Morgen ist soweit. Endlich werden viele Mitglieder des TSV 1860 München e.V. und Löwenfans sagen. Ab 10:00h (Einlass ab 8:30h) steigt die Mitgliederversammlung im Zenith (Lilienthalallee 29, 80939 München, U6 Freimann). Höhepunkt der Veranstaltung ist zweifelsohne die Wahl des neuen Verwaltungsrats, bei der es vor allem um die zukünftige strategische Ausrichtung der KGaA geht.
Nervenaufreibender Wahlkampf
Hinter den Löwenfans liegen mehrere Wochen eines nervenaufreibenden Wahlkampfs. Dieser wurde wahrscheinlich noch intensiver geführt als die meisten Mitglieder vermutet hatten. Dass Hasan Ismaik die letzten drei Wochen vor der Wahl im Raum München verbrachte und kräftig die Werbetrommel für seine Ziele rührte, sorgte für täglich neue Nachrichten im Vorfeld der Mitgliederversammlung im Zenith. Folgende High- oder Lowlights lieferte die PR-Offensive Ismaiks:
Ismaiks Zielsetzung liegt relativ klar auf der Hand: Er sieht sich durch die 50+1-Regel und den Dauerstreit um die strategische Ausrichtung der KGaA in der Ausübung seiner Aktienmehrheit von 60% gebracht. Um uneingeschränkt regieren zu können, arbeitete er auf die Wahl von ihm gewogenen Kandidaten hin, die Ismaiks Standpunkte teilen und ihm dabei keine Steine in den Weg legen werden. Für den Fall, dass diese nicht die Mehrheit im VR gewinnen sollten, kündigte Ismaik bereits an, dass er in Zukunft an seinem Blockade-Kurs nichts ändern wird.
Bündnis Zukunft 1860
Die Kandidaten, die diesen Kurs unterstützen kommen aus Reihen des Bündnis Zukunft 1860. Zur Erinnerung: Das Bündnis wurde einst gegründet, um die verfahrene Situation zwischen den Gesellschaftern zu verbessern und Vorschläge für eine strategische Weiterentwicklung der KGaA zu liefern. Dieser Plan wurde schnell über Bord geworfen und prominente Mitglieder des Bündnis Zukunft verkündeten ihre Kandidatur für einen Posten im Verwaltungsrat. Im Kern geht es dem Bündnis darum, den Aufstieg in die 2. Bundesliga durch die neue Aufnahme von Kapital (über weitere Genussscheine von Hasan Ismaik) zu erreichen. Dort – so die Annahme des Bündnisses – könne die KGaA aufgrund verbesserter Einnahmen endlich beginnen, ihre Entschuldung voranzutreiben. Außerdem sieht das Bündnis durch einen Aufstieg in die 2. Liga den Wert der KGaA deutlich steigen, was den Verkauf von Anteilen an weitere Investoren möglich machen soll.
Gemeinsamer 6-Punkte-Plan von Ismaik und Bündnis
Die Symbiose zwischen Ismaik und dem Bündnis Zukunft wurde am Freitag nochmals auf eigens einberufenen Pressekonferenz in den Räumen der IHK München vorgestellt. Ismaik und das Bündnis stellten einen “Sechs-Punkte-Plan” vor, in dessen Kern die Aufnahme von insgesamt 15 Mio. € Kapital bei Hasan Ismaik in Form von Genussscheinen darstellt. Damit soll innnerhalb von drei Jahren der Aufstieg in die 2. Liga geschafft werden. Die Kandidaten des Bündnises, die für diesen Kurs stehen sind:
Thomas Baudisch
Robert Forster
Martin Gräfer
Thomas Hirschberger
Alexander Hofmann
Klaus Lutz
Klaus Ruhdorfer
Kein Plan B beim Bündnis Zukunft
Unklar blieb im Wahlkampf des Bündnisses, was geschieht, falls der Aufstieg trotz erhöhter Ausgaben für den Kader der Profimannschaft nicht gelingen sollte. Dann steht 1860 weiter als Drittligist da und führt noch mehr Genussschein-Kapital von Hasan Ismaik in der Bilanz. Außerdem wurde nie ausgeführt, wie das Bündnis im Falle einer Mehrheit im Verwaltungsrat nach der Wahl mit Hasan Ismaik zusammenarbeiten will. An einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Hasan Ismaik scheiterten seit 2011 alle Präsidenten des TSV 1860 (Dieter Schneider, 7. Februar 2011 – 31. März 2013, Hep Monatzeder, 1. April – 15. Juli 2013, Gerhard Mayrhofer, 15. Juli 2013 – 19. Juni 2015, Siegfried Schneider, 20. Juni – 15. November 2015, Robert Reisinger 3. Juni 2017 – heute) mit einer Ausnahme: Peter Cassalette (16. November 2015 – 2. Juni 2017) agierte im Sinne des Mehrheitsgesellschafters. Die Ergebnisse und deren Konsequenzen vor ziemlich genau sieben Jahren sind bekannt.
Wer Bündnis wählt, bekommt Ismaik
Vor diesem Hintergrund erscheint es mehr als fraglich, ob Hasan Ismaik nach einer Wahl der Kandidaten des Bündnis Zukunft, dessen “Matchplan” umsetzen wird. Sehr wahrscheinlich wird er nach eigenen Interessen handeln und von “seinem” Verwaltungsrat Entscheidungen nach seinem Gusto erwarten. So würde 50+1 letztendlich ausgehebelt. Sollten die Bündnis-Vertreter im VR nicht in Ismaiks Sinne handeln, wird sich an der grundlegenden Situation im Verhältnis e.V. – Hasan Ismaik nichts ändern. Die aktive Fanszene formuliert es so: “Wer Bündnis Zukunft wählt, wählt Hasan Ismaik.”
Kandidaten des bestehenden Verwaltungsrats
Der große Gegenpol des Bündnis Zukunft als Steigbügelhalter für Hasan Ismaik sind die Kandidaten des bisherigen MV. Deren Kurs lässt sich am ehesten mit “wirtschaftlicher Vernunft” und schrittweisem Aufbau bezeichnen. Aus den Erfahrungen der Saison 2016/17 und vor dem Hintergrund der Regularien von DFB und DFL, setzt diese Gruppe auf wirtschaftliche Besonnenheit. Zentrales Element dieser Strategie ist die Weiterführung des 2017 eingeschlagenen Konsolidierungskurses. Daher ist für diese Kandidatengruppe die Aufnahme weiterer Schulden ausgeschlossen. Stattdessen soll die Gesundung der KGaA durch verstärkten Invest in das NLZ erfolgen. So sollen im Zeitverlauf mehr und mehr eigene Talente eingebaut werden. Diese sollen sich bei 1860 gut entwickeln und dann gegen Ablöse verkauft werden. Auf diese Weise soll die Einnahmesituation der KGaA substantiell verbessert werden. Der Nachteil an diesem Kurs liegt auf der Hand: er erfordert Geduld. Jedoch birgt er wesentlich weniger Risiken als der vom Bündnis Zukunft vorgeschlagene Weg.
1860 ist mehr als Fußball
Unbestritten sind die Erfolge des bestehenden Verwaltungsrates außerhalb des Sorgenkindes Profifußball. Der e.V. zählt so viele Mitglieder wie noch nie. Über 27.000 Menschen sind aktuell Mitglied im TSV 1860 München. Mit dem Bamboleo konnte im Herzen von Giesing endlich eine Vereinsgaststätte eröffnet werden. Eine Vielzahl an neuen Abteilungen und Unterabteilungen wurden gegründet. Stellvertretend seien Darts, Fechten und der wichtige Inklusionssport genannt. Außerdem gedeiht der Frauenfußball prächtig. Die Löwinnen eilen von Aufstieg zu Aufstieg. Auch diese Bilanz ist bei der Wahl zu berücksichtigen. Denn die eigentlichen Kompetenzen der Verwaltungsräte liegen in der Kontrolle und Weiterentwicklung des e.V. und nicht in der Gestaltung der Zusammenarbeit mit dem Mitgesellschafter der Profifußball KGaA. Dennoch dominierte diese natürlich den Wahlkampf.
Folgende Kandidaten aus dem aktuellen Verwaltungsrat stehen für eine Fortführung des aktuellen Kurses der Konsolidierung und der wirtschaftlichen Vernunft:
Robert von Bennigsen
Markus Drees
Sascha Königsberg
Gerhard Mayer
Beatrix Zurek
Sebastian Seeböck
Nicolai Walch
Darüber hinaus empfiehlt Pro 1860 folgende Kandidaten, um den Verwaltungsrat zu vervollständigen:
Christian Dierl
Martin Obermüller
Eine Richtungswahl mit Blöcken wird bei der Mitgliederversammlung im Zenith nicht zu verhindern sein.
Wenn die Mitgliederversammlung morgen um 10:00h im Zenith eröffnet wird, werden die meisten Löwenmitglieder ihre Entscheidungsfindung bereits abgeschlossen haben. Eine Richtungswahl mit den zwei großen Blöcken Bündnis Zukunft vs. aktueller VR ist zu erwarten. Damit wird der Kurs von 1860 (besonders der KGaA) für die nächsten drei Jahre festgelegt. Darum, kommt alle zur MV! Jede Stimme ist wichtig! Die Tagesordnung findet Ihr hier.