Unser Leser Dominik aus Koblenz, der auch bereits bei uns im sechzger.de-Talk zu Gast war (Ausgabe 248 am 2. Februar 2026), hat uns einen Erlebnisbericht zum Groundhopping mit der Eisenbahn in Südeuropa gesendet. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

OS Belenenses und die Parallelen zu 1860

36°C, ein wunderschönes, aber viel zu großes Stadion, Pokale und eine Menge Tradition. Ein Verein, dessen Fans die Höhen und Tiefen durchmachten und trotzdem zu Tausend auf den Rängen versammelt sind. Sie sind wieder da, nach Jahren des Rechtstreits zwischen Verein und sportlicher Gesellschaft ging vor einigen Jahren ebenjene Bankrott, lockte zuvor trotz Profifußballs nur wenige Hundert ins Stadion, während in Liga sechs vierstellig die Massen ins sportliche Rund strömten. Diese Geschichte ist – bei aller Ähnlichkeit – nicht uns, sondern Os Belenenses widerfahren und spielt sich zwischen Hochglanzfußball zweier Vereine in Lissabon ab. Am Startpunkt der großen Reise auf Stahl und Schwellen, wäre dieses Spiel – allein deswegen – ganz oben auf der Liste gestanden, selbst wenn Sporting oder Benfica gespielt hätten.

Hopping-Stationen vor dem Abflug

TP 553, Flughafen BER, Piste 24L – Zwei Spiele unserer großen Hopperreise liegen bereits hinter uns. Es begann mit dem Landespokalspiel zwischen dem VfB Krieschow und dem Gastgeber aus der 7. Liga, SG Einheit Zepernick an der nördlichen Grenze zu Berlin. Während das Ordneraufgebot im Stadion der Jugend einem Regionalligaspiel glich, konnte der DFB Pokal Teilnehmer in einem wenig beschaulichen, ruppigen Spiel mit einem 0:4 das Weiterkommen für sich sichern. Nett anzuschauen, die winzige Holztribüne neben der – mutmaßlichen – Sektion Stadionverbot des BFC Dynamo Berlin. Trotz des Alters bot die Konstruktion guten Schutz vor dem kräftigen Schauer, den das Schiedsrichtergespann zum Anlass nahm, vorzeitig zum Pausentee zu pfeifen.

Zu Gast im denkmalgeschützten Mommsenstadion

Ein paar Tage später ging es von Ost nach West in das denkmalgeschützte Mommsenstadion. Zwei Vereine nennen die Spielstätte aus den 30er Jahren ihr Daheim. Zum einen ex Bundesligist Tennis Borussia Berlin und der SC Charlottenburg, der an jenem Abend sein Heimatspiel gegen Berlin Türkspor 1965 bestritt. Ein umkämpftes Match, dass zugunsten von Charlottenburg mit 3:2 ausging.
Für die Härte des Spiels sprach eine Gelb-Rote Karte für den SCC, der zu dem Zeitpunkt mit 2:0 in Führung lag. Innerhalb der zweiten Hälfte nutzte die Mannschaft in schwarz einen Elfmeter nicht, um vorzeitig alles klarzumachen. Trotz Überzahl konnte Türkspor aus dem Chancenwucher nicht viel Ertrag ernten. Der Anschlusstreffer zum 3:2 in der Nachspielzeit kam zu spät, um einen Punkt mitzunehmen.

Mit dem Silberling durch Portugal

Am nächsten Tag in Portugal angekommen durchlebten wir erstmal das übliche Prozedere, wenn auch die Beschilderung zum Gepäck-Pick-Up viel Aufmerksamkeit erforderte. Nach einem Tag Stadt anschauen und Bootsfahrt war es dann am Sonntag soweit: Um 11:00 sollte der nächste Länderpunkt im Estádio Nacional eingetütet werden. Mein Freund und ich stiegen an jenem Morgen in silberne Wellblechbüchsen, wie man sie stilähnlich auf dem deutschen Schienennetz zuletzt in den 90ern herrumfahren sah. Einen hämischen Vergleich zur BRITA Arena in Wiesbaden bleibt an der Stelle erspart.

Der heruntergerockte Zug, der uns in gemächlichen Tempo die Küste entlang zum Ziel brachte, hatte jedoch seinen eigenen Charme. Ein Piktogramm, dass den “Surfbrettbereich” des Zuges markierte, fiel einem beim Einstieg besonders ins Auge.
Knapper angekommen als geplant, konnten wir kostenfrei das ehemalige Nationalstadion über die offene Ostseite betreten. Von dort aus konnte man auf die sonnengebadete Haupttribüne schauen, die mittels Zelten unterhalb des schlichten Gebäudes aus den 40er Jahren am oberen Rand, minimalst beschattet worden war. Besonders ansprechend und auffällig sind die gebeugten Betonflutlichtmasten unter denen hübsche Toilettenhäuschen stehen, welche sich ebenfalls im Ursprungszustand befinden.

Einst internationaler Glanz – heute dritte Liga

Aus dem Spielertunnel, der – ebenfalls auffällig – rechts neben dem Nordtor unter dem Grün verschwindet, traten einst vor 60 Jahren 22 Mann aus Glasgow und Mailand zum Europapokalfinale 1966/1967 an. Mit 45.000 verkauften Tickets war die Partie am 25. Mai 1967 ausverkauft. Am Ende triumphierte die Mannschaft in grün-weiß mit 1:2.

Nicht ganz ausverkauft war das Spiel um die Tabellenspitze in der portugiesischen, dritten Liga. Verteilt auf die im Schatten liegenden Ränder und die Haupttribüne besuchten in etwa geschätzt 2.000 Besucher:innen das sportlich wenig ansprechende Match. Eine Flanke aus dem Halbraum gegen Ende der Spielzeit, markierte den Siegtreffer für die Gastgeber:innen. Neben eines Lattenkrachers mitte der zweiten Hälfte sollte as kostenlos angebotenene Wasser und der durchgehende, ordentliche Support, sogar mit Wechselgesängen aus den Heimbereichen, nicht unerwähnt bleiben. Die Supporter:innen haben trotz knallender Mittagssonne gut abgeliefert und auch die Gastmannschaft wurde von ihren Fans mit Sprechchören hörbar angefeuert.
Grüße möchte ich an die Herren ausrichten, die mich auf der Rückfahrt an der Bahnstation auf mein Löwentrikot ansprachen. Auf die Löwen!

Ein Deja-vu mit Vitor Pereira

Abends ab “Lisboa Oriente” fuhr der InterCity für keine 30€ p.P. in der 2. Wagenklasse, gut klimatisiert, mit integriertem Sitzplatz uns nach Porto. Wegen der Königsklassenspiele stand die Planung sowieso auf wackligen Beinen, da der Spielplan für Portugal und Spanien erst neun Tage vor Abflug endgültig terminiert wurde. Da waren die Hotels und Zugfahrten aus Angst vor exorbitant ansteigenden Preisen schon gebucht.

Nicht unerwähnt soll aber der Besuch einer netten Lokalität in Porto sein. Als wir die Bestellung unseres Abendessens aufgaben, trug ich weiterhin das Sechzgertrikot aus der Saison 2016/2017, dass ich noch am Vormittag zum Spiel anhatte. Auch der Kellner sprach mich darauf an und zeigte mir prompt ein Foto von sich und Vitor Pereira, der dem FC Porto zur zweimaligen Meisterschaft verhalf. Das aufkommende Trauma spülte ich sogleich mit einer leckeren Sangria herunter. Der Gaston betonte dabei seine Sympathie zu den Löwen und wünschte uns weiterhin viel Erfolg! Obrigado!

Und weiter geht’s nach Spanien

Am frühen Morgen ging es ohne Spiel in Porto oder Braga, aber natürlich wieder mit dem Zug, nach Vigo in Spanien. Auch jene Fahrt im lokbespannten zwei Wagen EuroCity in die spanische Grenzstadt verlief pünktlich, bei wieder günstigen Preisen. Einziges Manko war ein nicht ausgerufener Schienenersatzverkehr, der aber schon vor dem letzten Bahnhof in Valenca auf uns wartete. To be continued…

Groundhopping auf sechzger.de

In den letzten Jahren erschienen bereits einige Groundhopping-Artikel auf sechzger.de. Hier eine Übersicht:

Groundhopping Rumänien
Groundhopping Mazedonien bzw. Nordmazedonien
Groundhopping Armenien
Groundhopping Thailand I
Groundhopping Thailand II
Groundhopping Ukraine
Groundhopping Kuba
Groundhopping Montenegro
Groundhopping Indien
Groundhopping Kirgisistan
Groundhopping Saudi-Arabien
Groundhopping Antarktis (Südgeorgien)
Groundhopping Kolumbien
Groundhopping Indonesien
Groundhopping Laos
Groundhopping Georgien
Groundhopping Sansibar
Groundhopping Transnistrien
Groundhopping Nordkorea
Groundhopping Bulgarien
Groundhopping Senegal
Groundhopping Gambia
Groundhopping Guinea-Bissau
Groundhopping Frankreich
Groundhopping Kosovo & Nordmazedonien
Groundhopping Bosnien
Groundhopping Taiwan
Groundhopping Tunesien
Groundhopping Algerien
Groundhopping Türkei
Groundhopping Galicien (Teil I / Teil II)
Groundhopping Madrid (Teil I / Teil II)
Groundhopping Ecuador (Teil I / Teil II)
Groundhopping Albanien I
Groundhopping Albanien II (Teil 1 / Teil 2)
Groundhopping Schweden (Teil I / Teil II)
Groundhopping Finnland
Groundhopping Norwegen
Groundhopping Litauen
Groundhopping Lettland
Groundhopping Kanada
Groundhopping Sri Lanka
Groundhopping Moldawien
Groundhopping Belgien & Luxemburg
Groundhopping Mexiko (Teil I / Teil II)

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