Am Sonntag Vormittag war hier bei sechzger.de der erste Teil meines Reiseberichts aus Albanien zu lesen, wo ich mich zusammen mit meinen beiden Söhnen Ende August aufhalten durfte. Heute folgt nun Teil 2.
Vor dem Fußball ein wenig kulturelles Sighseeing
Nachdem das mit dem Besuch eines Zweit- und eines Erstligaspiels am Samstag so gut geklappt hatte, nahmen wir uns das gleiche Programm auch für den Sonntag vor. Aus der Hafenstadt Vlora, die nach der Unabhängigkeitserklärung Albaniens vom Osmanischen Reich im Jahr 1912 kurzzeitig sogar die Hauptstadt war, ging es – nach einem kurzen erfrischenden Abstecher an den Strand – vormittags wieder gen Norden. Und um uns später nicht vorwerfen lassen zu müssen, während unseres Aufenthalts ausschließlich dem Fußball gefröhnt zu haben, machten wir noch einen Abstecher in das wunderschön auf einem Hügel gelegene Kloster Ardenica und in die Stadt Berat (UNESCO-Weltkulturerbe). Bei der ersten Station genossen wir – ganz für uns – klösterliche Ruhe und Entspannung. Berat hingegen ist, speziell am Sonntag auch bei Einheimischen ein extrem beliebtes Ausflugsziel, wo sich dann am Fuße der imposanten Burg die Reisebusse quasi stapeln. Gesehen haben sollte man die “Stadt der tausend Fenster” dennoch.
Ruinenanbeters Traum
Der anvisierte Zweitligakick war die Partie zwischen KF Lushnja und KF Skenderbeu. Die Stadt Lushnja ist ziemlich genau – jeweils 25 Kilometer entfernt – zwischen den beiden am Samstag besuchten Spielorten in Fier und Rrogozhinhe gelegen, was einiges über die Distanz zwischen den verschiedenen relevanten Fußballstandorten im Land, das flächenmäßig etwa halb so groß wie Bayern ist, aussagt. Und wenn man als Ruinenanbeter, wie wir es ja nun einmal sind, in Albanien sowieso schon voll auf seine Kosten kommt, findet man im Stadion Roza Haxhiu wohl das vollendete Glück. Ob der bauliche Zustand der Anlage der Grund ist, warum wir kein Kassenhäuschen und keine Einlasskontrollen ausmachen konnten und daher einfach ohne Ticket Einlass fanden oder ob dies eine Methode ist, mehr Zuschauer anzulocken, ist mir leider nicht bekannt. Sollte letzteres aber die Idee dahinter sein, war sie durchaus erfolgreich. Hier in Lushnja waren deutlich mehr Besucher anwesend, als beim tags zuvor besuchten Zweitligaspiel. Ich würde von ein paar hundert Personen ausgehen. Das Spiel, das wir – aufgrund der Entfernung zum Standort des geplanten abendlichen Erstligaspiels – nur bis zum Pausenpfiff verfolgen konnten, endete übrigens 1:1. Zur Pause hatten die Gäste noch geführt. Bei diesem Stadionerlebnis stand allerdings der Sport definitiv im Hintergrund. Hier ging’s wirklich nur um’s Stadion…
Zum Abschluss wieder Dinamo City – in Elbasan
Das fünfte und letzte Spiel unseres Aufenthalts bescherte uns – quasi als inhaltliche Klammer – ein Spiel jenes Teams, das wir schon am Donnerstag Abend in der Conference League Quali gesehen hatten: Dinamo City. Allerdings an einem anderen Standort, nämlich in Elbasan. Die Stadt, deren Bewohner eigentlich – wie mit eigenen Augen gesehen, sehr frenetisch – dem KF Elbasani anhängen (das waren die Jungs mit den vielen Böllern am Samstag Abend beim Auswärtsspiel beim Meister Egnatia) liegt eine gute Autostunde von der Hauptstadt entfernt. Ohne hier zu sehr ins Detail gehen zu wollen, ist Dinamo City wohl ein (albanisches) Beispiel für die Auswüchse des modernen Fußballs. Seit Sommer 2023 gehört man – eigenen Angaben zufolge – der City Group rund um Manchester City an, weshalb man sich vor der Saison 23/24 von Dinamo Tirana in Dinamo City umbenannte. Interessanterweise ist auf der Website besagter City Group der Verein allerdings nicht im weltweiten Netzwerk dieser Gruppe zu finden…
Im fünften Spiel erstmals kein 1:1
Wie dem auch sei. In Elbasan erfreut sich Dinamo City jedenfalls – wenig überaschend – keiner großen Beliebtheit. Waren beim Conference League Spiel in Tiranas Nationalstadion am Donnerstag Abend immerhin über 2.000 einheimische Zuschauer gekommen, die den Führungstreffer für das Heimteam auch durchaus begeistert bejubelten, fanden sich zum Ligaspiel zwischen Dinamo City und KF Vllaznia (dem nördlichsten Profifußballverein in Albanien aus der Stadt Shkoder) nur ein paar Hundert Besucher ein, die dann auch noch überwiegend zu den Gästen hielten. Das half denen aber wiederum nicht viel. Die Gastgeber ließen in dem Spiel gegen die zu Saisonbeginn ebenfalls in der Conference League Quali aktiven Gäste (in Runde zwei an
Groundspotting auch noch auf dem Programm
Ohne besondere Umwege dafür in Kauf zu nehmen zu müssen, nahmen wir im Rahmen unserer Reise durch’s Land auch noch vier weitere Stadien – ohne Spiele – in Augenschein, womit wir behaupten können, sieben von zehn Erstligastandorte (plus zwei aus der 2. Liga) gesehen zu haben. Keine schlechte Ausbeute für eine gute Woche Urlaub, oder?
Hier folgen entsprechend noch ein paar Impressionen der Plätze des KF Tirana (beliebtester und wohl erfolgreichster Klub im Lande), FK Partizani (im Nordosten der Hauptstadt daheim), KF Teuta (aus der zweitgrößten Stadt in Albanien, Durres, westlich von Tirana an der Adria gelegen) und vom Aufsteiger Flamurtari Vlore, das allerdings aktuell im Umbau ist, weshalb wir hier leider keinen Einlass fanden.
Klare Reiseempfehlung – nicht nur zum Hoppen
Das Fazit der Reise fällt – natürlich nicht nur in Bezug auf die Fußballerlebnisse, aber um die geht es hier ja – absolut und zu 100% positiv aus: Sehenswerte alte Stadien, bezahlbare Eintrittspreise und Verpflegung, unterhaltsames Geschehen auf dem Rasen und herzliche und wirklich offene Menschen, die sich freuen, Gäste aus dem Ausland bei ihren Lieblingsvereinen begrüßen zu dürfen.
Wir kommen sicher wieder!
Groundhopping auf sechzger.de
In den letzten Monaten erschienen bereits einige Groundhopping-Artikel auf sechzger.de. Hier eine kurze Übersicht:
Groundhopping Rumänien
Groundhopping Mazedonien bzw. Nordmazedonien
Groundhopping Armenien
Groundhopping Thailand (Teil I / Teil II)
Groundhopping Ukraine
Groundhopping Kuba
Groundhopping Montenegro
Groundhopping Indien
Groundhopping Kirgisistan
Groundhopping Saudi-Arabien
Groundhopping Antarktis (Südgeorgien)
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Groundhopping Indonesien
Groundhopping Laos
Groundhopping Georgien
Groundhopping Sansibar
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Groundhopping Taiwan
Groundhopping Tunesien
Groundhopping Algerien
Groundhopping Türkei
Groundhopping Galicien (Teil I / Teil II)
Groundhopping Madrid (Teil I / Teil II)
Groundhopping Ecuador (Teil I / Teil II)
Groundhopping Albanien I
Groundhopping Albanien II (Teil 1 / Teil 2)






















































