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Stefan Reisinger wird Co-Trainer beim TSV 1860 München

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TSV 1860 Trikot Bundesliga 1994/95 redaktion Wunschaufstellungen
"Stempeltrikot" des TSV 1860 München

Der TSV 1860 München hat einen Nachfolger für Günter Brandl gefunden, der die Löwen nach der letzten Saison aus privaten Gründen verlassen hatte. Mit Stefan Reisinger kommt ein altbekanntes Gesicht zurück an die Grünwalder Straße und fungiert zukünftig als Co-Trainer.

Stefan Reisinger wird Co-Trainer bei den Löwen – Debüt in Waldkirchen

Zuletzt war der 40-Jährige in verschiedenen Positionen beim KFC Uerdingen aktiv. Als Co-Trainer assistierte er unter anderem Stefan Krämer und Michael Wiesinger. Interimsweise übernahm er gleich drei Mal das Amt des Cheftrainers. Seit der Insolvenz im Juni 2021 war Stefan Reisinger auf der Suche nach einem neuen Posten. Seine Trainerkarriere begann er in der Jugend der Spielvereinigung Unterhaching.

Als Spieler war der gebürtige Landshuter vor allem im bayerischen Raum aktiv. Nach seinen Jugendvereinen SV Essenbach und SpVgg Landshut wechselte er zunächst nach Fürth und später nach Burghausen. Auf Wacker folgte dann der TSV 1860 München, für den er in 28 Spielen ein Tor erzielen konnte. Mit dem erneuten Wechsel zu Greuther Fürth begann seine erfolgreichste Zeit. Zeitweilig lag sein Marktwert bei 1,5 Millionen Euro. Nach weiteren Stationen in Freiburg, Düsseldorf und Saarbrücken beendete Stefan Reisinger 2015 seine Karriere.

Nun kehrt er an die Grünwalder Straße zurück und übernimmt als Co-Trainer von Michael Köllner eine neue Funktion. Zu seinen aktiven Zeiten bei den Löwen hieß der Assistent an der Seitenlinie übrigens Günther Gorenzel, der mittlerweile Sport-Geschäftsführer bei den Löwen ist. Reisinger blickt bei seiner offiziellen Vorstellung freudig in die Zukunft und ist gespannt auf seine neue Aufgabe:

Ich bin hochmotiviert, bedanke mich für das Vertrauen, das mir die Verantwortlichen beim TSV 1860 München entgegenbringen. Für mich gilt es jetzt, voll anzugreifen und meinen Teil zu einer erfolgreichen Löwen-Saison beizutragen.

Sein Debüt wird er direkt heute beim Testspiel gegen den TSV Waldkirchen (Anpfiff 16:00 Uhr) feiern.

Das Gemeinsam beim TSV 1860 ist keine Einbahnstraße, Herr Köllner!

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T-Shirt Wir sind der Verein TSV München von 1860 e.V. sieben jahre stillstand stadt verein menschen
Shirt des TSV 1860 e.V.: Wir sind der Verein

Am gestrigen Freitag fand die erste Pressekonferenz der neuen Saison statt. Wir waren als sechzger.de nicht dabei, das fühlte sich schon mal komisch an. Wie im Nachgang dann bekannt wurde, äußerte sich Trainer Michael Köllner sehr wohlwollend über Anthony Power, den Geschäftsführer der Merchandising GmbH. Seitdem fragen nicht nur wir uns: warum?

T-Shirt Kopie bleibt quasi ohne Folgen

Es war zunächst eine Ankündigung, die viele als einen schlechten Scherz auffassten. Der offizielle Fanshop des TSV 1860 München kündigte ein neues T-Shirt an. Die Ähnlichkeit zum Design beim TSV 1860 e.V. war nicht von der Hand zu weisen – lediglich der Löwe in der Mitte des Logos war ein anderer. Anthony Power, der in der Vergangenheit mehrfach Löwenfans abgemahnt und verklagt hatte, drehte den Spieß nun augenscheinlich um und forderte zu einem kleinen Machtkampf heraus. Er sollte Recht behalten – seitens des e.V. gab es keine (öffentliche) Reaktion. Doch der Bruder des Designers wollte das Ganze nicht unkommentiert auf sich sitzen lassen und wandte sich an das Fußballmagazin 11Freunde.

Der Artikel war ein Erfolg – vor allem auch, weil weitere Tageszeitungen so auf das Thema aufmerksam wurden und über den Vorfall berichteten. BRSport veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite eine Grafik und sorgte damit für weitere Diskussionen. Die Reaktionen in den Kommentaren ließen bei mir schon einige Zweifel aufkommen. “Kindergarten”, “Das ist doch nur ein T-Shirt” und vieles weitere konnte man dort lesen. Das ist eben der Punkt: es mag nur ein T-Shirt sein, aber es geht dabei um so viel mehr! Es zeigt das aktuell herrschende Verhältnis an der Grünwalder Straße auf, was aus meiner Sicht vollkommen aus den Fugen geraten ist.

Die Lobhymnen von Köllner für Power zur Unzeit

“Gemeinsam” heißt es vom TSV 1860 München immer so schön in den sozialen Medien und auch sonst sollte dieses eine Wort ein gelebtes Gefühl bei den Löwen sein. Es ist sicherlich eine Grundbedingung, um das erklärte Saisonziel Aufstieg zu erreichen. Die Neuzugänge klingen vielversprechend, sodass der TSV 1860 als einer der Top-Favoriten in die neue Spielzeit starten wird.

Für mich wirkt es aber bereits seit längerem so, dass “Gemeinsam” nur eines bedeutet: der e.V. hat die Füße still zu halten und alle Äußerungen oder Handlungen von Hasan Ismaik und seinen Vertretern in München werden wohlwollend zur Kenntnis genommen. Das “Gemeinsam” kommt nur aus einer Richtung. Seit geraumer Zeit übernimmt der e.V. einen Großteil der anfallenden Zahlungen für das Nachwuchsleistungszentrum. Auf die Summe von der KGaA, die eigentlich als Ausbildungsentschädigung fällig wird, wird in der momentanen Situation brav verzichtet. Stattdessen behilft sich der Verein mit einer eigenen Kollektion, um zumindest so Einnahmen für die Jugendarbeit zu generieren. Teil der Kollektion ist das bereits angesprochene T-Shirt – und das ist eben der springende Punkt.

Auch einem Anthony Power sollte bewusst sein, dass jedes verkaufte Shirt der KGaA direkt zugute kommt. Denn es sorgt für die gleichbleibend hohe Qualität der Nachwuchsarbeit an der Grünwalder Straße, die wiederum der A-Jugend (Stichwort Bundesliga-Aufstieg) sowie den beiden Herrenmannschaften stets neue Spieler und Talente beschert (zuletzt Wörl, Sür und Glück). Alle drei Mannschaften werden durch die KGaA organisiert.

Es muss Grenzen geben – für beide Seiten

Das Stillhalten des e.V. ist die eine Sache – öffentliche Lobeshymnen für Anthony Power von Trainer Michael Köllner sind das andere. Der Geschäftsführer der Merchandising GmbH stand – zurecht! – die ganze letzte Woche öffentlich in der Kritik. Eine Stellungnahme der KGaA oder gar der Verzicht auf den Verkauf des T-Shirts: Fehlanzeige. Stattdessen kommt dann der Auftritt von Michael Köllner in der gestrigen Löwenrunde. Anthony Power müsse explizit gelobt werden, er habe “großartig unterstützt” und einen Beitrag zu den bisherigen neun Neuzugängen geliefert.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Abgesehen davon, warum der eigentlich für den Fanshop verantwortliche Power bei Neuzugängen mitwirkt, ist dieses Lob momentan einfach nicht angebracht. Anthony Power hat mit dem Verkaufsstart eines kopierten T-Shirt ganz klar eine Grenze überschritten. Er gefährdet damit das “Gemeinsam” an der Grünwalder Straße 114. Denn zu diesem einfachen Wort gehören immer zwei Parteien, es ist ein Geben und Nehmen. Das sollte auch ein Michael Köllner wissen.

Groundhopping Laos: Die Entdeckung der Langsamkeit

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Groundhopping Laos

Am Donnerstag berichtete unser Leser Stefan von seiner Reise nach Indonesien inklusive Besuch einer Partie während der Südostasienspiele. Von dort aus ging es weiter zum Groundhopping nach Laos. Auch hier stand ein Länderspiel auf dem Programm – viel Spaß bei der Lektüre!

Zu Besuch auf dem That Luang Festival

Mit Tobias aus Pörnbach bei Pfaffenhofen – früher ein begeisterter Besucher der Amateurespiele in Giesing – hatte ich in Vientiane einen kompetenten Ansprechpartner. Er hat sich vor ein paar Jahren dort niedergelassen und ein Hochzeitskartenimperium sowie eine Familie gegründet. Ganz liebe Grüße und heute noch vielen Dank für die Hilfe und Gastfreundschaft vor Ort!

Laos ist bekannt für die “Entdeckung der Langsamkeit” und dementsprechend gemächlich geht es in dem kleinen Binnenland zu. Wer aus Südostasien hauptsächlich den Trubel aus Hanoi oder Bangkok gewohnt ist, der wird in Laos seine verdiente Ruhe finden. Außer natürlich, es findet gerade das That Luang Festival statt, ein buddhistisches Zeremoniell, das die Hauptstadt Vientiane in Ausnahmezustand versetzt. Gerade zum Start dieses Festes sind wir also hier angekommen und haben die Tausende Gläubige und vielen Mönche bewundert, die zur heiligen Stupa That Luang pilgerten. Unzählige Geschäftemacher nutzen dieses Fest und verwandeln den Tempelbereich in ein riesiges Festgelände. Man kann sich das ungefähr wie das Oktoberfest vorstellen – nur mit weit weniger Bier und nicht so vielen Regeln. Aber es gibt sogar einen Autoscooter! Laos´ erster Autoscooter.

Groundhopping Laos
Gläubige Buddhisten am That Luang Festival

Asiatische Delikatessen in der Peripherie

Tobias hat uns noch zu seiner Firma und auf einige Biere eingeladen, bevor wir mit seinem Pickup – der auf der Ladefläche Platz für fünf Leute hat – zum Nationalstadion fahren.

Das „Neue Nationalstadion Vientiane“ wurde 2009 für 25.000 Zuschauer gebaut und liegt 13 Kilometer außerhalb der Stadt an einer Einfallstraße. Da Laos (2015 Platz 188 der FIFA-Weltrangliste) bereits die ersten beiden Gruppenspiele verloren hatte und zudem die Stadt mit dem Aufbau des Festes beschäftigt war, nahmen nicht viele Laoten den Weg in die Peripherie auf sich. Nur knapp 1.500 Leute fanden sich im Stadion ein, darunter nicht wenige deutsche Groundhopper. Die Schlauesten unter ihnen (so wie wir) haben sich vollkommen grundlos schon im Vorfeld mit Tickets eingedeckt, während die Bewohner reihenweise mit Freitickets versorgt wurden.

Absolut positiv war, dass viele Streetfood-Händler aus der Umgebung auf der Anreise zum Fest noch einen Zwischenstopp am Stadion machten und der ganze Stadionbereich also nach feinsten asiatischen Spezialitäten roch. Würmer und Maden, hundertjährige Eier oder Hühnersehnen in Wirsingeintopf mit gegarten Schlangeninnereien – hier gab es nichts, was es nicht gab!

Groundhopping Laos
Streetfood vor dem New Laos Stadium in Vientiane

Groundhopping Laos

Größere Fangruppen waren im Stadion leider nicht auszumachen, zumindest war eine kleine Gruppe Fans aus Myanmar angereist. Die Burmesen, die international in etwa gleichauf mit Lettland liegen, hatten heute keine Mühe mit Laos und gewannen verdient mit 3:1 – Laos war also vorzeitig raus. Mühe hatten wir allerdings, den unzähligen Mücken im Stadion zu entkommen, die sich auf alles stürzten, was heller als ein Ei war. Was wir Europäer natürlich waren und so mussten wir einige Stiche einstecken. Fazit aus Laos: Kulinarik und Verpflegung einfach top! Spielerisch hingegen ausbaufähig…

Und dank Tobias und seiner bezaubernden Frau Noy kamen wir auch relativ zügig wieder zurück in die Stadt und wurden netterweise noch in ein paar wirklich tolle Lokale begleitet!

Groundhopping Laos
Das freut die Ärztekammer im Bereich Ohrenheilkunde

Eine Reise quer durch das Land

An dieser Stelle endete dann aber mein Fußballabenteuer in Südostasien 2018, denn am nächsten Tag ging es weiter in die herrliche alte Königsstadt Luang Prabang, wo schon meine Freundin auf mich wartete, und von wo aus wir eine mehrtätige Exkursion auf dem Nam Ou-Fluß und dem Mekong starteten. Die Kollegen aus Hannover sind noch weiter zu Spielen nach Singapur und Kambodscha und wurden dort auch nicht enttäuscht.

Sieger des Turniers war am Ende die Nationalmannschaft Vietnams, die im Finale Malaysia bezwang. Bis ins Halbfinale schaffte es das Team der Philippinen unter Trainer Sven-Göran Eriksson. Der ist zuvor durch halb Europa getingelt und hat alle unterklassigen Teams nach Spielern mit philippinischen Wurzeln durchsucht. Stars des Teams waren daher Ex-Löwe Mike Ott und sein Bruder Manuel aus Pfaffenhofen.

Groundhopping Laos
Mönche am großen liegenden Buddha

Groundhopping auf sechzger.de

In den letzten Monaten erschienen bereits einige Groundhopping-Artikel auf sechzger.de. Hier eine kurze Übersicht:

Groundhopping Rumänien
Groundhopping Mazedonien bzw. Nordmazedonien
Groundhopping Armenien
Groundhopping Thailand
Groundhopping Ukraine
Groundhopping Kuba
Groundhopping Montenegro
Groundhopping Indien
Groundhopping Kirgisistan
Groundhopping Saudi-Arabien
Groundhopping Antarktis (Südgeorgien)
Groundhopping Kolumbien
Groundhopping Indonesien

Sportpsychologe Prof. Dr. René Paasch im Interview – Teil VI

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Rene Paasch Sportpsychologe Interview Branded

Im finalen Teil unseres Interviews erläutert Sportpsychologe Prof. Dr. René Paasch die Unterschiede zwischen Mannschafts- und Individualsport, analysiert die Psyche verletzter Spieler und durchleuchtet die Angst des Schützen beim Elfmeter.

Sportpsychologe Prof. Dr. René Paasch im Interview

Stehen im Mannschaftssport die Spieler mehr unter Druck als im Individualsport? Schließlich sollen sie Verantwortung für das Team übernehmen und nicht nur für sich selbst.

Wenn man mit mehreren Leuten unterwegs ist, hat man die Chance, dass man sich ein bisschen verstecken kann. Man kann auch die Leistungsfähigkeit auf den anderen münzen, das heißt, der kann dann ein bisschen mehr machen, um das aufzufangen. Es gibt ja den Ringelmann-Effekt zum Beispiel beim Tauziehen. Da müsste ja mit der Anzahl der Personen die Kraft steigen und genau das Gegenteil ist nachgewiesen worden: Je mehr Personen ziehen, desto weniger ziehen interessanterweise die einzelnen Leute, die an dem Seil hängen.

“Was will ich heute leisten? Was sind meine Ziele?”

Wenn wir das jetzt mal auf das Spiel münzen, kann sowas natürlich auch passieren, dass also der ein oder andere sich versteckt und nicht aus sich herauskommt und auch nicht alles zeigt, weil das ja dann im Team aufgefangen wird. Oder eben nicht aufgefangen wird. Nur wenn ganz viele so denken, dann ist es eben genau das, was wir ganz oft auf dem Platz sehen: Dass Teams dann nicht funktionieren.

Also muss man immer ganz konkret reingehen und fragen: Was will ich heute leisten? Was sind meine Ziele? Was will ich zeigen? Dann ist es egal, gegen wen ich spiele und wann ich spiele. Sondern ich versuche, mein Bestes zu geben und das muss jeder auch denken und fühlen und dann ist es möglich, gesammelt daraus Kraft und Potenzial zu entfalten.

MSV Duisburg TSV 1860
Das Beste gegeben und gewonnen: die Löwen nach dem 6:0-Sieg beim MSV Duisburg

Die Psyche in der Folterkammer

Wie ist jetzt, wenn ein Spieler über Monate ausfällt und quasi zwar formal Teil der Mannschaft ist, aber eigentlich nur mit dem Physiotherapeuten in der “Folterkammer” arbeitet, um wieder fit zu werden? Was macht das mit seiner Psyche?

Zunächst ist es auch immer eine Wechselwirkung. Das heißt: Wenn der Fuß verletzt ist, hat oft auch der Kopf Schwierigkeiten, mit der Situation umzugehen. Die Jungs werden aus ihrem Leben gerissen, denn sie definieren sich über den Sport, über den Profifußball. Wenn jemand sich schwer verletzt, hat er Sorge, nicht zurückzufinden, hat Angst, sich wieder neu zu verletzen, hat vielleicht auch die Befürchtung, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. Da hängt ja auch seine Existenz dran. Deswegen ist es sehr wichtig, nicht nur in diese “Folterkammer” zu gehen, sondern er sollte an allen Dingen teilnehmen, um auch immer das Gefühl zu haben, ein Teil der Mannschaft zu sein.

Weiterführung der sozialen Beziehung

Das bedeutet: Er muss eine soziale Beziehung weiterführen, er muss zum Training kommen, er muss sich mit dem Team auseinandersetzen. Zudem muss er auch mental an seiner Vorstellungskraft arbeiten, um auch überzeugt zu sein, wieder zurückzufinden. Weil wir natürlich dadurch, dass wir uns verletzt haben, ein gewisses Muster erarbeitet haben. Soll heißen: Wir haben natürlich Sorge, dass wir möglicherweise wieder in so eine Situation kommen. Je mehr ich die Nähe zum Team suche, je mehr ich darüber spreche, je mehr ich weiterhin ein Teil des Teams bin, desto schneller bin ich auch wieder zurück.

Das kann man aus der Forschung, aber auch der Praxis gut nachweisen. Wir müssen also versuchen, solche Spieler so stark wie möglich in den Alltag des Profisports mit einzubinden, damit sie bloß nicht die Zeit haben, über Dinge nachzudenken, die möglicherweise nicht möglich sind. Das machen sie nämlich ganz oft, weil sie so eine ungesunde Angst entwickeln, sich wieder zu verletzen, dass der Vertrag bestimmt nicht verlängert und so weiter. Genau da müssen wir helfen – als Trainer, als Spieler – und den Jungs das Gefühl geben: Du bist zwar jetzt nicht auf dem Platz, aber du bist immer bei uns und Du spielst eine tragende Rolle wie jeder andere auch.

TSV 1860 Türkgücü München
Verletzt oder nicht im Kader – Daniel Wein, Semi Belkahia & Co.besuchten das Heimspiel der Löwen gegen Türkgücü

Die Angst des Schützen beim Elfmeter

Abschließend noch eine ganz andere Frage. Situation beim Elfmeterschießen: Natürlich sind alle mental sehr angespannt. Hat es jetzt eigentlich Vor- oder Nachteile, der erste oder der letzte Schütze zu sein? Was würden sie einem Trainer empfehlen?

Es darf gar keine Rolle spielen, ob erster, zweiter, dritter oder fünfter Schütze. Es ist ein Ball, es ist ein Tor, es ist ein Torwart – und ich kann es! Punkt. Und alles andere spielt überhaupt keine Rolle, das ist genau das Problem der Lage- und Handlungsorientierung. Wenn sich jemand natürlich mit den Zuschauern beschäftigt oder ich bin jetzt der Fünfte oder ich treffe den entscheiden Elfmeter oder ich treffe ihn womöglich halt nicht, dann nehme ich Einfluss auf meine Leistungsfähigkeit. Ich fange an, Sinne zu steuern.

Fußballer sind aber pure Automatismen. Das heißt, die trainieren die ganze Woche, um sich am Wochenende gegenseitig zu vertrauen, um loszulassen und zu funktionieren. Es ist im Grunde beim Elfmeterschießen nichts anders. Man darf halt dieser Situation keinen anderen Wert geben. Sondern es ist ein Ball, es ist ein Tor,  es ist eine Situation und ich hab zwei Möglichkeiten: Ich treffe oder ich treffe nicht. Ich beschäftige mich dann mit dem Treffen, ich vertraue mir und ich schieße. Das ist alles, was ich als Instruktionen brauche.

TSV 1860 SVD98
Philipp Steinhart verwandelte im Pokal im Elfmeterschießen gegen Darmstadt 98 ebenso souverän wie all seine Kollegen

“Den Ball hinlegen, aufrichten, Tor schießen.”

Das wiederum führt dazu, dass ich mich natürlich dann auch mit dieser Kraft und mit diesem Mut an den Elfmeter heran mache. Man sieht es ja schon an dem Weg, wenn ein Spieler zum Elfer läuft. Da kann man schon sehr gut erkennen, wie sehr er überzeugt ist zu treffen. Das sieht man daran, dass die Schultern leicht nach vorne gehen, der Kopf ist geneigt, sehr nachdenkliche Situation. Das ist ein Spieler, der unsicher ist und gerade Sorge hat, nicht zutreffen. Geht aber einer ganz locker hin, Kopf ist aufgerichtet, Blick zum Torwart, legt den Ball hin, dann kann man davon ausgehen, dass er das Ding auch reinmacht.

Deshalb ist es wichtig, sich auf das zu besinnen, was geht, und nicht auf das, was nicht geht. Die Situation spielt gar keine Rolle, weil du die eh nicht beeinflussen kannst. Wenn du das versuchst, fängst Du an, über negative oder mögliche Konsequenzen nachzudenken und das hemmt dich in deiner Leistungsfähigkeit. Deswegen den Ball hinlegen, aufrichten, Tor schießen.

Fehler machen bedeutet Entwicklung

Ein schönes Schlusswort, Herr Paasch. Gibt es noch irgendwas, was sie unseren Lesern mit auf den Weg geben möchten?

Ja, grundsätzlich würde ich mir von Herzen wünschen, dass Fans, Spieler und Vereinsangehörige viel mehr aufeinander zugehen und sich vielleicht auch vielmehr gegenseitig wertschätzen. Das wir nicht immer alles nur an Ergebnissen festmachen. Denn wenn wir wirklich wollen, dass sich eine Mannschaft erfolgreich verhält, dann braucht sie18 Vertrauen. Sie braucht auch die Möglichkeit, Fehler machen zu dürfen. Denn Fehler machen bedeutet für mich Entwicklung, bedeutet Reflektion, bedeutet Veränderung. Wir sind so unfassbar fehlerorientiert. Aber Fehler erlauben bedeutet für mich wirklich auch, dass man den Zauber einer Mannschaft, eines Spielers entfachen kann. Gerade auch im Moment, wenn es nicht funktioniert, brauchen wir einander. Nicht nur im Kontext des Teams, sondern auch die Fans.

Ich wünsche mir von Herzen, dass wir uns vielmehr gemeinsam auf den Weg machen und nicht nur immer Menschen bewerten und kategorisieren und in Schubladen packen.

Vielen Dank, Herr Professor Paasch, für das tolle Interview! Es hat bei uns definitiv zu neuen Erkenntnissen geführt.

Hier findet Ihr sämtliche Teile des Interviews

Teil I
Teil II
Teil III
Teil IV
Teil V
Teil VI (dieser Artikel)

Vielen Dank an unseren freien Mitarbeiter “Kassenwart”, der das Gespräch mit Prof. Dr. Paasch führte.

Die Rückennummern der Saison 2022/23 beim TSV 1860

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Wappen 1860 Trikot 92/93 Löwen Wunschaufstellungen
Der Löwe auf einem Trikot des TSV 1860

Gleich neun externe Neuzugänge gibt es bei den Löwen, heute wurde die Verpflichtung von Joseph Boyamba (zuletzt Waldhof Mannheim) bekanntgegeben. Infolge dessen werden beim TSV 1860 wieder reichlich neue Rückennummern verteilt.

Neue Rückennummern beim TSV 1860

Hier eine Übersicht über die Rückennummern beim TSV 1860:

1 Marco Hiller
3 Niklas Lang
4 Jesper Verlaat (neu, Waldhof Mannheim)
5 Quirin Moll
6 Tim Rieder (neu, Türkgücü)
7 Stefan Lex
8 Erik Tallig
9 Albion Vrenezi (neu, Türkgücü)
10 Martin Kobylanski (neu, Eintracht Braunschweig)

11 Fabian Greilinger
12 Julius Schmid (neu, VfB Lübeck)
13 Alexander Freitag (neue Nummer, bisher 34)
14 Meris Skenderovic (neu, FC Schweinfurt 05)
15 Marcel Bär
16 Kevin Goden
17 Daniel Wein
18 Lorenz Knöferl
19 Fynn Lakenmacher (neu, TSV Havelse)
20 Yannick Deichmann

22 Christoper Lannert (neu, SC Verl)
23 Devin Sür (neu, U19)
24 Nathan Wicht
25 Marius Willsch
27 Semi Belkahia
30 Milos Cocic

33 Joseph Boyama (neu, Waldhof Mannheim)
35 Michael Glück (neu, U19)
36 Phillipp Steinhart
38 Marius Wörl (neu, U19)
39 Leandro Morgalla
40 Tom Kretzschmar

Djayo, Mannhardt und Gresler nicht mehr im Profikader

Johann Djayo (bisher Nr. 21), Marco Mannhardt (bisher Nr. 28) und Maxim Gresler (bisher Nr. 32) wurden für die kommende Saison in den Kader der U21 in der Bayernliga Süd verschoben. Djayo ist in der Zwischenzeit zum SV Wacker Burghausen gewechselt.

 

Saisonauftakt bei den Löwen und ungewohnte Ruhe bei sechzger.de

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Saisonauftakt Löwen

Saisonauftakt bei den Löwen und ungewohnte Ruhe bei sechzger.de – was ist das los?

Saisonauftakt bei den Löwen

Vermutlich hat sich der eine oder andere gewundert, dass es auf unserer Homepage heute so ruhig war und wir nichts vom ersten Tag der Profis in der Saison oder der Pressekonferenz berichtet haben.

Das hat Gründe, die in unserer Redaktion für jede Menge Diskussionsbedarf gesorgt haben. Aktuell wissen wir noch nicht, wohin die Reise mit uns geht und wir befinden und in einem schwebenden Verfahren.

Die nächsten Tage kommt dazu mehr von uns, vom Trainingsauftakt am Samstag und dem Testspiel am Sonntag wird unsere Berichterstattung jedoch sehr spärlich ausfallen.

Sobald wir mehr Informationen dazu für euch haben, werden wir euch zeitnah informieren. Wir bitten um Euer Verständnis.

Neunter Neuzugang: Joseph Boyamba wechselt zum TSV 1860

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Joseph Boyamba Günther Gorenzel TSV 1860 München

Vom Waldhof zum TSV 1860 – Jesper Verlaat hat es vorgemacht, nun folgt Joseph Boyamba seinem Beispiel. Der 25-jährige Flügelstürmer wechselt ablösefrei aus der Quadratestadt nach Giesing und beschert Trainer Michael Köllner eine weitere Option im Offensivbereich.

Ausgebildet in Duisburg und Gelsenkirchen

Der gebürtige Troisdorfer mit französischen und kongolesischen Wurzeln wurde u.a. beim MSV Duisburg und beim FC Schalke 04 ausgebildet, wo er nach Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit den A-Junioren zur Spielzeit 2015/16 in den Kader der 2. Mannschaft aufgenommen wurde. Nach einer Leihe zum BSV Rheden wechselte Boyamba 2017 zur SG Wattenscheid 09 und zog nach nur einer Saison in der Lohrheide weiter zu Borussia Dortmund II.

Dort erzielte er in 58 Spielen 24 Tore und zog die Aufmerksamkeit des SV Waldhof Mannheim auf sich. Bei den Kurpfälzern kam Joseph Boyamba in der 3. Liga auf 14 Treffer bei 54 Einsätzen.

Joseph Boyamba wechselt zum TSV 1860

Nun sucht “Jupp” bei den Löwen eine neue Herausforderung und möchte mit seinem neuen Verein den Sprung in die 2. Bundesliga schaffen. Wir wünschen Joseph Boyamba beim TSV 1860 natürlich nur das Beste!

Waldhof 1860 Elfmeter Boyamba
In der Vorsaison traf Joseph Boyamba per Elfmeter gegen die Löwen

sechzger.de Talk Jubiläumsfolge 60 in der Sommerpause

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sechzger.de talk

Rund vier Wochen sind nun seit der letzten Folge und seit dem Beginn der Sommerpause vergangen. Es herrschte also ordentlich Redebedarf und das spiegelt sich auch in der Länge der 60.Ausgabe des sechzger.de Talks wider. Zudem sind mit zwei Moderatoren und fünf weiteren Redaktionsmitgliedern so viele Teilnehmer dabei wie nie zuvor.

Sieben sechzger.de Redakteure über den TSV 1860 München

Es ist die bisher längste Folge, was angesichts der Anzahl an Gästen aber auch nicht unbedingt verwunderlich ist. Jan und Christian empfangen zur Jubiläumsausgabe Stephan, Flo, Thomas, Bernd und Stefan. Überschäumende Freude herrscht direkt zu Beginn – zumindest bei einem Produkt eines Sponsors der Löwen. Zu siebt dreht es sich in dieser Ausgabe ausnahmsweise mal nicht um das aktuelle Geschehen an der Grünwalder Straße. Stattdessen berichten die Protagonisten zu Beginn davon, wie sie zum Löwenfan wurden. Überraschenderweise spielte bei vielen zunächst ein anderer Verein in München eine Rolle. Doch die richtigen Schlüsse wurden gezogen und schlussendlich der TSV 1860 München als Herzensverein erkoren.

Nostalgisch wird es dann im Anschluss, als viele verschiedene historische Spiele genannt werden. Erst geht es dabei um die schönsten Partien, die den Redaktionsmitgliedern in Erinnerung geblieben sind. Danach folgen die traurigen Momente im Fan-Dasein, bei denen es zu ganz verschiedenen Einschätzungen kommt. Diskutiert wird außerdem die Bedeutung von historischen Daten im Zusammenhang mit dem TSV 1860. Abschließend stellen die Moderatoren noch die Frage, wo die Teilnehmer die Löwen in zehn Jahren sehen. Bei dieser Frage kommt es dann zu der größten Antwort-Vielfalt – wobei wohl alle hoffen, dass die Vorhersage von Stephan sich nicht bewahrheiten sollte…

Das Ende der Sommerpause naht

Aktuelles Geschehen wird also wie angekündigt in Ausgabe 60 nicht behandelt. Sie ist nicht nur wegen der Nummer eine Besonderheit. Ab der nächsten Folge kehrt der Talk dann zum gewohnten Muster zurück. Sicher werden dabei die bisher acht Neuzugänge eine zentrale Rolle einnehmen. Der Trainingsauftakt am morgigen Samstag und das erste Testspiel gegen den TSV Waldkirchen nahen, womit die Sommerpause bei den Löwen ihr Ende findet. Ende Juli startet dann die 3.Liga. Das alles gilt es in den kommenden Wochen im sechzger.de Talk zu diskutieren.

Sportpsychologe Prof. Dr. René Paasch im Interview – Teil V

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Rene Paasch Sportpsychologe Interview
Sportpsychologe Prof. Dr. René Paasch im Interview mit sechzger.de

Im fünften Teil unseres Interviews mit Prof. Dr. René Paasch erläutert uns der Sportpsychologe die Bedeutung des Mannschaftskreises vor und nach dem Spiel. Zudem setzt er sich mit Negativerlebnissen und deren Folgen auseinander, ehe er die Rolle von Führungsspielern definiert.

Interview mit Sportpsychologe Prof. Dr. René Paasch

Bevor wir zum Thema “Negativergebnisse” kommen, noch eine Frage: Wieso hat es sich in den letzten Jahren etabliert, dass sich die Mannschaften vor dem Anstoß nochmal zu einem Kreis auf dem Platz zusammenfinden? Ich meine, die kommen doch zusammen aus der Kabine. Die hatten da doch eigentlich Ruhe, konnten sich aufeinander konzentrieren und werden sich doch da eingeschworen haben und die Strategie vorgeben. Warum machen die das dann auf dem Platz nochmal?

Zum Einen wollen sie nach außen natürlich Einheit zeigen, wollen auch nochmal verstärkt zeigen, wer sie sind und dass sie zueinander stehen. Man findet da als Verantwortlicher bestimmt Worte und öffnet bestimmte Fenster. Das bedeutet: Unsere Wahrnehmung ist geprägt von unserer Vorstellung. Wenn ich mich jetzt mit Leistung auseinandersetze, dann werde ich im Alltag nach Leistung suchen. Werde also Kleinigkeiten versuchen zu verändern, um Leistung zu generieren.

Selektive Wahrnehmung zur Motivation

Sie erhoffen sich durch eine motivierende Ansprache nochmal ein gewisses Fenster aufzumachen, damit sich die Spieler dann daran orientieren. Also umso mehr ich mich mit Stärke auseinandersetze, desto mehr werde ich mich an Stärke orientieren und auf dem Platz verhalten. Setze ich mit Schwächen auseinander, werde ich dieses Fenster auch aufmachen.

Mannschaftskreis vor dem Spiel
Die Löwen machen sich vor dem Spiel nochmal heiß auf die bevorstehende Aufgabe

Man kennt dieses Phänomen der selektiven Wahrnehmung. Wenn ich ein tolles Fahrzeug gut finde, dann werde ich ganz oft komischerweise mit diesem Auto konfrontiert werden im Alltag, sehe dieses Auto immer wieder. Wir konstruieren ja unsere Wirklichkeit und je mehr ich mich mit einem bestimmten Thema auseinandersetze, desto mehr werde ich mich dem zuordnen und mich auch so verhalten. In dem Moment, in dem man im Kreis steht, ist es möglich, bestimmte Schlüsselworte zu benutzen, bestimmte Anweisungen zu geben, um dieses Fenster zu öffnen, um sich genauso zu verhalten.

Wichtig: Eine Nacht drüber schlafen

Und nach dem Spiel?

Im Nachhinein soll man gar nicht großartig über das Spiel resümieren und sagen, wie es gewesen ist. Die Jungs sind voller Hormone. Die sind extrem belastet, sie sind erschöpft, müde. Die haben keinen klaren Gedanken. Da macht es nicht viel Sinn, über das Spiel zu sprechen. Da gibt es ja diesen berühmten Satz, man soll immer eine Nacht drüber schlafen. Das ist auch so, damit man einen anderen Blick bekommt und dass man sich emotional so ein bisschen entkoppeln kann von dem, was gerade stattgefunden hat.

Aber es kann hilfreich sein, die Jungs bei einem Misserfolg nochmal so ein bisschen aufzurichten. Noch einmal ein paar nette Worte zu sagen. Das hilft dem ein oder anderen aus diesem Gefühl heraus zu kommen, weil sie ja dann ganz oft mit sich selbst beschäftigt sind und Zweifel haben.

“Wir haben heute gemeinsam gewonnen oder gemeinsam verloren.”

Da versucht man dann, ein Stück Neutralität wieder hinzubekommen, den gesunden Blick auf eine Situation. Da kann der Trainer mit den richtigen Worten natürlich den ein oder anderen Spieler erreichen, der dann besser mit bestimmten Situationen umgehen kann. Aber eigentlich soll das auch noch einmal deutlich machen: “Hey, alle von euch, ob auf dem Platz oder neben dem Platz, egal. Wir haben heute gemeinsam gewonnen oder gemeinsam verloren. Schaut, was ihr mitnehmen könnt. Was habt ihr heute gelernt, wo können wir daran arbeiten?” Also es geht eher um den Weg, mit diesen Situationen umzugehen und um noch einmal deutlich die Einheit nach außen zu repräsentieren.

Mannschaftskreis nach dem Spiel
Mannschaftskreis nach getaner Arbeit

Frisches Blut oder bewährte Kräfte?

Der TSV 1860 hatte in der Saison 21/22 eine besondere Situation, da man in der Spielzeit zuvor quasi am letzten Spieltag die mögliche Aufstiegsrelegation versemmelt hat. Das hat die Mannschaft in den ersten Wochen der neuen Saison womöglich noch ziemlich belastet. Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoll gewesen, das Team mit neuen Spielern aufzufrischen? Oder war es richtig, an dieser Mannschaft, die eigentlich über weite Strecken erfolgreich performte, festzuhalten?

Also schlussendlich gibt es sicherlich kein Patentrezept. Es kann richtig sein, an bestehenden Strukturen und Spielern festzuhalten, wenn man Entwicklungspotential feststellen kann. Also wenn ich als Trainer und als Verein sehe, dass da noch mehr möglich ist, dass man bei dem einen oder anderen noch mehr rausholen könnte und dass das Team noch mehr zusammenwächst, dann macht das für mich Sinn.

Aber wenn ich erkenne, dass vielleicht genau diese Leistungsgrenze war und es nicht noch weiter gehen kann, wäre es sicherlich gut, an der einen oder anderen Stelle Änderungen vorzunehmen.

Jürgen Klopp als Beispiel

Beispiel Jürgen Klopp: Er hat, als er in Dortmund seinen Trainerposten aufgegeben hat, deutlich gesagt, dass er nicht mehr tun kann. Er kann nicht mehr rausholen aus den Spielern, kann sie nicht mehr besser machen. Und dann muss man auch ehrlich zu sich sein und sagen: Okay, ich bin jetzt nicht mehr der richtige Mann für diesen Job, für diesen Verein. Und so ist es im Grunde auch dann mit der Mannschaft. Wenn ich doch merke – und das merkt man dann, wenn man sich intensiv mit den Jungs auseinander setzt – ist da noch was möglich? Sind sie nochmal bereit, diesen ungewöhnlichen Kampf anzunehmen? Sind sie bereit, mehr zu leisten als all die anderen Teams? Oder muss ich frischen Geist mit reingeben, der das möglich macht?

Die Frage kann sich natürlich nur der Verein stellen und ganz besonders das Trainerteam. Denn die kennen ihre Jungs und sie wissen, wie sie funktionieren. Natürlich ist frischer Wind immer gut. Wichtig ist nur: Passt dieser neue Wind zum Team? Ist das jemand oder sind das Personen, die der Mannschaft auch wirklich einen Mehrwert bieten können? Das bedeutet eben nicht nur fußballerisch, sondern auch als Menschen.

Nach dem Spiel in Ingolstadt 20/21
Relegation verpasst und dennoch von den Fans gefeiert: die Löwen nach der Niederlage in Ingolstadt zum Abschluss der Saison 2020/21

Führungsspieler: Leitwolf oder Teamplayer?

Wie wichtig sind da eigentlich so Führungsspieler? Sollte man eigentlich lieber einen Leitwolf, einen Kapitän im wahrsten Sinne des Wortes haben? Oder wie verteilt man sowas innerhalb einer Mannschaft sinnvoll auf mehrere Schultern?

Früher war das auch so. Da hatte man ja diesen einen Spieler, diesen Schlüsselspieler, der alles zusammengehalten hat. Heute ist es vielschichtiger. Heute hat man nicht mehr diesen einen Leader. Heute hat man viele verschiedene Charaktere und jeder hat die Möglichkeit, das Beste aus seiner Situation zu machen, aber auch das Beste für den Anderen zu machen. Deswegen ist Verantwortung grundsätzlich bei jedem sehr, sehr wichtig.

Aber wir brauchen natürlich auch Vorbildfunktionen, denn wir orientieren uns an Vorbildern. Wenn Vorbilder die Dinge vorleben und auch gewisse Dinge zeigen, dann ist diese Strahlkraft bei einem anderen sehr groß. Wir können sogar aufzeigen, dass – wenn bestimme Spieler sich so und so verhalten – andere Spieler automatisch dieses Verhalten imitieren. Deswegen ist es schon wichtig, nicht nur vorne einen Leader zu haben, sondern auch im Mittelfeld und hinten in der Defensive. Im Grunde kann man in vielen verschiedenen Bereichen der Mannschaft Leader haben, die Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen, aber auch für das Team. Je mehr Vorbilder wir haben, desto mehr wird sich die Allgemeinheit an dieser Vorbildfunktion orientieren.

Sascha Mölders Torschützenkönig
Galt bei 1860 lange Zeit als Führungsspieler und Vorbild: Sascha Mölders

Verantwortung für alle Bereiche

Geht es als Vorbild eher um die Spielstärke oder eher um die inneren Werte als Führungsperson?

Beides ist sehr wichtig. Das heißt natürlich auch die Qualität in den Füßen, weil wir ganz oft auch nach Spielern schauen, die vorangehen, die eine Menge für das Team tun. Wir kennen das schöne Beispiel von Bastian Schweinsteiger in der Nationalmannschaft. Da war es ganz oft so erkennbar, dass er eben nicht nur auf dem Platz eine Rolle übernommen hatte, sondern er hat sich auch extrem neben dem Platz für seine Jungs interessiert. Wenn es einem einmal nicht gut ging, dann hat er sich nach dem Training Zeit genommen, ist auf den Spieler zugegangen und hat gefragt: “Mensch, wie gehts Dir? Kann ich dir helfen?”

Führungsspieler übernehmen Verantwortung für alle Bereiche, die in diesem Team etwas ausmachen könnten und auch in ungewöhnlichen Situationen. Schweinsteiger hatte vor der Weltmeisterschaft einen Knöchelbruch und dennoch gespielt. Dann im Finale diese Stirnverletzung, die so geblutet hat – und dennoch ist er voran gelaufen. Das ist natürlich etwas, was uns auch Mut gibt. Weil wenn der das kann, kann ich das auch. Menschen werden mitgezogen.

“Wir lieben es, Vorbilder zu haben.”

Wenn wir uns die Geschichte vor Augen führen, dann lieben wir es, Vorbilder zu haben. Aber wir lieben auch Menschen, die uns Dinge vormachen. Ich könnte heute noch nicht laufen, wenn Mama und Papa es mir nicht gezeigt hätten, wie man laufen muss.

Da sieht man, wie wichtig es ist, wie wir einander brauchen. Wie sehr wir aber auch Menschen brauchen, die vorangehen, die Vorbildcharakter zeigen und deswegen würde ich es wichtig finden, auf verschiedenen Positionen verschiedene Leader zu haben und am besten schweißt man sie so zusammen, dass jeder Spieler sich erreicht fühlt und auch davon profitieren kann.

Was erwartet uns im letzten Teil des Interviews?

Im letzten Teil des Interviews befassen wir uns u.a. mit der Psyche eines Fußballers während der Reha-Phase und der Angst des Schützen beim Elfmeter.

Hier findet Ihr sämtliche Teile des Interviews

Teil I
Teil II
Teil III
Teil IV
Teil V (dieser Artikel)
Teil VI

Vielen Dank an unseren freien Mitarbeiter “Kassenwart”, der das Gespräch mit Prof. Dr. Paasch führte.

Groundhopping Indonesien: Reise ins größte unbekannte Land der Welt

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Groundhopping Indonesien

Über 100 Länder hat unser Leser Stefan mittlerweile bereits und in den meisten davon auch mindestens ein Fußballspiel gesehen. Im November 2018 verschlug ihn seine Leidenschaft Groundhopping ins ferne Indonesien zu den Südostasienspielen. Viel Spaß mit seinem Erlebnisbericht!

Ein Weltenbummler auf Reisen

Angestachelt von den Eindrücken von 2016 war mir schon früh klar, dass ich die Südostasienspiele auch 2018 besuchen will. Entgegen kam mir dabei auch der gemeinsame Plan von mir und meiner Freundin, das Oberland von Laos zu bereisen. Nach der Gruppenauslosung im Juni habe ich mir also eine Route zusammengesteckt, die in Laos enden sollte. Meine Wahl fiel darauf, dass ich mir auf dem Hinflug – wenn möglich – noch das asiatische Champions-League-Finale in Katar ansehe sowie das Gruppenspiel der Indonesier gegen Osttimor.

Leider fand das CL-Finale dann doch nicht in Doha statt, sondern in Teheran. Für eine Umbuchung war es zu spät und so durfte ich 20 Stunden im Austragungsort der WM 2022 verbringen. Dafür nahm ich mir einen Mietwagen, und wollte mir zumindest die Baustellen der Arenen für das Turnier vier Jahre später ansehen. Und um mir sechs der acht Arenen anzusehen, brauchte ich auch nur dreieinhalb Stunden, wobei ich sogar noch 45 Minuten Mittagspause gemacht hatte. Also “weite Strecken” gibt es im Winter 2022 nicht, die kürzeste Entfernung zwischen zwei Stadien sind neun Kilometer.

Groundhopping Indonesien
Das Gelora Bung Karno Stadium in Jakarta

Seit 1995 über 70 Todesfälle beim Fußball

Die Entscheidung, mir ein Spiel in Indonesien anzusehen, fiel mir ziemlich leicht: Erstens war ich noch nie da, zweitens hatten die Indonesier im Finale 2016 mit 2.500 Mitgereisten einen guten Auftritt – und drittens kommt der indonesische Fußball einfach nicht aus den Skandalen raus. Einem Bericht der 11Freunde zufolge, gab es bei Ausschreitungen zwischen Fußballfans seit 1995 über 70 Todesfälle beim Fußball.

In Jakarta traf ich erstmal auf meine mittlerweile lieb gewonnene Reisegruppe aus Hannover. Bei einigen Bieren im Hostel haben sich uns noch weitere Leute angeschlossen, die das Spiel sehen wollten, sodass wir letztendlich neun Langnasen waren. Was die Ticketsuche am Stadion nicht gerade erleichterte, denn die Ticketvergabe erfolgte eigentlich nur per Online-Reservierung mit indonesischer Kreditkarte. Irgendwie hat es vor Ort mit viel Blödlaberei dann aber doch geklappt. Insgesamt wurden aber offensichtlich viele Besucher von den strengen Auflagen abgeschreckt, sodass letztendlich nur 15.000 Zuschauer in der riesigen Gelora-Bung-Schüssel waren. Die Fangruppen der einzelnen Vereine verteilten sich in verschiedenen Bereichen des Stadions, wobei rechts unter uns die militaristisch auftretenden Jungs von Persiji waren. Trotzdem feuerten alle Fangruppen ihre Nationalmannschaft an.

Groundhopping Indonesien
Die Preise für Schminke liegen in Indonesien offenbar deutlich unter dem europäischen Niveau

Groundhopping Indonesien

Auf dem Papier traten die Nummer 173 der Fifa-Weltrangliste gegen die Nummer 197 an. Allerdings muss man dazu sagen, dass Indonesien wegen Korruptionsvorwürfen einige Zeit von der FIFA gesperrt war. Trotzdem sind sie für die Südostasienspiele zugelassen und stehen dort auch regelmäßig im Finale. Der Gegner Osttimor konnte sich erst gegen Brunei für das Turnier qualifizieren. Bis 2002 war Osttimor von Indonesien besetzt: Während dieser Zeit und im Bürgerkrieg starb etwa ein Fünftel der dortigen Bevölkerung. Indonesien ist hingegen das “größte unbekannte Land der Welt”. Mit 264 Millionen Einwohnern sind sie das viert-bevölkerungsreichste Land und in keinem anderen Staat weltweit leben mehr Muslime. Allein im Bereich der Hauptstadt Jakarta leben 30 Millionen Menschen.

Zum Spiel kann ich natürlich nichts mehr sagen: Der 11er war recht quirlig und der 5er hat zu oft seine Position der falschen 9 verlassen. Irgendwie sowas, sagt euch eh nix! Ich hab mir eher die Fans auf den Tribünen angesehen, die gut Rabatz machten, aber in der großen Schüssel eher verloren wirkten. Zu Ausschreitungen kam es nicht und am Ende gewann Indonesien klar und ohne Probleme mit 3:1. Pflichtsieg, nachdem das erste Spiel in Singapur mit 1:0 verloren ging. Osttimor verlor das erste Spiel zu Hause gegen Thailand 0:7 und war damit raus.

Groundhopping Indonesien
Eigentlich wollten die Kinder ja nur ein Foto mit dem Shirt, aber Stefan wollte es nicht ausziehen

Sightseeing in Jakarta

Nach dem Spiel ging es nochmal durch das enorme Verkehrschaos dieses Molochs zurück zur Unterkunft, und nach ein paar Bierchen dann auch ins Bett. Beim anschließenden Sightseeing-Tag bewunderten wir noch die Istiqlal-Moschee mit Platz für 120.000 Gläubige, den eher langweiligen Basar und den Unabhängigkeitsplatz mit Museum und Turm. Letzterer ist wohl Pflichttermin für Schulklassen und wir Fremde wurden dort gefeiert wie Rockstars und mussten für Unmengen an Selfies herhalten. Aber das haben wir uns auch mal verdient.

Am darauffolgenden Tag flog ich mit Lion Air weiter in die laotische Hauptstadt Vientiane, und zwar nahezu exakt mit der gleichen Verbindung, die eine Woche vorher vom Himmel fiel und 189 Todesopfer forderte. Gott sei Dank schlägt der Blitz nie zweimal an der gleichen Stelle ein.

Und aus Laos berichten wir an einem der kommenden Tage…

Groundhopping Indonesien
Betende Gläubige in der Istiqlal-Moschee

Groundhopping auf sechzger.de

In den letzten Monaten erschienen bereits einige Groundhopping-Artikel auf sechzger.de. Hier eine kurze Übersicht:

Groundhopping Rumänien
Groundhopping Mazedonien bzw. Nordmazedonien
Groundhopping Armenien
Groundhopping Thailand
Groundhopping Ukraine
Groundhopping Kuba
Groundhopping Montenegro
Groundhopping Indien
Groundhopping Kirgisistan
Groundhopping Saudi-Arabien
Groundhopping Antarktis (Südgeorgien)
Groundhopping Kolumbien