Im Sommerurlaub in Kanada standen vorrangig Städtetrips auf dem Programm, aber auch die Natur sollte unter anderem mit einem Besuch bei den Niagara-Fällen nicht zu kurz kommen. Außerdem wurde – wenn man schon einmal vor Ort ist – natürlich auch ein weiterer Länderpunkt anvisiert. Gesagt, getan und so besuchte sechzger.de-Redakteur Jan das Spiel zwischen der York United Academy und dem Unionville-Milliken Soccer Club.

York United Academy – Unionville Milliken Soccer Club (League1 Ontario, Championship)

Zwei Wochen Kanada mit Besuchen in Montréal, Ottawa, Toronto und Québec City waren dieses Jahr im Sommerurlaub geplant. Los ging es von München aus per Direktflug nach Montréal, wo neben der Stadtbesichtigung vor allem kulinarische Aspekte auf dem Programm standen. Diverse Restaurants lockten uns an und enttäuschten dabei nicht. Den besten Überblick über die Stadt gab es vom Mont Royal aus, auch der erste Waschbär wurde bei dieser Gelegenheit gesichtet.

Montréal Blick Vom Mont Royal Auf Das Stadtzentrum

Von Montréal aus ging es zunächst mit dem Mietwagen in den Parc Omega: ein Wildpark, den man ganz nordamerikanisch mit dem Auto befährt. Das hat allerdings den Vorteil, dass die Tiere zumeist sehr viel Platz bekommen. Auf den 12 Kilometern Rundweg kommen immer wieder neugierige Vierbeiner direkt an die Autos, um ein oder mehrere Karotten zu erwischen – für den Park gibt es definitiv eine Weiterempfehlung! Sparen kann man sich meiner Meinung nach hingegen einen Besuch in Ottawa, also der kanadischen Hauptstadt. Die Sightseeing-Aspekte sind wirklich überschaubar und nicht besonders. Leider waren auch viele obdachlose und/oder drogenabhängige Personen zu sehen. Deutlich besser gefiel uns dann der Aufenthalt in Mont Tremblant – im Winter ein beliebtes Skigebiet, im Sommer gut für diverse Aktivitäten. Wir entschieden uns für Kayak fahren und eine Dünenbuggy-Tour quer durch den Wald.

Parc Omega Kanada Wildpark

Mont Tremblant Blick Auf Das Skigebiet Und Den Lac Tremblant
Blick auf den Lac Tremblant vom Berg, der im Winter der Startpunkt für diverse Skipisten ist

Kanadische Bahn erfüllt die Erwartungen

Im Anschluss brachten wir den Mietwagen nach Montréal zurück und testeten von dort das kanadische Pendant zur Deutschen Bahn auf dem Weg nach Toronto. Was soll man sagen: auch in Kanada wird man in Sachen Reiseerfahrungen mit dem Zug nicht enttäuscht. Nicht nur, dass wir oftmals nur mit etwa 70 km/h vorwärts kamen. Auch die obligatorische Verspätung war natürlich mit dabei – und was für eine! Wegen eines umgefallenen Strommastens kamen wir mit fünf Stunden Verspätung mitten in der Nacht in Toronto an. Einen großen Pluspunkt bekam die Zugbesatzung dennoch, die spontan eine Pizza-Lieferung an den nächstgelegenen Bahnhof orderte und damit die Gemüter etwas beruhigen konnte.

Toronto, die größte kanadische Stadt mit etwa 3 Millionen Einwohnern, gefiel mir dann irgendwie richtig gut. Gewisse Ähnlichkeiten zu New York lassen sich nicht von der Hand weisen, aber irgendwie passten die zahlreichen Hochhäuser und Sportstätten gut ins Bild. Wenn man schon einmal in dieser Ecke ist, darf natürlich auch eine Tagestour zu den Niagara-Fällen nicht fehlen. Das war schon beeindruckend, welche Wassermassen dort herunterschießen und sah obendrein noch wirklich cool aus. Im Bus wurden zudem auch noch mit geballter Faust die späten Siegtreffer gegen Aachen im sechzger.de-Liveticker verfolgt 🙂

Niagara Wasserfälle Blick Aus Kanada

Groundhopping in Kanada

Wie das vor einem Urlaub so üblich ist, werden in den Wochen zuvor die Spielpläne nach einer passenden Gelegenheit durchforstet und mit dem Duell zwischen der York United Academy und dem Unionville-Milliken Soccer Club in Toronto wurde dann auch eine passende Möglichkeit ausgemacht. Eigentlich sollte es zur Partie York United – Pacific FC in der ersten kanadischen Liga gehen, zeitlich besser passte dann aber das Nachwuchsteam. Da es in beiden Fällen das gleiche Stadion war, stellte das kein Problem dar.

Grundsätzlich ist es in Kanada so, dass drei Teams in der amerikanischen Major Soccer League (MLS) vertreten sind: der CF Montréal, Toronto FC und der Vancouver Whitecaps FC. Seit 2019 gibt es in Kanada selbst auch wieder eine erste Liga, nämlich die Canadian Premier League (CPL). Acht Teams treten hier im Kampf um die Meisterschaft an. Der Fokus liegt vor allem darauf, kanadische Fußball-Talente zu fördern. Außerdem gibt es mehrere semiprofessionelle Ligen, unter anderem die League1 Ontario. In eben dieser sollte in der zweitklassigen Championship auch die Partie zwischen der York United Academy und dem Unionville-Milliken Soccer Club stattfinden.

Überraschende Meisterfeier

In gut einer Dreiviertelstunde ging es vom Stadtzentrum aus ohne Umstieg mit der U-Bahn in den Norden der Großstadt. Das war durchaus praktisch, denn ich hatte keine mobilen Daten zur Verfügung und konnte somit nur geringfügig auf die Hilfe meines Mobiltelefons zurückgreifen. Flutlichter (bei strahlendem Sonnenschein…) wiesen mir den kurzen Weg zum Stadion. Auf dem Kunstrasenplatz können auch andere Sportarten, unter anderem American Football, gespielt werden. Etwa 150 Zuschauer wollten dieses Spiel neben mir sehen. Hinzu kamen ein paar Zaungäste, die problemlos einen kostenneutralen Blick in das Stadioninnere erhielten. Der Eintritt hielt sich mit acht kanadischen Dollar allerdings ohnehin in Grenzen.

York Lions Stadium York United Zaungäste Hinter Dem Tor
Der ein oder andere Zaungast verfolgte das Spiel kostenneutral

Spannend war auch die Umsetzung von VIP-Plätzen auf der Gegengerade. Dort waren Container aufgestellt, die für die Erstliga-Spiele geöffnet werden. Davor findet man in zwei Reihen eine Art Flugzeugsitz. Hinter einem der beiden Tore bauten sich Foodtrucks auf, die insbesondere für das folgende Erstliga-Spiel gedacht waren. Der Verein selbst verkaufte aus Container heraus Merchandising und Bier.

York Lions Stadium VIP Bereich Mit Containern Auf Der Gegengerade

Das spielerische Niveau vor etwa 150 Zuschauern war gar nicht so schlecht wie vermutet. Einzig die Chancenverwertung war phasenweise erschreckend schwach und trieb die Trainer an der Seitenlinie zur Weißglut. Die Gäste aus Unionville konnten sich gegen die York United Academy schlussendlich mit 3:1 durchsetzen. Ich hatte mich vorab ausnahmsweise mal nicht mit der Tabelle beschäftigt und wurde daher von einer kleinen Meisterfeier überrascht. Durch den Auswärtssieg im letzten Saisonspiel (auch das war mir natürlich entgangen) sicherte sich Unionville-Milliken Rang 1 und steigt vemutlich in die League1 Premier auf. Vermutlich, da ich mit den Aufstiegsmodalitäten in Kanada nicht vertraut bin.

So konnte schlussendlich der nächste Länderpunkt mit neuen Eindrücken und Anekdoten aus Kanada gefeiert werden. Das folgende Erstliga-Spiel endete übrigens mit einem 5:1 für die Gastgeber und wäre also auch keine schlechte Wahl gewesen.

League1 Ontario Championship Pokalübergabe An Unionville Milliken Soccer Club
Unionville-Milliken freut sich über die Meisterschaft

Groundhopping auf sechzger.de

In den letzten Monaten erschienen bereits einige Groundhopping-Artikel auf sechzger.de. Hier eine Übersicht:

Groundhopping Rumänien
Groundhopping Mazedonien bzw. Nordmazedonien
Groundhopping Armenien
Groundhopping Thailand (Teil I / Teil II)
Groundhopping Ukraine
Groundhopping Kuba
Groundhopping Montenegro
Groundhopping Indien
Groundhopping Kirgisistan
Groundhopping Saudi-Arabien
Groundhopping Antarktis (Südgeorgien)
Groundhopping Kolumbien
Groundhopping Indonesien
Groundhopping Laos
Groundhopping Georgien
Groundhopping Sansibar
Groundhopping Moldawien/Transnistrien
Groundhopping Nordkorea
Groundhopping Bulgarien
Groundhopping Senegal
Groundhopping Gambia
Groundhopping Guinea-Bissau
Groundhopping Frankreich
Groundhopping Kosovo & Nordmazedonien
Groundhopping Bosnien
Groundhopping Taiwan
Groundhopping Tunesien
Groundhopping Algerien
Groundhopping Türkei
Groundhopping Galicien (Teil I / Teil II)
Groundhopping Madrid (Teil I / Teil II)
Groundhopping Ecuador (Teil I / Teil II)
Groundhopping Albanien

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BruckLoewe

Bild 1: Haddu Brot? 😂

Kraiburger

Danke für die Eindrücke. Ich bin etwas neidisch, weil mir LP Kanada noch fehlt und ich mir bislang auch unsicher bin, ob ich ihn mir zur WM holen werde.

Aber lese ich das richtig, dass diese Jungs mit 150 Zuschauern jetzt in die erste Liga aufgestiegen sind? Das wäre ja schon etwas mau, dann scheint die Fußballbegeisterung, wie man sie teilweise derzeit in den Staaten erlebt, ja doch noch nicht bis in den Norden hinüber zu schwappen.

Glückwünsch übrigens zum Länderpunkt, den du korrekterweise mit einem richtigen kanadischen Spiel gemacht hast, und nicht wie andere unberechtigterweise mit den MLS-Teams.

WilliamRH

Kanadier hier.

Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu einer erfolgreichen Reise und dass Sie den kanadischen Transit gut gemeistert haben.

Soweit ich weiß, wird die League1 hauptsächlich als Entwicklungsliga für Vereine der kanadischen Premier League sowie für kanadische Vereine in der MLS angesehen. Die Vereine können nicht über die League1 hinaus aufsteigen (obwohl ich glaube, dass es innerhalb der Liga Auf- und Abstiege gibt). Die meisten Spieler sind jung, und viele der Zuschauer sind Freunde oder Familienangehörige der Spieler. Der Verein mit den meisten Zuschauern in der League1 ist wahrscheinlich in London mit etwa 500–1000 Zuschauern pro Spiel, aber selbst sie sind im Grunde nur die zweite Mannschaft von Toronto FC. Allerdings ist die League 1 in vielen Städten der einzige wettbewerbsfähige Fußballverein, daher kann ich mir vorstellen, dass die Spiele einige lokale Fans anziehen.

Die CPL könnte besuchermäßig deutlich besser sein. Das einzige Spiel, das ich je besucht habe, war in Halifax, aber ich kann sagen, dass es gut besucht war und eine gute Atmosphäre herrschte, wenn man bedenkt, dass die Liga noch recht neu ist. Ich würde sagen, es waren etwa 6000 Fans da. Vielleicht mache ich mich bald endlich auf den Weg zu York United, nachdem ich sie hier erwähnt habe. Den Verein gab es noch nicht, als ich jünger war, und ich konnte nie eine dreistündige Hin- und Rückfahrt zu einem Spiel rechtfertigen, das ja eigentlich in derselben Stadt stattfindet, in der ich lebe.

Was Ihre erste Erfahrung mit VIA Rail betrifft: Das ist bei kanadischen Zügen eigentlich zu erwarten. Fünf Stunden sind zwar Pech, aber ein bis zwei Stunden Verspätung sind keine Seltenheit, und auf der kurzen Strecke von Toronto nach London, die ich häufig fahre, sind 30- bis 45-minütige Verspätungen mittlerweile an der Tagesordnung.

Entschuldigen Sie mein schlechtes Deutsch; einige meiner Kommentare wurden mit Google Translate übersetzt und sind daher möglicherweise nicht ganz verständlich.