Obwohl das Thema, das die vorletzte Woche noch die Berichterstattung rund um den TSV 1860 dominierte, inzwischen aus den Schlagzeilen verschwunden ist (oder gerade deshalb), wagen wir uns mit den nachfolgenden Zeilen an einen Erklärungsversuch, der mit der Geschichte und der Persönlichkeit von Sascha Mölders zu tun hat. Ohne Schuldzuweisungen und ohne Polemik.
Ob Essen, Frankfurt oder München – immer 100%
Sascha Mölders ist ein ehrgeiziger Sportler. Unabhängig von seinem körperlichen Zustand der letzten Jahre, den er – nicht ganz ungeschickt – medial und kommerziell zu nutzen wusste, war er stets einer, der sich auf dem Fußballplatz voll reinhaut. Ob im Trikot von Rot-Weiß Essen, dem FSV Frankfurt, dem FC Augsburg oder eben bei unseren Löwen.
Saschas Mission: Mit Sechzig zurück in die 2. Liga
Einen solchen Charakter schmerzt es ganz besonders, wenn er (vermeintlich) das Vertrauen seines Trainers verliert und keine Berücksichtigung mehr für die Startelf findet. Wenn ihm droht, „ins zweite Glied“ zu müssen. Wie man aus dem Umfeld der Löwen zuletzt hört, drohte ihm aber genau dieses Schicksal. Für einen 36jährigen eigentlich nichts ungewöhnliches. Klar, in der vergangenen Saison war Mölders Torschützenkönig der 3. Liga und mehrfach ausgezeichneter Spieler der Saison. Und er schoss seinen Verein beinahe zurück in die 2. Bundesliga, aus der man gemeinsam vier Jahre zuvor abgestiegen war. Mölders war beseelt davon, die „Schande von 2017“ noch vor dem nahenden Ende seiner Karriere auszumerzen. Er hatte schon kurz nach dem Desaster in einem hochemotionalen facebook-Posting versprochen, beim Wiederaufbau zu helfen. Was 2018 nach einem Jahr in der Regionalliga Bayern mit dem Aufstieg in die 3. Liga ja auch verheißungsvoll begann. Der finale Schritt in Mölders’ Ziel scheiterte dann allerdings bekanntermaßen im Sommer 2020 und auch 2021.
Langsamer Abschied?
Und trotz der 22 Tore in der vergangenen Saison war klar, dass die Karriere von Mölders schon sehr kurz vor der Ziellinie angekommen ist. Eine ähnliche Trefferausbeute konnte für diese Saison keiner erwarten. Die Löwenfans hofften vielmehr, dass der Verein einen Nachfolger aufbauen könne, der in die Fußstapfen des „Fußballgottes“ treten solle.
Rückblende in den Herbst 2015
Um vielleicht zumindest ansatzweise verstehen zu können, warum Sascha Mölders im Laufe der aktuellen Saison offensichtlich nicht akzeptieren wollte, ein wenig kürzer zu treten, auch einmal ein Spiel zu pausieren bzw. zunächst von der Bank zu beginnen, muss man in der persönlichen Biografie des Stürmers ein wenig zurückgehen. Konkret in den Herbst 2015. Zu diesem Zeitpunkt spielt er seine fünfte Saison beim FC Augsburg in der 1. Bundesliga. Im Sommer 2011 war er nach eineinhalb Jahren beim damals zweiklassigen FSV Frankfurt im besten Fußballeralter von 26 Jahren für 175.000 EURO zum frisch gebackenen Bundesligisten in die Fuggerstadt gewechselt.
Auswärts in Europa – Traum eines jeden Fußballers
Es folgten drei sehr gute und erfolgreiche Spielzeiten mit jeweils deutlich über 20 Einsätzen und bis zu zehn Toren (2012/13). In der Saison 2014/15 beginnt Mölders’ Stern in Augsburg aber langsam zu sinken: Nur zwölfmal darf er noch für den FCA in der ersten Liga gegen den Ball treten, meist wird er spät eingewechselt. Eine Entwicklung, die sich in der Folgesaison – seiner letzten in Augsburg – fortsetzt. An den ersten drei Spieltagen wird er jeweils nach der 80. Minute eingewechselt. Als sich der FCA Anfang September 2015 auf den Weg zum Europaleague-Auswärtsspiel bei Athletic Bilbao macht, ist der gebürtige Essener nicht mehr im Kader. Für einen, der Fußballkultur liebt und lebt, ein harter Schlag. Die Mannschaftskameraden dürfen die große internationale Fußballbühne betreten – und Mölders sitzt daheim in Mering vor dem Fernseher. Nur noch einmal kommt er danach für den FCA zum Einsatz: Für zehn Minuten bei einem 2:4 in Mönchengladbach. Am 1. Januar 2016 lässt er sich in die 2. Liga verleihen – zum TSV 1860.
“Das passiert mir nicht nochmal!”
Hat Sascha Mölders die Enttäuschung seiner Nichtnominierung für die internationalen Highlightspiele womöglich nie überwunden? Der schleichenden Prozess, in dem er sich unter Trainer Weinzierl in Augsburg immer mehr in Richtung Abstellgleis bewegte, hat ihn gewiss sehr getroffen. Und wahrscheinlich hat er sich damals geschworen: Ich lasse mich nicht mehr ausbooten, egal wo und egal von wem.
Keine andere Rolle für den Leader
So konnte und wollte er nun in der laufenden Saison nicht akzeptieren, langsam aus der Rolle des Alphatiers und Leaders bei den Löwen herauszuwachsen. Vielleicht hätte eine Rückkehr des TSV 1860 in die 2. Bundesliga am Ende der letzten Saison möglich gemacht, dass Sascha an der Seite von Trainer Michael Köllner langsam eine andere Rolle findet. Welche auch immer. Aber das ist viel „hätte“ und „würde“ – bekanntermaßen kam es nun ganz anders.
Auch ein “Fußballgott” muss sich unterordnen
Niemand ist größer, als der Verein und persönliche Befindlichkeiten müssen stets hinter das große Ganze zurücktreten. Das ist eine Tatsache, die auch – und insbesondere – beim TSV 1860 gilt, auch für einen, den die Fans als „Fußballgott“ bezeichnen. Deswegen sind die letzten knapp zwei Wochen so gelaufen, wie sie gelaufen sind. Und dennoch kann die Betrachtung von Sascha Mölders’ Trauma aus dem Herbst 2015 vielleicht dazu beitragen, ihn ein wenig zu verstehen. An der Tatsache, dass es zwischen 1860 und Mölders wohl keine gedeihliche Zusammenarbeit mehr geben wird, ändert die Berücksichtigung dieses Traumas freilich gar nichts.













