Die Bombe platzte am 6. März 2021. An einem trüben Samstag Abend, die Löwen hatten ihr Auswärtsspiel in Duisburg am Nachmittag verloren und sich damit – vermeintlich – aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet, titelte das Löwenmagazin „Schrieb ARGE-Funktionär Beschwerdebriefe an den TSV 1860 München?“. Im Artikel wurde der Vorwurf erhoben, ein Funktionär des Fanclub-Dachverbandes habe sich mehrfach per Email an den TSV 1860 gewandt. Diese Person habe unter falschem Namen Stimmung gegen Mitarbeiter der KGaA gemacht. Am Tag darauf erklärte der ARGE-Vorsitzende Gerhard Schnell gegenüber den Regionsvorsitzenden seinen Rücktritt.
Auch bei sechzger.de wurde über diesen Rückzug berichtet. Die offizielle Begründung für den plötzlichen Abgang: Gesundheitliche Gründe beim ehemaligen Vorsitzenden und seiner Frau Jutta, der ehemaligen Fanbeauftragten des TSV 1860. Die KGaA äußerte sich zu den Vorwürfen gegen Schnell, deren Opfer ja ganz offensichtlich Mitarbeiter aus ihren eigenen Reihen waren, bis heute nicht.
Mangelhafte Aufarbeitung durch die ARGE
Interne Versuche der ARGE, Licht ins Dunkel zu bringen, verliefen bis dato weitestgehend im Sande. Dabei bleibt unklar, inwiefern eine Aufarbeitung der Causa Schnell überhaupt erwünscht ist.
Drei Wochen nach dem öffentlichen Bekanntwerden der Email-Affäre um Gerhard Schnell gab dieser auf der Website der ARGE eine Erklärung ab, in der er seine Taten einräumte:
“Es ist zutreffend, dass ich in der Vergangenheit aus der Anonymität heraus unter verschiedenen Pseudonymen Emails mit kritischen Inhalten an verschiedene Gremien bzw. Personen des TSV München von 1860 versandt habe.
Rückblickend war dies ein Fehler von mir gewesen, der mir leid tut und für den ich mich bei Euch und insbesondere bei allen betroffenen Personen sowie der KGaA des TSV München von 1860 ausdrücklich entschuldigen möchte.
Ich übernehme hierfür die Verantwortung.”
Die Frage, ob ein derartiges Verhalten mit einer solchen Erklärung, einen Fehler gemacht zu haben, dann vom Tisch ist, warf unser Kommentator in einem Beitrag wenige Tage später auf. Darum soll es aber in diesem Beitrag und in unserer Serie nicht gehen.
Licht ins Dunkel?
sechzger.de möchte – nachdem die Saison 2020/21 sportlich letztendlich erfolgreich zu Ende gegangen ist – nun mithelfen, Licht in das immer noch relativ düstere Dunkel der Email-Affäre um Gerhard Schnell und die ARGE zu bringen. Aus diesem Grund wollen wir unserer Leserschaft – also Euch – in einer neunteiligen Reportage Hintergrundinformationen zukommen lassen.
Letztes und durchaus prominentes Opfer der Machenschaften von Gerhard Schnell war Sebastian Weber. Er war seit Januar 2019 Fanbeauftragter beim TSV 1860. Zuvor hatte er bereits zwischen Juli 2009 und April 2011 sowie von November 2015 bis Dezember 2018 das Amt des Organisationsleiters im Nachwuchsleistungszentrum bei den Löwen bekleidet. Kürzlich hat Weber im Zuge der Affäre seine persönliche Reißleine gezogen und bei 1860 gekündigt. Bis dahin arbeitete er tatkräftig daran, eine Reform der Fanclubbetreuung bei Münchens großer Liebe umzusetzen. Darauf werden wir jedoch in einem der folgenden Teile unser Serie näher eingehen.















