Die Redaktion von sechzger.de wendet sich mit einem offenen Brief an Hasan Ismaik.
Sehr geehrter Herr Ismaik,
am Freitag haben Sie uns wieder in einem Ihrer zahlreichen Social-Media-Posts mit warmen Worten bedacht. Wir möchten Ihnen für den sachlichen Ton und die ausgewogene Wortwahl danken. So verhält sich jemand, der es mit dem TSV 1860 München gut meint.
Dennoch sind uns bei der genauen Lektüre Ihrer Auslassungen einige Punkte aufgefallen, die wohl in der Übersetzung nicht ganz korrekt wiedergegeben wurden. Daher freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir die unzutreffenden Behauptungen in Ihrem Schriftstück widerlegen dürfen.
“Mich und meinen Übersetzer beleidigt”
Sie schreiben, wir hätten Sie und Ihren Übersetzer beleidigt. Hier ist die deutsche Sprache tatsächlich etwas kompliziert, daher klären wir gerne auf: beleidigt werden und beleidigt sein ist nicht das Gleiche.
Jemanden beleidigen (im strafrechtlichen Sinne) bedeutet, eine Person in rechtswidriger Weise in deren persönlichen Ehre herabzuwürdigen. Überführt man jedoch eine Person nachweislich – beispielsweise in Ihrem konkreten Fall mittels eines vereidigten Übersetzers – der Unwahrheit, liegt keine Beleidigung vor. Vielmehr stellt dies die sorgfältige Ausübung von recherchenbasierter Berichterstattung dar, welche glücklicherweise von der in unserem Rechtsstaat durch das Grundgesetz manifestierten Pressefreiheit geschützt ist. Hier sind wir uns ja einig: die Pressefreiheit ist eine tolle Sache.
Zurück zum Ursprung. Belegte Tatsache ist: Ihr Übersetzer hat im gegenständlichen Video die Passage mit “Pro1860” und den “Ultras” falsch übersetzt – denn in der Übersetzung kommen diese Faninitiativen mit keiner Silbe vor, daher ist die Übersetzung unvollständig und demzufolge falsch. Aufgrund der uns bewussten Sensibilität hinsichtlich des Begriffs “zerstören” oder “vernichten” haben wir erst nach der Konsultation eines gerichtlichen Übersetzers berichtet. Nach Ihrem (unbelegten) Dementi der im Raum stehenden Begrifflichkeiten bemühten wir uns zur Aufklärung der Situation einer beglaubigten Übersetzung eines gerichtlich vereidigten Übersetzers, der die Wortwahl “zerstören” bestätigte.
Wollten Sie nicht die Übersetzung veröffentlichen?
Sie kündigten vergangenen Sonntag vollmundig via Facebook an, denselben Übersetzer zu beauftragen, um den Wortlaut erneut übersetzen zu lassen und diese neue Übersetzung innerhalb von 48 Stunden zu verkünden.
Unseren Quellen zufolge haben Sie denselben Übersetzer auch entsprechend beauftragt. Jedoch scheint auch diese Zweitübersetzung zum gleichen Wortlaut gekommen zu sein, sodass Sie zum Ergebnis dieses Auftrags entgegen Ihrer Ankündigungen kein Wort mehr verloren haben – stattdessen wird nun in Ermangelung von Gegenargumenten wieder der bei Ihnen fast schon inflationär verwendete Begriff “Lüge” hervorgekramt, den Sie gegen so gut wie alles und jeden verwenden, der nicht Ihrer Meinung ist und Ihnen – faktenbasiert – widerspricht. Das ist gelebte Demokratie, wir gratulieren!
Fazit: Sie wurden nicht beleidigt, Sie sind beleidigt.
“Nicht leichtfertig mit dem Wort ‘Gewalt’ umgegangen”
Sie schreiben darüber hinaus, dass aus Ihren Äußerungen zu “Pro1860” und den “Ultras” klar hervorgehe, dass Sie nie leichtfertig mit dem “großen Wort Gewalt” umgegangen seien.
Von “Gewalt” war in unserer Berichterstattung ebenso wenig wie in den Artikeln des “Löwenmagazins”, der “Süddeutschen Zeitung” und anderen Medien die Rede. Dieser kognitive Transfer entspringt allein Ihrer Interpretation. Wir haben Sie lediglich mit einer wörtlichen, interpretationsfreien Übersetzung Ihrer Worte konfrontiert.
“Verfälschung von Fakten”
Sie äußern, Sie werden die Demokratie und die Pressefreiheit immer respektieren, “aber in der Demokratie, die Deutschland groß gemacht hat, geht es nicht um die Verfälschung von Fakten, sondern darum, den Bürgern und Lesern zu helfen, die Wahrheit zu erfahren, die gründlich und ehrlich aufbereitet wurde.”
Einen Respekt vor der Pressefreiheit können wir Ihren Worten nicht entnehmen. Wer kritische, jedoch sorgsam belegte Berichterstattung pauschal als Lüge abzeichnet ohne Gegenbeweise zu erbringen, zeigt unserer Ansicht nach kein Verständnis für die freie Berichterstattung in diesem Land.
Dass Sie die Pressefreiheit im Allgemeinen respektieren, widerspricht im übrigen auch Ihrem Umgang mit der Presse in der Vergangenheit. Aber dazu haben wir ja bereits gesondert berichtet. Frau Ellwanger von der “Bild”-Zeitung pflichtet uns bestimmt bei – ebenso wie die gesamte Münchner Presselandschaft, die Sie im Jahre 2016 aussperren ließen.
Abschließend noch eine Frage an Sie als selbsterklärter Demokratiefreund: wie bringen Sie es in Einklang, einerseits “die Demokratie zu achten” und andererseits demokratische Institutionen wie die Mitgliederversammlung des Vereins, das höchste beschließende Organ, unverblümt mit dem russischen Angriffskrieg Wladimir Putins in der Ukraine gleichzusetzen?
“Euer Blog wird von gewissen e.V.-Funktionären gelenkt”
Sie schreiben, unser Fanportal oder “Blog”, wie Sie sagen, sei von e.V.-Funktionären gelenkt. Erneut bleiben Sie hinsichtlich dieser durchaus als öffentliche Begehung der üblen Nachrede bzw. Verleumdung klassifizierbaren und somit strafrechtlich relevanten Behauptung jegliche Belege schuldig und bedienen sich dem Jargon, der auf Ihrem treuen Hausblog zu finden ist. Wir raten Ihnen höflichst, derartige Unterstellungen in der Zukunft zu unterlassen.
Wir können Sie jedoch beruhigen: wir sind ein unabhängiges Fanportal. Das werden wir auch immer bleiben. Wir bestehen aus einem großen, heterogen aufgestellten Team mit verschiedenen Meinungen. Eine etwaige Steuerung durch Dritte findet nicht statt. Wir bringen auch keine Printmagazine heraus, deren mangelnder Absatz uns in eine finanzielle Schieflage bringen und empfänglich für externe, nicht ganz uneigennützige Hilfe machen könnte.
Lassen Sie uns noch auf einen letzten Punkt eingehen. Sie schreiben, Sie seien “über 1860 und das Dahinter bestens informiert”. Wir müssen Sie enttäuschen: das sind Sie ganz offensichtlich nicht. Entweder meinen es Ihre “Vertrauensleute” vor Ort nicht ehrlich mit Ihnen, oder es wird wie üblich alles falsch übersetzt.