinlich sinnvoll, denn es ist ja nicht final geklärt, ob dieses Lied eine Diskreditierung der Person Hasan Ismaik darstellt oder sich eigentlich gegen die ganze Situation und Gemengelage rund um den Einstieg des Hauptgesellschafters vor über zehn Jahren richtet – zu der natürlich und in erster Linie auch ein Anthony Power gehört.
Was machte Power im Sommer 2022?
Ebenfalls Unsicherheit besteht aktuell über die Rolle des Geschäftsführers der ausgelagerten Merchandising-GmbH in diesem so erfolgreichen Transfersommer. Ismaiks Statthalter an der Isar hat – so hörte man – dafür gesorgt, dass die Transfers zügiger als in den vergangenen Jahren realisiert werden konnten. Salopp gesagt: Der Toni half beim Durchwinken von gewünschten Neuzugängen. Nicht weniger – aber auch nicht mehr. Etwas anders klingt die Einschätzung von Powers Rolle wiederum in Kreisen, die man wohl als Investoren-freundlich bezeichnen kann und muss. Der neue Mitarbeiter des größten Blogs im Löwenumfeld, Journalist Marco Blanco Ucles, am Samstag Nachmittag offensichtlich alleinverantwortlich für die Berichterstattung aus dem Sechzgerstadion, formuliert in seinem Spieltagsrückblick am Sonntag Vormittag:
Zum Weinen: Die XXL-Plakate gegen Anthony Power. Genau die Fans, die die Abberufung des Ismaik-Gesandten fordern, bejubeln die Mannschaft, die auch von Power herausragend mitgestaltet worden ist. Nennt man das Doppel-Moral?
Einfluss auf die Kadergestaltung?
Für den außenstehenden Löwenfan sowie den hier formulierenden Fanreporter, dem der Einblick natürlich fehlt, stellt sich angesichts solcher Einlassungen von Journalisten die Frage: Welche Rolle spielte Anthony Power nun wirklich in diesem Sommer? Welche Aufgabe hat er eigentlich grundsätzlich an der Grünwalder Straße 114 – jenseits des Fanartikel-Geschäfts? Arbeitet er dem Sportdirektor Günther Gorenzel womöglich intensiver zu, als die Öffentlichkeit bislang erfahren hat?
Oder war es doch nur das oben genannte Beschleunigen von Transfers im Juni und Juli? Das wäre zweifelsohne auch lobenswert und hat geholfen, 1860 nun in eine sehr komfortable Tabellensituation zu führen. Aber aus Sicht beider 1860-Gesellschafter, die ja ein hohes Interesse an sportlichem Erfolg haben sollten, eigentlich nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit.
Die KGaA kann aufklären
Aufräumen mit den Fragezeichen rund um die Figur Anthony Power und seinem Einfluss auf die Kaderzusammenstellung beim Tabellenführer der 3. Liga könnte die TSV 1860 KGaA. Welche Rolle spielte der Mann nun wirklich im Sommer 2022? Nicht wenige Fans würde das brennend interessieren. Ist dieses Thema ein für alle Mal und final geklärt, fällt eine wichtige Unsicherheit weg. Auch in Bezug auf die Lobeshymnen von Michael Köllner auf den Ismaik-Gesandten vor Saisonbeginn. Auf der anderen Seite könnte die Luft für Power dann nochmal dünner werden. Womöglich würden sich dem Protest und der Forderung der Kurve dann noch mehr Fans anschließen. Vielleicht schon im nächsten Heimspiel gegen Erzgebirge Aue.















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