Bereits kurz vor Ende der vergangenen Drittligaspielzeit bot unser Leser Martin (Blue Coat) beim Gespräch an der Tanke nach einem Heimspiel der Löwen an, für sechzger.de einen Groundhopper-Bericht aus der Hauptstadt Frankreichs zu verfassen. Die Ereignisse des Sommers bei 1860, von denen wir alle ja einigermaßen überrascht wurden, haben dazu geführt, dass der besagte Gastbeitrag nun erst im Herbst erscheint. Was der Qualität und Lesbarkeit des Ganzen natürlich kein Abbruch tut.
Viel Spaß bei einem textlichen Ausflug in die (Vor-)Stadt der Liebe.
Traditionsverein mit altehrwürdigem Stadion
Ein Traditionsverein – einer der ältesten der Stadt. Mit seiner Geschichte untrennbar verknüpft: Das altehrwürdige Stadion, lange Zeit in kommunalem Besitz, ein Ausbau für die höherklassigen Ziele ist dringend notwendig. Dieses Zuhause liegt in unmittelbarer Nähe des vierspurig ausgebauten Straßenrings, mitten in einem Wohnbezirk. Und trotz fortschreitender Gentrifizierung mit einem bis heute hohen Anteil an Menschen mit niedrigen Einkommen und Familien, die hier seit vielen Jahrzehnten eine neue Heimat gefunden und sie mit geprägt haben. Dazu ein Investor mit äußerst zwielichtigem Finanzgebaren und jeder Menge Ignoranz, was Fußball und Fankultur anbelangt.
Nein, die Rede ist heute ausnahmsweise nicht von Münchens großer Liebe, sondern vom ältesten noch aktiven Klub der französischen Hauptstadt, dem Red Star FC Paris, dem viert-ältesten Fußballverein Frankreichs. Von den Fans kurz l’Étoile Rouge (der Rote Stern) gerufen, benannt nach der Atlantik-Reederei Red Star Line. Gegründet 1897, und zwar von Jules Rimet, damals gerade 23 Jahre alt, in einem kleinen Café im 7. Bezirk. Dieser Rimet wurde später weltberühmt: Als Mitgründer und jahrzehntelanger Präsident der FIFA, in einer Zeit, als die Führung dieser Organisation noch keine korrupte, geldgierige Bande war. Rimet gilt auch als “Erfinder” der Fußball-WM, die er als Mittel zur Völkerverständigung sah.
Samstag, 11. April 2026, letzter Tag meines Vier-Tage-Kurztrips nach Paris. Mein Nachtquartier liegt im Norden der Stadt, außerhalb der eigentlichen Stadtgrenzen in der Nähe des Stade de France, dem gigantischen WM-Stadion von 1998 mit seinen über 80.000 Plätzen. Das größte modulare Stadion der Welt wird für Fußball und Rugby nur bei Länder- und Pokal-Endspielen, für Leichtathletik und Konzerte genutzt und bleibt die meisten Tage im Jahr leer.
Nach einer halben Stunde zu Fuß, vorbei an großen Wohnblöcken, Altbestand und Industrieflächen erreiche ich das Vorort-Viertel Saint-Ouen, wo die Wohnbebauung, bis auf den berühmten Flohmarkt und den riesigen Friedhof wieder dichter ist. Ein multikulturell-migrantisch geprägtes ehemaliges Dorf, direkt am nördlichen Rand der eigentlichen Stadtgrenzen gelegen, während der Industrialisierung durch die Arbeiter auf den Docks in der nördlichen Seine-Schleife auf die vielfache Größe gewachsen und zur Vorstadt geworden.
Ich nähere mich der Péripherique, der Stadtautobahn, die Kern-Paris umschließt, biege aber vorher von der breiten Ausfallstraße nach rechts ab in kleine Straßen und Gassen mit vielen Altbauten, hin und wieder aber auch modernen, eingezäunten und teuer wirkenden Wohnkomplexen. Dadurch, dass es in den seit über hundert Jahren eingepferchten 20 Arrondissements von Kern-Paris kaum mehr bezahlbaren Wohnraum gibt, zieht es auch junge Besserverdiener, in Paris spöttisch “BoBos” genannt, in die Außenbezirke. Was zwar für noch mehr Vielfalt und nette Cafés und Bars sorgt, aber auch teilweise für enormen Mietpreisdruck.
Vor zehn Jahren wurde ich eher zufällig und über Umwege auf den Verein aufmerksam und verfolge seitdem die Entwicklung des Red Star Paris FC oder Red Star 93 (die Zahl bezieht sich nicht auf das Gründungjahr, sondern – nicht ohne Stolz – auf die Postleitzahl von Saint-Ouen, eine der vielen Banlieues, deren Bewohner sich ganz klar als Parisien(ne)s oder im Slang auch als “Panames” definieren). Seit 2016 ist die Mannschaft zweimal aus der Ligue 2 abgestiegen, 2024 als Meister der “National” (3. Liga) wieder hoch und im Apil 2026 zum Saisonende auf den oberen Tabellenplätzen der zweiten Liga zu finden. So trifft es sich gut, dass ich endlich einmal ein Red-Star-Spiel in Paris live im Stadion sehen kann: Das Spiel gegen die Korsen vom SC Bastia.
Dass der Red Star FC kein gewöhnlicher Club ist, merkt man, wenn man sich dem Stadion nähert. In Saint-Ouen, am gleichsam unscheinbaren und beeindruckenden Stade Bauer, das eine über hundertjährige Geschichte erzählt.
Zunächst kann ich mich nur an den Flutlichtmasten orientieren. Beim Versuch, das Stadion einmal zu umrunden, muss ich mich auf einen längeren Fußmarsch einstellen, da die Straßen und Sackgassen immer wieder von Wohnblöcken und Baustellen unterbrochen werden. Es lohnt sich aber, die Welt von Saint-Ouen etwas näher kennen zu lernen, und ich habe noch genügend Zeit bis zum Anstoß um 14 Uhr.
Das “Bauer”
Das Stadion selbst ist ein legendärer Ort mit dem rohen Charme eines Hinterhof-Stadions und einzigartiger Atmosphäre. Das Stade Bauer – offiziell auch “Stade de Paris”, hier nennt es aber jeder nur “le Bauer” – steht exemplarisch für die Seele des Vereins: Fast ausschließlich antirassistisch und antifaschistisch eingestellte Fans, Anwohner des Viertels, viele mit Migrationshintergrund, kommen hier zusammen, um den Club zu feiern, egal in welcher Division er gerade spielt.
Das Stadion befindet sich derzeit in der Umbauphase, und das während des laufenden Zweitliga-Betriebs. Es soll ein neues Kapitel seiner Geschichte schreiben: Mit zunächst 10.000 Plätzen – ein weiterer Ausbau auf über 15.000 ist auf lange Sicht in Planung – soll es seine Identität bewahren und gleichzeitig dem Red Star die Möglichkeiten bieten, selbst bei einem Aufstieg in die Ligue 1 dessen geliebte Heimat zu bleiben.
Es liegt an der Rue du Docteur Bauer und ist – wie diese – benannt nach einem jüdischen Arzt, der in der Résistance gegen die Nazi-Besatzung und deren Kollaborateure in Saint-Ouen eine große Rolle spielte. Und am 23. Mai 1942, nach zwei Monaten Foltergefängnis durch die Faschisten ermordet wurde. Bauer hatte keinen seiner Kameraden verraten und wurde nur 31 Jahre alt. Eine Tafel am ehemaligen Wohnhaus der Familie, direkt neben dem Stadion, erinnert an deren Geschichte.
Im Stade Bauer trägt seit 2014 die Osttribüne des Stadions, Heimat der Red-Star-Fans, den Namen “Tribune Rino Della Negra”. Della Negra war ein junger Arbeiter mit italienischen Wurzeln und ein vielversprechender Flügelstürmer, der ab Sommer 1943 ein paar Spiele bei Red Star bestritt. Er entzog sich dem Nazi-Arbeitsdienst in Deutschland und wurde Mitglied einer Résistance-Einheit von bewaffneten Partisanen, die hauptsächlich aus Immigranten bestand und in der gesamten Pariser Region gegen die faschistischen Besatzer kämpfte. Nach einem Schusswechsel bei einem missglückten Überfall auf einen Geldtransport der Hitler-Armee in der Rue Lafayette wurde er gefangengenommen und Anfang 1944 mit 24 Mitstreitern von den Nazis erschossen. Er wurde nur 20 Jahre alt.
Die Geschichte der Befreiung ist hier allgegenwärtig. Im Verein, im Stadion und im Umfeld. Viele der Straßen und öffentlichen Gebäude in der Umgebung sind nach Widerstandskämpfern benannt.
Auch aufgrund seiner Geschichte sorgt der Red Star FC für Bildung und Zusammenhalt seiner Jugend im Viertel. Auch Abseits des Platzes. Seit 2008 ergänzt das Red Star LAB das Nachwuchszentrum mit kostenlosen handwerklichen und künstlerischen Workshops für Kinder und Jugendliche aus dem Viertel.
Red Star Paris und die anderen
An der Straßenecke gegenüber befindet sich die Bar “L’ Olympic”, so etwas wie das Vereinsheim der Fans. Auf dem Trottoir und im Inneraum wimmelt es von Leuten, die auf den Anstoß warten.
Ich komme mit einer Gruppe von Fans ins Gespräch, darunter ein Brite, der seit zehn Jahren in Paris lebt und arbeitet. Er erklärt mir, dass der Anspruch, der älteste Fußballverein von Paris zu sein, immer wieder bestritten wird. In Paris lebende Briten gründeten schon vorher dort Clubs, beispielsweise den Racing Club de France Football 1886, Fußballabteilung ab 1896, heute nur noch im Rugby erfolgreich. Fußball spielt man dort momentan in der National 3 (5. Liga). Ein gewisser Pierre Littbarski heuerte in erfolgreicheren Zeiten (1986/87) dort an. Oder vom Standard Athletic Club Paris 1892, einem recht elitären und bis heute rein britischen Club, nur noch in den unteren Amateurligen zu Hause.
Jedenfalls nimmt der Red Star FC eine frühe Ausnahmestellung ein: Er verankerte, den Industrie-Revieren im Nordosten Frankreichs nacheifernd, die britische Fußballkultur und den ehrlichen Arbeitersport auch in Frankreichs Hauptstadt. Bis ins 20. Jahrhundert hinein spielte man im Schatten des Eiffelturms auf dem Marsfeld, 1910 mussten Verein und Spielfeld dann endgültig in den Vorort Saint-Ouen ausweichen, da die Flächen bebaut und für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt wurden.
Paris-Saint-Germain interessiert mich persönlich als Club eigentlich nur, wenn sie unsere roten Stadtrivalen aus der Champions-League kicken. Wenn es um ein Gegengewicht zu dem Weltkonzern PSG geht, fällt einem vielleicht noch der Paris FC ein. In den 1970ern das zunächst erfolgreichere Abspaltungsprodukt von PSG, mittlerweile mehrheitlich im Besitz der Milliardärsfamilie Arnault unter Beteiligung der österreichischen Limo-Fabrik. Nach langen Jahren in den unteren Ligen und eher bekannt durch Berichte über rechte Hooligans unter den Fans, stieg der Club letztes Jahr in die Ligue 1 auf und versucht sich nun als zweiter Pariser Edelclub zu etablieren. Schönes Logo, modernes Stadion direkt gegenüber von Saint-Germains Parc des Princes, aber definitiv kein Gegengewicht mit konträrer Fanbase oder -kultur.
Neben Berichten von einigen Überläufern aus den untereinander verfeindeten Fankurven von PSG machte auch der letztjährige Wechsel von Eintracht-Torwart Kevin Trapp dorthin Schlagzeilen. Die Saison wurde auf dem elften Tabellenplatz, allerdings im letzten Liga-Spiel mit einem 2:1-Erfolg gegen den Stadtrivalen PSG beendet. Die standen da schon als Meister fest und fokussierten vielleicht eher bereits auf das anstehende Champions-League-Endspiel gegen Arsenal in Budapest Ende Mai, das PSG nach mehreren Dusel-Momenten im Elfmeterschießen 4:3 gewann.
Auch der uns gut bekannte Stadion-Größenwahn hat die Roten Sterne von Paris einmal kurz gestreift: Es gab Anfang des Jahrtausends Pläne, die Red-Star-Heimspiele im riesigen Stade de France austragen zu lassen, was sportlich, finanziell und für die Fans einer Vollkatastrophe gleichgekommen wäre. Zum Glück wurde dieser Unsinn durch die sportliche und geschäftliche Entwicklung und wegen der unüberhörbaren Fanproteste schnell wieder zu den Akten gelegt. Nach ein paar unrühmlichen Episoden in anderen, bis zu 80 km (!) entfernten Stadien in den 2010er Jahren gilt: Red Stars Zuhause ist nur das Stade Bauer in St. Ouen!
Das Kapitel 777, ein Lehrstück über Investoren-Fußball
777 Partners, ein Konsortium von Kapitalgesellschaften mit Sitz in den USA, kaufte im April 2022 den damaligen Drittligisten Red Star FC. Die Übernahme stieß aufgrund der Geschichte des Klubs sowie der Befürchtung, Red Star könnte zu einer Art Talentschmiede für die anderen Vereine von 777 Partners verkommen, auf erbittertern Widerstand, nicht nur bei den Fans, auch in der lokalen und landesweiten Politik.
777 wollte als “Multi-Club-Owner” ein Big Player im Weltfußball werden: Die Berliner Hertha, Genua, Liège, Sevilla, Vasco da Gama, Rio, Melbourne… Als die Firma erfolglos versuchte, den Everton FC zu übernehmen, waren die Fanproteste längst auf dem Höhepunkt. Schließlich war das Firmengeflecht schon nach zweieinhalb Jahren insolvent und 777-Chef Joshua Wander wurde vor dem US-Bundesgericht in Manhattan angeklagt. Er und seine Kumpanen sollen ihr Firmen-Konsortium dazu benutzt haben, Kreditgeber und Investoren um Hunderte Millionen US-Dollar zu betrügen, in dem sie Vermögenswerte, die gar nicht existierten oder bereits verpfändet waren, als Sicherheit für investierte oder geliehene Gelder angaben, so die Anklage des Staatsanwalts. Wander soll dafür sogar Mitarbeiter angewiesen haben, Dokumente zu fälschen. Die Fans sahen sich bestätigt. Es geht um die Vorwürfe der Geldwäsche durch ein weitverzweigtes Betrugssystem und die Verschleppung von Pleiten.
Das gesamte Portfolio wurde inzwischen an die amerikanische Holdinggesellschaft A-CAP verkauft, die aber als Hauptgläubiger selbst eng mit 777 verstrickt ist. Das Ganze ist so undurchsichtig, dass selbst die offiziellen Stellen anscheinend auf der Stelle treten. Und das ist für Viele ein weiteres Mahnmal gegen den modernen Profi(t)fußball und seine Investoren.
„Aktenzeichen 777” ist aber noch immer ungelöst, nicht nur bei Red Star, seit 2025 findet man keine offizielle Stellungnahme zum Stand des Verfahrens mehr. Einige Clubs konnten die 777-Anteile bereits zurückkaufen. Mit Verlusten und neuen Schulden, versteht sich. Das Investoren-Desaster könnte auch der Grund sein, warum sich die Ausbau-Arbeiten am Stade Bauer nun dermaßen hinziehen.
Im Stadion
Durch die für das Spiel freigeräumte Baustelleneinfahrt neben der renovierten Osttribüne schlendere ich zur Personen- und Ticketkontrolle. Ich bin ernüchtert, eine gute halbe Stunde vor Anpfiff ist die Tribüne Della Negra fast leer. Einzig die rechte Hälfte der Südtribüne direkt vor dem futuristischen 70er-Jahre-Sozialwohnungs-Block “Planète Z” ist schon mit den Fans der Gäste aus der korsischen Hauptstadt Bastia gefüllt. Ansonsten mutet die Stadionbaustelle fast gespenstisch an. Die baufällige historische Stahltribüne an der Gegengerade im Westen wurde (leider!) längst abgerissen. Eigentlich sollte hier Ende 2025 schon eine neue errichtet werden, auf dem mit hohen Gräsern bewachsenen Kieswall steht aber lediglich Security-Personal neben einem kleinen Zelt für die Fernsehkameras. Dahinter die Silhouetten von großen Industrie- und Lagerhallen.
Die Tribüne hinter dem anderen Tor im Norden, die fast in das neu entstandene Bürogebäude hineinragt, ist seit einem Jahr weitgehend errichtet, hat aber immer noch kein fertiges Dach, keine Geländer oder sonstige Ausstattung. Leere Betonstufen.
Kurz vor dem Anstoß füllen sich die nutzbaren Tribünen. Auf der nördlichen Seite der neuen Haupttribüne befinden sich momentan die Stehplätze der aktiven Fanszene, jetzt auch mit guter Stimmung, Bannern, Fahnen und Gesängen. Ich finde meinen Sitzplatz auf der anderen Seite der Tribüne, um mich herum Fans aller Altersklassen, neben mir eine Familie mit zwei Kindern, eines davon ein Baby, abwechselnd von Vater und Mutter im Arm gehalten.
In der ersten Halbzeit gibt es nicht viel zu feiern als Red-Star-Fan. Als der Referee zur Pause pfeift, führt Bastia mit 3:1. Der Block der aktiven Heimfans, hier in British-Football-Tradition “Kop” genannt, macht trotzdem ordentlich Rabatz. Auf einem Banner ist zu lesen, was man auch zwischendurch immer wieder hört: “Red Star gibt es nur im Bauer!”
Da ich vorab nur noch eine Art VIP-Ticket inklusive Burger und Getränken erstehen konnte, mache ich mich auf die Suche nach der VIP-Lounge, dem “Bauer Corner”. Und finde erst auf Nachfrage in der betonierten Ecke zwischen den Tribünen ein Partyzelt und einen mobilen Getränkeausschank! Mir gefällt das viel besser, als eine Luxus-Lounge mit Ledersesseln und Champagner. Nur gut, dass es nicht regnet! Im Stehen esse ich meinen sehr guten Veggie-Burger, der mir eilig von irgendwo anders her gebracht wurde und verpasse gleich nach Wiederanpfiff Red Stars Anschlusstreffer. Also schnell wieder auf meinen Platz! Es wird tatsächlich spannend, der Ausgleich fällt und kurz vor Schluss der Siegtreffer für die Sterne! 4:3 nach 1:3-Rückstand! Das Stadion kocht, man ist wieder ganz oben mit dabei.
Im Anschluß wird der 30-jährige Damien Durand von Fans und Mannschaft gefeiert, der in seinem zweihundertsten Red-Star-Spiel drei von vier Toren gemacht hat und darüber hinaus seine Vertragsverlängerung bekannt gibt.
Leider kann ich nicht länger bleiben und gegenüber im Olympic auf den Sieg und neue Freundschaften anstoßen. Mein Zug Richtung München fährt in einer Stunde vom Gare de l’Est und ich muss meinen Rucksack noch holen. Der aus Tunesien stammende Inhaber des Handy-Shops mit Gepäckservice in der Nähe des Bahnhofs sieht meinen Red-Star-Schal, fragt mich, wie das Spiel war und sagt dann übertrieben vorwurfsvoll: “Je n’ai pas pu y aller, car je devais surveiller ton sac à dos pour quelque sous…” (“Ich konnte ja nicht hin, weil ich für ein paar Kröten auf deinen Rucksack aufpassen musste!”).
Wir lachen beide und verabschieden uns fröhlich.
Saisonende und Ausblick
Mit großen Erwartungen startete man in der Folge in die Crunch-Time der Saison. Man gewann zwei Spiele, spielte einmal unentschieden und verlor eines (in Reims). Immerhin konnte man Platz 4 halten, der für die Play-Offs qualifiziert. Das erste k.o.-Spiel gegen den Tabellenfünften aus Rodez ging trotz Heimrecht gleich knapp mit 2:3 verloren. Aus der Traum von Ligue 1, von Derbys gegen die Stadtrivalen PSG und FC, trotz einer sensationellen Zweitliga-Saison, die nur getoppt wurde vom Le Mans FC, den sensationellen Durchmarschierern von der “National”, die – wie Meister ES Troyes AC – direkt ins Oberhaus aufgestiegen sind.
Auch der Kultverein und 10-fache französische Meister aus der Industriestadt St-Étienne hat nach einer 1:4-Niederlage im Relegationsrückspiel gegen Nizza wieder die Chance vertan, in Ligue 1 aufzusteigen. Und zwar Ende Mai in den Relegationsspielen gegen Nizza. Die Mannschaft von der Côte d’Azur wurde dagegen im Mai im Pokalfinale vom RC Lens mit 3:1 besiegt. Und zwar vor immerhin 58.000 Zuschauern im Stade de France in Paris.
Der Red Star FC aus Saint-Ouen hat über die gesamte Spielzeit nicht immer Konstanz gezeigt und in den entscheidenden Spielen zum Saisonende dann nicht mehr punkten können. Trotz aller Unterschiede: Auch das kommt uns Löwenfans aus den letzten Jahren irgendwie bekannt vor.
Ob der authentische Traditionsverein aus der sympathischen Vorstadt von Paris mit dem kleinen großartigen Stade Bauer und der kleinen großartigen Fanbase die große Ligue 1 irgendwie “überlebt” hätte, das steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht war es dafür auch einfach noch zu früh. Eine Gruppe von jugendlichen Fans rief nach dem Bastia-Spiel nicht “Ligue Un!”, sondern lauthals “National, National!”, also “Dritte Liga!”. Wurde da die Mannschaft aus Bastia verspottet? Oder war das eher eine ironische Anspielung auf die begeisternde Saison vor dem Ligue-2-Aufstieg 2024? Immerhin wahrscheinlich das erste und prägendste Erfolgserlebnis für die sehr jungen Fans. So etwas wie: “Red Star für immer, egal in welcher Liga!” Für den Fan-Nachwuchs scheint jedenfalls gesorgt in Saint-Ouen. Auch dank der tollen Arbeit des Red Star LAB.
Mir klingt jedenfalls noch lange im Ohr: “C’est la fierté de nos couleurs / qui nous a donné le ferveur / pour notre équipe et son honneur / à Bauer comme à l’extérieur / et la Tribune reprend en chœur…”
(“Das ist der Stolz unserer Farben, die uns mit Leidenschaft erfüllen, für unseren Verein und seine Ehre, im ‘Bauer’ wie auch auswärts. Und die Tribüne wiederholt im Chor…”).
Ich werde wiederkommen, ins ‘Bauer’. Als ferner Verehrer der Stadtrand-Sterne.
Juré, craché! Versprochen!
Groundhopping auf sechzger.de
In den letzten Jahren erschienen zahlreiche Groundhopping-Artikel auf sechzger.de.
Hier eine Übersicht:
Groundhopping Rumänien
Groundhopping Mazedonien bzw. Nordmazedonien
Groundhopping Armenien
Groundhopping Thailand I
Groundhopping Thailand II
Groundhopping Ukraine
Groundhopping Kuba
Groundhopping Montenegro
Groundhopping Indien
Groundhopping Kirgisistan
Groundhopping Saudi-Arabien
Groundhopping Antarktis (Südgeorgien)
Groundhopping Kolumbien
Groundhopping Indonesien
Groundhopping Laos
Groundhopping Georgien
Groundhopping Sansibar
Groundhopping Transnistrien
Groundhopping Nordkorea
Groundhopping Bulgarien
Groundhopping Senegal
Groundhopping Gambia
Groundhopping Guinea-Bissau
Groundhopping Frankreich
Groundhopping Kosovo & Nordmazedonien
Groundhopping Bosnien
Groundhopping Taiwan
Groundhopping Tunesien
Groundhopping Algerien
Groundhopping Türkei
Groundhopping Galicien (Teil 1 / Teil 2)
Groundhopping Madrid (Teil 1 / Teil 2)
Groundhopping Ecuador (Teil 1 / Teil 2)
Groundhopping Albanien I
Groundhopping Albanien II (Teil 1 / Teil 2)
Groundhopping Schweden (Teil 1 / Teil 2)
Groundhopping Finnland
Groundhopping Norwegen
Groundhopping Litauen
Groundhopping Lettland
Groundhopping Kanada
Groundhopping Sri Lanka
Groundhopping Moldawien
Groundhopping Belgien & Luxemburg
Groundhopping Mexiko (Teil 1 / Teil 2)
Groundhopping mit der Eisenbahn: Südeuropa (Teil 1 / Teil 2)















Hey Martin,
Freut mich, über die aktuelle Entwicklung von Red Star zu lesen.
Ich habe die baufällige historische Stahltribüne noch erleben dürfen – siehe meinen Groundhopping-Artikel hier bei euch:
https://sechzger.de/groundhopping-frankreich-zu-gast-bei-red-star/