So, wir biegen ein auf die Zielgerade und präsentieren Euch den neunten und letzten Teil unserer Serie. Gerhard Schnell bereitet zwar seinen Rückzug aus der ARGE vor, schießt aber weiterhin scharf. Hilft aber alles nichts: In mühevoller Kleinarbeit wird die Beweiskette gegen Schnell lückenlos zusammengesetzt…
Corona und die Folgen
Im März 2020 steht Deutschland still. Die Covid19-Pandemie hat Europa erreicht und das gesellschaftliche Leben lahmgelegt. Auch in den schwelenden Streit zwischen der ARGE und der Fanbetreuung bei den Löwen kehrt Ruhe ein. Versammlungen werden verboten, die Spiele fallen zunächst ganz aus und werden anschließend als „Geisterspiele“ nachgeholt. Die Fanarbeit ändert sich komplett.
Untätig bleiben die Protagonisten freilich nicht. Während Schnell nach einem Nachfolger sucht, der es ihm ermöglichen soll, trotzdem im Hintergrund die Fäden in der Hand zu behalten, bildet sich eine Opposition gegen die ARGE-Führung namens „Team 2020“. Angeführt von Oskar Dernitzky möchte man bei der anstehenden Hauptversammlung der ARGE als Gegenkandidaten zur aktuellen Führung antreten. Aus der Fanlandschaft gibt es breite Zustimmung. Dernitzky muss sich fortan wüste Beschimpfungen gefallen lassen, vor allem im Fanblog “dieblaue24”. Auch er erhält etliche anonyme E-Mails aus der Feder von Schnell, die ihn zur Aufgabe zwingen sollen. Alles läuft auf einen erbitterten Wahlkampf hinaus, doch steigende Inzidenzen und die zweite und dritte Corona-Welle verhindern Präsenz-Veranstaltungen. Die ARGE kann den Kopf aus der Schlinge ziehen.
Der Email-Skandal wird öffentlich
Im späteren Verlauf jedoch taucht der Name „Dernitzky“ wieder auf, diesmal öffentlich: Im Oktober 2020 stellt der Fanclub „Oamoi Sechzger – oiwei Sechzger“ den Antrag auf Mitgliedschaft im Dachverband. In der Folge wird es kurios. Zunächst antwortet Schnell als ARGE-Vorsitzender positiv: „Freut uns sehr“. Der folgende – interne – Mailverkehr gelangte durch ein Versäumnis des Schriftführers an die Öffentlichkeit. Schnell schreibt im internen Verteiler nämlich: „Das ist der gewisse Fanclub, zu dem Oskar Dernitzky geschickt oder eingeladen wurde. […] …und jetzt wollen sie in die ARGE …Wahlvolk vom Oskar.“ Die Angelegenheit wird öffentlich. Neben dem ARGE-Vorstand gerät eine weitere Person wieder einmal ins Blickfeld: Oliver Griss, Betreiber des Fanblogs „dieblaue24“. Nicht nur, dass er im Mailverteiler der ARGE-Vorstandschaft enthalten war. Offenbar war er einer der Informanten Schnells. Dieser schrieb nämlich explizit, dass Griss ihn über die Gründungsversammlung des Fanclubs informiert habe.
Ungeheuerliche Vorwürfe gegen Weber
Im Frühjahr 2021 scheint sich die Situation beruhigt zu haben. Mit Richard Bartl, einem engen Vertrauten des ehemaligen MAN-Betriebsratsvorsitzenden Saki Stimoniaris, steht nach längerer Suche ein Nachfolger für Gerhard Schnell in den Startlöchern. Mit dem neuen Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer gibt es einen regen Austausch. Die amtierende Fanbetreuung wird dennoch weiter bekämpft. An die Regionsbeauftragten der ARGE wird ein Gesprächsprotokoll geschickt, in dem von einer „unzureichenden Zusammenarbeit mit Sebastian Weber und Christian Poschet“ geschrieben wird. Zudem würde Weber E-Mails mit Falschaussagen beantworten, auch gegen das Briefgeheimnis werde verstoßen. Ein ungeheuerlicher Vorwurf, von dem die beiden Fanbeauftragten überrascht werden. Belege für die aufgestellten Behauptungen gibt es keine.
Vollständige Beweise gegen Gerhard Schnell
Sebastian Weber hatte zu diesem Zeitpunkt das Kapitel Schnell zunächst als erledigt angesehen. Aber die Entwicklungen ließen befürchten, dass kein Ende der Streitigkeiten in Sicht war. In einer Wochenend-Aktion durchwühlte er seine gesammelten Unterlagen und kam schließlich auf einen handfesten Skandal: Anhand der eindeutig zuordenbaren IP-Adresse konnte tatsächlich der Beleg erbracht werden, dass der ARGE-Vorsitzende Gerhard Schnell hinter den Fake-Mails und -Accounts steckt. Der zunehmend auch öffentliche Druck zwang Schnell zu einem Rücktritt und einem relativ fahrigen Geständnis. Doch damit wurde der Weg frei für eine ehrliche und offene Zusammenarbeit zwischen der Fanbetreuung und dem übrig gebliebenen Vorstand der ARGE.
Relativ schnell erkannte man auf Seiten des Dachverbandes, dass die Betreuung der Fanclubs in die Hände der hauptamtlichen Fanbetreuung gehört. Eine Erkenntnis, zu der man schon 2001 gelangt war, als Schnell die ersten Fake-Mails verschickte, um gegen das Fanbüro für die ARGE zu wettern. Der umsichtigen und aufklärungsbereiten Mitarbeit von Franz Hell, Johannes Schencking und auch Richard Bartl war es zu verdanken, dass die jahrelange Spaltung innerhalb der eigenen Fanszene nun hoffentlich der Vergangenheit angehört.
Felix Hiller wird Fanbetreuer
Auch für den Fanbeauftragten hatte die nervenaufreibende Zeit Folgen: Mitte April wurde bekannt, dass Sebastian Weber zum Saisonende gekündigt hatte. Er war damit das letzte Opfer der unsäglichen „Ära Schnell“ geworden, kann sich allerdings zum Ende hin trotzdem auf die Fahne schreiben, während seiner Amtszeit den gordischen Knoten gebrochen zu haben. Mit Felix Hiller begann im Juli der ältere Bruder von Torwart Marco Hiller als Leiter der Fanbetreuung und dürfte eine deutlich entspanntere Situation vorfinden, als es bei seinen Vorgängern der Fall gewesen ist.
Das Ende der “Ära Schnell”
Jutta und Gerhard Schnell sind als Vereinsmitglieder beim TSV 1860 München ausgetreten. Die jährliche Papst-Audienz besuchen sie allerdings noch mit einigen Löwen-Fans.
Ungeklärt bleibt auch die Rolle des Blogbetreibers Oliver Griss, der trotz besseren Wissens aufklärende Berichterstattungen zu der ARGE-Thematik bislang vermied und offenbar einen engen und vertrauten Kontakt zu Gerhard Schnell besaß. Fotos belegen, dass Schnell vor der Corona-Zwangspause im Grünwalder Stadion bei den Heimspielen immer wieder neben Griss saß und sich während des Spiels mit ihm austauschte. Die Einbeziehung in den Mailverteiler des internen ARGE-Zirkels sowie die (nicht stattfindende) journalistische Aufarbeitung des Mailskandals um den ehemaligen ARGE-Vorstand werfen jedenfalls ein seltsames – aber auch vielsagendes – Bild auf den Blogger.
Aussicht auf die Zukunft
Bleibt zu hoffen, dass der TSV 1860 aus den massiven Fehlern der Vergangenheit lernt und sich diese nicht wiederholen. Insbesondere die Fans sind und bleiben die Basis der Löwen und haben Sechzig ein ums andere Mal aus der vermeintlichen Versenkung wieder auferstehen lassen. Umso verwerflicher ist es, dass es Menschen im Dunstkreis des TSV 1860 München gibt, denen es zu keinem Zeitpunkt um das Wohl des Vereins, sondern ausschließlich um deren eigenen Vorteil geht.
Wie es mit der ARGE weitergeht? Das entscheidet sie im November selber. Einziger Programmpunkt der Mitgliederversammlung ist die Frage: Wird die ARGE aufgelöst?
Ähnliche Erfahrungen gemacht?
In den vergangenen Tagen erreichten uns bereits einige Rückmeldungen von Lesern*innen, die uns über ähnliche Vorfälle in Kenntnis gesetzt haben. Habt Ihr auch entsprechende Erfahrungen mit der Familie Schnell gemacht? Dann teilt sie uns gerne mit! Natürlich behandeln wir Eure Berichte vertraulich.
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