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Gegner im Fokus: der TSV Aubstadt

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TSV Aubstadt Türkgücü München Toto Pokal 3 1 Viertelfinale NGN Arena

Beim TSV Aubstadt sprechen sie selbst vom Highlight der Vereinsgeschichte. Der Regionalligist trifft heute im Toto-Pokal Halbfinale auf den TSV 1860 München und freut sich auf ein Fußballfest in der heimischen NGN-Arena. Wir stellen den Verein aus Unterfranken zum Beginn in den Spieltag vor.

Langsam, aber kontinuierlich

1957/58 sowie 1960/61 Meister in der C-Klasse – unter der Rubrik “Erfolge” auf der vereinseigenen Homepage präsentiert sich der TSV Aubstadt als ein bodenständiger Club. Jeder Aufstieg ist dort festgehalten und dokumentiert den stetigen Weg bergauf, den die Unterfranken in den vergangenen Jahrzehnten hinter sich gebracht haben. 80/81 ging es erstmalig in die Bezirksliga, gut 15 Jahre später durfte man das erste Mal in der Landesliga antreten. Natürlich musste der TSV Aubstadt auch Abstiege hinnehmen, doch man schaffte es immer wieder, die sportlichen Misserfolge mit einem Aufstieg zu kompensieren.

So richtig im Spitzenfeld der Landesliga Nord spielte der Verein erstmalig in der Saison 2011/12 mit – und schaffte prompt den Aufstieg in die Bayernliga Nord. Es folgten ein dritter Platz sowie zwei Vize-Meisterschaften. Beide Möglichkeiten zu einer Teilnahme in der Regionalliga Bayern vergab man in der Relegation (13/14 gegen den 1.FC Schweinfurt sowie 17/18 gegen die SpVgg Bayreuth). Schlussendlich klappte es aber dann doch: Den bislang größten sportlichen Erfolg gab es in der Spielzeit 2018/19 zu bejubeln. Als Meister der Bayernliga Nord schaffte der TSV Aubstadt den Sprung in die Viertklassigkeit.

TSV Aubstadt will Sensation gegen die Löwen schaffen

Dort gelang im Premierenjahr ein mehr als respektabler 5.Platz. Nach 25 absolvierten Partien war das Abenteuer Regionalliga allerdings vorzeitig beendet, die Saison wurde wegen der Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochen. Auch momentan läuft es wieder bei den Unterfranken. Mit aktuell 45 Punkten liegt man auf Rang 7 und komfortable 19 Punkte vor der Abstiegszone. Damit dürfte das dritte Jahr Viertklassigkeit in Folge gesichert sein. Denn die Kluft zu Spitzenreiter Bayreuth ist noch einmal größer. Ganze 26 Punkte trennen den Ligaprimus und die Unterfranken.

Doch damit wird man im beschaulichen Aubstadt keine allzu großen Probleme haben. Der Ort selbst liegt im Landkreis Rhön-Grabfeld und zählt gerade einmal 750 Einwohner. Auf der Internetseite der Gemeinde – übrigens eine der kleinsten, selbständigen in Bayern – ist natürlich auch der ortsansässige TSV vermerkt, durch den Aubstadt überegional bekannt wurde. Viele der Einwohner scheinen sich im Verein zu engagieren, schließlich zählt dieser 420 Mitglieder. Seit 1921 wird in Aubstadt Sport betrieben, aktuell gibt es neben Fußball noch die Abteilungen Tennis und Damengymnastik.

Torhüter Lukas Wenzel nutzte vergangenes Wochenende spontan die Gelegenheit und fuhr nach Mannheim zum Duell der Löwen gegen den Waldhof. Neben der tollen Atmosphäre schöpfte der 22-Jährige, der 2020 von Lok Leipzig nach Aubstadt und seine Jugend beim 1.FC Nürnberg verbrachte allerdings auch Mut und geht selbstbewusst in das Duell mit dem TSV 1860 München.

Auch wenn wir natürlich der klare Außenseiter sind, sehe ich durchaus Chancen für uns.

Ab 14:00 Uhr (sechzger.de Liveticker) wird sich zeigen, wer den Sprung in das Toto-Pokal Finale schaffen wird – entweder der TSV 1860 München oder aber der TSV Aubstadt. Unabhängig von dem Ausgang der Partie dürfte schon jetzt klar sein, dass die Rubrik “Erfolge” um einen Eintrag reicher werden dürfte. Auch der Einzug in das Halbfinale ist schon eine riesige Errungenschaft für den Verein aus Unterfranken.

TSV Aubstadt – TSV 1860 (Toto-Pokal): Ergebnistipp Bernhard Winkler

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Bernhard Winkler TSV 1860

Aufstiegsheld und zweitbester Bundesliga-Torschütze der Löwen-Historie – Bernhard Winkler hat beim TSV 1860 auf sportlicher Ebene durchaus Spuren hinterlassen. Heute tippt der ehemalige Stürmer die Pokal-Partie der Löwen beim TSV Aubstadt.

Winkler tippt auf knappen Sieg des TSV 1860

Nachdem die Unterfranken zuvor unter anderem Türkgücü München ausschalten konnten, ist der gebürtige Würzburger (und somit Unterfranke) Bernhard Winkler vorsichtig. Zwar glaubt er fest an ein Weiterkommen der Löwen, von einem Schützenfest geht er jedoch nicht aus.

“Mein Tipp:
1:2 für 1860”

Gegen ein bisschen mehr Schonung der Nerven hätten wir aber natürlich auch nichts einzuwenden…

Deutscher Meister mit Kaiserslautern

Nachdem Bernhard Winkler zunächst in seiner fränkischen Heimat und beim SV Türk Gücü München auf Torejagd gegangen war, wechselte er 1990 vom FC Schweinfurt 05 zum 1. FC Kaiserslautern. Dort absolvierte er 18 Bundesligaspiele, erzielte vier Tore und feierte 1991 die Deutsche Meisterschaft mit den Pfälzern.

Nachdem Bernhard Winkler weder bei der SG Wattenscheid 09 noch bei Fortuna Köln glücklich geworden war, wechselte er im Sommer 1993 zum TSV 1860 München. Dort traf er auf Trainer Werner Lorant, mit dem er bereits beim SV Heidingsfeld zusammengearbeitet hatte.

64 Tore für die Löwen in der Bundesliga

16 Tore steuerte Winkler in seiner Premierensaison zum Bundesliga-Aufstieg bei, es folgten 64 weitere Treffer in der höchsten deutschen Spielklasse. Lediglich Rudi Brunnenmeier hat in der Bundesliga öfter für die Löwen getroffen.

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 2002 war Winkler im Sommer 2005 kurzzeitig Trainer beim FC Ismaning. 2009 kehrte er zu den Löwen zurück und wurde Co-Trainer von Ewald Lienen. Auch als Life-Kinetik-Coach und Trainer der U23 war Winkler beim TSV 1860 beschäftigt.

Im Jahr 2018 bewarb sich Winkler im “Team Profifußball” um einen Platz im Verwaltungsrat des TSV 1860. Nicht zuletzt aufgrund eines etwas unglücklichen Auftritts auf der Mitgliederversammlung wurde er – genau wie all seine Mitstreiter – nicht in das Vereinsgremium gewählt.

Relegationsspiele terminiert

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1860 Terminierungen 3 Liga Saison 2021 2022
1860 Terminierungen 3 Liga Saison 2021 2022

Durch das Aus von Türkgücü ist der TSV 1860 München wieder mehr als eine Randnotiz im Aufstiegsrennen. Gut, dass die DFL nun die Relegationsspiele terminiert hat.

Hinspiel am 20. Mai

Das Hinspiel wird am Freitag, dem 20. Mai, stattfinden. Dabei wird der Drittligist Heimrecht genießen. Jahreskartenbesitzer sollten sich diesen Termin also vorsorglich schon mal vormerken.

Rückspiel am 24. Mai

Das Rückspiel steigt vier Tage später beim teilnehmenden Zweitligisten, also am Dienstag, dem 24. Mai. Der Anstoß der beiden Relegationsspiele ist jeweils auf 20:30h terminiert. Falls der Drittlisgist aufsteigen sollte, muss er also in der Fremde feiern. Nach aktuellem Tabellenstand in der zweiten Liga, wäre das in Dresden. Es gibt angenehmere Settings für eine Aufstiegsfeier… Zum Beispiel Sandhausen, die liegen nur zwei Punkte vor Dynamo Dresden.

Beide Spiele im TV

Das Hin- und Rückspiel werden sowohl bei Sky als auch im Free-TV übertragen. Im Free-TV überträgt Sat1. Sollten die Löwen tatsächlich noch in die Relegation kommen, stünden die Chancen nicht schlecht. Von 13 Vergleichen in der Relegation setzte sich acht Mal der Drittligist durch.

U21: Amateure bei Tabellenführer SpVgg Hankofen-Hailing gefordert

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U21 Sponer Valentin Amateure

Auswärts beim Tabellenführer – es gibt einfachere Aufgaben… Obwohl die Amateure des TSV 1860 am Samstag (14 Uhr) als Außenseiter zur SpVgg Hankofen-Hailing reist, gibt es bei der U21 auch Anlass zur Hoffnung.

Amateure des TSV 1860 bei SpVgg Hankofen-Hailing

Nachdem die Partie beim TSV Schwabmünchen unter der Woche coronabedingt kurzfristig abgesagt werden musste, konnte sich das Team von Trainer Frank Schmöller ausgiebig auf die Herausforderung in Niederbayern vorbereiten. Klar ist: Die SpVgg Hankofen-Hailing steht nicht umsonst souverän an der Tabellenspitze, während die Löwen Amateure sich durch zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen von der Abstiegszone abgesetzt haben.

Grund zur Hoffnung bietet vor allem, dass mit Kapitän Valentin Sponer (siehe Titelbild) und Fabian Rother zwei Akteure zurückkehren, die zuletzt verletzt ausgefallen waren. Da jedoch trotzdem nur zwölf fitte Feldspieler zur Verfügung stehen, wird die U21 den Kader mit einigen A-Jugendlichen auffüllen. Die U19 tritt ihrerseits am Samstag (16 Uhr) in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga gegen die SG Quelle Fürth an.

Titelbild: TSV 1860

PK in Aubstadt: Kleinhenz würde Salger nehmen

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Digitale Pressekonferenz in Aubstadt

Besondere Ereignisse erfordern besondere Maßnahmen. Aufgrund der “hohen Resonanz zum Spiel gegen den TSV 1860” veranstaltete der TSV Aubstadt gestern am frühen Abend eine Pressekonferenz, die auch auf den Social Media Kanälen des Vereins übertragen wurde. Medienvertreter aus München konnten sich – als besonderer Service – via MS-Teams zuschalten und so der Veranstaltung aus der Ferne beiwohnen. Auf dem Podium hatten Präsident Herbert Köhler, Pressesprecher Philipp Müller, Cheftrainer Victor Kleinhenz sowie der Spieler Christopher Bieber, der auch als spielender Co-Trainer fungiert, Platz genommen. (Im Titelbild von rechts nach links zu sehen)

Highlight der Vereinsgeschichte

Präsident Herbert Köhler blickte in seinem optimistischen Statement ausführlich auf die Entwicklung des Vereins in den letzten Jahrzehnten zurück, die mit dem Spiel gegen den TSV 1860 München einen vorrübergehenden Höhepunkt erreicht. Er selbst steht seit neun Jahren an der Spitze des TSV Aubstadt.

Die letzten Jahre ist es bei uns stetig bergauf gegangen. Es hat sich alles verändert und wir sind letztlich in der Regionalliga gelandet. … Das größte Highlight ist jetzt natürlich das Halbfinale gegen Sechzig. … Ich wünsche mir, dass wir ein gutes Spiel sehen und ich schätze unsere Chancen auch mindestens fifty-fifty ein. am Ende glaube ich, dass wir ins Finale einziehen können.

Probetraining bei den Löwen

Stürmer Christoph Bieber verriet, dass er vor zehn Jahren einmal mehrere Tage zum Probetraining in München an der Grünwalder Straße 114 vorgespielt habe. Der Trainer beim Zweitligisten hieß damals Alexander Schmid. Leider wurde es mit einer Verpflichtung aber nichts. Seine 70 Dritlliga- und zwei Zweitligaspiele bestritt der 32jährige für den KSC, die Würzburger Kickers und Rot-Weiß Erfurt. Bieber freue sich nun aber umso mehr, “im höheren Fußballeralter einmal in einem Pflichtspiel gegen die Sechziger anzutreten.”

Welchen Spieler hätte der Aubstadt-Coach gern?

Vom Aubstädter Trainer wollte der Vertreter von sechzger.de in der PK wissen, welchen Spieler aus dem aktuellen Löwenkader er sich denn für die morgige Partie aussuchen würde, wenn er Michael Köllner einen Akteur abluchsen könnte. Und die Antwort war einigermaßen überraschend. Machte mit der Begründung aber Sinn:

Da ich ja ein großer Anhänger vom 1. FC Köln bin, würden wir dann hinten den STEPHAN SALGER aus der Innenverteidigung nehmen.

Da wird aber leider nichts draus. Die Löwen reisen buchstäblich mit dem letzten Aufgebot nach Unterfranken und der Routinier, der 1860 nach dieser Saison verlassen wird und zum besagten 1. FC Köln in die zweite Mannschaft in der Regionalliga West zurückkehrt, wird natürlich dringend gebraucht, um mitzuhelfen, das Pokalfinale zu erreichen!

 

 

 

Michael Hofmann: Löwen erwartet ein Hexenkessel in Aubstadt

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Michael Hofmann TSV 1860 (1)

Im Sechzgerstadion mit Pfiffen bedacht

Mit Hexenkesseln kennt der Mann sich aus. Und auch mit gellenden Pfeifkonzerten in  Hexenkesseln. Am eigenen Leib erlebte er ein solches gegen sich selbst gerichtet, als er am 22. Mai 2005 nach der 3:4-Niederlage gegen LR Ahlen, mit der sein TSV 1860 gerade eben den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga verpasst hatte, vor der Westkurve des Sechzgerstadions ans Mikrofon gelassen wurde. Irgendetwas von der “geilen Allianz-Arena” rief Hofmann den Löwenfans entgegen, in die es in der kommenden Saison gehe – der Rest der Hofmannschen Ausführungen war nicht zu verstehen. Die angesprochenen Anhänger freuten sich in diesem Moment wohl weit weniger auf den neuen Spielort für ihre Löwen, als der Torhüter.

Nach der aktiven Karriere zu Türkgücü

Fünf weitere Jahre hechtete sich Hofmann noch für Sechzig durch die Fünfmeterräume der 2. Bundesliga – mit der Rückkehr ins Oberhaus klappte es leider bekanntermaßen auch in der Arena draußen am Müllberg nicht. Danach stand er noch 87 Mal für Jahn Regensburg zwischen den Pfosten und ließ seine Karriere in der Bayernliga Süd beim SV Pullach ausklingen. 2017 schloss sich Michael Hofmann dann dem Fußballprojekt Türkgücü München an. Zunächst nochmal für vier Spiele aktiv zwischen den Pfosten, dann in der Position des Torwarttrainers.

Hofmann schließt eine Überraschung nicht aus

Und in seiner Zeit mit den Perlachern reiste der gebürtige Bayreuther auch zweimal zum Auswärtsspiel nach Aubstadt, weshalb er sich nun – vor dem Totopokal-Halbfinale zwischen dem örtlichen TSV und 1860 München – in der Main-Post zu Wort meldet:

Ich freue mich auf diese Begegnung. Momentan pendele ich oft zwischen München und Oberfranken. Vielleicht kann ich bei dem Spiel sogar live vor Ort sein. Aubstadt hat jedenfalls eine echte Chance, die Überraschung zu schaffen und ins Pokal-Finale einzuziehen.

Als Türkgücü am 9. Oktober 2021 im Pokal-Viertelfinale beim TSV Aubstadt nach einer verdienten 1:3-Niederlage aus dem Wettbewerb ausschied, war Hofmann noch Torwarttrainer an der Heinrich-Wielandt-Straße. Die Zusammenarbeit endete dann zum Jahresende und Hofmann analysiert gegenüber der Main-Post, dass man bei Türkgücü “viele Fehler gemacht und die Geduld verloren” habe. Er blickt aber auch positiv auf diese Zeit zurück und sagt, es sei schön gewesen, den Weg aus der Landesliga bis in die 3. Liga mitgeganngen zu sein.

Zurück zum Spiel am morgigen Samstag äußert sich Hofmann auch zur Atmosphäre, die die Löwen am Grabfeld erwarten wird:

Das kann dort ein richtiger Hexenkessel werden. Aber 1860 hat beim 3:2-Sieg im Viertelfinale in Buchbach ja bereits eine ähnliche Atmosphäre erlebt.

Dass man angesichts der Cleverness der Löwenfans bei der Ticketbeschaffung für Spiele mit arg begrenzter Kapazität (wir erinnern an dieser Stelle gerne an die Drittligapartie bei Viktoria Köln Ende Januar) gespannt sein darf, wieviele Löwenfans morgen tatsächlich vor Ort sein werden und ob sie vielleicht sogar einen weiß-blauen Hexenkessel erzeugen können, bleibt abzuwarten. Michael Köllner rechnet übrigens mit einem “gefühlten Heimspiel”. Von seinen Spielern wird danach hoffentlich keiner ausgepfiffen!

Gastbeitrag zum Artikel „Die Kosten beim Grünwalder Stadion“

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TSV 1860 grünwalder stadion faninformationen

Mit dem Kassenwart, bekannt aus dem Kommentarbereich von sechzger.de und weiteren Foren, hat bereits ein Leser mehrere Gastbeiträge veröffentlicht. Nun hat uns Leser Holger ebenfalls einen Artikel zukommen lassen, der sich mit dem am Mittwoch erschienenen Beitrag zu den Kosten beim Grünwalder Stadion beschäftigt. Konkret geht Holger dabei auf die Isarphilharmonie ein.

Der Gastbeitrag zum Artikel “Die Kosten beim Grünwalder Stadion

Liebe 60er-Fans und Fans des Grünwalders,
natürlich auch liebe Münchnerinnen und Münchner, liebe Stadträt*innen,

viele Argumente sind ja schon genannt, was die oft angeprangerten „immens hohen“ Kosten (ca. 80 Millionen, nach neuen Schätzungen) für den Ausbau des Grünwalder Stadions relativiert: z.B. die Renovierung des Glasdaches für das kaum genutzte Olympiastadion. Oder die ebenso immensen Kosten, welche die Stadt München für ein paar Spiele der nächsten Fußball-Euro beisteuern muss. Oder was für den Bau der Arena an Steuergeldern aufgebracht wurde, von denen nur der FCB dauerhaft profitieren wird.

Ich möchte an der Stelle mal noch eine andere Perspektive reinbringen.

Und zwar war ich diese Woche in der Isarphilharmonie auf einem wirklich sehr schönen klassischen Konzert, ein Weihnachtsgeschenk meiner Frau. Ein toller Bau – die Isarphilharmonie, mit großartiger Akustik.

Mehrere hundert Millionen für Musik – gleich zwei Mal

Wenn ich mir nun aber die Summen anschaue, die durch die Stadt München (und den Freistaat Bayern) für den Klassikgenuss bereitgestellt werden, verdirbt es mir fast noch im Nachhinein den Abend:

  • 43 Millionen für den Bau/Umbau der Isarphilharmonie, die als Provisorium bis mindestens 2030 dienen soll, wenn dann der Gasteig frühestens fertig saniert ist. (Nordbayern.de) Fun Fact am Rande: Zugunsten einer optimalen Akustik wurden „sogar die Oberflächen der Sitze aufwändig nach ihre Schalleigenschaften ausgesucht“ (aus dem Flyer zur Eröffnung der Isarphilharmonie). Lecko mio…
    Aber OK, zugegeben, dies ist vergleichsweise (zu den Zahlen unten) tatsächlich günstig!
  • Die Kosten für die Sanierung des Gasteig in der Zwischenzeit: „Entweder es bleibt bei der Grenze von 450 Millionen Euro und er bekommt eine Basis-Sanierung inklusive Konzertsaal-Ertüchtigung, die die meisten Besucher kaum bemerken werden. Oder man legt ordentlich drauf und steht zu einem neuen, hochmodernen Gasteig.“ (sueddeutsche.de)
  • Und dann soll/wird ja noch der neue Konzertsaal „auf Weltniveau“ kommen (geplanter Start der Bauarbeiten ist 2025). Mittlerweile liegen die Schätzungen bei bis zu 700 Millionen Euro (sueddeutsche.de). Auch wenn hier der Freistaat Bayern wohl größtenteils die Kosten des Baus übernimmt und der Rest durch private Spender aufgebracht werden soll – auch hier stecken dann jede Menge Münchner Steuergelder drin…

Mein Punkt ist, dass ich gar nicht die sogenannte „Hochkultur“ gegen den Bau oder die Erweiterung eines Fußballstadions aufwiegen will. Ich möchte fragen: Warum werden in das eine riesige Summen gesteckt, und beim anderen „muss die Finanzierung gesondert geprüft werden“ bzw. wird eine „Amortisierungsmiete angestrebt“?

Man kann das ja machen, so viel Geld in die Konzertsäle stecken. Aber warum dann nicht einen kleinen Teil davon in den Stadionumbau?
Umgekehrt: Wenn die Finanzlage die „Variante mit dem höchsten Mehrwert“ nicht zulässt – muss man dann nicht fordern, dass wir uns mit der Isarphilharmonie dauerhaft „begnügen“ und nicht noch den Gasteig sanieren UND zusätzlich noch ein weiterer Konzertsaal gebaut wird?

Wieso sind die Kosten beim Grünwalder Stadion in diesem Zusammenhang überhaupt ein Problem?

Und was ich mir dazu auch noch denke:

  • In einem Konzertsaal finden geschätzt im Jahr 200 Konzerte à 1900 Zuschauer*innen statt, alleine zum TSV 1860 kommen dann 18.000 in ca. 20 Heimspielen. Die absolute Zahl pro Jahr an Zuschauer*innen unterscheidet sich dann nur marginal (380.000 / 360.000; vermutlich wird beides nicht immer ausverkauft sein). Es würde also eine vergleichbare Personenzahl profitieren.
  • Dazu vermute ich, dass sowohl die Münchner Philharmoniker wie auch das BR Rundfunkorchester zusätzlich subventioniert werden.
  • Wer die Preise für die günstigsten Tickets im Grünwalder Stadion mit denen in der Isarphilharmonie vergleicht, wird kaum abstreiten können, dass sich dies – zumindest als mehrmaliges Erlebnis – nur diejenigen leisten können, die ohnehin schon viel Geld verdienen und haben. Muss man diesen eine für sie vermutlich gut leistbare Karte hoch subventionieren, während viele eher geringverdienende Löwenfans die Ausbaukosten letztlich über Eintrittspreise refinanzieren sollen?
  • Hat der Fußball nicht mindestens ebenso gesellschaftlichen Nutzen wie die „Kultur“, indem er Menschen aller „Schichten“ zusammenbringt, vielen Haltlosen Halt gibt und u.a. über die Fanbeauftragten wahrhaftig Sozialarbeit „an der Wurzel“ betreibt?

Und damit am Ende meine ketzerische Frage: Wird da etwa mit zweierlei Maß gemessen? Wird da die „Hochkultur“, die klassische Musik etc. als höherwertig eingestuft als der „Proletensport Fußball“? Ist ersteres förderungswürdiger, das andere halt nur bedingt? Braucht München seine Konzertsäle als „Leuchttürme“, während wir beim Fußball ja schon den Leuchtturm FCB mit seiner Arena haben, das sollte dann doch reichen?!

Ich hoffe, dass es nicht so ist. Ich hoffe, dass nicht nur der Klassikgenuss förderungswürdig ist, sondern auch ein Fußballstadion und damit ein Verein, der für viele Münchner*innen (und Auswärtige) ein wichtiger Lebensinhalt, sozialer Treffpunkt und Ort der Freude (und der Verzweiflung 😉) ist.

TSV 1860 III: Knapper Sieg beim SV Stadtwerke München

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Tsv 1860 Dritte Sv Stadtwerke München

Das war ein hartes Stück Arbeit für die Dritte… Beim bislang noch sieglosen Tabellenvorletzten SV Stadtwerke München setzte sich der TSV 1860 III am Donnerstag Abend knapp mit 2:1 durch.

TSV 1860 II schlägt SV Stadtwerke München

Ein Augenschmaus war es nicht unbedingt, was den gut 50 Zuschauern auf dem Kunstrasenplatz auf der Sportanlage Lauensteinstraße geboten wurde. Die Löwen gingen zwar als hoher Favorit in die Partie, wurden dieser Rolle jedoch nur bedingt gerecht. Erst mit dem Halbzeitpfiff erlöste Andre Orbegozo Araujo den Aufstiegskandidaten und netzte zum 0:1 ein.

Als Jeffrey Ebert per Elfmeter auf 0:2 für der TSV 1860 III erhöhte (63.), schien die Messe gelesen, doch der SV Stadtwerke gab sich nicht geschlagen. Ebenfalls per Strafstoß verkürzte Frädrich für die Gastgeber (70.) und läutete eine spannende Schlussphase ein. Am Ende retteten die Löwen den knappen Vorsprung über die Zeit und verbesserten sich in der Tabelle vorläufig auf Platz 2.

Bild: Philipp Rapp

Sechzig um Sieben: Türkgücü abgemeldet, Sechzig springt auf Platz 5

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Sechzig um Sieben: Stefan Lex
Sechzig um Sieben: Löwen heute in Rostock

Türkgücü – der Spuk hat ein Ende

Nachdem bereits im Januar beim Neuperlacher Fußballexperiment das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, sind die Lichter jetzt endgültig aus: Türkgücü meldet die Mannschaft vom Spielbetrieb der Dritten Liga ab. Für die Löwen durchaus positiv: aufgrund der mäßigen bis indiskutablen Leistungen der Weiß-Blauen gegen “4Ü” in dieser Saison (1 Punkt aus zwei Spielen) hatten die Giesinger nicht viele Punkte, die sie verlieren konnten. Denn: durch den Rückzug von Türkgücü fallen diese aus der Wertung und alle bereits absolvierten Partien mit Türkgücü-Beteiligung ebenfalls. So verliert Sechzig einen Punkt, Saarbrücken sechs Punkte, Osnabrück und Mannheim je vier, Lautern, Magdeburg und Braunschweig je 3 Zähler. Das schiebt die Löwen auf Rang 5 der Dritten Liga, 3 Punkte entfernt vom Relegationsplatz und 6 Punkte vom direkten Aufstiegsrang zwei. Nach der Insolvenz und dem Zwangsabstieg vom Investorenkonstrukt KFC Uerdingen in der letzten Saison hat ein weiterer Investor in der Dritten Liga seinem Spielball die Luft ausgehen lassen: Hasan Kivran bezahlt bei Türkgücü ab April keine Gehälter mehr, sodass die Abmeldung des Spielbetriebs die logische Folge war.

Tabelle ohne Türkgücü

Warum die Punkteregelung nach dem Türkgücü-Aus keine Wettbewerbsverzerrung ist

Klar, die Löwen kommen bei den auf das Türkgücü-Aus folgenden Punktereduktion im oberen tabellendrittel am besten weg. In einem Gastbeitrag auf Sechzger.de hat der Kassenwart mal wieder zur digitalen Feder gegriffen. Heute behandelt er das Aus von Türkgücü und die “Mär von der Wettbewerbsverzerrung”. Äußerst lesenswert schildert er die verschiedenen Perspektiven, stellt Rechtsempfinden dem Gerechtigkeitsempfinden gegenüber und wirft einen kritischen Blick auf das Konstrukt der Dritten Liga, welche sich nun im dritten Jahr in Folge nach Kaiserslautern und dem KFC nun mit Türkgücü erneut mit einem Insolvenzfall bei einem ihrer gemeldeten Clubs auseinandersetzen muss. Hier geht’s zum Artikel!

Toto-Pokal in Aubstadt: Löwen lassen zehn Spieler daheim

Wein, Staude, Willsch, Linsbichler, Belkahia, Knöferl, Moll, Dressel, Wicht, Morgalla. Das ist nicht die Startaufstellung der Löwen für das nächste Spiel, sondern die Ausfall-Liste, die Chefcoach Michael Köllner am kommenden Samstag bei der Partie gegen Aubstadt im Toto-Pokal irgendwie kompensieren muss. Ob Kretzschmar im Tor stehen wird, steht indes noch nicht fest. Was Köllner noch zu seinem dezimierten Kader sagt, lest ihr hier. Den Gegner am kommenden Samstag (14 Uhr, Sechzger.de-Liveticker) sollte man – insbesondere mit “Not-Kader” – keinesfalls unterschätzen. Hier lest ihr, wie die Aubstädter ihren Weg durch den Toto-Pokal gemacht haben.

Restprogramm der Aufstiegskandidaten

Sieben bzw. 6 Spiele haben die “Top 6” der Dritten Liga noch vor sich. Und es ist für jede Mannschaft noch alles drin: während Magdeburg wohl souverän die Meisterschaft holen wird, sollte sich Kaiserslautern auf dem Tabellenplatz zwei nicht allzu sicher fühlen – zumal sie mit Saarbrücken noch einen Mitstreiter auf dem Restprogramm stehen haben. Mit Osnabrück und Magdeburg hat auch Tabellendritter Braunschweig noch diverse Nüsse zu knacken. Für die Löwen werden insbesondere die Partien gegen Osnabrück und Saarbrücken entscheidend. Aber eigentlich zählt ab jetzt ohnehin jedes Spiel, wo man durch Türkgücü wieder ins Aufstiegsrennen geworfen wurde. Hier findet ihr den Überblick der Restpartien.

Bericht: folgt Hitzlsperger auf Stimoniaris?

Dass zwischen dem ehemaligen Nationalspieler Thomas Hitzlsperger unddem TSV 1860 Gespräche über eine künftige Zusammenarbeit laufen sollen, ist ein offenes Geheimnis. In welcher Funktion der bald vom VfB Stuttgart scheidende 39-Jährige nach Giesing kommen soll, ist jedoch nicht bekannt. Könnte es sein, dass er den Aufsichtsratsvorsitzenden der KGaA, Sakis Stimoniaris ablösen soll, um den es nicht erst ruhig geworden war, seit die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen seine Person aufgenommen hatte? Auf Nachfrage von sechzger.de teilte die zuständige Staatsanwaltschaft Ende Februar mit, dass das Ermittlungsverfahren weiterhin andauert, da “insbesondere […] zu gewährende Äußerungsfristen mehrfach pandemiebedingt verlängert werden” mussten. Hat Stimoniaris noch die Kraft, das Amt bei den Löwen weiter auszuführen oder kann es Hitzlsperger eventuell viel, viel besser?

Bundesliga-Boxen: Tickets für das Löwen-Heimspiel verfügbar

Wer vor knapp zwei Wochen beim Bundesliga-Boxen gegen Traktor Schwerin dabei gewesen ist, kam auch ohne Box-Kenntnisse voll auf seine Kosten. Tapfer und nur knapp verloren die Löwen insgesamt gegen den Deutschen Meister. Nun geht es weiter: am 9. April um 18:60 Uhr dürfen bis zu 1.000 Zuschauer*innen die Box-Löwen bei ihrem Duell in der Bundesliga in Giesing gegen Tabellenführer BSK Hannover verfolgen – sicher ein hartes Stück Arbeit für die Mannschaft um Ali Cukur. Tickets gibt’s hier: www.tsv1860.org/shop/

Bild: (c) TSV München von 1860 e.V. Boxen; Fotograf: Sebastian Roiderer

Rückblick: 3:0 gegen VfB Helmbrechts am 24. März 1957

Vor 65 Jahren siegte die Löwenvertretung in der “II. Division Süd” vor 6.000 Zuschauern 3:0 gegen den VfB Helmbrechts.

Trainer Hans Hipp setzte am 24.03.1957 in Helmbrechts auf folgende Elf des TSV 1860.

Pilz – Köbler, Pfanzelt – Zausinger, Sommer, Lesjak – Albert, Mondschein, Börstler, Müller, Auernhammer

Tore:
0:1 Börstler (24.), 0:2 Börstler (63.), 0:3 Müller (83.)

News aus der Dritten Liga

Saabrücken will gegen Punkteregelung vorgehen

Den FC Saarbrücken hat der Rückzug von Türkgücü am härtesten erwischt: 6 Punkte verlieren die Saarländer infolge der Entnahme der Neuperlacher aus der Drittligawertung. Nun wollen sich die schwarz-blauen juristisch zur Wehr setzen: “Wir werden alle juristischen Möglichkeiten nutzen, um dieses unsportliche und unfaire Vorgehen des Punktabzuges zu verhindern”, teilte der Klub gegenüber dem “SID” mit. “Die sogenannten Insolvenzregeln, die nun zur Anwendung kommen, sind sowohl in sportlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht untragbar und müssen geändert werden.” Es könne nicht sein, “dass Klubs unverschuldet dafür bestraft werden, dass andere Vereine unter Aufsicht des DFB Misswirtschaft betrieben haben”.

Ob feststehende Regelungen nachträglich geändert werden können, erscheint uns etwas wacklig argumentiert. Eine Unsportlichkeit an dem Punktabzug erkennen wir zudem nicht, viel eher “gleiches Recht für alle” – jedoch trifft zu, dass der DFB bei der künftigen Lizenzvergabe für die Dritte Liga wohl genauer hinsehen muss.

Nach Türkgücü-AUS: DFB sieht sich nicht in der Verantwortung

“Das ist ein trauriger Tag für die 3. Liga. Den größten Schaden haben natürlich Türkgücü München und seine betroffenen Mitarbeiter*innen. Gleichzeitig ist es für die gesamte Liga und den Wettbewerb negativ, wenn ein Klub während der Saison ausscheidet”, so Hartmann (Geschäftsführer beim DFB und für die Dritte Liga zuständig) in einem Interview auf der DFB-Homepage. “Ziel muss sein, dass dieser Fall in der 3. Liga einmalig bleibt.” Obwohl nach Kaiserslautern und Krefeld nun mit Türkgücü in drei aufeinanderfolgenden Saisons drei Insolvenzfälle in der Dritten Liga eingetreten sind, sieht sich der DFB hier nicht in der Verantwortung: Zwar werde man “selbstkritisch (…) prüfen, ob Fehler im Rahmen des Zulassungsverfahrens gemacht wurden”, allerdings komme das Zulassungsverfahren in diesem Fall “an seine Grenzen, da die Klubs natürlich eigenständig Verträge mit Spielern und Trainern abschließen”, so Hartmann. “Wir können nur im Nachgang die Einhaltung der Planwerte überprüfen, diese in künftige Bewertungen einfließen lassen und Fehlverhalten sanktionieren. Das ist konsequent erfolgt.”

 

Gastbeitrag: Die Mär von der Wettbewerbsverzerrung in der Causa Türkgücü

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Der Kassenwart lässt Euch regelmäßig teilhaben an seinen Gedanken. Diesmal geht es um das frühzeitige Aus von Türkgücü in der laufenden Drittligasaison. Gerecht? Sportlich fair?

Viel Diskussion um Türkgücü

Nun ist es also amtlich. Endlich, möchte man sagen. Seitdem Investor Hasan Kivran sich vom Projekt aus Perlach zurückgezogen und damit die Türkgücü Fussball KGaA in die Insolvenz getrieben hat, wird immer wieder die Frage nach sportlicher Fairness gestellt. Schließlich wirbelt die Einstellung des Spielbetriebs sieben Spieltage vor Ende der Saison das Tabellenbild ordentlich durcheinander. Und der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung durch Annullierung der Spielergebnisse steht im Raum. Wenn man es aber einmal sachlich analysiert, ist die Streichung aller Spielergebnisse tatsächlich die fairste und beste aller möglichen Alternativen.

Spielordnung der 3. Liga von allen akzeptiert

Beginnen wir mit einer formalen Bewertung: Alle 20 Vereine der 3. Liga haben sich mit ihrer Teilnahme an der Saison 2021/22 zum Ligastatut und der Spielordnung zur Einhaltung der Regularien verpflichtet. Es ist ein gemeinsamer Vertrag aller Teilnehmer zu Stande gekommen. Nachdem – von allen unerwartet – nun eine Klausel dieses Vertrages tatsächlich zur Anwendung kommt, muss man sich fragen, ob die dagegen medial laustark reklamierenden Ligateilnehmer die zuvor akzeptierte Spielordnung künftig je nach Spieltagsergebnis interpretieren möchten. Formal jedenfalls besteht kein Zweifel, dass alle Teilnehmer einen solchen Fall der Abwicklung der Einstellung des Spielbetriebs mit Lizenzantrag zur 3. Liga im Voraus akzeptiert haben. Mit der Entscheidung des DFB wurde dem Recht also Ausdruck verliehen. Aber ist die Folge daraus auch gerecht?

Rechtsempfinden vs. Gerechtigkeitsempfinden

Natürlich empfinden viele Fans der mittels bereinigter Tabelle benachteiligten Vereine das Ergebnis als ungerecht. Gerechtigkeit ist weit subjektiver als Recht, weswegen es häufig zu Differenzen zwischen einem Rechtsspruch und dem Gerechtigkeitsempfinden kommt. Aber in Wahrheit gibt es verschiedene Formen von Gerechtigkeit, wie Verteilungsgerechtigkeit, ausgleichende Gerechtigkeit, Kompensationsgerechtigkeit etc. Ist es also beispielsweise gerecht, wenn ein Verein übermäßig von nachweislichen Fehlentscheidungen der Unparteiischen profitiert und aufsteigt? Der Verein ist im Recht, aber ist es auch gerecht? Und war es letztes Jahr gerecht, dass 1860 München als einziger Profiklub in Deutschland sämtliche Heimspiele als Geisterspiele absolvieren musste, seinen gewohnten Heimvorteil nicht ausnutzen konnte, während andere vor vielen Tausend Zuschauern als zwölftem Mann spielten? Wo war die Solidarität der Vereine in diesem Fall der offensichtlichen Wettbewerbsverzerrung? Von Coronahilfen mal ganz abgesehen, welche 1860 durch die Gesellschafterstruktur als einer von wenigen auch nicht erhalten hat.

Zwei Spiele gegen Türkgücü unter extrem unterschiedlichen Vorzeichen

Und jetzt fragt man sich, was eher einem sportlich fairem Wettkampf entspricht: Die Spielergebnisse von 19 Vereinen, welche sich auf Augenhöhe begegnen und unter gleichen Bedingungen in 36 Hin- und Rückspielen messen. Oder die Ergebnisse aus 36+2 Spielen, wobei die “+2” jeweils unter vollkommen unterschiedlichen Rahmenbedingungen absolviert wurden. Mal mit, mal ohne Trainer mit gültiger Lizenz. Mal hochmotiviert mit einem hochklassigen Kader, mal resigniert mit der Bürde von elf Punkten Abzug. Manchmal in Bestbesetzung und manchmal sogar – um Kosten zu sparen – ohne Ersatztorwart. Ist das noch faires, sportliches Kräftemessen?

Daher muss sich jeder fragen: Handelt es sich bei der Annullierung der Ergebnisse in der Causa Türkgücü nicht um sich selbst kompensierende Wettbewerbsverzerrung, somit um Kompensationsgerechtigkeit?

19 Teams werden am Ende der Saison 2021/22 um Auf- und Abstieg gespielt haben, eines ist zwischenzeitlich ausgeschieden. Letztlich können in einem sportlich fairen Wettkampf auch nur die Ergebnisse dieser 19 Teams gegeneinander gelten. Ansonsten könnte man zur Attraktivitätssteigerung künftig auch Gastteams aus anderen Ländern außerhalb eigener Wertung mitspielen lassen und die Spielergebnisse in Auf- und Abstieg einrechnen.

Lautern, Uerdingen, Türkgücü – jedes Jahr ein Insolvenzfall

Der DFB und die Vereine sind gefordert, künftig die Lizenzierung ernster zu nehmen. Und den Vereinen zu mehr wirtschaftliche Stärke zu verhelfen. Die 2.Mannschaften, welche hohe Gehälter zahlen können und in Konkurrenz zu den regulären Drittligisten stehen, sind der nächste Sargnagel der 3. Liga und ein Insolvenzauslöser. Wir weisen als Fans gern mal darauf hin. Nicht, dass später wieder ein DFB-Verantwortlicher sagt, das sei alles nicht absehbar gewesen.

Weitergehende Leseempfehlung

PS: Wen es interessiert, wie man einen Fussballverein „elegant“ saniert: Es gibt einen sehr lehrreichen Aufsatz von Sportökonom Daniel Weimar. „Insolvenzrelevante Fußball-Verbandsregularien in Deutschland” Ausgehend von den Besonderheiten des Fußballmarktes bieten sowohl aktuelle verbandsseitige Insolvenzregelungen als auch die Insolvenzordnung an sich Anreize zu einer – aus Verbands- und Wettbewerbersicht – dysfunktionalen Ausnutzung der Rechtsräume. Weimar weist in seinem Aufsatz nach, dass Fussballvereine Eintritt und Zeitpunkt einer Insolvenz nahezu beliebig selbst planen können.
Das kennen wir aus der näheren Vergangenheit. Let’s play fair, 3. Liga-Klubs!