Sommerpause bei den Löwen heißt entweder kein Fußball für ein paar Wochen, alternativ Zeit für andere Mannschaften in der Relegation oder sogar anderen Ländern. sechzger.de-Redakteur Jan plante rund um das schwedische Pokalfinale gleich eine ganze Tour und berichtet davon in mehreren Artikeln. Nach Stops in Litauen, Lettland und Finnland führte ihn die Groundhopping-Tour als nächstes nach Stockholm in Schweden.
Das erste Mal richtig Stimmung: Hammarby IF – Degerfors IF
Vorfreude herrschte bereits morgens auf die geplante Partie am Abend. Mit Hammarby als Gastgeber erhoffte ich mir das erste Mal auf der Tour guten Support von den Rängen und ich wurde – so viel kann ich vorwegnehmen – keineswegs enttäuscht. Aber der Reihe nach: auch in Stockholm hieß der erste Programmpunkt kurzer Check-In im Hotel und dann ab auf Entdeckungstour. Tipp von mir: vom Flughafen fahren in die Innenstadt sehr regelmäßig und zu fairen Preisen Flixbusse, die man kurzfristig buchen kann – je nachdem, wie schnell man eben aus dem Flughafen heraus gelangt. Der Expresszug Arlanda ist zwar deutlich schneller, aber mit etwa 30€ für eine einfache Fahrt auch viel teurer.
Inkludiert ist in einem Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsmittel nicht nur die Metro mit einer Taktung von wenigen Minuten, sondern unter anderem auch eine Fähre auf die kleine Insel Djurgården. Die Fahrt dauert zwar nur wenige Minuten, liefert aber einen schönen Anblick auf die Altstadt und auf der Insel selber finden sich zahlreiche Museen, denen ich allerdings aufgrund meines begrenzten Zeitbudgets keinen Besuch abstattete. Am meisten los – zumindest gemessen an der Warteschlange – war naturgemäß beim ABBA-Museum. Nach einer kurzen Runde ging es direkt wieder zurück in die Altstadt (“Gamla Stan”), wo die nächste Free Walking Tour startete.
Ab zum Länderpunkt Schweden
Stockholm gefiel mir dabei noch einen Ticken besser als Riga, was auch daran lag, dass das Wasser in Form von Flüssen, Häfen oder Buchten nie weit entfernt war. Die Altstadt sowie die Führung konnten ebenfalls überzeugen, sodass ich an dieser Stelle gerne eine Empfehlung für einen Besuch aussprechen möchte. Den neueren Teil der Stadt erkundete ich im Anschluss auf eigene Faust – war auch in Ordnung, die Altstadt konnte aber deutlich mehr punkten. Nach einem kurzen Stop im Hotel – in Schweden sind aktuell keine Taschen in Stadien erlaubt – ging es dann in den Stockholmer Süden zur 3Arena.
Schon Stunden vorher waren in der Stadt immer wieder Hammarby-Fans zu sehen, auf der Anreise in der U-Bahn wurden es natürlich immer mehr. Rund 15 Minuten zu Fuß sind es vom Bahnhof bis zur Spielstätte, diverse gut besuchte Kneipen säumten den Weg. Vorbei an der Avicci Arena (Konzerthalle) ging es dann in das Stadion hinein. Hammarby und Djurgårdens teilen sich die Arena, Erstgenannte fühlen sich aufgrund der Lage hier aber deutlich mehr zuhause. Einer der ersten Eindrücke war die sogenannte Bar Area. In Schweden gibt es in Supermärkten und Co. nur sogenanntes “Folköl” zu kaufen, also Bier mit einem maximalen Alkoholgehakt von 3,5%. Dies darf auch in den normalen Stadienbereichen getrunken werden. Alles was bezogen auf den Alkoholgehalt darüber liegt muss in extra abgetrennten Bereichen konsumiert werden. Sehr positiv war, dass es kostenlose Wasserstationen im gesamten Stadionbereich gab – in Deutschland leider undenkbar.
Starker Support von Hammarby
An meinem Platz folgte dann aber erst einmal ein Wermutstropfen. Ich hatte mich auf perfekte Sicht in der ersten Reihe des Oberrangs mit einer Treppe direkt neben mir gefreut – in der Realität hatte ich aber eine nervige Scheibe direkt vor der Nase. Mit dem Vorfall in München vor kurzem muss man allerdings eingestehen: so eine Einrichtung kann Leben retten… Das Stadion war heute nicht bis auf den letzten Platz gefüllt, sodass ich mit einem kleinen Umzug auch dieses Thema lösen konnte. Die Fans der Gastgeber legten bereits vor Anpfiff mit den ersten Dauergesängen los, beeindruckend war unter anderem die Lautstärke der eingesetzten Trommel. Diese waren bis zu mir auf Höhe der Mittellinie zu vernehmen, entsprechend synchron gestalteten sich die Gesangseinlagen.
Dauergesänge war ein gutes Stichwort – das war das Mittel der Wahl der Hammarby-Anhänger. Die gesamte Spielzeit wurde damit gestaltet, Unterbrechungen bei Liedwechseln dauerten maximal wenige Sekunden und teils wurden die Lieder eine gute Viertelstunde am Stück vorgetragen – ohne dabei die Lautstärke abfallen zu lassen. Wenn überhaupt, wurde es phasenweise richtig laut, wenn auch der Rest des Stadions mit einstieg. Das war schon sehr beeindruckend, auch der Fahneneinsatz und das optische Bild gefielen mir richtig gut. Die Gäste aus dem drei Stunden entfernten Degerfors waren mit ein paar hundert Leuten vertreten, hatten gegen den stimmgewaltigen Heimanhang entsprechend keine Chance.
Erlösender Treffer zum Heimsieg
Auf dem Platz ergab sich ein ähnliches Bild: die Gäste igelten sich um den eigenen Strafraum ein, Hammarby agierte wie eine Handballmannschaft im Angriffsspiel. Da sich aber meistens nur der ballführende Spieler wirklich bewegte, kamen kaum gute Chancen zustande. 0:0 stand es zur Pause – und Teile des Publikums pfiffen zu diesem Zeitpunkt. Im zweiten Durchgang erzielte Kapitän Besara das erlösende Tor des Tages, die Stimmung wurde noch einmal einen Ticken besser. Das Spiel auch, da die Gäste nun gezwungen waren, mehr zu machen, um etwas Zählbares mitnehmen zu können. Ein weiterer Treffer sollte allerdings nicht mehr fallen und es blieb beim 1:0.
Abschließend noch ein kurzer Satz zum Stadion: nicht unbedingt der typische Neubau, weil mit dem verschließbaren Dach durchaus eine Besonderheit zu beobachten ist. Ich war ja aber ohnehin wegen dem Support da und nicht wegen der Architektur. Mit gleich mehreren Ohrwürmern ging es zufrieden zurück ins Hotel – Hammarby kann ich uneingeschränkt weiter empfehlen. Zum Glück sollte es nicht mein einziges Spiel mit HIF-Beteiligung auf der Tour werden. Weiter ging es aber erst einmal nach Oslo.
Groundhopping auf sechzger.de
In den letzten Monaten erschienen bereits einige Groundhopping-Artikel auf sechzger.de. Hier eine Übersicht:
Groundhopping Rumänien
Groundhopping Mazedonien bzw. Nordmazedonien
Groundhopping Armenien
Groundhopping Thailand (Teil I / Teil II)
Groundhopping Ukraine
Groundhopping Kuba
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Groundhopping Indien
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Groundhopping Saudi-Arabien
Groundhopping Antarktis (Südgeorgien)
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Groundhopping Algerien
Groundhopping Türkei
Groundhopping Galicien (Teil I / Teil II)
Groundhopping Madrid (Teil I / Teil II)
Groundhopping Ecuador (Teil I / Teil II)
Groundhopping Albanien















Cooler Bericht! Als hammarby supporter und blauer Deutsch-Schwede finde ich deine Einblicke sehr interessant. Zu stockholm am matchday sei gesagt das im südlichen Teil, södermalm, das grün weisse herz schlägt, vielleicht dich das nächste mal dann darauf konzentrieren. Schade das ich dich nicht im Stadion getroffen habe.
Kleine Anekdote: durch einen Sprachfehler eines Vereinsvertreters in England wurde Hammarby zu Hammarbaj, was heute zu der gängigen Kurzform “bajen” gemacht wurde. Wäre interessant zu wissen ob dich das, gerade durch die sprachliche Nähe zu den unaussprechlichen, verwirrt hat.
Meine Zeit in Stockholm war – wie auch auf der restlichen Reise – ziemlich begrenzt. Daher habe ich mich auf das Zentrum konzentriert. Werde ich aber auf jeden Fall auf meine Liste setzen, war bestimmt nicht mein letzter Besuch in Stockholm. Vielleicht klappt es ja mit einem Treffen beim nächsten Mal!
Das mit Bajen habe ich recht schnell auf den Trainingsjacken gesehen und war gar nicht so leicht herauszufinden, was es damit auf sich hat 😀 Sprachlich hat mich ehrlich gesagt so ziemlich alles verwirrt, weil es mein erstes Mal in Schweden war 😉