Muss Fynn Lakenmacher den TSV 1860 verlassen oder bleibt er bei Münchens großer Liebe? Diese Frage geisterte in den letzten Tagen durch den Löwen-Kosmos und sorgte für allerhand Diskussionen. Im Zentrum stand dabei auch Trainer Maurizio Jacobacci, dessen Art und Entscheidungen bei immer mehr Fans Anlass zum Unverständnis und zur Kritik bieten.
Ein Kommentar von Stefan Kranzberg.
Maurizio Jacobacci kritisiert Fynn Lakenmacher
Zuletzt sorgten einige Aussagen von Maurizio Jacobacci zur Personalie Fynn Lakenmacher für Aufsehen. So habe er den Stürmer nicht vor der 75 Minute eingewechselt, damit dieser sich nicht verletze. Auch auf die Frage, ob Lakenmacher den Verein verlassen werde, ging er nicht groß ein.
Auch wenn es mitterweile so aussieht, als bliebe der 23-Jährige den Löwen erhalten, sind die Äußerungen des Trainers alles andere als vertrauensstiftend, zumal er zuvor schon zu Protokoll gegeben hatte, dass er “mit unseren Stürmern nicht zufrieden” sei.
Unverständnis bei Marius Willsch
Versteht mich nicht falsch: Es geht mir nicht darum, Fynn Lakenmacher hochzustilisieren oder als den großen Heilsbringer darzustellen. Zu wechselhaft waren seine Leistungen, zu deutlich sichtbar mitunter auch seine Schwächen. Aber: Der Junge ist 23 Jahre alt, steckt noch mitten in der Entwicklung, braucht Vertrauen und war – das sollte man in dem Zusammenhang nicht vergessen – trotz aller Defizite der beste Torschütze des TSV 1860 in der abgelaufenen Saison. Ist es wirklich nötig, den Spieler derart öffentlich bloßzustellen?
Ähnlich sieht das auch Ex-Löwe Marius Willsch, der sein Unverständnis im Podcast Giesinger Bergfest zum Ausdruck brachte:
“Als ich gelesen habe, dass Fynn Lakenmacher auf dem Abstellgleis stehen soll, muss ich sagen: Da hat es mir den Vogel rausgehauen. Das ist schon krass in meinen Augen. (…) Fynn ist ein Spieler, der das Vertrauen braucht. Und jetzt soll er sich verpissen? Ich muss schon sagen: Die Entscheidung vom Trainer kann ich null verstehen!”
Öffentliche Kritik auch an Ouro-Tagba
Lakenmacher ist indes nicht der erste (junge) Spieler, der öffentlicher Kritik seitens des Trainers ausgesetzt war. Bereits in der Vorsaison war Mansour Ouro-Tagba das Ziel manch einer Spitze des Übungsleiters. So wurden die Defizite des Stürmers nach dessen vielversprechendem Debüt in Saarbrücken in mehreren Löwenrunden thematisiert und auf einen zweiten Profi-Einsatz des 18-Jährigen wartet man seitdem vergebens.
Ob dieses Vorgehen mannschaftsintern besonders gut ankommt, darf bezweifelt werden. Die Fans halten aktuell größtenteils noch still, wobei es auch aufgrund der Kaderzusammenstellung vermehrt Kritik hagelt. Schlagworte wie “willkürlich”, “fehlende Identifikation” und “zu viel Macht” häufen sich. Da hilft wohl nur ein Top-Saisonstart, um die Kritiker verstummen zu lassen.
Machtmensch Jacobacci?
Wobei die Kritik ungeachtet der sportlichen Situation durchaus nachvollziehbar ist, denn Jacobacci hat sich beim TSV 1860 ein kleines Imperium erschaffen und überinterpretiert seine Rolle. So spricht er sich klar gegen die Installation eines Sportdirektors zum jetzigen Zeitpunkt aus:
“Wenn im Moment jemand jetzt kommen würde, wäre es schwierig. Er müsste sich einarbeiten und meine Ideen erst mal verstehen – wir sind so weit in den Planungen fortgeschritten, dass das jetzt wahrscheinlich keinen Sinn machen würde.”
Das kann man dem Trainer natürlich als Stärke auslegen – muss man aber nicht. Im Endeffekt überschreitet Jacobacci damit seine Kompetenzen, was ihm Präsident Robert Reisinger auch deutlich zu verstehen gab.
Sportlicher Erfolg als Heilmittel?
Dieser Eindruck entsteht jedoch nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern wird nach sechzger.de-Informationen auch in der Mannschaft thematisiert. So wird Jacobacci vorgeworfen, dass er alles an sich reiße, niemandem vertraue und sich total in seinen Ideen verrenne, weswegen er auch keinen Sportdirektor wolle, der ihn einbremsen könnte.
Generell sei Jacobacci nicht so der kommunikative Typ, wie Ex-Löwe Tom Kretzschmar im Interview mit sechzger.de bestätigte:
“Der Jacobacci ist einer, der sein Herz richtig auf dem Platz lässt und etwas weniger mit den Spielern spricht und auch für den ein oder anderen Scherz weniger zu haben ist.”
Auch hier gilt wohl: Solange der sportliche Erfolg eintritt, hat der Trainer alles richtig gemacht. Aber wehe…
“Wir möchten eine Familie sein”
Zu guter Letzt möchte ich noch auf eine Passage aus dem Schreiben von Marc-Nicolai Pfeifer eingehen, das der Dauerkarte beilag. Daran heißt es:
“Der TSV 1860 München möchte für Werte stehen, die in der heutigen schnelllebigen Welt oft verloren gehen. Wir möchten eine Familie sein, die auf Loyalität und Treue baut.”
Da stellst sich mir jedoch unweigerlich die Frage, wie sich das mit den Äußerungen von Maurizio Jacobacci zu Fynn Lakenmacher und Mansour Ouro-Tagba verträgt. Kann man die Spieler nicht intern zur Seite nehmen und mit ihnen sprechen? Ist es wirklich loyal, seine Unzufriedenheit mit diesen jungen Spielern öffentlich kundzutun?
Ich finde nicht.
Wie seht Ihr das?
PS:
Falls mir jetzt jemand Vorwürfe machen möchte (und da findet sich sicher jemand…), dass ich diesen Kommentar nur geschrieben habe, weil Jacobbaci von der HAM-Seite kommt, dem widerspreche ich schon mal vorsorglich.
Und falls jemand auf die Idee kommt, diese Zeilen würden unnötig Unruhe in den TSV 1860 reinbringen, dem sei gesagt, dass dieser Kommentar lediglich eine Reaktion auf eine bereits bestehende Dissonanz ist und keinesfalls deren Auslöser.














