Mit dem Kassenwart, bekannt aus dem Kommentarbereich von sechzger.de und weiteren Foren, hat bereits ein Leser mehrere Gastbeiträge veröffentlicht. Nun hat uns Leser Holger ebenfalls einen Artikel zukommen lassen, der sich mit dem am Mittwoch erschienenen Beitrag zu den Kosten beim Grünwalder Stadion beschäftigt. Konkret geht Holger dabei auf die Isarphilharmonie ein.
Der Gastbeitrag zum Artikel “Die Kosten beim Grünwalder Stadion
Liebe 60er-Fans und Fans des Grünwalders,
natürlich auch liebe Münchnerinnen und Münchner, liebe Stadträt*innen,
viele Argumente sind ja schon genannt, was die oft angeprangerten „immens hohen“ Kosten (ca. 80 Millionen, nach neuen Schätzungen) für den Ausbau des Grünwalder Stadions relativiert: z.B. die Renovierung des Glasdaches für das kaum genutzte Olympiastadion. Oder die ebenso immensen Kosten, welche die Stadt München für ein paar Spiele der nächsten Fußball-Euro beisteuern muss. Oder was für den Bau der Arena an Steuergeldern aufgebracht wurde, von denen nur der FCB dauerhaft profitieren wird.
Ich möchte an der Stelle mal noch eine andere Perspektive reinbringen.
Und zwar war ich diese Woche in der Isarphilharmonie auf einem wirklich sehr schönen klassischen Konzert, ein Weihnachtsgeschenk meiner Frau. Ein toller Bau – die Isarphilharmonie, mit großartiger Akustik.
Mehrere hundert Millionen für Musik – gleich zwei Mal
Wenn ich mir nun aber die Summen anschaue, die durch die Stadt München (und den Freistaat Bayern) für den Klassikgenuss bereitgestellt werden, verdirbt es mir fast noch im Nachhinein den Abend:
- 43 Millionen für den Bau/Umbau der Isarphilharmonie, die als Provisorium bis mindestens 2030 dienen soll, wenn dann der Gasteig frühestens fertig saniert ist. (Nordbayern.de) Fun Fact am Rande: Zugunsten einer optimalen Akustik wurden „sogar die Oberflächen der Sitze aufwändig nach ihre Schalleigenschaften ausgesucht“ (aus dem Flyer zur Eröffnung der Isarphilharmonie). Lecko mio…
Aber OK, zugegeben, dies ist vergleichsweise (zu den Zahlen unten) tatsächlich günstig! - Die Kosten für die Sanierung des Gasteig in der Zwischenzeit: „Entweder es bleibt bei der Grenze von 450 Millionen Euro und er bekommt eine Basis-Sanierung inklusive Konzertsaal-Ertüchtigung, die die meisten Besucher kaum bemerken werden. Oder man legt ordentlich drauf und steht zu einem neuen, hochmodernen Gasteig.“ (sueddeutsche.de)
- Und dann soll/wird ja noch der neue Konzertsaal „auf Weltniveau“ kommen (geplanter Start der Bauarbeiten ist 2025). Mittlerweile liegen die Schätzungen bei bis zu 700 Millionen Euro (sueddeutsche.de). Auch wenn hier der Freistaat Bayern wohl größtenteils die Kosten des Baus übernimmt und der Rest durch private Spender aufgebracht werden soll – auch hier stecken dann jede Menge Münchner Steuergelder drin…
Mein Punkt ist, dass ich gar nicht die sogenannte „Hochkultur“ gegen den Bau oder die Erweiterung eines Fußballstadions aufwiegen will. Ich möchte fragen: Warum werden in das eine riesige Summen gesteckt, und beim anderen „muss die Finanzierung gesondert geprüft werden“ bzw. wird eine „Amortisierungsmiete angestrebt“?
Man kann das ja machen, so viel Geld in die Konzertsäle stecken. Aber warum dann nicht einen kleinen Teil davon in den Stadionumbau?
Umgekehrt: Wenn die Finanzlage die „Variante mit dem höchsten Mehrwert“ nicht zulässt – muss man dann nicht fordern, dass wir uns mit der Isarphilharmonie dauerhaft „begnügen“ und nicht noch den Gasteig sanieren UND zusätzlich noch ein weiterer Konzertsaal gebaut wird?
Wieso sind die Kosten beim Grünwalder Stadion in diesem Zusammenhang überhaupt ein Problem?
Und was ich mir dazu auch noch denke:
- In einem Konzertsaal finden geschätzt im Jahr 200 Konzerte à 1900 Zuschauer*innen statt, alleine zum TSV 1860 kommen dann 18.000 in ca. 20 Heimspielen. Die absolute Zahl pro Jahr an Zuschauer*innen unterscheidet sich dann nur marginal (380.000 / 360.000; vermutlich wird beides nicht immer ausverkauft sein). Es würde also eine vergleichbare Personenzahl profitieren.
- Dazu vermute ich, dass sowohl die Münchner Philharmoniker wie auch das BR Rundfunkorchester zusätzlich subventioniert werden.
- Wer die Preise für die günstigsten Tickets im Grünwalder Stadion mit denen in der Isarphilharmonie vergleicht, wird kaum abstreiten können, dass sich dies – zumindest als mehrmaliges Erlebnis – nur diejenigen leisten können, die ohnehin schon viel Geld verdienen und haben. Muss man diesen eine für sie vermutlich gut leistbare Karte hoch subventionieren, während viele eher geringverdienende Löwenfans die Ausbaukosten letztlich über Eintrittspreise refinanzieren sollen?
- Hat der Fußball nicht mindestens ebenso gesellschaftlichen Nutzen wie die „Kultur“, indem er Menschen aller „Schichten“ zusammenbringt, vielen Haltlosen Halt gibt und u.a. über die Fanbeauftragten wahrhaftig Sozialarbeit „an der Wurzel“ betreibt?
Und damit am Ende meine ketzerische Frage: Wird da etwa mit zweierlei Maß gemessen? Wird da die „Hochkultur“, die klassische Musik etc. als höherwertig eingestuft als der „Proletensport Fußball“? Ist ersteres förderungswürdiger, das andere halt nur bedingt? Braucht München seine Konzertsäle als „Leuchttürme“, während wir beim Fußball ja schon den Leuchtturm FCB mit seiner Arena haben, das sollte dann doch reichen?!
Ich hoffe, dass es nicht so ist. Ich hoffe, dass nicht nur der Klassikgenuss förderungswürdig ist, sondern auch ein Fußballstadion und damit ein Verein, der für viele Münchner*innen (und Auswärtige) ein wichtiger Lebensinhalt, sozialer Treffpunkt und Ort der Freude (und der Verzweiflung 😉) ist.















